Mein BDSM-Blogartikel: „Aber bitte mit Seele?! Das Kennenlernen von Sub und Dom“

FSK 18 – Bitte nur Erwachsene lesen, danke.

Immer wieder kann es im Leben zu Situationen der Neu- und Umorientierung kommen. Eine Verbindung, eine Übereinkunft endet aus irgendwelchen Gründen. Ob seelischer Schmerz oder Erleichterung, Trauer oder Freude, die vielfältigsten Emotionen gilt es nach einem solchen Ende zu reflektieren und zu verarbeiten. Hierbei verwende ich für mich gerne die Metapher eines Schrankes, welcher auf einem Dachboden stehend, gefüllt mit allerlei verschieden großen Schachteln. Diese Schachteln repräsentieren Menschen, Ereignisse und Lebensabschnitte in einem Leben, die bereits der Vergangenheit angehören.

Auf der einen Schachtel mag „Meine Schulzeit“ stehen, auf der anderen „Mein erster Freund“. Und auf wieder anderen Schachteln befinden sich die bisher gemachten Erfahrungen im Bereich der Submission. Idealerweise befinden sich auf all den Behältern auch Deckel, denn nur auf diese Weise sind diese Kisten auch verschlossen und als gewesen kategorisiert. Schwieriger könnte es hingegen werden, wenn eine dieser Kisten oder auch mehrere offen in diesem Schrank des Lebens verweilen. Dieser Sachverhalt zeigt auf, dass das Geschehnis wohl bereits passierte, doch scheinbar noch nicht gänzlich verarbeitet und abgelegt wurde unter der Rubrik „Vergangenes“. So reicht der Atem des Inhalts der offenen Schachteln in die Gegenwart und vermag auch die Zukunft zu färben.

Je mehr Schachteln offenstehen, desto mehr kann die Gefahr bestehen, dass sich Unverarbeitetes anhäuft und ein wirkliches Ankommen im Hier und Jetzt verhindert und unnötig Lebensenergie entzieht.

Wiederkehrend beschäftigt sich im Umkehrschluss die eigene Gedankenwelt mit bereits Gewesenem und vernebelt mitunter den Blick auf das Wesentliche oder vereitelt das Wahrnehmen von neuen Chancen.

So kann es durchaus ratsam sein, Gewesenes zu reflektieren, zu verarbeiten, persönliche Schlüsse daraus zu ziehen und dann der Vergangenheit zuzuordnen und damit endgültig abzuschließen. Sprich, den Deckel auf die Schachtel zu lupfen und diese zu schließen. Gerade beim Kennenlernen und in der Begegnung von und mit neuen Menschen empfiehlt sich dies umso mehr, denn Vertrauen zu entwickeln und sich auf jemanden voll und ganz und ohne Wenn und Aber einzulassen, kann oftmals am besten mit einem freien Geist gelingen und ohne die Gespenster der Ex-Partner im Schlepptau.

Von daher stellt es eine große Wichtigkeit dar, sich ausreichend Zeit für ein gegenseitiges Kennenlernen zu nehmen.

Doch wieviel Seelenleben offenbare ich dem anderen?

Wieviel Seele bin ich bereit zu zeigen?

Nun kann es starten, das spannende Wagnis, sich auf einen unbekannten Menschen einzulassen und diesen in die eigene Welt eintreten zu lassen.

Wie schnell oder langsam kann das Annähern geschehen?

Es kann eine Rolle im Prozess des Zugehens spielen, was jeder an Rahmenbedingungen innerhalb dieser Verbindung sehnt.

Doch kommt es wirklich auf den gesuchten Rahmen an?

Wird dabei unterschieden zwischen einer Spielbeziehung, einer Wochenendaffäre oder einer 24/7-Lebensgemeinschaft?

Wir sprechen hier von BDSM, von einem intensiven Heranlassen eines anderen Menschen in eigene, tiefe Empfindungswelt. Auch wenn die sexuelle Komponente bei einem Treffen im Vordergrund stehen sollte und die mentale Ebene dabei weniger gesucht wird. Möchte nicht jeder Beteiligte gesehen werden, wie er ist und was ihn ausmacht?

Möchte nicht jeder BDSM-Praktizierende das Gefühl erleben dürfen, diese Interaktion geschehe mit ihm und nicht über ihn hinweg?

Außerhalb jeder spielerischen Erniedrigung, möchten da Rollen eingenommen und Erwartungen erfüllt werden? Oder möchte sich jeder Mensch in seinem tiefsten Dunkel angesprochen fühlen?

Führt eine vorherige menschliche Begegnung zu einem ungefilterten Genuss?

Toxischer BDSM – Wird er durch einen achtsamen und empathischen Umgang verhindert?

Hier könnte sich die Spreu vom Weizen trennen. Denn ein von Egoismus und Narzissmus getriebener Dom und eine selbstverliebte und egozentrische Sub haben vermutlich kaum Lust, ihre Handlungsweisen zu hinterfragen.

Wenn der Gehorsam von Sub gleichgesetzt mit Schweigen wird. Was lapidar geschrieben scheint, kann für Sub ernsthaften Stress bedeuten und das Selbstwertgefühl empfindlich schmälern. Die Submission sollte bestenfalls alle Akteure fliegen lassen und ein gutes und glückliches Gefühl implizieren. Auf keinen Fall sollte meines Erachtens BDSM wirklichen seelischen Schmerz verursachen, kommunizierte Auslebungsformen ausgenommen.

Die Bereitschaft meines Gegenübers, offen für Fragen zu sein, kann ein Zeichen für die Integrität und Aufrichtigkeit eines Gegenübers nicht nur im Kennenlernprozess sein. Jeder Mensch besitzt sein ureigenes Tempo, sich anzunähern und Vertrauen fassen zu können. Und ohne Vertrauensbildung kann wohl kein erfüllender und beständiger BDSM entstehen. Dieses Tempo sollte bestenfalls mutig und offen kommuniziert werden, denn Sub und Dom steht dies uneingeschränkt zu.

Nun zur Gretchenfrage: Braucht es Seele im Miteinander von Dom und Sub?

Ich würde diese Frage bejahen. Mein Empfinden ist natürlich subjektiv, geformt von Lebenseinsichten und individuellen Erfahrungen. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Meinung, was sein soll.

Ich möchte gerne erläutern, weshalb es für mich Seele in der Begegnung braucht: Nur wenn ich Seele zulasse, kann ich von meinem Gegenpart gesehen werden. Dann kann Interaktion mit mir als Mensch geschehen, bevor die Sub in mir zum Tragen kommt. Jede Begegnung kann ihren Ursprung im gegenseitigen, gleichberechtigten Kennenlernen des anderen Menschen haben, der sich hinter Sub und Dom verbirgt. Wenn dieser Mensch in all seinen Facetten wahrgenommen wird, wenn dieser Mensch angenommen wird und Akzeptanz findet, wenn dieser Mensch sein darf, wie er wirklich ist und leben darf, was ihn vollends glücklich macht, dann können sich Sub und Dom wahrhaftig in voller Kraft entfalten.

Mein persönliches Fazit zur erfüllt gelebten Submission:

Der Weg des Kennenlernens geschieht zuerst über den Menschen, bevor sich Sub und Dom gewidmet wird. Auch wenn die Facetten als eine Einheit scheinen, so sind die wenigsten Beteiligten ausschließlich Sub und Dom. Wir sind alle auch Menschen.

Vielleicht sind wir auch Eltern oder berufstätig, vielleicht haben wir noch anderweitige Verpflichtungen oder verschiedenste Stimmungen in uns, außerhalb der Welt des BDSM. Jeder von uns bringt ein komplexes Zusammenspiel an äußeren und inneren Faktoren mit sich, das uns erst zu dem Menschen werden ließ, der wir in der Gegenwart sind.

Die eigene Sexualität ist nur eine von vielen Facetten, die uns ausmachen.

Ist es nicht wundervoll, in allen Facetten gesehen und gleichsam von unserem Gegenüber angenommen zu werden, egal in welchem Rahmen und wie oft sich begegnet wird?

Oder irre ich mich diesbezüglich? Was meint ihr?

Geschrieben von: Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

Meine Fetisch-Kurzgeschichte: Lucia und Amber

  • FSK 18/ Bitte nur Erwachsene lesen, danke!

Teil 1

Lucia fehlte schlichtweg der Mut. Sie bewunderte die Topmodels in den Hochglanz-Zeitschriften, die ausgefallene Frisuren trugen und sich experimentierfreudig und farbenfroh zeigten. Für sie war das nichts und würde wohl immer ein Traum bleiben. Spitzen schneiden und vielleicht ein paar Highlight-Strähnen, mehr traute sich Lucia nicht zu. Es war nicht so, dass ihr nicht Tipps unterbreitet wurden, wie sie optisch mehr aus ihrem Typ herausholen konnte. Ihr Friseur gab sich in seiner Überzeugungsarbeit alle Mühe. Doch Lucia trug letztendlich stets den gleichen Haarschnitt und die gewohnte Haarfarbe brünett. Sie war Anfang Dreißig und das vielbesagte graue Mäuschen, dem weder Männer hinterher schmachteten, noch Frauen neidvoll nachblickten. Eine ganz gewöhnliche Frau, die im Strom der Menschenmenge verschwand. Ungesehen.

Mist! Wann habe ich eigentlich aufgehört, etwas aus meinem Typ zu machen? Ok, ab und an raffe ich mich auf, eine Runde joggen oder schwimmen zu gehen. Doch ganz ehrlich, das war es dann schon. Ich schminke mich nicht und trage kein besonderes Parfum oder aufregende Garderobe. Meine alten, verwaschenen Jeans habe ich satt. Gepflegt bin ich zu jeder Zeit, das ist mir wichtig. Lackierte Finger- und Fußnägel bleiben aber eher die Ausnahme. Dabei habe ich eine akzeptable Figur, wie ich finde. Ein zarter Busen füllt meinen BH aus, und ein knackiger Apfelpo drückt gegen meine Hose. Meine Haare reichen bis zu meinen Schultern und sind lockig. Die Locken stören mich. Zu kurz darf ich sie nicht schneiden lassen, sonst stehen mir die Haare kraus ab. Ein wahrer Alptraum! Zu lang dürfen die Locken allerdings auch nicht sein, sonst schluckt die Haarpracht förmlich mein schmales Gesicht.

Und so seufzte Lucia an diesem Dienstagmorgen sehnsüchtig auf, als sie im Wartezimmer der Praxis ihres Hausarztes saß und die Illustrierten durchblätterte.  Sie hatte sich neulich wohl verkühlt, denn ihr Nacken war ganz steif. Vorsichtshalber wollte sie das gesundheitliche Problem ärztlich abklären lassen. Wie bei ihrem Styling ging Lucia in Sachen Körperlichkeit auf Nummer sicher.

Auf einmal fiel ein Schatten auf den Artikel, den Lucia las. Sie blickte verärgert empor. Wer sich wohl erdreistete, an ihr durchzuzwängen, wo es doch genügend freie Plätze auf der gegenüberliegenden Seite gab? Da verfing sich Lucia in einem Paar bezaubernden, blauen Augen, die ihre Erscheinung musterten, in aller Ruhe und fein säuberlich. Erst skeptisch prüfend, dann wohlwollend einladend. Lucia wurde es unbehaglich zumute, und sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her.

Die Person, die sie so genau in Augenschein nahm, war eine Frau mittleren Alters, mit langen, blonden Haaren und einem hübschen, unverbrauchten Gesicht. Sie trug einen enganliegenden Latex Rock, der glänzend schimmerte und ihre sinnlichen Kurven stilvoll betonte. Lucias Blick blieb an dem außergewöhnlichen Kleidungsstück hängen. Latex. Sie war irritiert. Warum bemerkte sie das überhaupt? Und warum rieselte ihr ein prickelnder Schauder den Rücken herab, je länger sie den faszinierenden Stoff anstarrte? Latex – pervers und anstößig. Nichts für eine anständige Frau, wie sie eine war, oder? Zugegeben, die Körperform der anderen Frau hob die besondere Beschaffenheit des Materials gekonnt hervor. Sie sah sehr verführerisch darin aus. Für Lucia jedenfalls würde solch ein raffinierter Rock nie in Frage kommen. Zu sehr richtete sie sich nach der Meinung anderer Zeitgenossen und stand ungern im Mittelpunkt. Das graue Mäuschen eben.

Egal. Lucia schob den unangenehmen Gedankengang beiseite und lenkte ihren Blick auf die Strumpfhose der Frau. Das Kleidungsaccessoire erschien ebenso extravagant wie ihre Bluse, die einen einladenden, prallen Ausschnitt präsentierte. War die Zurschaustellung der Brüste um diese Tageszeit nicht etwas zu gewagt? Diese Frau weckte gemischte Gefühle in Lucia. Einerseits stieß Lucia der auffällige Kleidungsstil der Dame ab, andererseits faszinierte sie das Selbstbewusstsein, mit der sie ihre Figur betonte, die keinem gängigen Schönheitsideal entsprach.

Warum der eindringliche Blick der anderen Frau Lucia so in Verlegenheit brachte, konnte sie sich nicht erklären. Etwas Unergründliches durchzuckte sie. „Wann hast du deine Musterung beendet? Meine Knie werden allmählich weich.“ Grinste die blonde Schönheit, als Lucia vor Verlegenheit schnell ihre Augen senkte. Grazil stöckelnd ging sie auf den Stuhl zu, der sich direkt neben Lucia befand.

Argwöhnisch sah Lucia zur Seite, ignorierte dabei das schmerzhafte Ziehen im Nacken und folgte den anmutigen Bewegungen, als sich ihre Sitznachbarin anlehnte, einen Schminkspiegel aus der Handtasche entnahm und mit einem Lippenstift die dunkelroten Lippen nachzog. Ihre Eleganz verlieh ihr eine besondere Würde, die in einem eigentümlichen Kontrast zu ihrem provozierenden Style stand. Lucias Interesse war geweckt, auch wenn sie sich das ungern eingestand. Neid regte sich, denn alle ersehnten Eigenschaften sah sie in der Frau vereint, die soeben ihren Lippenstift und Schminkspiegel wieder in der Handtasche verstaute.

Schminken, so eine Sache! Das letzte Mal schminkte ich mich als Teenager, als mich ein Junge aus der Oberklasse ins Kino einlud. Der Film war allerdings spannender als der junge Mann, weshalb meine Bemühungen, ihm zu gefallen, umsonst waren.

„Ich mache das für mich, musst du wissen.“ Lucia wurde aus ihren zynischen Gedanken gerissen und sah zu der Frau an ihrer Seite, die sie angesprochen hatte. Konnte sie etwa Gedanken lesen? Verwirrt runzelte Lucia ihre Stirn. „Wie bitte? Was meinen Sie?“ Hakte Lucia nach, Überlegenheit demonstrierend.

Unbeeindruckt des Umstands, dass sie gesiezt wurde, sprach die Frau klar und in Ruhe weiter: „Das Schminken. Ich mache es nur für mich. Nicht für einen Mann, nicht um jemandem zu gefallen. Wenn ich mich schminke, schenke ich mir selbst Zeit.“

Lucia wurde ganz still. Die Worte der auffälligen Dame regten Denkprozesse in ihr an, die verschüttet zu sein schienen.

Zeit, die ich mir selbst schenke. Wie oft habe ich mir das in den vergangenen Jahren vorgenommen? Wie wenig habe ich mir selbst etwas Gutes getan? Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Egoistisch zu wirken, ist mir ein Graus. Doch bin ich selbst bezogen, wenn ich achtsam mit mir umgehe?

Als Lucias Gedanken drohten, immer finsterer zu werden, streckte ihr die freundliche Frau auf einmal ihre Hand entgegen. Perfekt manikürte, lange Fingernägel baten um Annahme. Na toll! Lucia genierte sich, dass ihre Hand unscheinbar im Vergleich zur anderen wirkte. Zögerlich griff sie zu und erwiderte zaghaft den Händedruck. „Hallo, ich heiße Lucia.“ Obwohl sie nicht nach dem Namen ihrer Sitznachbarin fragte, entgegnete diese: „Freut mich dich kennenzulernen. Ich heiße Amber.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: „Amber ist der Name meines wahren Ichs. Geboren wurde ich als Silke. Du kannst dir gerne aussuchen, wie du mich nennen willst, Lucia.“

Ambers unvoreingenommene Herzlichkeit tangierte einen sensiblen Punkt in Lucia und berührte sie zutiefst. Diese Frau, die sie als Konkurrentin eingestuft und mit Vorurteilen belegt hatte, nahm sie vorbehaltlos an. Einfach so. Ohne Wertung, ohne Verurteilung, ohne Spott. Lucia wurde nie zuvor von einer anderen Frau mit einer solchen Wärme und Wertschätzung willkommen geheißen, die nicht eine bestimmte Absicht mit ihrem Verhalten verfolgte. Scham breitete sich in ihr aus, dass sie Amber noch vor ein paar Augenblicken mit negativen Sichtweisen abgehandelt hatte. Dann umspielte ein Lächeln ihre Lippen, als sie die Bedeutung Ambers Worte erkannte. „Dein wahres Ich?“ Hakte sie nach.

Ambers Gesichtsausdruck wirkte zuvorkommend, als sie feststellend fragte: „Da du das äußerst, nehme ich an, du hast dich noch nicht gefunden?“ Da bemerkten beide Frauen, dass sich ihre Finger seit dem Vorstellen umfingen. Das Eis war nunmehr zwischen ihnen gebrochen, die unsichtbare Barriere verschwunden. Lucia sinnierte über Ambers ernste Frage. Nachdenklich verlor sich dabei ihr Blick in der Ferne. In ihrem Seelenleben suchte sie nach einer Antwort.

Habe ich mich gefunden? Oder suche ich mich noch?

Vielsagend formten sich Lucias Worte: „Es gab noch keine Hand, die mich aufrichtig hielt und verantwortungsvoll führte, Amber.“

Die unerwartete Tiefe des Gesprächs vermischte sich mit einer Vertrautheit, die vollkommen im Moment verweilen ließ. Lucia wurde bereits das zweite Mal von der Sprechstundenhilfe aufgerufen, bevor ihr Name zu ihr durchdrang. Wie aus einer Trance erwachend, sprang sie hastig auf, um ihren Hausarzt nicht unnötig warten zu lassen. Der plötzliche Schmerz in ihrem steifen Nacken erinnerte sie daran, warum sie die Arztpraxis aufgesucht hatte. Verdammt, keine ruckartigen Bewegungen! Nicht auffallen, das hatte sie perfektioniert. Ambers Handgriff, der noch immer bestand, veranlasste Lucia, augenblicklich innezuhalten.

„Süße, es wird Zeit, dass die Leute mal auf dich warten.“ Verwirrtheit erfasste Lucia und ließ ihren Pulsschlag erhöhen. „Wenn du es zulassen und mir vertrauen kannst, werde ich deine Hand halten. Ich will dir eine Welt zeigen, die du noch nicht kennst. Eine Welt, die dich bereichern wird. Eine Welt, die dich gefangen nehmen wird. Eine Welt, die dich zu deiner Mitte lenkt.“ Verheißungsvoll fügte Amber flüsternd hinzu: „Und eine Welt, die dir unglaubliche Orgasmen schenken wird. Möchtest du das?“ Lucia war nicht in der Lage, sofort zu reagieren. All diese eindringlichen Worte Ambers, sie kamen nur bruchstückhaft in ihrem Verstand an. Doch ihr Herz pochte heftig. Etwas Unwiderrufliches vollzog sich. Ebnete den Weg für ein Gefühl, das sich schon lange Bahn brechen wollte und nun endlich ein Portal fand, um entweichen zu können.

Ungeduldig rief die Sprechstundenhilfe ein drittes Mal ihren Namen auf. Da übermannte Lucia eine Welle des Trotzes. Ihr Konter kam mit fester Stimme: „Der Herr Doktor kann warten. Schließlich musste ich gerade über eine Stunde auf ihn warten.“ Stille.

Alle Anwesenden richteten unverzüglich ihr Augenmerk auf sie. Fassungslos. Der Arzthelferin blieb konsterniert der Mund offenstehen. Lucias Wangen begannen, tiefrot zu glühen.

Habe ich das soeben wirklich gesagt? Ich, die Unauffällige? Das entspricht doch nicht meinem Naturell, selbstbewusst zu sein. Oder?

Da spürte Lucia Ambers liebevolles Lächeln auf sich ruhen. Ihre neu hinzugewonnene Freundin bestärkend, richtete sie sich humorvoll an die anderen Patienten: „Recht hat sie! Schließlich müssen wir Frauen den Männern zeigen, wo der Hammer hängt, nicht wahr?“ Einige Wartende brachen ob dieser Schlagfertigkeit in Gelächter aus, andere schüttelten verständnislos den Kopf.

Lucia wäre am liebsten im Erdboden versunken. Warum war da nie ein Loch, wenn man eines brauchte? Als sie daraufhin gedanklich alle Arztpraxen in der Gegend durchlief, um diese hier vor lauter Unsicherheit nicht mehr aufsuchen zu müssen, streichelten Ambers Finger die Innenseite ihres Handgelenks. Das darauffolgende prickelnde Sehnen, das sich in ihrem Unterleib ausbreitete, beförderte Lucia in die Wirklichkeit zurück.

Seit wann begehre ich Frauen?

Von der plötzlich aufkommenden Erregung überwältigt, brachte sie stammelnd hervor: „Ich muss jetzt gehen. Es war schön, dich kennenzulernen.“ Noch immer hielt Amber ihre Hand. Die Welt stand nochmals still, als sie erneut in den Augen des jeweils anderen versanken. Da löste Amber die Berührung, griff in ihre Handtasche und reichte Lucia eine Visitenkarte.

„Für dich, meine Liebe. Du darfst mich anrufen, sobald du dir über die Antwort auf meine Frage im Klaren bist. Ich werde da sein, wenn du es weißt und dein Reiseführer sein.“ Mit zitternden Fingern nahm Lucia die Visitenkarte entgegen und steckte sie zügig in ihre Hosentasche, um nicht erneut die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Als sie sich zum Gehen wandte, ließ sich Ambers Stimme erneut vernehmen. Zärtlich wisperte sie: „Blaue Haare. Lang. Bis über deine Brüste reichend. Das wäre die perfekte Perücke für dich. Du wärst ein geiles, dreckiges Miststück.“

Lucia rannte förmlich aus dem Wartezimmer und beachtete Amber nicht weiter. Ihre Kopfhaut brannte. Intensive Worte, die ein Feuer in ihr entfachten. Verdammt seist du, Amber! Lucia konnte nicht mehr denken. Noch drangen die gesprochenen Worte nicht in voller Tragweite in ihr Bewusstsein vor. Doch sie würden Gestalt annehmen. Die versaute Disziplinierung der Anwärterin würde geschehen. Dessen war sich Amber sicher.

Wie Lucia wohl die roten Latex Dessous und der schwarze Latex Slip mit eingearbeitetem Anal Dildo gefallen würden? Oder würde sie Lucia in einen Leder Bondage Ganzkörpersack stecken und ihre Feminisierung mit Latex Handschuhen und Lack Kleid vorantreiben? Ambers Kopfkino lief auf Hochtouren. Sie konnte nicht ahnen, wie sehr Lucia ihren Fetisch für Latex entdecken und was für ein verruchtes Fickstück sie werden würde. Für sich – und einige andere Personen.

Geschrieben von: Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

Mein BDSM-Blogartikel: Der Dom – Ernährungs- und Fitnesscoach?

In letzter Zeit begegnen mir in den sozialen Netzwerken vermehrt Beiträge von weiblichen Subs, die über besondere Aufgabenstellungen ihrer Doms erzählen. Dabei bestehen die geschilderten Aufgaben aus Sportübungen und Ernährungsvorgaben, welche die Subs aufgetragen bekommen und bemüht sind, diese zu erfüllen. Oftmals folgten diesen Erzählungen Gewichtsprotokolle, und Sub berichtete von ihren Abnehmerfolgen oder Misserfolgen.

Diese Bewegung, bzw. dieser Trend fiel mir zuvor nicht auf. So wurde ich neugierig und suchte das Gespräch mit den Subs, die über ihre Erfahrungen diesbezüglich sprachen. Mir wurde geschildert, dass diese Aufgabenstellungen fast nie von den Subs ausgehend artikuliert wurden, sondern von den Doms an sie herangetragen wurden. Einige, so sagten sie, freuten sich über die Sichtweise ihres dominanten Gegenübers und nahmen diese zum Anlass, ein besseres Körperbewusstsein zu entwickeln und achtsamer im Umgang mit ihrer Ernährung zu sein. Andere wiederrum fühlten sich durch die Sportaufgaben gekränkt und minderwertig, doch kommunizierten dies nicht offen aus Angst vor Zurückweisung oder dem Gefühl, als nicht ausreichend wahrgenommen zu werden.

Die Aussagen der Subs stimmten mich nachdenklich. So kam ich auf die Idee, meine ganz subjektiven Gedanken zu diesem derzeitigen Phänomen aufzuschreiben. Meine Gedanken sollen nicht werten oder verurteilen, sondern bestenfalls eine Tendenz einfangen und vielleicht ein Denken in Gang setzen, das den Ein oder Anderen bereichern kann. Das würde mich freuen!

Meinem Empfinden nach liegt es in der Natur eines devoten Wesens, gefallen zu wollen. Die Bereitschaft zu Dienen ist tief im Bewusstsein verwurzelt und schenkt Frieden. Dabei kann es zum persönlichen Glück werden, sein dominantes Pendant zufrieden zu stellen. Es kann der devoten Seele Glückseligkeit schenken, den gestellten Aufgaben des Doms zu dessen Zufriedenheit nachzukommen. Gleichsam kann es Dom mental und geistig zutiefst befriedigen, wenn er seine Aufgabenstellungen, die er sich mit Engagement und Einsatz für seine Sub überlegt, ernstgenommen weiß.

Aufgaben können Mittel zur Disziplinierung, Erniedrigung, Erziehung, Belohnung und Strafe sein. Diese zu gestalten und zu stellen und im Umkehrschluss diese anzunehmen und zu bedienen kann in vielen Dom-Sub-Beziehungen einen festen Bestandteil im Miteinander einnehmen. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, so lange beide Partien in gegenseitigem Einvernehmen agieren und zum Wohle des anderen. Egozentrik und Egoismus sollten hier selbstverständlich nicht tangiert werden, weder bei Dom noch bei Sub, was selbstredend für alle Bereiche einer BDSM-Vereinigung gelten sollte.

Körpermodifizierung, sei es durch Kleidung, Accessoires, kosmetische Behandlungen, Piercings oder Tattoos, ist vermutlich nichts Neues und kann ein wundervolles Feld von spannenden Möglichkeiten eröffnen. Doch wo verlaufen hierbei die Grenzen? Gibt es überhaupt Grenzen? Oder ist die bedingungslose Hingabe der wahre Kern eines devot veranlagten Menschen? Beinhaltet die Bereitschafft zum Kontrollverlust nicht nur die Übergabe des Körpers in gewissenhafte Hände im Ist-Zustand, sondern auch in angestrebte Zustände?

Ein interessantes Thema, wie ich finde. Zudem stellen sich mir dabei auch Fragen zur seelischen Beschaffenheit aller Beteiligten. Was macht es mit Sub, wenn Dom ihr ein Ernährungskonzept erstellt, um dass sie eine Kleidergröße verliert? Ist es, wie wenn er ihr einen Besuch bei der Kosmetikerin gönnt oder ein aufregendes Dessous?

Gleichsam kamen in mir auch Gedanken auf, welche Intention bei einem Dom mitschwingen könnte, der Sport- und Ernährungsaufgaben konzipiert. Geht es dabei um das Wohl der Sub oder um die Erfüllung eines eigenen optischen Ideals?

Leider konnte ich zum Zeitpunkt meiner Recherche keinen Austausch mit einem dominanten Menschen zu diesem Thema finden, was ich sehr schade fand. Dieses Thema scheint wohl tiefe Gefühlsebenen zu berühren.

Je länger ich darüber nachdenke, ob mein Dom auch mein Fitness- und Ernährungscoach sein kann, wenn er es denn möchte, formt sich in mir folgender Gedanke:

Vielleicht macht es den Ausschlag solcher Aufgabenstellungen, wer von beiden diese in die Wege leitet. Wenn in einem der lange Wunsch nach körperlicher Veränderung gereift ist, es jedoch der Anreize von außen bedarf, um diese umzusetzen, kann es Sub sehr glücklich machen, wenn Dom sich ihrer Wünsche annimmt. Ein enges Begleiten durch tägliche sportive Tätigkeiten und einem Ernährungsplan kann dann mitunter helfen, um die ersehnte Veränderung herbeizuführen.

Ich persönlich fände es grundsätzlich schön zu wissen, dass mich ein Dom in jedem Ist-Zustand annimmt, auch wenn ich gerade mit mir unzufrieden sein sollte. Es kann unglaublich schön sein, wenn dich ein anderer Mensch um deinetwillen bejaht, unabhängig deines Aussehens, deines Gebens oder vermeintlich vorhandener charakterlicher Schwächen. Mit diesem Grundstein eines Miteinanders kann eine wundervolle gemeinsame Reise beginnen, selbstverständlich auch jenseits jeder Sexualität.

In meinem Empfinden könnte es hingegen Schwierigkeiten generieren, wenn Sub sich verändern soll, da sie nicht dem optischen oder charakterlichen Ideal des dominanten Parts entspricht. Sei dies nun in Bezug auf ihre Haarfarbe, ihre Figur oder ihre Eigenarten. Es kann sehr erfüllend und auch lohnenswert sein, an individuellen Mängeln zu arbeiten wie zum Beispiel dem der Ungeduld oder dem der unkontrollierten emotionalen Ausbrüche.

Wobei auch diese vermeintlichen Mängel eine Kehrseite haben wie die zwei Seiten einer Medaille und den Menschen zu dem Individuum werden lassen, das er ist.

Wann nehmen wir einen Menschen an und wann implizieren wir dessen Veränderung?

Ein Gedankengang fühlt sich dabei gut für mich an: Wenn der Mensch diese Veränderung in sich trägt, ob bewusst oder unbewusst und diese zu seinem Wohl geschieht.

Dabei nimmt der dominante Part eine beachtliche Verantwortung auf sich, denn jede Form der Umorientierung verbirgt intensive psychische Prozesse, die um gewissenhafte Begleitung bitten. Dieses Pfand des Vertrauens ist ein großes Geschenk und gleichsam auch eine Bürde und das für alle Involvierten.

Was sich zunächst einfach anhört, kann wohl harte Arbeit bedeuten. Nicht umsonst gibt es die Berufe des Fitnesstrainers und des Ernährungscoachs. So nebenbei ist eine Körpermodifizierung nicht getan und auch nicht mit einer einmalig gestellten Aufgabe erledigt. Dieser Prozess in Bezug auf das Körpergewicht ist komplexer, als vielleicht angenommen werden könnte. Mit „Dann esse doch weniger“ ist den Wenigsten geholfen. Das Einwirken auf die körperliche Betätigung und die Ernährung eines Menschen lösen ganzheitliche Stoffwechselreaktionen hervor, die demjenigen schlimmstenfalls auch schaden können. Und hier wäre für mich eine Grenze erreicht, nicht nur in der Welt des BDSM.

Wie bei allem im Leben gibt es vermutlich nicht den einen Weg, sondern viele Richtungen und Verzweigungen. Mit am Wichtigsten bleibt wohl der Wert der Kommunikation miteinander, um sich innerhalb solcher Dynamiken nicht gegenseitig zu verlieren.

Bitte achtet aufeinander, dann kann vieles möglich werden! Auch der Dom als Fitness- und Ernährungscoach.

                                                   Geschrieben von Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Gastartikel erotische Kurzgeschichte: „Feierabend“

Ein wundervoller Lesegenuss des Gastautors „Steven“, der uns hier mit einer erotischen Geschichte verwöhnt. Vielen lieben Dank dem Gastautor für das Schenken seiner spannenden Gedankenreise!

Bitte nur Erwachsene lesen – FSK 18. Gastbeiträge als auch meine Beiträge unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Erlaubnis des Autors nicht vervielfältigt werden. Danke.


Beginn Gastartikel – FSK 18:

Jack saß in seinem grauen Anzug gekleidet in dem britischen Ledersessel vor dem Kamin.
Er trank einen Cinzano Tonic mit Eis und genoss sichtlich seine Zigarette, als die Tür aufging und seine Frau hereinschlenderte.

„Alles gut Jack?“ Fragte sie ihn und ging langsam auf ihn zu.

Er schaute sie an und fragte: „Friseur, Schuhgeschäft?“

„Friseur und Fußpflege, sonst nichts, mein Lieber.“ Entgegnete sie ihm.

„Du willst doch auch, dass ich morgen auf der Cocktail Party gut aussehe, nicht wahr Schatz?“

Jack musterte sie von oben bis unten. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht.

Dann stellte sie ein Bein auf die Lehne vom Sessel, legte ein laszives Lächeln auf und rollte ihren halterlosen Strumpf langsam nach unten. Jack genoss den Anblick, verharrte dennoch in einer stoischen Ruhe. Schnell wechselte sie das Bein und wiederholte den Vorgang mit dem anderen Strumpf und dem gleich heißen Lächeln.

Als der Strumpf unten war, stieß sie ihn ab, in dem sie ihn leicht auf seinen Schoss kickte. Jetzt wies sie ihn auf die wunderschönen Beine und lackierten Zehen hin, während sie ihren Oberkörper leicht zurückfallen lies, ihr Haar öffnete und den Kopf leicht aufschüttelte.

Nun sah Jack ihre wunderbaren langen Beine und das betörende Rot der neuen Nägel, während ihm ihr orientalisch duftendes Parfüm in die Nase stieg. Jack musterte diese Szene für einen Moment, nahm noch einen tiefen Zug an seiner Zigarette, bevor in ihm die Begierde aufstieg.

Blitzschnell drückte er die Zigarette aus, sprang wie ein Tiger auf der Jagd auf, packte sie fest, dennoch behutsam am offenen Haar und…

Geschrieben von: Steven

Symbolbild

Meine Fehlgeburt: Die Reise eines Sternchens, Teil 1

Es war beunruhigend. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich schon seit einiger Zeit. Meine Schwangerschaftssymptome stagnierten seit ein paar Tagen. Ich war schwanger, Ende des dritten Monats und hatte bereits eine süße Tochter, kannte also den Zustand einer Schwangerschaft. Von daher erinnerte ich mich an den letzten Verlauf und wurde stutzig, als die Übelkeit allmählich weniger wurde und meine Brüste weniger spannten. Nun ist das ja so eine Sache mit unangenehmen Gedanken, die aufkommen. Diese Schwangerschaft war eine Wunschschwangerschaft. Der Wunsch nach einem Kind, das leben darf, vielleicht sogar mich überleben. Ich wusste, dass meine süße Tochter irgendwann sterben würde. Ihr Schicksal war mit dem Tag ihrer Geburt besiegelt, da sie mit einem Gendefekt und schweren Herzfehler geboren wurde. Ihre Lebenserwartung betrug laut Statistik drei Wochen, im besten Fall ein Jahr. Diese Schwellen hatte sie schon überschritten, was freute und gleichsam bangte. Das Damoklesschwert ihres Todes schwang unbarmherzig.

Eine erneute Schwangerschaft war scheinbar mutig. So wurde es mir jedenfalls oft von Menschen in meinem Umfeld mitgeteilt. Warum das so sein sollte, konnte ich wohl nachvollziehen, doch keineswegs verstehen. Manches Mal begegnete mir auch Unverständnis, nochmal das Schicksal heraufbeschwören zu wollen. Wie schnell die Menschen doch urteilen, ohne sich wirklich mit einem Sachverhalt und noch weniger mit einem Menschen auseinanderzusetzen. Doch dies ist ein anderes Thema an anderer Stelle.

Auf jeden Fall freute ich mich über die Maßen über diese Schwangerschaft und mein Kind wäre vollkommen willkommen gewesen, sei es nun gesund oder krank geboren worden. Wie das auch schon bei meiner lieben Tochter, meinem späteren Sternchen, der Fall war und immer sein würde. So stand der Termin einer Vorsorgeuntersuchung an. Es war der zweite nach Bestätigung meiner Schwangerschaft. In der ärztlichen Betreuung fühlte ich mich rundum aufgehoben. Es war ein anderes Team als bei meiner ersten Schwangerschaft, doch sie wussten über mein beeinträchtigtes Kind und meiner Sehnsucht nach dieser Schwangerschaft.

Den ganzen Tag über hatte ich bereits ein flaues Gefühl im Magen. In Worte fassen konnte ich dieses Empfinden nicht. Es war wie eine ungute Vorahnung. Als ich den Wagen vor der Klinik parkte, überkam mich eine Welle der Sorge, dass etwas Schlimmes geschehen könnte. Kein schönes Gefühl. Doch ich beruhigte mich gedanklich und schob es beiseite, atmete tief durch und meldete mich an der Rezeption an. Zum Glück war die Wartezeit kurz. Umgeben von all den Schwangeren, die liebevoll ihre dicken Bäuche streichelten, drückt ein ungutes Gefühl noch schwerer. Mein Name wurde aufgerufen. Ich folgte der netten Arzthelferin in einen Untersuchungsraum, der angedunkelt war. Sie bat mich, mich untenrum frei zu machen und mich auf den Gynstuhl zu legen, der Doktor würde gleich kommen. Eigentlich mochte ich diese Vorgehensweise nicht, doch ich wusste, dass wohl viel Notfälle waren und das medizinische Team schlichtweg Zeit sparen wollte. Also gehorchte ich, entkleidete mich untenrum und nahm auf dem Stuhl Platz.

Symbolbild

Es dauerte doch noch eine Weile, bis der vertraute Chefarzt zu mir kam, in Begleitung einer Arzthelferin. Diese drapierte mich, während der freundliche Arzt eine Entschuldigung aussprach, heute wenig Zeit mitzubringen. Er agierte sehr rücksichtsvoll und stets empathisch: ich fühlte mich in seiner medizinischen Betreuung sehr wohl. Dann fragte er mich, ob ich mich gut fühlte und wie meine Schwangerschaft bisher verlief, ob ich Beschwerden hätte. Ich sagte ihm, dass meine Symptome etwas nachgelassen hätten und ich es aus meiner ersten Schwangerschaft anders kannte. Etwas flackerte in seinem Blick auf. Doch er lächelte mich gütig an. „Jede Schwangerschaft ist anders, das muss nichts Schlimmes bedeuten, machen Sie sich keine unnötigen Sorgen. Sorgen sind nicht gut für Schwangere.“ Wie einfühlsam er doch war. Ein großartiger Mediziner. „Dann wollen wir mal schauen, wie es Ihrem Liebling geht. In der Schwangerschaftswoche, in der Sie sich jetzt befinden, müsste der Herzschlag zu hören sein.“

Ich atmete tief ein, blickte an die Decke, entspannte mich, so weit es ging. Kurz zuckte ich, als das kühle Gel aufgetragen wurde und der Arzt den Kopf des Ultraschallgeräts ansetzte. Stille. Wie sehr erinnere ich mich an diese Stille, die dann eintrat. Es war ein bedrückender Moment. So, als würde die Zeit stillstehen. Normalerweise sprach er sonst immer aufmunternd oder machte Späße, um die Situation aufzuheitern. Doch er blieb ungewohnt still. Zuerst bemerkte ich den Gesichtsausdruck der Arzthelferin, die wie gebannt auf den Monitor starrte. Als mein Blick ihr begegnete, sah sie schnell zur Seite. War da Mitleid in ihrem Blick, hatte ich das richtig gedeutet? Dies und das Schweigen des Arztes veranlassten mich, meine Aufmerksamkeit dem Monitor zuzuwenden.

Was ich dort sah, passte nicht. Es passte einfach nicht. Ich erinnerte mich an das Ultraschallbild meiner Tochter, als ich in dieser Schwangerschaftswoche war. Sie war mittig in der Gebärmutter platziert, größer, sehr viel größer. Und es war nicht so still. Ein schnelles Pochen war seinerzeit zu hören. Wie eine Melodie der Liebe. Ich konnte kein Pochen vernehmen. Auf dem Bildschirm zeigte sich ein kleines Gebilde in der rechten Ecke der Gebärmutter. Nicht mittig. Es trieb irgendwie, bewegte sich nicht. Leblos, das Kind wirkte leblos. Mein Gott, bitte nicht…

Der sympathische Arzt sprach mich das erste Mal seit Beginn des Ultraschalls an: „Sind Sie sicher bei Ihrer Berechnung des Eisprungs?“ Leise antwortete ich: „Ja, ich bin sicher. Das Kind ist ein Wunschkind, kein Unfall.“ Angespannt runzelte der Arzt die Stirn: „Nun, das Kind müsste in dieser Schwangerschaftswoche größer sein und einen Herzschlag haben.“ Mit einem Kloß im Hals entgegnete ich: „Ich weiß.“ Er wich meinem Blick aus, bot mir diesmal kein Bild des Ultraschalls an. Bedächtig reichte er mir ein Tuch, damit ich mir das Gel entfernen konnte und beendete seine Untersuchung. „Es kann wirklich sein, dass Sie den Zeitpunkt des Eisprungs falsch berechnet haben und erst im darauffolgenden Zyklus schwanger wurden. Sowas passiert, gerade wenn man sich sehr auf ein Kind freut. Dann dürfte jetzt noch kein Herzschlag vorhanden sein, das wäre in Ordnung. Es kann alles gut sein. Wir nehmen Ihnen nun Blut ab, um Ihren HCG-Wert zu bestimmen. Er sollte in einer intakten Schwangerschaft in den ersten Wochen stetig steigen. Das gibt uns Gewissheit. Machen Sie sich keine Sorgen.“

Ich nickte, antwortete ihm jedoch nicht. Was gab es auch darauf zu antworten? Ich wusste, dass ich meinen Eisprung nicht falsch berechnet hatte. Und ich wusste, dass ich soeben im Ultraschall mein totes Kind sah. Doch ich war dem Arzt für seine Fürsorge und sein umsichtiges Vorgehen sehr dankbar. Das war das einzige Gefühl, dass ich in diesem Moment zuließ. Alle anderen verdrängte ich.

So zog ich mich wieder an und nahm auf einem Stuhl Platz. Der liebe Arzt kam zurück, grüßte mich erneut freundlich, Mitgefühl in seinem Blick. Während er mir Blut abnahm, wiederholte er: “ Es muss nichts Schlimmes bedeuten, machen Sie sich keine Sorgen. Warten wir erst einmal das Blutergebnis ab.“ Wieviel Zeit er sich doch nahm für mich. Die Blutabnahme hätte ebenso eine Arzthelferin erledigen können. Und das trotz des betriebsamen Tages, der wohl heute war. Als mir der Arzt die Manschette entfernte, sagte ich ihm leise: „Herr Doktor, ich habe mich nicht vertan bei meiner Berechnung. Und ich weiß, wie das Ultraschallbild bei meiner Kleinen zu dieser Zeit war.“

Eine lange Weile sah er mich an, dann sprach er gefasst: „Es tut mir sehr leid. Ich hätte mich wirklich für Sie gefreut. Doch sehen Sie es bitte so: Sie haben Zeit verloren, aber nicht das Spiel. Ihnen stehen noch alle Möglichkeiten einer erneuten Schwangerschaft offen.“ Ich nickte. Tränen wollten aufsteigen, doch ich unterdrückte sie. Sie würden erst sehr viel später kommen, auf der Toilette mit den schweren Blutungen, begleitet von Wehen. „Sie müssen nicht leiden. Wir können bald eine Ausschabung machen, dann ist es schnell vorbei und Sie können von vorne beginnen. Oder wollen Sie warten, bis Ihr Körper das Kind abstößt?“ Nachdenklich richtete ich meinen Blick auf sein Namensschild. Wer hätte gedacht, dass ich diese Frage bei meiner zweiten Vorsorgeuntersuchung beantworten muss. „Sie kennen mich doch Herr Doktor. Ich muss den ganzen Weg gehen, auch den durch den Schmerz. Sonst holt es mich später ein.“ Der fähige Arzt stand auf, sah mir lange in die Augen. „Es wird sehr schmerzhaft werden. Die Schwangerschaft war schon weit. Falls es nicht mehr geht, scheuen Sie sich nicht und rufen hier auf der Station an. Doch nun warten wir erstmal die Ergebnisse der Blutuntersuchung ab. Vielleicht führen wir hier unnötige Gespräche.“ Aufmunternd zwinkernd verließ er das Behandlungszimmer.

Leider waren die Gespräche nicht unnötig. Die Testergebnisse zeigten an, dass der HCG-Wert seit der letzten Vorsorgeuntersuchung gesunken war.

Geschrieben von: Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

Mein Blogartikel: Wettbewerbsdenken im BDSM

FSK 18 – Bitte nur Erwachsene lesen, danke!

Schneller, weiter, besser – Wettbewerbsdenken im BDSM

Auf Twitter in meinem Account beschäftige ich mich mit der Thematik, dass derzeit in Tweets viele Umfragen und Meinungen zu verschiedenen Techniken und Praktiken zu BDSM im Umlauf sind.

Dies ist einerseits eine gute Sache, denn auf diese Art und Weise kann ein lebendiger und hoffentlich respektvoller Austausch unter Gleichgesinnten stattfinden. Andererseits bekomme ich persönlich immer Bauchweh dies zu lesen, denn solche Tweets können auch einen Wettbewerb implizieren, der nicht sein sollte.

Die Individualität beim BDSM

Jeder BDSM ist genauso individuell wie Sub und Dom, die diesen ausleben und mit Leben, Geist und Seele füllen. Es gibt nicht DAS BDSM, genauso wenig wie es DIE Sub und DEN Dom gibt. Gerade diese Vielfalt unter uns, dieser bunte Erfahrungsschatz war eines der ersten Dinge, die mich an BDSM faszinierten, lange bevor ich eine Technik kennenlernte. Praktiken, genauso wie Spielzeug und Locations, sind schmückendes Beiwerk und dienen als Mittel zum Zweck, sind jedoch nicht das Herzstück. Einen speziellen Fetisch oder Kink dabei ausgenommen. Dieses Herzstück bilden Sub und Dom, die es mit Leben füllen, so zumindest mein Standpunkt.

Fisten, Kaviar, Ohrfeigen, Rape-Game, Partnertausch, Fremdbenutzung, Rollenspiele, etc. sind alles Möglichkeiten der Auslebung, jedoch nicht zwingend notwendig und kein Indiz für „wahren“ BDSM, zumindest nicht in meiner individuellen Auslegung von BDSM.

Steht zu euch und euren Vorlieben

Seid in dieser Hinsicht selbstbewusst und steht zu euren persönlichen Vorlieben, wäre mein Rat. Liebe Sub, auch wenn du kein Analverkehr magst, bist du nicht minder Sub. Lieber Dom, auch wenn du deine Sub nicht ohrfeigen willst, bist du nicht minder Dom. ‚Alles kann, nichts muss‘ sagt bekanntlich schon der Volksmund.

Auch das Schenken von Schmerzen kann erfüllend sein für einige Praktizierende, für andere wiederrum gehört es nicht zu ihrem gelebten BDSM. Es geht nicht darum, wer was am meisten aushalten kann oder wer besonders viele Gangarten befürwortet und ausübt. BDSM ist kein Sport und keine Kompensierung für derweil Profilierung.

Der Dom unter Druck

Im Übrigen kann eine solche Dynamik auch den Dom ganz schön unter Druck setzen. Nicht jede dominante Person möchte zum Beispiel sein Geschäft auf seiner Sub verrichten. Einen diesbezüglichen Beitrag zu lesen muss nicht, kann aber unsicher werden lassen. Egal ob Sub oder Dom, diese Gedanken zerstören und lassen nicht fliegen und haben von daher keinen Platz im BDSM, zumindest meines Erachtens.

Meine Worte sollen bitte niemanden kränken oder verletzen. In meinen Artikeln und Tweets spreche ich von persönlichen Ansichten im Hinblick auf die Schönheiten des Fetischs und des BDSM und der Akzeptanz derer.

Mögliche Verunsicherung am Anfang der Selbstfindung

Hätte ich als unerfahrene Sub so manchen Tweet gelesen, wäre ich extrem verunsichert. Vielleicht hätte ich mich auch abgewandt und wäre von BDSM im Allgemeinen abgeschreckt.

Einem möglichen Treffen hätte ich auf keinen Fall zugestimmt aus Angst, dass verschiedene Praktiken von mir erwartet würden.

Wir sind alle oftmals in einem Prozess und durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen in unserer Selbstfindung. Dabei gibt es viele Wege der Auslebung und Instrumente der Unterstützung. Traut euch bitte jedoch, diese zu benennen und steht zu euch! Auch Nein zu sagen oder Praktiken abzulehnen, hinter denen ihr nicht steht, gehört dazu. Es ist vollkommen in Ordnung, nicht alles auszuprobieren. Lasst euch dahingehend nichts einreden und auch nicht untereinander vergleichen, egal ob Sub oder Dom. Sonst kann BDSM toxisch werden und mitunter nicht mehr guttun.

Die Magie des BDSM

Ich bin für viele schöne Dinge offen, jedoch auch nicht immer und nicht mit jedem Dom. Der Mensch zählt dabei und steht für mich immer am Anfang von allem und ist mein Dreh- und Angelpunkt jeder weiteren Dynamik.  

Und das zu jeder Zeit und an jedem Ort. Lasst euch gerade zu Beginn eurer Selbstfindung nicht verunsichern oder in Richtungen lenken, die nicht eurem Willen und eurem Wollen entsprechen. Seid mutig und zeigt euch eurem Gegenüber, wie ihr wirklich seid. Erst dann kann BDSM seine volle Magie entfalten und geschieht mit euch und nicht über euch hinweg.

Dies wünsche ich jeder Sub und jedem Dom. Wir sind alle einzigartig – das macht uns aus!

                                                   Geschrieben von Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

Meine Fetisch-Kurzgeschichte: Der Himmel des lieben Marie

FSK 18 – Bitte nur Erwachsene lesen, danke!


„Das ist ja ein Mann! Was ist denn das für ein Spinner?“

Spätestens jetzt waren alle Blicke der Wartenden an dieser Bushaltestelle auf Egon gerichtet. Er spürte, wie sich heiße Röte auf seinen Wangen ausbreitete und ihm der Schweiß ausbrach und den Rücken hinablief. Mitleid vermischte sich mit Verwirrung, Verwirrung wurde zu Ungläubigkeit, Ungläubigkeit mündete in Aggression.

„Was für eine Tunte! Na, braucht die Sissi mal was Richtiges?“ Die vulgäre Unverschämtheit wurde begleitet von einer unmissverständlichen Geste. Der stämmige Mann mittleren Alters fasste sich demonstrativ in den Schritt seiner Stoffhose und grinste Egon höhnisch an. Dabei entblößte er seine gelben Zähne, die sich wohl von jahrelangem Rauchen und mangelnder Pflege verfärbt hatten. Ein widerlicher Kerl! Dennoch genoss er die Zustimmung im Bad der Menschenmenge, die sich allmählich immer dichter um das Geschehen tummelte und missmutiges Gemurmel verlauten ließ.

Der ungehobelte Typ blähte seine beleibte Brust auf, stemmte seine feisten Arme in die Seiten seines dunklen Anzugs und setzte sein gehässiges Spotten ungeniert fort. Sein aufgequollener Finger zeigte direkt auf Egon, als er boshaft spie: „Solche Freaks wie du gehören doch weggesperrt! Wer braucht schon solche Abartigen wie dich!“

Um seinen Worten mehr Ausdruck zu verleihen, stieß er mit einem seiner ledernen Halbschuhe die blonde Perücke wie einen Fußball mit Schwung von sich fort. Diese war Egon zuvor verrutscht und auf den Boden gefallen, genau vor seine cremefarbenen Pumps. Immer mehr Schaulustige blieben stehen und gesellten sich zu dem ungewöhnlichen Treiben hinzu, das sich an der Bushaltestelle allmählich verdichtete. Die umstehenden Leute grölten immer lauter, gestikulierten wild mit den Armen und blickten auf Egon, als sei er irgendein lästiges Insekt, das es zu verscheuchen galt. Egon war wie gelähmt. Er hatte schon des Öfteren Bekanntschaft mit kaltem Hass und rigider Ausgrenzung machen müssen und wollte aufbegehren und sich gegen den Hetzer und den Mob behaupten, doch es gelang ihm nicht. Alle Kraft war ihm auf einmal entwichen. Wie gejagtes Wild kauerte er in der Mitte der Ansammlung, unfähig, auch nur eine Silbe der Verteidigung zu erwidern und den unmöglichen Denunzianten zur Rede zu stellen.

„Ich brauche ihn!“, ertönte plötzlich eine wohlklingende, weibliche Stimme. Ob denn diese nicht schreiend ertönte, ließen die darin verborgene Autorität und Bestimmtheit die Versammlung augenblicklich verstummen. Neugierig drehten sich die Köpfe der Anwesenden in die Richtung, aus der die liebliche Stimme erklang. Wie durch Zauberhand teilte sich die Formation und bildete ein Mittelgang, durch den eine hochgewachsene, schlanke Frau schritt. Als sie auf ihrem Weg die blonde Frauenperücke passierte, bückte sie sich in einer grazilen Bewegung und hob diese anmutig auf. Ihre rot lackierten und perfekt manikürten Fingernägel strichen in einer zärtlichen Geste durch das Kunsthaar. Versonnen lächelnd blickte sie auf die Haarsträhnen. Wie seiden sie sich anfühlten. Da hob die Frau ihren Blick zu Egon, grinste keck und ging entschlossenen Schrittes auf ihn zu. Ihre grünen Tiefen schimmerten liebevoll, als sie ihm seine Perücke reichte. Egon erwiderte ihren wohlwollenden Blick mit einem dankbaren Lächeln und erhob sich unsicher aus seiner gebeugten schutzsuchenden Haltung, die er im Kreuzfeuer seines Widersachers unbewusst eingenommen hatte.

Die Frau war eine ausgesprochene Schönheit. Sie trug auffällige, mit Nieten besetzte High-Heels, die ihre Körpergröße provozierend hervorhoben. Ihre anthrazitfarbene Netzstrumpfhose und ihr enganliegender, schwarzer Bleistiftrock verliehen ihrer kurvigen Figur einen eleganten Charme und eine einladende Attraktivität. Ihre stille Präsenz wirkte deeskalierend auf die aufgepeitschte Situation und brachte das zuvor aufgebrachte Gemurmel der Leute augenblicklich zum Erliegen. Bewundernde Blicke folgten dem Gang der Frau und begleiteten diesen wie das Klackern ihrer Pfennigabsätze.

Als sie bei dem untersetzten Stimmungsmacher ankam, hob sie eine fein geschwungene Augenbraue und musterte den Mann mit unverhohlener Abscheu. Er war ihr nicht unbekannt. Einmal hatte sie von ihm eine Anfrage für ein spezielles Treffen erhalten, da ihm ihre Dienste von einem Bekannten empfohlen wurden. Sunny, so hieß die eloquente Dame, erinnerte sich, dass ihr die Anfrage und vor allem der Mann, der dahinterstand, spontan unsympathisch war. Ihr Gefühl riet ihr damals, von seinem Gesuch Abstand zu nehmen. Scheinbar hatte sie ihre Intuition nicht getäuscht.

Die Situation wirkte umso einnehmender, da Sunny den ungehobelt auftretenden Mann um Kopflänge überragte und diesen ihre körperliche Überlegenheit betonten Blickes spüren ließ.

„Gibt es hier irgendwelche Probleme?“, fragte sie bestimmt. Zunächst hielt der Fiesling ihrem strengen Blick stand. Er maß abschätzend und mit unverhohlener Gier ihre Erscheinung und tastete ihre weiblichen Attribute länger als notwendig mit forschen Augenblicken ab. Doch dann änderte sich etwas im Ausdruck des Mannes. Er hatte ihre mentale Überlegenheit erkannt.

Sunny sah den fliehenden Ausdruck in den blauen Augen des gedrungenen Mannes und jubelte innerlich. Der Hanswurst war eingeknickt. Jetzt würde sie ihn gänzlich erniedrigen, wie er es zuvor mit ihrem treuen Freund und Kunden Egon getan hatte. Solche Besserwisser benötigten eine Lektion. Im besten Fall würde die Wirkung ihrer Demütigung eine Weile anhalten und den Mobber stillsetzen. Leider würde der Nachhall der seelischen Verletzungen, die er Egon zugefügt hatte, wohl ein Leben lang andauern. Verdammtes Schwein!

Und so setzte Sunny an und holte dabei ihr Handy hervor: „Vielleicht sollte ich auch die Polizei rufen, um diesen Vorfall zur Anzeige zu bringen?“ Nachdem sie sich mit einem prüfenden Blick durch die Runde der Aufmerksamkeit der Sensationsgierigen sicher war, fuhr sie nach einer kunstvoll inszenierten Pause fort: „Warten Sie, sind Sie nicht der Herr Vorsitzende des Gerichts? Das passt ja wunderbar, dann kann Ihre Frau die Strafanzeige für Sie bearbeiten! Das bleibt dann sozusagen in der Familie! Ihre Angetraute arbeitet doch noch im entsprechenden Sekretariat?“

Sunny hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da war der unangenehme Zeitgenosse auch schon aus ihrem Sichtfeld in der Menschenmenge verschwunden, die sich nun ebenso schnell verflüchtigte, wie sie aufgetreten war. Ihre bordeauxfarbenen Lippen verzogen sich zu einem zynischen Grinsen. Dieser Mistkerl hatte eine nette Frau, die sie ab und an in einem gehobenen Friseursalon antraf. Wie sie den Gesprächsfetzen bei diesen Zusammentreffen entnehmen konnte, hatte sich die Ehefrau wohl erst kürzlich einen aufmerksamen Liebhaber genommen. Sie brüstete sich fröhlich damit, wie sie ihrem Ehemann regelmäßig die Hörner aufsetzte.

Nun denn, das Beziehungsleben anderer Leute ging sie nichts an. Sunny war keine indiskrete Frau und schätzte und gab Privatsphäre. Was ihr ihre Kunden erschöpft keuchend und nach Luft ringend in den intimen Momenten ihrer erotischen Arrangements über ihre Partnerinnen erzählten, behielt sie grundsätzlich für sich.

Mit Zornesfalten auf der Stirn schimpfte Sunny noch den Gehenden hinterher: „Schämt euch, nichts unternommen zu haben!“ Dann war sie mit Egon alleine.

Egon, einer ihrer besten Kunden, der im Laufe der vergangenen Monate auch zu ihrem Freund wurde. Wie schön er heute aussah, er hatte sich sehr viel Mühe gegeben. Versonnen betrachtete sie seine Erscheinung. Egon trug ein schwarzes Kleid mit Blümchenmuster, kombiniert mit einer beigefarbenen Strumpfhose und den benannten cremefarbenen Pumps, in welche er gerade wieder schlüpfte. Eine lilafarbene Handtasche und Strassschmuck zierten sein Handgelenk, seine Finger und seine Brust. Die Linien des schicken Kleides zeichneten ein Bild von wohlgeformten, weiblichen Rundungen, die äußerst verführerisch wirkten. Komplettiert wurde das stilvolle Gesamtbild von der blonden Langhaarperücke, die nun wieder Egons Haupt zierte. Die formvollendete Weiblichkeit, gekonnt in Szene gesetzt.

Doch es war die Illusion einer Frau, denn ob denn sich Egon Marie nannte, wenn er diese schönen Kleider trug, war er biologisch gesehen ein Mann. Egon war ein Crossdresser. So werden Menschen bezeichnet, die gerne in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpften und sich dementsprechend kleideten. Sunny vermutete beim Anblick der inszenierten Kurven, dass Egon einen Ganzkörper-Silikonanzug unter der weiblichen Kleidung trug. Diesen oder Vagina-Höschen trug Egon bei ihren Sessions, wenn Sunny ihm eine ganz besondere Behandlung zukommen ließ. An den Silikon-Kleidungsstücken befanden sich Silikonbrüste und Silikonvagina. Der Träger derer konnte sich damit wie in einem realen Frauenkörper fühlen.

Der Weg dorthin war für Egon kein leichter gewesen, das wusste Sunny. In ihren gemeinsam verbrachten Sessions hatte er sich ihr vollkommen anvertraut und sie eingeladen, in die Tiefe seiner Seele einzutauchen. Bevor Egon zu Sunny fand, focht er so manchen inneren Kampf aus. Der bedeutsamste Moment war für Egon, sich seine ureigenen Bedürfnisse einzugestehen und diese aktiv auszuleben. Zunächst geschah das Praktizieren des Crossdressings ausschließlich hinter verschlossenen Türen. Dann rief er Sunny an einem schönen Sonntagmorgen, schlaftrunken und beschwipst, an. Er hatte zig Annoncen durchwühlt, bis er auf Sunny stieß. Ihm gefielen ihre Herzlichkeit und Natürlichkeit, er hatte sofort ein gutes Gefühl bei ihr.

Es vergingen weitere Wochen, bis Egon so viel Mut sammelte, sich bei ihr vorzustellen. Das war auch das erste Mal, dass er sich vor jemanden als Frau kleidete. Der Rahmen war ein geschützter, doch es war dennoch ein bedeutsamer Schritt gewesen.

Zudem war Egon vollkommen überrascht gewesen, dass Sunny nicht ausschließlich auf sexuelle Handlungen konzentriert war. Sie nahm sich Zeit für ihn, mehr als er ihr bezahlte. Hörte ihm zu, nahm aufrichtig Anteil. Zu keiner Zeit fühlte sich ihr Zusammensein als bloße Dienstleistung an. Sunny war Sexarbeiterin mit Leib und Seele, was wohl auch beinhaltete, Menschen zu lieben und sich für sie zu interessieren. Oftmals aßen sie auch zusammen Kuchen, den Egon für sie mitbrachte. Wenn Sunny Zeit fand, backte sie sogar und bezog seinen persönlichen Geschmack dabei mit ein.

So war die Sexarbeiterin zu einer lieben Freundin geworden, mit der er sich nicht nur sexuell, sondern auch menschlich sehr wohlfühlte. Egon vertraute ihr. Und sie war weise und lebenserfahren genug, um dieses Geschenk zu erkennen und wertzuschätzen. Sunny wusste zu gut, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht käuflich waren, so abgehalftert das klingen mochte. Vertrauen war eines dieser Dinge. Es konnte niemals eingefordert werden oder vorausgesetzt. Es wuchs und bemaß sich an den Gedanken und Taten der Involvierten.

Wie schön Sunny heute wieder aussah, ging es Egon durch den Sinn. Und wie mutig sie sich für ihn einsetzte. Selbstloses Handeln wurde ihm sonst nicht zuteil. Um so mehr war er tief berührt von ihrem Auftreten ihm gegenüber. Verlegen richtete sich Egon seine Perücke und blinzelte Sunny mit erröteten Wangen an, die sein gut deckendes Make-up nicht vertuschen konnte. Sunny erwiderte liebevoll sein Lächeln und begann, nach etwas in ihrer Handtasche zu suchen.

Ihr Lächeln wurde spitzbübisch, als sie Egon ihren Lippenstift reichte. „Ziehe dir deine Lippen nach, falls dir danach ist, Marie.“ Ein Hauch von Erotik schwang mit, als sich Sunny an seine Schultern lehnte und unauffällig ihre Hand über seinen Rücken bis hin zu seinen Pobacken gleiten ließ. Flüsternd hauchte sie: „Wenn du mich bei unserem nächsten Treffen fickst, wird es Voraussetzung sein, dass du ihn trägst. Ich küsse gerne deine geschminkten Lippen, während dein harter Speer mein weiches Fotzenfleisch teilt!“

Ihre warmen Lippen legten sich auf seinen Mund und verlangten ihm einen schnellen, fordernden Kuss ab. Augenblicklich schoss ihm das Blut mit aller Kraft in seine Lenden. Sein Glied wurde hart. Noch während sich sein Hodensack beinahe schmerzhaft vor Verlangen nach oben zog, wandte sich Sunny keck winkend ab und ging mit schwingenden Hüften davon.

„Was für eine Frau!“, stöhnte Egon innerlich wie äußerlich auf. Bald fand ihr nächstes Treffen statt. Er konnte es kaum erwarten. Sunny verstand ihn und konnte seine verborgenen Sehnsüchte stillen wie keine andere. Er wollte sie nie wieder missen.

Seine Erektion drängte sich gegen das Latex-Catsuit und erinnerte Egon daran, dass er gerade als Marie unterwegs war. Dem ungläubig dreinblickenden Alten, der tadelnd seinen Kopf schüttelte, warf Egon selbstbewusst eine Kusshand zu. Er begehrte keine Männer, doch wollte er den Moralisten auf die Schippe nehmen. Das schnelle Wegdrehen konnte den überraschten Blick des Urteilenden nicht verbergen, welches Egon ungekannte Befriedigung verlieh. „Ich lebe nicht, um eure Erwartungen zu erfüllen, Idiot!“, wisperte Egon kaum hörbar, doch laut genug, um dass es gehört werden konnte.

Da traf der Bus ein. Grinsend stöckelnd stieg Egon ein, nicht scherend der vielen Blicke, die ihm missmutig folgten. Irgendwie hatte es Sunny geschafft, dass er sich selbstsicherer fühlte und wieder mehr zu sich stehen konnte. Eine beeindruckende Persönlichkeit, seine Sunny. Bald durfte er sie wieder allumfassend genießen.

Urheber/Geschrieben von: Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Mein Blogartikel: Wie frische ich das Liebesleben mit BDSM auf?

FSK 18

Was benötige ich als Anfänger für soften SM/BDSM?

Die Welt des BDSM ist eine sehr aufregende mit vielen wundervollen Möglichkeiten. Doch sie sollte achtsam betreten werden, denn das physische als auch psychische Wohl aller Beteiligten ist ausschlaggebend dafür, um ein angenehmes Miteinander zu generieren. Es ist ratsam, sich vorab genügend Informationen darüber einzuholen, welche Optionen bestehen, wie spezielles Spielzeug gehandhabt wird und welche Reaktionen welche Handlungen hervorrufen können. Hier kann es auch um ganz praktische Fragen gehen, deren Antwort es zu erforschen gilt. Eine Fessel anzulegen scheint simpel, ist es jedoch nicht. Die Empfindungen, die beim Anbringen eines Knebels hervorgerufen werden, sollten sich bewusst gemacht werden. So gibt es noch zahlreiche andere Beispiele, die aufzeigen, wie sehr eine gegenseitige Fürsorge vor, während und nach einer Session wichtig ist. Dabei sollte der devote Part als auch der dominante stets im Blickwinkel des Geschehens stehen. Beidseitig aufrichtige und wertfreie Kommunikation bildet die zentrale Basis ein jeder Interaktion im Leben, so auch in der submissiven Welt.

Wie gehe ich an die Sache heran?

Vor jeder praktischen Aktivität steht immer das gemeinsame Gespräch. Die getanen Beschlüsse sind verbindlich, denn sie basieren auf gegenseitigem Einvernehmen. Dennoch sollten die Beteiligten stets die Möglichkeit haben, im direkten Erleben die Meinung ändern und Vereinbarungen lösen zu dürfen. Das gilt sowohl für den devoten als auch für den aktiven Part. Ganz wichtig ist das Nachgespräch nach einem gemeinsamen Erkunden, denn Erlebtes braucht Zeit zum Verarbeiten, Sortieren und Neu-Ordnen und wirkt nach. Der Fachbegriff dafür ist das „Aftercare“. Viele BDSMler beziehen sich darauf, dass durch das Aftercare wirkliche Tiefe und Nähe entsteht. Einerseits werden gewollte Marken versorgt, andererseits die erlebten Eindrücke verbalisiert. Dieses ist dem dominanten Part eine wichtige Aufgabe, um seine Erziehung seiner Sub individuell anzugleichen. Um wahre Lust erleben zu können und das eigene Liebesleben aufzufrischen, braucht es demnach einen vertrauensvollen Austausch. Doch wie führt sich am besten solch ein Gespräch, um die Beziehung zu beleben?

  1. Finde einen ruhigen Gesprächsrahmen an einem ungestörten Ort. Mache dir gerne im Vorfeld ein paar Notizen. Das kann dir Sicherheit geben, und du vergisst nicht die wesentlichen Punkte.
  2. Vergesse dabei nicht deinen Humor und versuche eine entspannte Atmosphäre herbeizuführen. So kann deine Partnerin zur Ruhe kommen, sich sammeln und fokussieren.
  3. Ein so bedeutsames Gespräch muss nicht sitzend in einem Raum geführt werden. Auch ein langer Spaziergang kann eine angenehme Basis bilden. Zudem baut Bewegung Nervosität ab, und du zappelst nicht so herum.

Wenn die Rahmenbedingungen stehen, solltest du dich mit den Gesprächs-Inhalten beschäftigen. Wichtig ist, nicht vorwurfsvoll in ein solches Gespräch zu starten. Anstatt sofort einen Schuldigen für das erlahmte Sexleben zu definieren („Seitdem du Mutter geworden bist…“), versuche es in etwa so: „Ich liebe dich und würde gerne mit dir unser Sexleben weiterentwickeln. Ich habe eine spannende Sexualpraktik entdeckt, die ich dir gerne vorstellen würde.“

An dieser Stelle machen viele Männer den Fehler, sofort mit einer pragmatischen Auflistung zu beginnen, wie sie Lust erleben möchten. Damit könntest du deine Partnerin überrollen oder überfordern. Frage sie stattdessen direkt nach ihrer Meinung zum Thema: „Wie siehst du das mit unserem Sexleben? Wie geht es dir damit?“ Wichtig wäre hier, offene Fragen und keine rhetorischen zu stellen. Konkrete Beispiele sind im Anschluss wichtig, damit sich deine Partnerin eine Vorstellung deiner Wünsche und deiner Vorschläge machen kann. Mit dem Begriff BDSM wird sie weniger anfangen können, als wenn du konkret sagst, du wolltest ihr einmal ein paar Klapse auf den Hintern verabreichen, um die gemeinsame Lust ganz neu zu erleben.

Ebenso sinnvoll wäre es, du erzähltest ausschließlich aus deiner Sicht. Formuliere deine persönliche Wahrnehmung und lasse sie bewusst außen vor. Dabei kannst du sagen: „Unser Sexleben würde sich für mich verbessern, wenn ich dir deine Brustwarzen klammern dürfte.“ Weniger gut könnte hingegen sein: „Du wolltest doch schon immer in unserem Sexleben mehr Einbezug deiner Brüste; da passen doch die Nippelklemmen.“ Gebt euch hierbei immer genügend Raum, um Fragen stellen zu können. Vermeidet das Aufkommen von Interpretationen der Aussagen. Das geht fast nie gut. Ein „Was würde dir dabei gefallen?“ oder ein „Meinst du damit diese Sexstellung?“ passt meistens hervorragend.

Welche Utensilien benötige ich für das Lust-Erleben?

Lust zu erleben, um das Liebesleben aufzufrischen, braucht eine gewisse Vorbereitung verschiedener Utensilien. Im Vorfeld im gegenseitigen Gespräch herauszufinden, in welche Richtung es gehen könnte, bietet sich als hilfreich an. Möchte die Partnerin gerne mit dem Lustschmerz experimentieren? Dann würden sich Schlaginstrumente oder Klammern-Toys eignen. Auch Vibratoren, die dehnbar sind oder spezielle BDSM-Kerzen können eine reizvolle Option sein. Manchmal kann auch mit Haushaltsutensilien experimentiert werden. Entdecke Wäscheklammern oder Spaghetti-Zange einmal ganz neu. Am Anfang eignet sich ein Seidenschal sehr gut zur Fesselung oder dem Verbinden der Augen, so dass nicht sofort Seile gekauft werden müssen, wenn noch ausgetestet wird. Grundsätzlich bietet es sich an, vor dem Kauf von hochwertigem Spielzeug einen gewissen Rahmen gefunden zu haben, in dem sich bewegt wird. Von haushaltsüblichen Kerzen für Spiele mit Wachs sei an dieser Stelle jedoch abzuraten, denn diese führen zu Verbrennungen.

Viele Internetshops bieten heutzutage Anfänger- oder Einsteiger-BDSM-Pakete an, mit denen für wenig Geld experimentiert werden kann. Bei Vibratoren empfiehlt es sich, auf die Herkunft und das Material zu achten. Auch Klammerspielzeug sollte nicht unbedingt aus der günstigsten Riege erworben werden. Dieses kann zu schnell seine Funktion verlieren, wenn zu billig fabriziert wurde. Denke daran, dass die Utensilien dir und deiner Partnerin sehr nahekommen werden.

Auch an ausreichende Hygiene sollte immer gedacht werden. Händewaschen und Toys zuvor reinigen sollte elementar und zur Routine werden. Ebenso wie die Wunden zu versorgen nach einer Session, die immer desinfiziert werden sollten. Anal eingesetztes Spielzeug bitte niemals vaginal einführen, sondern immer von vorne nach hinten zum Einsatz bringen. Das Infektionsrisiko wäre ansonsten zu hoch. Auch Spiele mit Körperflüssigkeiten oder Lebensmittel bieten sich hervorragend an, um das Sexleben aufzufrischen und die eigene Beziehung zu beleben. Durch ein simples Anpinkeln oder Ejakulieren auf Körperteile oder Gegenstände lassen sich unkompliziert und einfach pikante Rollenspiele generieren, die große Lust erleben lassen. Vielleicht entdeckt auch manche Partnerin ihre dominante Ader und möchte den Partner befehligen? Vielleicht darf er einmal Dessous tragen oder sich schminken, um seiner Herrin zu gefallen? Oder er darf einer ihrer Dildos benutzen und vor ihr masturbieren, um sein Sperma von ihren Füßen zu lecken? Fantasie hilft hier sicherlich, und auch das Lesen von erotischer Literatur lässt einem so manchen heißen Einfall kommen. Übrigens kann es sehr reizvoll sein, sich gegenseitig Sexgeschichten vorzulesen. Einfach mal trauen und ausprobieren!

Hier die wichtigsten Tipps auf die Schnelle:

● Sanft anfangen und langsam steigern!

● Eine Skala und ein Safeword entwickeln, die verbindlich sind. Eine Skala von 1-10, bei der Sub mitteilen kann, wie hoch ihr Schmerzempfinden während der Interaktion ist. Dies gibt dem Dom Orientierung, ob er noch Spielraum für Aktionen und Steigerung hat. Ein Safeword, dass sofort eine Session beendet, wenn es von einem der beiden ausgesprochen wird. Wichtig: Auch Dom kann dieses benutzen!

● Tabus unbedingt im Vorfeld abklären! Diese sind für alle verbindlich.

● Immer wieder Zwischenfragen einbauen, um nach dem Befinden des Spielpartners zu fragen. Gerade zu Beginn kann ein Part schnell von den neuen Eindrücken überfordert sein. Auch ist es für den dominanten Part schwerer, zu Beginn einer Session sein Gegenüber in seinen Reaktionen immer richtig zu lesen. Dieses Eingespieltsein wächst mit der Zeit, und die Wahrnehmung wird diesbezüglich zunehmend besser.

● Schlaginstrumente für Spanking unbedingt zuvor am eigenen Körper ausprobieren. So kann die Kraft des Schlages besser eingeschätzt werden. Dabei kommt es auch auf das Material an. Leder wirkt beim Aufprall anders auf der Haut als Gummi oder ein Rohrstock.

● Organe, die nicht von Knochen geschützt sind, sollten niemals behandelt werden. Dies meint vor allem die Region zwischen Hüftknochen und Rippenbögen. Gerade Neulinge sollten diese Stelle aussparen und sich lieber dem Hintern widmen. Dieser hält eine ganze Menge aus. Ernste Verletzungen geschehen dort seltener.

● Bei längeren Gerätschaften wie Peitschen oder Dressurgerten sollte zuvor an einem Kissen Zielübungen unternommen werden. So passieren Unfälle sehr viel weniger, und die Entfernung und Wirkung beim Schlag können besser eingeschätzt werden.

● Alles, was unter die Haut geht, wie zum Beispiel das Spiel mit Nadeln, sollte als Praktik für Anfänger ausgespart bleiben, denn das Infektionsrisiko und die Gefahr für schwere Verletzungen wie Nervenschäden sind hier schlichtweg zu hoch. Solche Spielvarianten gehören in das Repertoire erfahrener BDSMler, die sich vorab einer medizinischen Schulung unterzogen haben.

● Die Sicherheit deiner Sub steht immer vor deinem sexuellen Vergnügen (meint BDSM-Begrifflichkeit SSC – Safe, Sane and Consensual). BDSM heißt nicht, dass du deiner Partnerin weh tust und über ihre Bedürfnisse hinweg agierst. Sie behält die ganze Zeit die Kontrolle über die Situation und legt im Vorgespräch mit ihren Tabus fest, was erlaubt ist und was nicht. Daran musst du dich halten, immer und zu jeder Zeit. Das ist der Unterschied zur Gewalt. Sub behält durch das Safeword die Kontrolle darüber, wie weit ein Geschehen gehen darf.  

● BDSM sollte zu jeder Zeit nüchtern und ohne den Einsatz von Drogen oder anderen Betäubungsmitteln praktiziert werden.

Was ist meiner Partnerin gegenüber zu beachten?

Wer mit seiner Partnerin wahre Lust erleben und seine Beziehung auffrischen möchte, der sollte ein paar Grundsätze beachten, die grundsätzlich in einer Partnerschaft und nicht nur für die Sexualpraktik BDSM gelten:

  1. Setze auf gute Kommunikation

Die Sexroutine durch aufregende, submissive Rollenspiele zu durchbrechen, kann die gegenseitige Vertrauensbasis zueinander stärken und im besten Fall noch steigern. Doch vor jeder Aktivität steht der gemeinsame und ehrliche Austausch. Wünsche und Ängste sollten hierbei offen angesprochen werden.

  • Humor ebnet den BDSM-Weg

Betrachtet vor einer Session euer ausgewähltes Kinky-Spielzeug. Fasst es einmal beide an, lasst das Material auf eure Sinne wirken. An dieser Stelle würde sich die Vereinbarung des Safewords anbieten.

  • Erst die Komfortzone, dann den neuen Gefühlen nachgehen

Kleine Schritte führen zum großen Erfolg. Beginne nicht gleich mit der härtesten Praktik, sondern wähle Inhalte, von denen du sicher weißt, diese gefallen deiner Partnerin. BDSM muss nicht unbedingt gleichschaltend mit Lustschmerz einhergehen. Vertrauensvolle Hingabe, leidenschaftliches Ausgeliefertsein und das Spiel mit Macht sind einige besondere Eckpfeiler, die den Reiz des BDSM ausmachen. Ein sinnliches Wechselspiel zwischen Eiswürfeln und einer Feder meint auch reizvolle Unterwerfung. Es braucht nicht zwingend eine Gerte.

  • Nutze geschenktes Vertrauen niemals aus

Endlich kannst du an deiner Partnerin einmal deinen ganzen Frust auslassen? Vorsicht, das geht nach hinten los und zerstört Vertrauen! Mache dir bewusst, dass du als dominanter Part eine große Verantwortung trägst. Die Sicherheit und das Wohl deiner Partnerin liegen zu jeder Zeit in deinen Händen. Sie kann sich nur ganz fallen lassen, wenn sie darum weiß. Handelst du hingegen eigennützig oder gar aus Rache, vergehst du dich an ihr.

  • Hole dir fachmännische Unterstützung

Da BDSM die Gesundheit deiner Partnerin bei unsachgemäßer Ausübung gefährden kann (sowohl die physische als auch die psychische), solltest du dir vorab technische Hilfe und fachmännische Anleitung holen. Schäme dich nicht dafür, sondern sei stolz darauf, dass du deine Fürsorgepflicht gegenüber deiner Partnerin ernst nimmst.

  • Gemeinsam das Neuland betreten

BDSM lebt vom Miteinander, es ist keine One-Man-Show. Weder eine Sub noch ein Dom agieren dabei alleine. Durch BDSM und die Gespräche, die damit verbunden sind, könnt ihr beide noch näher aneinanderwachsen und euch gegenseitig unterstützen. So wächst das Vertrauen auf beiden Seiten.

Fazit:

Die Welt des BDSM ist keine abartige oder gestörte. Sie kann für eure Beziehung zum Sprungbrett für eine bessere Kommunikation und ein solideres Vertrauensfundament werden. Diese positiven Erfahrungen können auf alle Bereiche der gemeinsamen Beziehung abfärben, euer Liebesleben auffrischen und euch große Lust erleben lassen.

                                                                 Written by Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Meine Kurzgeschichte: „Vom Einengen und Befreien – Ein Mann und seine Hassliebe zu Latex“

FSK 18

Die heruntergelassene Jalousie erlaubte es nur wenigen Sonnenstrahlen, in das Schlafzimmer des Einfamilienhauses vorzudringen und das dämmrige Licht zu durchbrechen. Dennoch herrschte in diesem Raum vornehmlich Dunkelheit, jedoch in einem überschaubaren Maße, welches es noch erlaubte, die Umgebung einigermaßen klar zu erkennen. Eine gewisse Schwüle waberte durch die Luft und ließ den leicht untersetzten Mann merklich schwitzen, der auf dem großen Bett saß. Ein grünes Handtuch war um seine Hüften gewickelt, ein paar letzte Wassertropfen glitzerten auf seinen kantigen Schultern. Er musste wohl gerade geduscht haben, denn Kondenswasser bildete sich am Badfenster. Der Mann musste in den Fünfzigern sein. Mit einer Hand fuhr er sich durch die graumelierten Schläfen, mit der anderen Hand griff er nach einem größeren Gegenstand, der neben ihm auf dem Bett lag.

Nun wandte er auch seinen glatt rasierten Oberkörper diesem größeren Gegenstand zu – einem Karton, dessen Klebeband schon entfernt worden war. Es musste nur der rechteckige Deckel angehoben werden, dann war der Inhalt dieser Kiste offenbart. Doch noch schien der geduldige Mann kein Interesse am Auspacken zu haben, denn er nahm die Kiste auf seinen Schoß und streichelte den Deckel zärtlich und liebevoll, so als würde er einen menschlichen Körper streicheln. In keiner Weise schien er es eilig zu haben, sondern zelebrierte stattdessen das Auspacken des Inhalts dieses braunen Kartons. Irgendetwas Besonderes musste wohl darin verborgen sein, denn mit einer gehaltvollen Inbrunst schien der fast nackte Mann diesem entgegenzufiebern. Scheinbar schienen seine Finger ein wenig vor freudvoller Erwartung zu zittern, als er den Deckel behände anhob. Überraschenderweise nahm er den gesichteten Inhalt nicht sofort aus dem Karton, sondern beugte sich mit seinem Kopf darüber und tätigte ein paar tiefe Atemzüge.

Die zuvor angespannten und hart wirkenden Gesichtszüge des Mannes entspannten sich augenblicklich.

Seine Schultern fielen sodann herab und gaben ihm sofort einen gelösteren Gesamteindruck. Der Geruch, welcher ihm aus dem Karton entgegen strömte, musste ihm wohl sehr gefallen. Ein wenig verweilte er noch in diesem sinnesstarken Vorgang, dann griff er mit seinen großen Händen hinein und ein leises Rascheln war zu hören. Kurz darauf wurde der in Karton befindliche Inhalt angehoben und entblößt. Zum Vorschein kam ein schwarzer Heavy-Rubber-Catsuit.

Beinahe zärtlich drückten die groben Hände des Mannes den festen Latexstoff gegen seine Wangen, um diesen im Anschluss an die schmalen Lippen zu führen und zu küssen. Als wäre er in einem Zwiegespräch mit einem Gegenüber, glitten die Hände des Mannes behutsam über den Latex und streichelten diesen wie die warme, weiche Haut eines geliebten Menschen.

Langsam ließ der Mann seinen stämmigen Oberkörper nach hinten gleiten, bis dieser auf der rotgemusterten Bettdecke zum Liegen kam. Genießerisch führten die sanften Bewegungen des Mannes den Latexstoff wohlig über seinen gesamten Körper, um auf dem Bauch letztendlich zum Stillstand zu kommen. Fest drückten die haarigen Hände des Mannes den schwarzen Heavy-Rubber-Catsuit an seine Körpermitte und entlockten ihm ein glückseliges Lächeln.

„Bald … Bald darf er wieder sein, mein Besuch der Gartenlaube“, erfüllte das kehlige Flüstern den spärlich beleuchteten Raum. Nach einer kurzen Pause ergänzte er: „Sehr bald …“ Daraufhin breitete sich ein glückliches Grinsen auf dem stoppeligen Gesicht des Mannes aus.

***

Die schweren, grauen Wolken des Morgens hatten es dem aufmerksamen Beobachter bereits angekündigt. Nun setzte der Landregen in stetig steigender Frequenz ein. Doch das schlechte Wetter störte den Mann kein bisschen. Im Gegenteil, er war bestens gelaunt. Heute war ein besonderer Tag – heute durfte es wieder geschehen. Fast schon hatte er ein schlechtes Gewissen. Er liebte seine Frau wirklich. Sie war eine gute Frau und gleichsam seine Freundin und Beraterin, ein Coach und eine Managerin des Alltags. Und doch hatte er ihr nie von seinen tiefsten Sehnsüchten und Bedürfnissen erzählt, nie von seinen inneren Dämonen und Gelüsten, ihr nie seine wahrhaftige Seele preisgegeben. Sie war weder devot noch dominant und konnte seines Erachtens nichts mit der Submission anfangen, geschweige denn mit den Ausartungen einer Fetischliebe.

Ja, sie pflegten noch Sexualität miteinander, auch regelmäßig. Der Sex war durchaus in Ordnung und sie war immer noch eine schöne und begehrenswerte Frau, trotz dass sie ihre Blütezeit schon länger überschritten hatte. Es machte durchaus Spaß, mit ihr zusammen zu sein und Zeit zu verbringen. Doch …

Und da waren auch noch die Kinder, zwei an der Zahl. Unglaublich dankbar war er seiner Frau für ihren unermüdlichen Einsatz und für ihr nimmermüdes Schaffen und Gestalten ihres Heimes, der Erziehung der Kinder und der Aufrechterhaltung ihres gesellschaftlichen Wirkens. Seine Frau hatte ihm stets diese Alltagssorgen vom Leib gehalten und ihn nicht mit unnützen Fragen genervt, die sie alleine entscheiden konnte. Ja, in der Tat, was hatte er doch für eine wundervolle Frau und zwei gesunde, talentierte Kinder.

Verdammt!

In seiner Magengegend zog es sich unangenehm zusammen, der Klumpen darin drückte ihm schwer auf das Gemüt. Verdammt! Sein schlechtes Gewissen meldete sich erneut zurück und ließ seinen Puls ansteigen. Warum haderte er mit seinem Dasein, wo er doch alles hatte, was sich jeder wünschte? Warum war er verdammt nochmal ein solcher Versager und verrückter Freak? Warum musste ausgerechnet er ein Spinner sein und nicht sein Nachbar? Die Welt des BDSM, warum hatte er nicht den Mut, sich zu dieser zu bekennen?

Heftige Schamgefühle breiteten sich in seinem Denken aus, schwappten über und bahnten sich ihren toxischen Weg durch sein gesamtes Sein. Wenn er nur ein richtiger Mann wäre, wenn er nur etwas mehr Courage besäße, dann könnte er seine Wirklichkeit genießen und diese inneren, besonderen Regungen unterdrücken.

Auf einmal bekam er etwas schlechter Luft. Eingeschnürt war er von gesellschaftlichen Verpflichtungen. Zu erfüllende Konventionen fühlten sich wie ein Korsett an, dass sich immer enger um seinen Leib schlang. Wo es nur ging, passte er sich den Umständen an und tat, was von ihm erwartet wurde. Dem ungerechten und selbstherrlichen Vorgesetzten gegenüber, dem er liebend gerne einmal die Fresse polieren würde! Seiner Familie und seinen Verwandten gegenüber und ja, sogar seinem ganzen sozialen Umfeld bis hin zu seinen Freunden war er in dieser Hinsicht absolut verlässlich. Niemand wusste von seinem Geheimnis. Er hatte dieses vermaledeite Versteckspiel so dermaßen satt! Diese immer drückende Demütigung begleitete ihn schon so lange und hing wie ein Damoklesschwert über seinem Haupt. Nie konnte er sicher sein, dass sich irgendwann dieses Schwert herabsenkte und ihn traf, ihn zerstörte und ihm seine Würde nahm, ihn bloßstellte als verrückten Freak – wenn sein Geheimnis entdeckt würde.

Was hatte er für eine andere Wahl, als sich zu verstecken wie ein Geächteter?

Gab es denn überhaupt eine Alternative?

Wie konnte er sein Glück und seine geheimsten Wünsche leben, und dennoch nicht alles Ansehen und allen Status zu verlieren? Schlicht gesagt, nicht sein Gesicht zu verlieren?

Die Stimme seiner Frau riss ihn aus seinen Gedanken. Gerade stand er mit ihr am Familienauto. „Liebling, alles ist verstaut und erledigt. Ich fahre dann mit den Kindern los zu meinen Eltern in das verlängerte Wochenende, ein bisschen Erholung finden. Möchtest du wirklich nicht mit? Etwas Entspannung würde dir, glaube ich, auch ganz guttun!“

Mit diesen Worten schloss sie den Kofferraum und näherte sich ihm schwungvoll, den Regentropfen verzweifelnd ausweichend. Er nahm sie in seine Arme und gab ihr einen schnellen Kuss auf die duftende Stirn. Ihr Parfum war wieder einmal hinreißend. Was für eine attraktive Frau sie doch noch immer war.

„Mach dir um mich bitte keine Gedanken Schatz, ich bleibe hier und nutze den Feiertag, um den Garten ein wenig auf Vordermann zu bringen. Habe viel Spaß und grüß bitte Horst und Inge von mir!“

Der blaue Van setzte sich geräuschvoll in Gang, passierte eine große Pfütze und bog in die angrenzende Straße. Der Wagen war noch nicht aus seinem Blickfeld entschwunden, da flüsterte er schon gedankenverloren zu sich selbst: „Ich werde Entspannung finden, Schatz, mehr als du erahnen kannst.“ Dass er dabei nicht vorhatte den hauseigenen Garten zu bewirtschaften, tat in diesem Moment nichts zur Sache.

***

In seiner Gartenlaube tat sich ihm eine vollkommen andere Welt auf. Diese war sein Zufluchtsort, seine sichere Insel in dem tobenden Gewässer des Alltags. Hier war sein Herz zu Hause, hier wohnte seine Seele, hier lebte er seinen tiefsten, inneren Spirit. Hier in dieser heimeligen Gartenlaube war er, schlichtweg gesagt, einfach er selbst. Nicht oft konnte er diesen Ort aufsuchen, es bedurfte immer ausreichend an Vorbereitung. Seine Frau wusste nichts von dieser Lokalität, warum auch. Sie sollte nicht unnötig beunruhigt werden. Das war seine Privatsphäre, hier schirmte er sich von der kompletten Außenwelt ab. Innerhalb dieser kleinen Welt gab es keine Richter und auch keine Henker, kein gesellschaftliches Diktat und keine rigiden und energieraubenden Verpflichtungen. Nicht einmal seine Freunde aus der BDSM-Szene wussten von dieser Hütte.

Er hatte sich nicht viel Mühe gegeben, eine wundervolle Atmosphäre zu schaffen, denn er hatte ein wenig Bedenken, jemand Unbefugtes könnte den Unterschlupf einmal überraschenderweise betreten. Vorsicht war hier auf jeden Fall besser als Nachsicht, und seine geheime Passion durfte nicht entdeckt werden. Royalblaue, schwere Vorhänge schirmten neugierige Blicke ab. Ein schlichter Schrank, ein Holztisch, ein bequemer, aber einfacher Stuhl und eine recht große, graue Couch bildeten das gesamte Möbelinterieur. Den Raum zierend wirkte ein großer auf dem Boden stehender Spiegel, dessen Mattigkeit wieder einmal wegpoliert werden müsste. Zudem hatte sich der Mann einen Wasseranschluss gebaut, welcher ein karges Spülbecken mit einem Wasserkanister verband, damit er sich nach der Anstrengung waschen konnte. Eine unauffällige Campingtoilette erlaubte eine ungestörte Notdurft.

Einzig in das Auge fallend, und gar nicht an diesen Ort passend, war ein weiblicher Torso, welcher in einer Ecke stand, umschlungen von einem extravaganten, roten Latex-BH. Er hatte diesen vor einigen Jahren als Geschenk für seine Frau gekauft, als er noch unbedarfter war und dachte, er könne sich ohne Weiteres offenbaren. Doch die Angst vor Ablehnung und „Verlassen-werden“ hatte gesiegt und eine Scheidung wollte er auf keinen Fall heraufbeschwören. Die vermeintliche Unvergänglichkeit des Materials gewährte Gnade und zeigte nicht, wie lange dieser Latex-BH bereits von der Puppe getragen wurde und nicht von seiner Frau.

Ein leicht-süßlicher Geruch von Gummi hing in der Luft und verriet sein geheimes Laster – er war ein Latex-Liebhaber, ein Material-Fetischist.

Dieser geschmeidige, sinnliche Gummistoff hatte es ihm rettungslos angetan. Schon als Teenager fand er Bilder von Damen und auch Herren reizvoll, die in Latexmode gekleidet waren. Damals kam er noch recht schwer an diese Bilder heran, er musste sich an Etablissements wenden, um diese zu erhalten. Seitdem bezahlte er auch regelmäßig Frauen dafür, dass sie sich nach seinen Wünschen in Latex hüllten und ihm davon Bilder zukommen ließen. Eine dieser käuflichen Frauen aufzusuchen und seine Materialliebe real mit einem anderen Menschen auszuleben, das hatte er sich bisher nicht getraut. Zu groß wäre sein Schuldempfinden gegenüber seiner Frau. Das stand für ihn jedoch auch nicht zwingend im Mittelpunkt. Herzstück seines Fetischs war das Tragen von Heavy-Rubber-Fashion.

Dieses Gefühl des „Umschlossen-Seins“ liebte er, diese vollkommene Enge, welche unaufhörlich an seinem Körper arbeitete, bis er allmählich seine Arme und Beine nicht mehr spürte. Dieses „Loslassen“ des Körpers, dieses „Kontrolle-abgeben“, dieses „Sich-intensiv-spüren“, das starke und unaufhörliche Schwitzen. Eng umfasst seinen Körper mental verlassen zu können und zu fliegen in weite Ferne, hin zu geilen Welten – das war es, was ihn antrieb, was ihn immer wieder in diese Gartenlaube trieb, in der er seinem Materialfetisch frönen durfte.

Seinen Fetisch auszuleben bedurfte immer einer gewissen Vorbereitung. Mal schnell nebenbei ging das auf keinen Fall, das schnelle Konsumieren barg für ihn nicht seine Erfüllung. Hier in dieser karg eingerichteten Gartenlaube zelebrierte er seine Heavy-Rubber-Latexliebe und das oftmals stundenlang. Noch war er jung genug und hatte die Konstitution dazu. Das Treibenlassen und Abtauchen in diese dunkle, geheime Lust war äußerst kräftezehrend und beanspruchte seinen Kreislauf immer sehr. Das eindringliche und starke Schwitzen unter dem nicht atmungsaktiven Material tat sein Übriges. Gott sei Dank hatte er keine Vorerkrankungen, hatte weder Diabetes noch eine Herzinsuffizienz. Stets ausreichend während einer Heavy-Latex-Session zu trinken, das war im Grunde das Einzige, auf das er gesundheitlich achten musste, denn schließlich war er hier vollkommen alleine. Wer sollte sich um ihn kümmern, falls er kreislaufbedingt einfach das Bewusstsein verlor? Trotz aller Latexliebe, solch ein Risiko wollte er nicht eingehen. Er beugte stets vor und hatte immer ausreichend Wasser im Geräteschuppen hinter der Gartenlaube deponiert. Unvernünftig sollte keiner seinen Fetisch ausleben.

Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und atmete einige Male hörbar ein und aus. Ruhe erfasste ihn. Ruhe – und ein erhabenes Gefühl der Zufriedenheit, welches sich wie eine warme Flüssigkeit in seinem gesamten Körper ausbreitete.

Es begann.

Als würde er über eine unsichtbare Schwelle schreiten, straffte er seine Schultern und wirkte auf einmal wie ein anderer Mensch. Ein innerer Drang ließ in ihm den Wunsch aufkommen, seine Haut abzustreifen und sich eine andere Haut überzustreifen. Eine Haut, die seiner wahren Bestimmung entsprach – eine Latexhaut.

Festen Schrittes ging er auf den Schrank zu. Dort angekommen öffnete er die etwas schwere Holztür, welche sich hörbar knarrend den Anweisungen fügte. Im Schrank offenbarte sich ihm eine beträchtliche Fülle an allerlei Latex-Fashion-Teilen, die fein säuberlich, akkurat und farblich sortiert an der Kleiderstange angeordnet waren. Ein süßlich-schwerer Duft erfüllte sogleich den kleinen Raum der Gartenlaube und lud ein zu einer Sinnesreise der besonderen Art.

All das, auch das Hinkommen dorthin, bildete die Grundlage für seinen vollkommenen Genuss. Behutsam nahm er den schwarzen Catsuit aus dem obersten Fach, welchen er sich damals schicken ließ. Der Anzug besaß eine Materialdichte von 0,8 und gehörte der Kategorie Heavy-Rubber an. Der schwarze Catsuit wog schwer in seinen Armen, so dass diese Anstrengung ihn das erste Mal seinen Körper bewusst spüren ließ. Behutsam trug er den Catsuit hin zum breiten Sofa und bereitete ihn darauf aus. Voller Vorfreude ging er erneut zum Schrank und nahm noch ein Paar schwarze Latexsocken sowie schwarze Latexhandschuhe heraus, die eine Länge bis zu den Ellbogen aufwiesen.

Wie in einem feierlichen Zeremoniell begann er, alle Latexkleidungsstücke auf links zu drehen und diese fein säuberlich mit einem speziell für diese Anlässe gefertigten Silikonöl einzureiben. Da er seinen Materialfetisch schon lange praktizierte, war ihm durchaus bewusst, dass er nicht zwei unterschiedliche Farben gleichzeitig verwenden durfte, sonst drohte eine Verfärbung, welche seine Kostbarkeiten für immer und unwiderruflich ruinieren würde. Auch legte er zuvor seinen Ehering ab, denn er wollte auf keinen Fall eine Schädigung der Struktur des Materials riskieren, welche Metall auf Latex grundsätzlich hervorrufen konnte. Das Silikonöl war geruchsneutral und ließ seine großen Hände sämig über den glatten Stoff gleiten. Wie die sinnlichen Berührungen eines Liebhabers vollzogen sich seine Bewegungen, untermalt vom liebevollen Blick seiner blauen Augen. Ab diesem Moment an verlor er jegliches Zeitgefühl und tauchte widerstandslos ein in diese wunderschöne Welt und trat eine aufregende Reise in sein Innerstes an.

Das Anziehen dieser außergewöhnlichen Kleidung erforderte all seine männliche Kraft. Das Silikonöl half zwar dabei, doch diese zweite Haut dem eigenen Körper zu schenken, diesen Vorgang fürchtete und genoss er jedes Mal gleichermaßen. Als er es endlich erreicht hatte, strich er sich mit stolzgeschwellter Brust über diese, erfüllt von unsagbarer Freude und Glückseligkeit. Fast augenblicklich reagierte sein eigener Körper auf den festen Griff des dicken Latexmaterials. Dieser biologische Vorgang verhalf ihm dabei, sich zu spüren. So oft musste er im mühsamen Alltag bestehen, funktionieren und agieren im Sinne der anderen, nie wirklich in seinem Sinne. Diese Erdung, dieses „Sich-Spüren“, diese Wonne schenkte ihm seine zweite Latexhaut, in deren konsequenter Umarmung er sich komplett fallen lassen konnte.

Konnte ihn ein Mensch überhaupt so halten wie diese Latexhaut?

Das Schwitzen setzte ein – unaufhörlich rannen die Schweißperlen über seine Haut, denn Latex ist atmungsinaktiv. So paradox dies für einen Außenstehenden klingen mag, auch das genoss er über alle Maßen. Mit jedem Tropfen dieses Schweißes entwich auch ein wenig seiner Beklemmung und seines Unwohlseins. Das fast zu Boden drückende Heavy-Rubber Material ließ ihn Stunde um Stunde leichter werden und hob ihn gleichzeitig in den Himmel. Er flog. Je schwerer und dicker der Latex war, desto schneller und wahrscheinlicher trat dieser psychologische Effekt bei ihm ein. Dünner Latex vermochte dies in der Tat für ihn persönlich eher nicht.

Mühsam bückend streifte er sich die Socken über die Beinenden des schwarzen Catsuits, darauf bedacht, dass der Schweiß nicht hinauslief. Bereits jetzt schon schränkte der Heavy-Rubber seinen gesamten Bewegungsapparat extrem ein und ließ seine Bewegungen holprig und seinen Gang staksig werden. Die ellenbogenlangen ebenfalls schwarzen Handschuhe hob er sich dabei bis zum Schluss auf, um es ein wenig leichter beim Anziehen der restlichen Kleidung zu haben.

Nun stand er fast komplett in dicken Latex gekleidet da. In langsamen Bewegungen suchte er den großen Spiegel auf, in welchem er sich eingehend betrachtete. Wie schön er sich selbst in diesen Augenblicken fand – wie perfekt. Diese gnadenbringende Perfektion, glatt und ohne Schnörkel, eben ohne Ecken und Kanten – warum vermochte es im Alltag nicht immer so sein? So leicht, so friedvoll, so ohne Probleme, die einen beinahe innerlich zerfraßen wie Salpetersäure?

Sein Blick im Spiegel richtete sich erneut auf das Innenleben des Schrankes. Im untersten Fach befand sich gewöhnliche Alltagskleidung. Karierte Hemden, Pullover, Jeanshosen, Socken, Unterhemden, Unterhosen. Er würde sein Werk vollenden und Alltagskleidung über seine Latexmontur überziehen, um sich wieder vermeintlich der Norm anzupassen. Doch insgeheim lachte er im Stillen über diese Spießbürger, wussten diese doch kein bisschen um sein prickelndes Geheimnis, welches er auf der Haut unter der Kleidung und im Herzen mit sich trug.

„Diese verdammten Idioten!“, lachte er in den Raum hinein und überlegte sich schon einmal gedanklich, an welcher Stelle er zuerst das Unkraut jäten würde. Der Landregen hatte mittlerweile aufgehört und der Boden duftete dadurch herrlich und urtümlich. Dank des Regens würde ihm diese eher unangenehme Arbeit ein wenig erleichtert sein. Die Hecke musste gestutzt werden und der angrenzende Geräteschuppen wartete auch auf ein wenig Aufräumen. Viel war zu tun, er würde vollends auf seine Kosten kommen.

Immer mehr würden dabei seine Gliedmaßen bei der körperlich fordernden Arbeit anfangen zu kribbeln, so als würden diese einschlafen. Immer mehr würde er gegen diese unsagbare Schwere des dicken Latex ankämpfen müssen, um Contenance zu wahren. Vielleicht würde er einen dieser blöden Spießer an der Nase herumführen, einen Plausch mit dem Parzellennachbar am Zaun halten?

Ein diebisches Grinsen breitete sich auf seinen herben Gesichtszügen aus. Ja, heute würde er allen den Mittelfinger zeigen.

Heute würde er wieder frei sein – und fliegen.

Seiner Seele würde Erdung widerfahren und seinem Geist würde Ruhe geschenkt. An diesem Tag würde er seine Batterien gänzlich wieder neu aufladen und sich vollends entspannen können.

Im Zugehen auf den Kleiderschrank passierte er den Frauentorso mit dieser atemberaubend schönen, roten Latexschönheit. Wehmut kam sogleich in ihm auf und ließ ihn bedächtig über die feinen Kurven der Figur streichen.

„Schatz, hoffentlich geht es dir gerade gut und du bist glücklich!“, kam es ihm gedankenverloren in den Sinn.

Dieser rote Latex-BH würde ihr so wundervoll stehen und sie glanz- und stilvoll einkleiden. Würde sie so geschmückt einen Raum betreten, wären ihr alle bewundernden Blicke gewiss. Jede andere Frau würde in ihrem Schatten stehen und sie neidvoll anblicken. Könnte er seine Frau nur ein einziges Mal seinen BDSM-Gleichgesinnten vorstellen oder gar bei einer Vorführung präsentieren, er wäre der glücklichste Mann auf Erden.

Unbeholfen wirkenden Schrittes setzte er seinen Gang und sein Vorhaben fort. Wie schade, dass diese bezaubernde Vorstellung seiner Frau, geziert mit dem rotem Latex-BH, wohl für immer eine Fantasie bleiben würde.

So dekorierst du deine Frühlingshochzeit

Herzlichen Glückwunsch zu eurer Entscheidung, im Frühling heiraten zu wollen! Welche Dekorationsmöglichkeiten bieten sich euch hierfür an?

Der schönste Tag im Leben

Der Frühlingsmonat Mai ist statistisch gesehen der Monat, in welchem am meisten geheiratet wird. Kommt mit auf eine Reise der Inspiration!

Nachhaltigkeit und Natürlichkeit

Der Trend bei Frühlingshochzeiten sind nachhaltige und natürliche Deko-Elemente. Dieser Trend zeichnet sich auch bei den Einladungskarten ab. Schlichtheit und Eleganz, klare Linien und Schriftführung, wenig Worte und realistische florale Motive, alles ohne viel Schnörkel.

Eine Fotostory gehört unbedingt dazu

Eine wunderbare Möglichkeit, eure Liebe durch ein Printmedium festzuhalten, ist eine Fotostory. Nutzt die Fotostory, um die Meilensteine eurer Liebe und die Eckpfeiler der gemeinsamen Zusammengehörigkeit festzuhalten. Für euch selbst und für eure Liebsten stellt eine Fotostory eine zeitlose Erinnerung dar! Bedient euch des zauberhaften Kaleidoskops der Frühlingsfarben. Klassisch zeitlos sind Pastelltöne wie Apricot und Hellblau. Wenn ihr gerne auch trendy sein wollt, probiert einmal den komplett weißen Vintage-Stil.

Holz als nachhaltiges Dekoelement

Zugegeben, etwas robust und derb kann Holzdekoration schon wirken. Fehlt da nicht die filigrane Note, fragt ihr euch vielleicht? Schließlich wollt ihr nicht im Herbst heiraten. Gehören zur Hochzeit im Frühling nicht Leichtigkeit und Zartheit?

Bitte bedenkt, dass sich alles Genannte nicht ausschließen muss. Wirkt nicht erst Derbheit durch Zartheit und Klarheit durch Verspieltheit? So wie eure Liebe viele verschiedene Facetten beinhaltet, so ist dies auch in Bezug auf eure Dekoration. Seid gerne auch für ungewöhnliche Kombinationen offen.

Die Braut und die Brautjungfern im Frühling

Meistens genießen Braut und Brautjungfern die Zeitmomente vor der Trauung gemeinsam. Haltet diese gefühlvollen Impressionen unbedingt auf Fotos fest. Wählt den Farbton der Brautjungfernkleider in einem Pastellton wie einem zartes Rosa oder einem sanften Lavendelblau. Auch ein frisches Mintgrün oder ein schimmerndes Lila eignen sich hervorragend.

Aufgrund des Frühlings solltet ihr vor größerer Hitze verschont bleiben. Wählt luftige Stoffe und Schnitte mit hübschen Blumengestecken. Das Wohlfühlen in der Garderobe ist sehr wichtig für euer Stimmungsbarometer!

Für den Blumenschmuck der Tischdeko und des Brautstraußes bieten sich im Frühling Pfingstrosen und Kirschblüten an.

Geheimtipp: Verwendet für die Brautfrisur Schleierkraut. Diese Pflanze übersteht einen ganzen Tag und eine ganze Nacht und lässt die glückliche Braut wunderschön erstrahlen.

Beleuchtung am Abend

Eine Hochzeit dauert bis in die späte Nacht. Da sollte die Dekoration mit Lichtelementen nicht vergessen werden.

Hochzeitslieder und Hochzeitssänger

Auch eine Frühlingshochzeit sollte klassische Musikelemente wie auch individuelle Highlights beinhalten. Wusstet ihr, wer der teuerste Hochzeitssänger der Welt ist? Mariah Carey möchte für Ihre Audienz schlappe 2,5 Millionen US-Dollar. Dann vielleicht doch lieber Elton John? Ihn könnt ihn für 1 Millionen US-Dollar buchen! Na gut, dann lieber eine günstigere Superlative: Die Hochzeitstorte von Queen Victoria macht euch lange satt! Sie bringt ein Gewicht von 300 Pfund mit sich!

Fazit:

Für eine Hochzeit im Frühling eignet sich hervorragend der Vintage-Look, alles basierend auf Hochzeitsweiß. Helle, klare und einladende Strukturelemente, verbunden mit grünen Farbtupfern und Holzdeko aus Birkenstämmen, runden das perfekte Wohlfühlambiente einer Frühlingshochzeit ab.

Kirchenbesuch mit Kleinkind

Vage erinnere ich mich an meine Kindheit zurück: Kleine Kinder waren in der Kirche kaum anwesend und schienen eher toleriert als willkommen. Spätestens wenn ein solches Kind zu weinen begann und die Predigt des Pfarrers störte, war die Toleranz am Bröckeln. Vor dem geistigen Auge sehe ich eilends heraushuschende Eltern, die mit hochrotem Kopf und schreiendem Kind das Kirchengebäude verließen. Auch mir wurde früher gesagt, dass die Kirche ein Ort der absoluten Stille ist, nichts angefasst werden darf und die Erwachsenen in ihren Tätigkeiten nicht beeinträchtigt werden sollten, schon gar nicht der Herr Pfarrer selbst.

Ich mochte schon als Kind Kirchenbesuche. Meine Eltern waren gläubig, aber nicht bigott. Sie lehrten mich die Schriften der Bibel und brachten mir die Feste im Jahreskreis nahe. Mir durfte das Glück widerfahren, gänzlich schöne Empfindungen mit meinem Glauben zu verbinden und empathischen und weltoffenen Würdenträgern zu begegnen. Mitunter war es jedoch als Kind auch anstrengend, still zu sitzen, keine Fragen stellen zu dürfen und nicht mit irgendetwas aufzufallen. Dieses an sich sehr erwachsene und für Kinder sicherlich herausfordernde Verhalten war bestimmt nicht immer leicht umzusetzen. Doch ich erinnere mich an Pfarrer, die verständnisvoll waren und nicht mit erhobenem Zeigefinger drohten.

So stellte und stellt es für mich eine ganz natürliche und selbstverständliche Angelegenheit dar, meinem Sohn die Kirche als Ort der Ruhe und Einkehr nahe zu bringen. Der Glaube zelebriert sich in erster Linie in vielen kleinen Gesten im Alltag, so finde ich. Die großen Feierlichkeiten gehören als wichtiger und ritueller Bestandteil dazu, doch war ich nie jemand, der nur zu besonderen Anlässen eine Kirche aufsuchte. Ich suche diesen Ort der Erdung und Mystik gerne auf, bei dem sich die Seelen der Jahrhunderte vereinen. Diese ganz besondere Atmosphäre in den alten Gemäuern, die sich mehr erfühlen, denn erklären lässt.

Es war mitten am Tag, als ich mit meinem Kleinen, der im Kinderwagen saß, die Kirche in unserem Ort betrat. Wieder einmal, denn diese Aufenthalte sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil in unserem Wochenablauf geworden. Seit meine erstgeborene Tochter schwerstkrank zur Welt kam und mittlerweile ein Sternchen ist, zünde ich regelmäßig eine Kerze für sie in stillem Gedenken an. Ich vollziehe oftmals einen ähnlichen Ablauf, so dass diese Besuche mit meinem Kleinen nahezu rituell geschehen. Wir betreten die Kirche. Meistens sind wir die einzigen Besucher und ohne weitere Gläubige in der Kirche. Dann gehe ich mit meinem Sohn im Kinderwagen die Gänge entlang und drehe eine große Runde, bei der wir gemeinsam die Statuen der Heiligen betrachten, Jesus am Kreuz sehen und das Taufbecken bewundern. Auch kommen wir an zwei alten Kirchenbänken vorbei und am Aufgang zur Orgel. Dabei kommen mir viele Gedanken, die ich währenddessen artikuliere. Wir saugen beide die bedeutungsvolle Atmosphäre auf. Es ist, als würde das Leben einen Zwischenstopp auf seiner Reise einlegen. Es ist möglich, Luft zu holen und sich zu besinnen auf das wirklich Wichtige. So als würde der innere Kompass neu justiert und ausgerichtet für die weitere Reiseroute. Ich denke, dass diese Worte sehr trefflich beschreiben, wie ich generell und gemeinsam mit meinem Kind einen Kirchenbesuch erlebe. Mit der Anwesenheit meines Kleinen kommt noch die Besonderheit hinzu, dass ich ihm meine Ansichten und Sichtweisen nahebringen kann. In diesem Prozess kommen Fragen auf wie:

„Wer hat wohl schon in dieser uralten Kirchenbank gekniet und gebetet?“

„Welche Heiligenfigur findet sich auf dem Taufbecken?“

„Was hat es mit den Beichtstühlen auf sich?“

Ich höre den ein oder anderen Leser gerade laut denken, das seien keine Themen für kleine Kinder. Warum sollen sie das nicht sein? Unsere Kleinen registrieren mehr, als wir annehmen. Sie verstehen auch viel mehr, als wir vermuten. Es ist dieser kluge Ausdruck in den Augen meines Kindes, wenn er mir aufmerksam zuhört und seine Augen konzentriert umherwandern. Er ist in diesen Momenten sehr ausgeglichen und wirkt interessiert und begeistert. Wohl vermag er noch nicht alles in Worte zu fassen, doch verstehe ich seine Fragen dennoch durch seine Gestik und Mimik. Die Wissensvermittlung steht dabei nicht im Vordergrund. Vielmehr möchte ich meinen Jungen an dem Kulturerbe und der Geschichte teilhaben lassen, ihm eine mögliche Option eines Glaubensweges aufzeigen und ihm somit eine Orientierung schenken. Letztendlich wird er als Heranwachsender für sich entscheiden, welchen Glauben er in Bezug auf eine Kirchenzugehörigkeit wählen möchte. Das Anbieten und Vorstellen von Richtungen finde ich essentiell und nahezu ein Muss einer gelungenen Kindererziehung.

Nach der Runde durch den hinteren Teil der Kirche kommen wir vorne vor dem großen Altar an. Meist liegt dort eine Bibel aus, die aufgeschlagen eine Passage offenbart. Ich lese meinem Kind immer vor, für welchen Vers sich der Pfarrer entschieden hat. Dabei werte ich bewusst nicht, sondern lese schlichtweg vor. Kein `So muss das sein`, sondern ein `Es kann so sein`. Und mein Sohn hört zu.

Danach suchen wir den Ständer mit den Opferkerzen auf, der vor der Statue der heiligen Maria angebracht ist. Einen Betrag einwerfend, entzünde ich stets sechs Teelichter: Für das süße Sternenmädchen und für den kleinen Bruder, der zum Glück kerngesund sein darf. Für alle lieben Verstorbenen und für alle lieben Lebenden. Für uns Eltern und Großeltern und für alle Kinder dieser Welt. In dieser Reihenfolge kommentiere ich den immer ähnlichen Ablauf am Kerzenständer.

Mein Junge und ich betrachten im dämmrigen Licht der Kirche das leichte Flackern der Kerzen, bevor ich das Vaterunser anstimme und einen Rosenkranz vor der Heiligenfigur Mutter Gottes spreche. So endet dann auch meist unser regelmäßiger Kirchenbesuch. Mit einem Lächeln im Gesicht verlassen wir gemeinsam das Kirchengebäude. Immer wieder aufs Neue.

Meine Kurzgeschichte: „Bis dass der Tod uns scheidet? Eine BDSM-Liebesgeschichte“

FSK 18

„Ich bin ein alter Mann. Siehst du den Kellner, Sub? Er dürfte so um die Dreißig sein. Wäre er ein Dom, wäre er doch alterstechnisch perfekt für dich!“

Jana verschluckte sich beinahe an ihrem aromatischen Kaffee, als sie die Worte ihres Herrn vernahm. Wieder dieses leidige Thema, auf das er in letzter Zeit wiederholt zu sprechen kam – sein Alter. Es war nicht so, dass es ihr Herr offensichtlich tat. Nein. Er ging behutsam vor, denn er ahnte, dass seine Worte sie verletzten. Meist standen diese verheerenden Sätze in einem subtilen Zusammenhang und wurden mit einer sorglosen Leichtigkeit ausgesprochen, die in einem ambivalenten Verhältnis zu deren Schwere stand.  

Missmutig kniff Jana ihre Augen zusammen und runzelte verärgert ihre Stirn. Konnte sich ihr Herr diese Spitzen nicht verkneifen? Bereitete es ihm Vergnügen, unentwegt auf ihren Altersunterschied hinzuweisen? Anfangs war er kein bedeutsames Thema zwischen ihnen. Im Gegenteil, sie scherzten darüber. Doch in den vergangenen Wochen rückte ihr Herr die größere Altersdifferenz vermehrt in den Fokus.

Jana fragte sich, warum er dies tat. Meist verbarg sie ihren Groll über seine Aussprüche hinter einem angestrengten Lächeln oder überhörte sie schlichtweg. Das ganze Verhalten ihres Herrn war seltsam, nicht nur in dieser Hinsicht.

Es war schwer, die passenden Worte für dieses wabernde Ungetüm zwischen ihnen zu finden. Der beste Vergleich fand sich in einer immer dichter werdenden Wolkendecke. Wolken, deren Weiß sich in Grau umwandelten. Wolken, die sich unaufhaltsam formierten und zu einer unheilbringenden Gewitterfront auftürmten. Je länger sie über diese Metapher nachdachte, desto trefflicher erschien sie ihr. Ob Jana eher den aufziehenden Sturm fürchtete oder die einsetzende Stille, kurz bevor sich der erste Blitz entlud, dessen war sie sich nicht sicher. Doch sie fürchtete sich.

Der Duft des mit Karamell verfeinerten Kaffees stieg Jana erneut in die Nase. Gedankenverloren griff sie nach der randvollen Tasse. Gerade erst serviert worden, war das Getränk noch sehr heiß und schmerzte ihr beim Ansetzen an den Lippen. Ein spitzer Schrei entfuhr ihr. Beherzt stellte sie die bauchige Tasse ab. Dabei schwappte der Inhalt über die Untertasse und verunstaltete die geblümte Tischdecke mit einem großen, brauen Fleck.

Hastig tupfte Jana diesen trocken und bemühte sich um Schadensbegrenzung. Dabei stieß sie gegen die Blumenvase in der Mitte des Tisches. Die zwei roten Rosen darin kamen gefährlich ins Wanken. Jana prustete und spürte Tränen der Entrüstung in sich aufsteigen. Das war doch absurd! Konnte sie sich nicht wie andere Leute im Griff haben? Wer außer ihr weinte wegen einer solchen Lappalie? Ihre Nerven waren wohl angespannter, als sie vermutete.

Da spürte Jana die markante Hand ihres Herrn auf ihren Fingern. Ein schwieliger Daumen strich rau über ihre zarte Haut und sandte angenehme Schauder über ihren Rücken. Ein mächtiges Gefühl von Erregung vertrieb alle ungeliebten Gedanken. Sinnliches Prickeln erfüllte ihren Kitzler, ließ ihn pochen und ihre Schamlippen anschwellen. Drängende Nässe breitete sich in ihrem pulsierenden Spalt aus und benetzte die Innenseiten ihrer Oberschenkel. Jana atmete schneller und um Beherrschung ringend. Ihre Wangen waren erhitzt. Wie vermochte ihr Herr es, sie mit einer simplen Geste so intensiv zu berühren? Die Angst, dass dieser Umstand keinem anderen Herrn mehr gelingen würde, verdrängte Jana tunlichst. Trotz ihrer Unerfahrenheit erahnte sie instinktiv, dass sie und ihr Herr etwas Seltenes teilten, das nicht so leicht zu finden war.

Das tiefe Timbre ihres Herren Stimme lockte sie aufzublicken und in den unergründlichen Tiefen seiner blauen Augen zu versinken. Ein ganzes Gefühlskaleidoskop begegnete Jana darin. Sie hielt seinem eindringlichen Blick stand, als er wohlwollend resümierte: „Meine Liebe, du wärst nur ein Schatten deiner selbst, bliebest du allseits beherrscht. Wie schön dein Licht strahlt in deiner Aufrichtigkeit. Unschuldig und rein, gleich einem kostbaren Diamanten.“ Seine Worte umhüllten Jana wie ein schützender und Geborgenheit spendender Mantel. Zärtlich glitten seine Finger in ihre und hielten sie sanft umfangen.  

Jana konnte nichts erwidern. Ein dicker Klos formte sich in ihrer Kehle und drückte bei jedem Schlucken. Erneut stiegen Tränen in ihr auf. Tränen der Rührung. Aufgrund ihres impulsiven Charakters kam es vor, das sie von ihren Mitmenschen abgelehnt wurde und Missgunst und Ausgrenzung erfuhr. Sie wusste darum, mit einem überlegten Handeln und reflektierten Vorgehen Probleme und Missverständnisse vermeiden zu können. Eine intrigante Absicht verbarg sich nicht hinter ihren Reaktionen. Jana agierte schlichtweg in bestem Wissen und Gewissen und frei jeglichen Taktierens. Sie trug ihr Herz auf der Zunge.

„Den meisten Menschen wirst du zu anstrengend sein. Auch vielen Doms. Doch manchmal widerfährt einem Glück im Leben. Vielleicht auch dir und einer wird verweilen und genauer hinblicken. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen!“

Wieder so ein Ausspruch ihres Herrn, der sie nachdenklich stimmte. Warum zog er andauernd diese Vergleiche? Sie war seine Sub und hegte kein näheres Interesse an anderen dominanten Wesen. Nein, definitiv nicht! Jana wollte nur ihren Herrn und war ihm ergeben mit alledem, was ihn ausmachte.

Der herannahende Kellner veranlasste Jana dazu, schnell die Tränen zu trocknen. Sie wollte ihren Herrn nicht erzürnen. Obwohl sich Jana seiner vollen Unterstützung gewiss war, ahnte sie, dass ihm emotionale Ausbrüche in der Öffentlichkeit unangenehm waren. Ihr Herr war ein diskreter Zeitgenosse, der nicht jedem Einblick in seine Gefühlswelt gewährte. So lächelte Jana, als der Bedienstete fragte, ob beide noch einen Wunsch hätten.

„Haben wir noch einen Wunsch, Schatz?“, konterte Jana grinsend und fing den vielsagenden Blick ihres Herrn auf. Die plötzlich eintretende Stille verursachte ihr ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas stimmte nicht, dessen war sie sich sicher. Ihre Intuition hatte sie selten getäuscht. Sonst lachte ihr Herr über ihren Humor und ergänzte die neckischen Bemerkungen schlagfertig mit zweideutigen Anspielungen. Oder eine anzügliche Bestrafung folgte.

Jana wurde übel. Am liebsten wäre sie aufgestanden und hätte diese groteske Szenerie verlassen, um an einem ruhigen Ort tief Luft zu holen. Ihre Hände begannen zu zittern, als ihr Herr seine Finger von ihren löste und den Kellner mit einem „Nein, vielen Dank, die Rechnung bitte“ abspeiste.  

Der bittere Geschmack von Galle breitete sich in Janas Mund aus. Sie versuchte ihre Angst vor einem drohenden Unheil mit einem Positionswechsel zu kompensieren und schlug ihre Beine auf andere Weise übereinander. Etwas Unausweichliches brach sich gerade Bahn. Jana ahnte, dass es ihre verletzliche Seele zerstören könnte. Und die ihres geliebten Herrn.

„Ich müsste noch auf die Toilette, bevor wir gehen. Darf ich Sie darum um Erlaubnis bitten, Herr?“ Jana wartete nicht seine Ermächtigung ab, sondern stand hastig auf. Eine ungewöhnliche Handlungsweise von ihr, denn normalerweise war sie eine gehorsame Sub. Von Verzweiflung getrieben griff sie eilig nach ihrer Handtasche.

„Setze dich bitte.“ Mehr von seiner Seite brauchte es nicht. Jana folgte seinen ruhigen Worten umgehend. Ihres Herren stille Autorität hatte sie von Beginn an fasziniert. Die Eindringlichkeit seiner Präsenz hätte nicht wirkungsvoller sein können. Es bedurfte keines Schreiens. Nie. Stumm sank Jana auf den hölzernen Stuhl zurück. Ihr Herr fuhr sich mit der Hand durch seine graumelierten Schläfen und fixierte sie starren Blickes.

„Sub, du hast mitbekommen, dass ich bei meinem Hausarzt war, weil ich wiederkehrende, starke Bauchschmerzen hatte und ab und an Blut spuckte. Er verordnete mir daraufhin eine Magenspiegelung, bei der auffällige Schleimhautwucherungen entdeckt wurden.“

Er konnte Jana nicht mehr ansehen und betrachtete leeren Blickes die zwei roten Rosen in der Vase. Seine Schultern wirkten eingefallen, trotz der beachtlichen Spannung, die seinen Körper erfasste, und seine Gesichtsfarbe wurde fahl. In diesem Augenblick erschien ihr Herr ihr um Jahre gealtert. Da kehrte sein Blick zu Jana zurück. Die aufglimmende Ausweglosigkeit darin ließ sie zusammenzucken.

„Bitte nicht!“, stammelte sie. Unbeeindruckt dessen sprach ihr Herr weiter: „Die Gewebeproben, die anschließend entnommen und untersucht wurden, stellten sich als bösartig heraus. Ich habe Magenkrebs.“

Den wiederkehrenden Kellner bemerkte Jana nicht, genauso wenig die Begleichung der Rechnung. Alles drehte sich. Nur mit äußerster Mühe konnte Jana verhindern, sich nicht an Ort und Stelle zu übergeben. Ihr Tisch lag zum Glück abseits der anderen Gäste. Oder war dies kein Zufall? An diesem späten Vormittag fanden sich nur wenige in der heimeligen Brasserie ein. So waren sie, trotz dem sie sich in der Öffentlichkeit befanden, relativ abgeschirmt.

Jana fühlte sich in einen schrecklichen Film versetzt, in dem ihr die grausame Hauptrolle zukam. Sie stand vollkommen neben sich. Fühlte es sich so an, wenn das Herz vor Kummer zerbrach? War dies der Zustand, bevor nichts mehr zu einem durchdrang?

Das Zittern ihrer Hände verschwand und machte einer Steifheit Platz. Hatte Jana seine Worte richtig verstanden? Magenkrebs? Bedeutete das etwa, er musste sterben?

Ihr Herr schien ihren betroffenen Zustand nicht zur Kenntnis zu nehmen. Als sie wieder alleine waren, führte er seine Erzählung fort: „Sub, mache dir keine Sorgen. Ich werde mich in der kommenden Zeit einer ganzen Reihe medizinischer Behandlungen unterziehen. Dein Herr hat schon andere Dämonen in seinem Leben bezwungen. Nun nehme ich es mit dem Monster Krebs auf. Sollte ich diesen Kampf verlieren, werde ich mein Schicksal akzeptieren. Wenn es so sein soll, kann ich in Frieden und reinen Gewissens von dieser Welt gehen.“

Jana war fassungslos. Sie räusperte sich und redete gegen den immer dicker werdenden Klos in ihrem Hals an. Ihre Stimme klang unnatürlich hoch: „Mein Herr, bitte schließen Sie nicht mit Ihrem Leben ab. Werden Sie nicht mutlos und verzagen Sie nicht! Sie sind ein kraftvoller und entschlossener Mann und werden den Krebs besiegen!“ Jana unterdrückte die Tränen, die heiß hinter ihren Lidern flirrten, denn sie wollte stark für ihren Herrn sein. Am liebsten hätte sie ihm all ihre Energie übertragen, um dass sie gemeinsam diese unheilvolle Krankheit besiegen konnten. Dieser tröstliche Gedanke schenkte Zuversicht. „Wir schaffen das! Ich werde da sein und Sie zu Ihren Untersuchungen begleiten.“

Die große Hand ihres Herrn krachte mit einer solchen Wucht auf den Holztisch, dass die Tischbeine vibrierten. „Nein Sub, das wirst du nicht!“ Jana erschrak und starrte ihn offenen Mundes an.

Die darauffolgende Stille hätte nicht lauter hallen können. Ein Rauschen breitete sich in Janas Trommelfell aus und verursachte ihr heftige Kopfschmerzen. „Warum denn nicht?“, hauchte sie kaum hörbar. Ihre Selbstkontrolle ließ sie im Stich. Eine Träne rann bereits über ihre blasse Wange.

Ihr Herr ballte seine Hand so vehement zu einer Faust , dass die Knöchel weiß hervortraten. Der intensive Ausdruck in seinen blauen Augen hielt Jana gefangen. Eine lähmende Ohnmacht kroch ihr eiskalt in die Glieder. Das alles verzehrende Gefühl nackter Angst bemächtigte sich ihrer erbarmungslos. Janas fein geschwungene Lippen zuckten unkontrolliert, als er in kühlem Ton weitersprach:

„Unsere Wege trennen sich hier Sub Jana. Ich entlasse dich aus deinen Diensten und stehe dir als Herr nicht mehr zur Verfügung. Danke für deine Hingabe und dein ehrenwertes Dienen. Du wirst dir einen Dom suchen, der deiner Altersklasse entspricht und mit ihm glücklich werden.“ Reglos erhob er sich und stolperte über das Tischbein, als er zum Gehen ansetzte. Sogleich sprang Jana auf und stellte sich ihm in den Weg. All ihre Selbstbeherrschung war verflogen. Sie scherte sich nicht mehr um die anderen und was sie dachten, inklusive ihrem Herrn.

Getrieben von unbändiger Wut holte sie schwungvoll aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. „Was erlaubst du dir Weib, mich zu schlagen?“, keuchte er. Seine geschlagene Gesichtshälfte leuchtete gerötet. Janas Händeabdruck zeichnete sich deutlich auf seiner Haut ab. Doch Jana ignorierte seinen Protest und holte erneut aus. Grenzenlos wog ihre Empörung über sein Verhalten.

Geistesgegenwärtig hatte ihr Herr Janas Reaktionen vorausgesehen, kannte er doch ihr temperamentvolles Wesen zu gut. In einer schnellen Drehung packte er ihr Handgelenk und bog ihr den Arm hinter den Rücken. Ihre attraktiven Kurven pressten sich unwillkürlich gegen seinen harten, männlichen Körper. Schwer atmend spie der Herr ihr entgegen: „Du Miststück wagst es, meine Autorität infrage zu stellen? Ich handle aus Verantwortung dir gegenüber, dummes Ding! Die hässliche Fratze der Krankheit möchte ich dir ersparen. Du bist jung und kennst noch kein wahres Leid. Glaubst du etwa, es würde dir Vergnügen bereiten, mich mit Schläuchen versehen im Krankenbett liegen zu sehen? Oder mich kotzend und vor Schmerzen windend wegen der Nebenwirkungen der Bestrahlung zu erleben? Möchtest du dabei sein, sollte ich elendig krepieren? Ist es das, was du willst? Ist es das?“

Sein Griff um ihr Handgelenk wurde zunehmend fester und er schüttelte sie, als jedes seiner Worte messerscharf auf Jana niederprasselte. Der glühende Ausdruck in seinen Augen ließ diese grau und undurchdringlich werden, als sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.

Jana war vollkommen aufgelöst und nicht mehr in der Lage, sich zu zügeln. Die unwiderrufliche Wahrheit drang gnadenlos in ihr Bewusstsein vor und manifestierte sich dort zu einer unüberwindbaren Mauer. Eine Mauer, die ihr Herz mit stählernem Griff umschlossen halten würde. Doch unbändiger Zorn gab ihr die Kraft, für sich einzustehen. „Werter Herr, ich bin erwachsen und kann selbst darüber entscheiden, mit was ich konfrontiert werde und mit was nicht. Verstehen Sie das? Sie sind für mich kein bloßer Beschaffer meiner Begierde, den ich nur will, wenn er gesund ist! Wir haben uns einst geschworen: „Für immer und ewig, in guten wie in schlechten Tagen“. Ich stehe zu meinem Versprechen Ihnen gegenüber, weil ich Sie liebe! Sie nehmen ihres scheinbar nicht ernst, Sie blödes Arschloch!“  

Da vergaß sich ihr sonst so gemäßigter Herr. Er packte Jana am Schopf, riss ihren Kopf nach hinten, schimpfte sie Luder und senkte seine Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss auf ihre. Jana stöhnte in seine Mundhöhle und rang mit ihm, doch ihr Körper war nicht mehr ihr Verbündeter. Er strafte ihre Gegenwehr Lügen, als sein berauschender Duft sie einlullte. Ihre Knie gaben nach, als sie ihn schmeckte und ihre Zungen erregend aneinander stießen. Seine Bartstoppeln zerkratzten ihr Kinn und scheuerten es wund. Jana öffnete gierig den Mund, empfing all seine Heftigkeit und verdrängte die vernichtende Erkenntnis, das sie wohl ihren letzten gemeinsamen Kuss teilten. Seltsamerweise war es nicht von Belang, denn dieser kostbare Moment der Glückseligkeit würde sich für immer in beide Seelen einbrennen. Dieser Augenblick würde alle Zeiten überdauern.

Gleich einer Verzweiflungstat schlangen die Liebenden ihre Arme umeinander und pressten sich die Hüften entgegen. Sie fochten einen verzehrenden inneren Kampf aus, liebkosten und straften, schenkten und nahmen. Warme Feuchte traf bedingungslose Hingabe. Die Zeit stand still.

Janas Herr vertiefte seinen Kuss und nahm sie fordernd in Besitz. Immer wieder drang seine Zunge in sie ein. All seine Verzweiflung und Zuneigung brandeten in dieser Liebkosung. Er trank ihre weibliche Essenz, bediente sich ihres Begehrens, brandschatzte sie. Seine geliebte Sub. Seine Gefährtin. Seine Seelenpartnerin. Sein Lebenselixier. Seine Daseinsberechtigung. Sein Ein und Alles.

Die Beule in seiner Hose wuchs unaufhörlich und drückte sich schmerzhaft an ihr saftendes Fleisch. Sein hartes Glied sehnte nach Erlösung und einem Frieden, der über die schlichte körperliche Vereinigung weit hinausging. Das drängende Bedürfnis, Jana als die Seine mit seinem Sperma zu markieren, ihren Leib mit Marken zu zeichnen und sich tief in ihr zu verströmen, war übermächtig. Am liebsten hätte er sie an Ort und Stelle auf die Pflastersteine gebettet und sich so lange in ihr versenkt, bis jeder Tropfen seines Lebenssaftes vergossen war und die Erschöpfung ihn niederrang. Er wollte mit ihr alle Hindernisse überwinden und der vermaledeiten Krankheit ins grässliche Antlitz spucken. Er wollte. Verdammt!

So unvorhergesehen, wie der Kuss begann, endete er. Ihr Herr löste sich ruckartig von Jana und schob sie von sich. Wieviel Kraft ihn dieser Schritt letztendlich kostete und wie sehr er darunter litt, konnte sich Jana nicht erschließen. Zu unbeweglich muteten seine Gesichtszüge an, als erneut die Maske der kühlen Zurückhaltung niedersank. Die nüchterne Contenance war zurück. Ihres Herren wild pochendes Herz blieb genauso verborgen wie die Gallenflüssigkeit, die er mühsam herunterschluckte.  

„So ist es zu deinem Besten Sub. Dein Herr weiß, was er tut. Meine Erkrankung soll dich nicht belasten. Es reicht, wenn sie mich zerstört. Dich soll sie unbeschadet lassen.“ Er blickte auf ihre geschwollenen Lippen. Salzig hatten sie geschmeckt von ihren Tränen, neben der unvergleichlichen Süße. Ein letztes Mal verlor er sich in ihrem wunderschönen Antlitz, das ihm liebend entgegenfunkelte. Verflucht sollte er sein!

„Lebe wohl“, flüsterte er. Dann trat er aus ihrem Leben.

Der Hauch seines Rasierwassers lag noch in der Luft, als ihr Herr schon längst gegangen war. Er hatte sie verlassen. Jana war danach an den Tisch zurückgekehrt und wie eine Marionette, deren Fäden durchgeschnitten wurden, in sich zusammengesunken. Auf ihrem Platz kauernd betrachtete sie den leeren Stuhl, auf dem er zuvor gesessen hatte. Ihr war auf einmal kalt. Die wärmenden Strahlen der Sonne, die mittlerweile hoch am Himmel stand, erreichten sie nicht mehr. Unfähig sich zu bewegen, registrierte Jana den Kellner erst spät, der soeben an ihre Seite gekommen war. Sie musste schrecklich aussehen mit ihrem verschmierten Make-up und dem vom Weinen verquollenen Gesicht. Ihre Tränen waren nicht versiegt und rannen unaufhörlich über ihre bleichen Wangen. Der Angestellte war professionell genug, über ihr derangiertes Aussehen hinwegzusehen. Er wollte die sympathische, junge Frau, die so niedergeschlagen wirkte, nicht unnötig in Verlegenheit bringen.

„Entschuldigen Sie bitte, ich möchte Sie nicht stören, doch das Taxi ist da. Der Fahrer wird allmählich ungeduldig. Der freundliche Herr, ihre Begleitung, hat es für Sie in Auftrag gegeben, bevor er ging.“ Unauffällig legte er eine Packung Taschentücher ab.

Jana lächelte freudlos. Der Glanz ihrer Augen war erloschen. „Natürlich“, wisperte sie kaum hörbar und mehr zu sich selbst, „mein Herr war schon immer ein fürsorglicher Mann.“

Die singende Begegnung am Grab

 

Ich stehe bei meinem Sternchen am Grab, rede mit ihr, erzähle ihr vom Tag und frage, wie es ihr geht. Weil ihr Geburtstag ist, singe ich ihr das Lied: `Wie schön, dass du geboren bist`. Auf einmal bemerke ich eine Frau, die leicht versetzt in der Reihe hinter mir bei den Urnengräbern steht. Sie lächelt mich an und begrüßt mich schüchtern, bevor sie auf mich zugeht.

„Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht belauschen. Sie haben so schön gesungen. Das ist ungewohnt hier auf dem Friedhof. Ist das Grab von Ihrem Kind?“

„Ja, das ist meine liebe und herzensgute Kleine. Dieses Lied mochte sie besonders gerne. Sie musste leider schon gehen.“

„Das tut mir sehr leid, dass sowas geschehen musste. Wissen Sie, ich bin auch Mutter. Ich kann Sie sehr gut verstehen. Da hinten liegt das Grab meines Mannes. Ich habe ihn besucht, da wir heute unsere Goldene Hochzeit gefeiert hätten. Aber der Krebs, nun ja. Er durfte nicht friedlich gehen und hatte bis zum Schluss starke Schmerzen. Es war schlimm, sage ich Ihnen!“

Eine ganze Weile stehen wir so beieinander. „Wie hieß Ihr Mann, darf ich fragen?“ „Hans.“ „Haben Sie Lust, sollen wir Hans zusammen ein Lied singen? Sie feiern heute doch auch ein Fest zusammen.“ Die Frau wird ganz verlegen. „Meinen Sie? Darf man das denn auf dem Friedhof, gehört sich das so?“

„Ich glaube, der liebe Gott und unsere Verstorbenen haben nichts dagegen, wenn sie uns mit Freude singen hören. Vermutlich ist ihnen das lieber, als unsere Tränen und unser Leid sehen zu müssen.“

Die Frau denkt eine Weile nach. Schließlich meint sie: „`Das Wandern ist des Müllers Lust`. Das liebte er zu singen, als er mit seinen Freunden noch Ausflüge unternehmen konnte. Das würde ihn freuen.“

Und so haben wir Hans das Lied gesungen. „Haben Sie ihn auch gehört beim Singen?“, frage ich die fremde Frau, die mich mit großen Augen ansieht.

„Wissen Sie, sie sind bei uns an unserer Seite, unsere Verstorbenen. Ob die Partner, die Eltern oder unsere Kinder. Alle sind nur in einer anderen Welt.

“Nächstes Mal singe ich wieder!“, lächelt mich die Frau daraufhin an.

Gesunde Ernährung: Superfood Algen

Hand aufs Herz: Gehören Sie auch zu dem Großteil der Menschen in Deutschland, die Algen in erster Linie als grünes und glibberiges Etwas aus dem Meer definieren? Mit Blick auf andere Teile der Erde kann festgestellt werden, dass bei vielen Bevölkerungsgruppen Algen als Gemüse aus dem Meer angesehen und geachtet werden und einen festen Bestandteil des Speiseplans ausmachen. Rückblickend in die Geschichte lehrten einst die Mayas die Zucht der Alge Spirulina und versorgten mit diesem Wissen 2 Millionen Menschen. Wussten Sie, dass es Algen schon lange vor uns Menschen gab? Mehr noch, sie zählen sogar zu den ältesten Lebewesen dieses Planeten!

In etwa werden 30.000 verschiedene Sorten an Algen weltweit gezählt, welche auch für 90 % der globalen Sauerstoffproduktion verantwortlich sind. Dadurch leisten Sie uns einen enormen Beitrag! Die Nahrung der Algen besteht aus den Mineralien des Wassers und dem Kohlendioxid aus der Atmosphäre, gebildet durch das Sonnenlicht. Algen vermögen aufgrund des natürlich hohen Chlorophyllgehalts, wie viele andere Pflanzen auch, Wasser und Kohlendioxyd durch Sonnenlicht in wertvolle Nährstoffe umzuwandeln. Dieser biologische Prozess ist in der Wissenschaft unter dem Begriff „Fotosynthese“ bekannt. Der wirkliche Schatz darin verbirgt sich in dem Geschenk des Sauerstoffs, welcher durch diesen natürlichen Prozess freigesetzt wird. Erkennen Sie, wie wichtig die glibberig wirkenden Algen dadurch für Mensch und Tier werden? Wir können uns nicht leisten, ohne Algen zu sein, denn ohne den produzierten Sauerstoff würde das Leben auf unserem Planeten vermutlich ein anderes sein.

Ist Alge gleich Alge?

Die Grundfarbe von Algen ist grün. Diese ergibt sich aus dem hohen Chlorophyll-Gehalt der Pflanze. Manchmal kann Sie Ihr Auge in Bezug auf die Farbwahrnehmung täuschen, denn zusätzliche Farbpigmente lassen das Grün nicht erkennen, sondern überdecken es. In der Algenkultur werden folgende Unterschiede benannt:

● Die Rotalgen (unter anderem Nori) und die Braunalgen (unter anderem Wakame)

● Die blaugrünen Algen (unter anderem Spirulina) und die Grünalgen (unter anderem Chlorella)

Die beiden letzteren gehören nicht zur Gattung Makroalgen wie ihre großen Verwandten, denn ihre Beschaffenheit ist so winzig, dass Sie diese mit Ihren bloßen Augen nicht einmal wahrnehmen können. Ihre Gattung wird als Mikroalgen bezeichnet. Spirulina und Chlorella gehören neben der AFA-Alge zu den bekanntesten Mikroalgen. Die Gemeinsamkeit aller Mikroalgen ist es, dass sie sich auf dem Speiseplan als so genanntes Superfood wiederfinden, oftmals in Form einer Nahrungsergänzung oder zum Zwecke einer Entgiftung.

Was ist es, das Algen so wertvoll macht?

Ein ganz wichtiger Faktor bei der Beantwortung dieser Fragestellung ist die Nachhaltigkeit. Das Wachstum einer Alge ist verhältnismäßig schnell und immer wiederkehrend. Diese Begebenheiten können sie in der Zukunft zu einer bedeutsamen Nahrungsquelle werden lassen, um die immer größer werdende Weltbevölkerung zu versorgen. Ebenso ist dabei ein weiterer wichtiger Faktor, dass Algen zur Klimaverbesserung beitragen, indem sie Sauerstoff durch den Fotosynthese-Vorgang produzieren und gleichsam Treibhausgase bündeln können.

Können Sie sich vorstellen, dass die Inhaltsstoffe von Algen unglaublich bereichernd und wertvoll für Ihren Körper sein können? Algen gehören in der Tat zu den nährstoffreichsten, essbaren Nahrungsmitteln. Sie schenken uns sehr viele Proteine, wichtige Mineralstoffe (Calcium, Jod, Eisen), gute Vitamine (Betacarotin, B-Vitamine) und nahrhafte Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe.

In Bezug auf den Säure-Basenhaushalt des Körpers helfen Algen beim Neutralisieren und Ausgleichen. Sie unterstützen dabei, den Sauerstoffgehalt im Blut zu durch deren großen Chlorophyllgehalt zu erhöhen, die körpereigene Immunabwehr zu fördern, und ihre Inhaltsstoffe agieren schützend und antioxidativ. Nicht umsonst werden Algen in der Alternativmedizin zur Ausleitung von Schwermetallen eingesetzt. Dabei fungieren Algen wie kleine Kraftspeicher, deren Nährstoffe leicht verfügbar und in konzentrierter Form sind. Hätten Sie gedacht, dass Algen in diesem Maße gesundheitsfördernd sind? Immer mehr Menschen in unseren Breitengraden entdecken den Gesundheitseffekt der Algen. Ebenso auch die Wirtschaft und deren Unternehmen, die vermehrt Produkte aus Algen herstellen.

Welche Alge findet wie Anwendung?

Getrocknet in Pulverform oder alternativ in Form von Presslingen werden Spirulina und Chlorella angeboten. Aus diesen Darreichungsformen können Sie wohltuende, energiereiche Getränke mischen, Smoothies bereichern oder Dips für Beilagen einen gehörigen Mehrwert und extra Pfiff geben.

Sind Sie ein Genießer von leckeren Salaten? Dann sollten Sie in Ihrer Küche Makroalgen verarbeiten. Eingeweicht und getrocknet sollten Sie das gerne einmal ausprobieren. Besonders Spaghetti a la Mare eignen sich besonders dafür und lassen beim bloßen Gedanken daran unseren Magen knurren.

Gibt es unter Ihnen auch Sushi-Fans? In diesem Fall wäre die Nori-Alge genau das Richtige, denn diese lässt sich als Sushi-Grundlage ganz klassisch oder klein geschnitten als besonderes Streugut für extravagante und leckere Gerichte verwenden. Letzteres beinhalten auch die Dulse-Algen, die zu der Gattung der Rotalgen gehören.

Sollten Sie ein großer Liebhaber von maritimen Gerichten sein, die intensiv nach Meer schmecken, wäre für Sie die würzige Wakame eine feine Option. Ihre Beschaffenheit ist relativ fest, anders als bei ihren Artgenossen. Nach der Anwendung einer längeren Einweichzeit kann die Wakame-Alge eine wohlschmeckende Grundlage für jegliche Arten von Eintöpfen und Suppen sein.

Als ein relativ beliebtes Gelier- und Verdickungsmittel fungiert die Alge Irish Moos. Der Knorpeltang wird in dieser Hinsicht für Speisen aller Art verwendet. Besonders in der veganen Küche ist er sehr beliebt: Er ersetzt den Einsatz von Gelatine. Dabei kann sich diese Alge in Torten, Eis, schmackhaften Dessertcremes bis hin zu mundenden Soßen befinden!

Beliebte Produkte hergestellt aus Algen

Das Superfood Algen befördert derzeit viele verschiedene Produkte auf den Markt. Lieben Sie auch die würzig-feinen Kartoffelchips? Probieren Sie doch mal als wesentlich gesündere Alternative Snacks aus knusprig und pikant verfeinerten Algenblättern. Meersalz, Rapsöl und Nori-Algenblätter – fertig ist der krosse und figurfreundliche Knabberspaß. Ebenso spannend klingt die Algen Bouillon zum Verfeinern von Suppen und Soßen. Als vitaminreiche Nahrungsergänzung bieten sich Spirulina-Tabletten an, die mit Wasser geschluckt oder in Smoothies aufgelöst werden können. Sie sind vegan, biologisch hergestellt und ohne jegliche Zusatzstoffe. Gerade als Eisenlieferant finden sie in der veganen Ernährung Anklang.

Hätten Sie vermutet, dass Spirulina Chilli eine Käsesorte darstellt, jedoch mit konventionellem Käse nichts zu tun hat? Eine Gaumenfreude, wenn man es denn scharf mag und experimentierfreudig ist. Da Spirulina acht essenzielle Aminosäuren beinhaltet, würde diese Speise dem Körper sicherlich guttun.

Auch die Welt der Brotaufstriche wird durch Algen revolutioniert, als vegane Variante zu Leberwurst oder auch eine Algen-Bratwurst, ebenso vollkommen vegan. Diese spannenden Möglichkeiten in der Verarbeitung eines nachhaltigen Lebensmittels gibt es, ergänzend durch Algenlimonade, dem Kaviar ähnlich aussehenden Algenperlen, leckere Meeres-Spaghetti (zu denen es schon ein Kochbuch gibt) und Spirulina-Cracker als weitere gesunde Alternative zu Kartoffelchips.

Ausblick auf dieses Buch Algen sind trendy und im Kommen und das gesunde Aushängeschild der aktuellen Superfood-Bewegung.

Rückblickend in die Geschichte lehrten einst die Mayas die Zucht der Alge Spirulina und versorgten mit diesem Wissen 2 Millionen Menschen. Wussten Sie, dass es Algen schon lange vor uns Menschen gab? Mehr noch, sie zählen sogar zu den ältesten Lebewesen dieses Planeten!

In etwa werden 30.000 verschiedene Sorten an Algen weltweit gezählt, welche auch für 90 Prozent der globalen Sauerstoffproduktion verantwortlich sind. Dadurch leisten Sie uns einen enormen Beitrag! Die Nahrung der Algen besteht aus den Mineralien des Wassers und dem Kohlendioxid aus der Atmosphäre, gebildet durch das Sonnenlicht. Algen vermögen aufgrund des natürlich hohen Chlorophyllgehalts, wie viele andere Pflanzen auch, Wasser und Kohlendioxyd durch Sonnenlicht in wertvolle Nährstoffe umzuwandeln. Dieser biologische Prozess ist in der Wissenschaft unter dem Begriff Fotosynthese bekannt. Der wirkliche Schatz darin verbirgt sich in dem Geschenk des Sauerstoffs, welcher durch diesen natürlichen Prozess freigesetzt wird. Erkennen Sie, wie wichtig die glibberig wirkenden Algen dadurch für Mensch und Tier werden? Wir können uns nicht leisten, ohne Algen zu sein, denn ohne den produzierten Sauerstoff würde das Leben auf unserem Planeten vermutlich ein anderes sein.

Ist Alge gleich Alge?

Die Grundfarbe von Algen ist grün. Diese ergibt sich aus dem hohen Chlorophyll-Gehalt der Pflanze. Manchmal kann Sie Ihr Auge in Bezug auf die Farbwahrnehmung täuschen, denn zusätzliche Farbpigmente lassen das Grün nicht erkennen, sondern überdecken es. In der Algenkultur werden folgende Unterschiede benannt:

● Die Rotalgen (unter anderem Nori) und die Braunalgen (unter anderem Wakame)

● Die blaugrünen Algen (unter anderem Spirulina) und die Grünalgen (unter anderem Chlorella)

Die beiden letzteren gehören nicht zur Gattung Makroalgen wie ihre großen Verwandten, denn ihre Beschaffenheit ist so winzig, dass Sie diese mit Ihren bloßen Augen nicht einmal wahrnehmen können. Ihre Gattung wird als Mikroalgen bezeichnet. Spirulina und Chlorella gehören neben der AFA-Alge zu den bekanntesten Mikroalgen. Die Gemeinsamkeit aller Mikroalgen ist es, dass sie sich auf dem Speiseplan als so genanntes Superfood wiederfinden, oftmals in Form einer Nahrungsergänzung oder zum Zwecke einer Entgiftung.

Was ist es, das Algen so wertvoll macht?

Ein ganz wichtiger Faktor bei der Beantwortung dieser Fragestellung ist die Nachhaltigkeit. Das Wachstum einer Alge ist verhältnismäßig schnell und immer wiederkehrend. Diese Begebenheiten können sie in der Zukunft zu einer bedeutsamen Nahrungsquelle werden lassen, um die immer größer werdende Weltbevölkerung zu versorgen. Ebenso ist dabei ein weiterer wichtiger Faktor, dass Algen zur Klimaverbesserung beitragen, indem sie Sauerstoff durch den Fotosynthese-Vorgang produzieren und gleichsam Treibhausgase bündeln können.

Können Sie sich vorstellen, dass die Inhaltsstoffe von Algen unglaublich bereichernd und wertvoll für Ihren Körper sein können? Algen gehören in der Tat zu den nährstoffreichsten, essbaren Nahrungsmitteln. Sie schenken uns sehr viele Proteine, wichtige Mineralstoffe (Calcium, Jod, Eisen), gute Vitamine (Betacarotin, B-Vitamine) und nahrhafte Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe.

In Bezug auf den Säure-Basenhaushalt des Körpers helfen Algen beim Neutralisieren und Ausgleichen. Sie unterstützen dabei, den Sauerstoffgehalt im Blut zu durch deren großen Chlorophyllgehalt zu erhöhen, die körpereigene Immunabwehr zu fördern, und ihre Inhaltsstoffe agieren schützend und antioxidativ. Nicht umsonst werden Algen in der Alternativmedizin zur Ausleitung von Schwermetallen eingesetzt. Dabei fungieren Algen wie kleine Kraftspeicher, deren Nährstoffe leicht verfügbar und in konzentrierter Form sind. Hätten Sie gedacht, dass Algen in diesem Maße gesundheitsfördernd sind? Immer mehr Menschen in unseren Breitengraden entdecken den Gesundheitseffekt der Algen. Ebenso auch die Wirtschaft und deren Unternehmen, die vermehrt Produkte aus Algen herstellen.

Welche Alge findet wie Anwendung?

Getrocknet in Pulverform oder alternativ in Form von Presslingen werden Spirulina und Chlorella angeboten. Aus diesen Darreichungsformen können Sie wohltuende, energiereiche Getränke mischen, Smoothies bereichern oder Dips für Beilagen einen gehörigen Mehrwert und extra Pfiff geben.

Sind Sie ein Genießer von leckeren Salaten? Dann sollten Sie in Ihrer Küche Makroalgen verarbeiten. Eingeweicht und getrocknet sollten Sie das gerne einmal ausprobieren. Besonders Spaghetti a la Mare eignen sich besonders dafür und lassen beim bloßen Gedanken daran unseren Magen knurren.

Gibt es unter Ihnen auch Sushi-Fans? In diesem Fall wäre die Nori-Alge genau das Richtige, denn diese lässt sich als Sushi-Grundlage ganz klassisch oder klein geschnitten als besonderes Streugut für extravagante und leckere Gerichte verwenden. Letzteres beinhalten auch die Dulse-Algen, die zu der Gattung der Rotalgen gehören.

Sollten Sie ein großer Liebhaber von maritimen Gerichten sein, die intensiv nach Meer schmecken, wäre für Sie die würzige Wakame eine feine Option. Ihre Beschaffenheit ist relativ fest, anders als bei ihren Artgenossen. Nach der Anwendung einer längeren Einweichzeit kann die Wakame-Alge eine wohlschmeckende Grundlage für jegliche Arten von Eintöpfen und Suppen sein.

Als ein relativ beliebtes Gelier- und Verdickungsmittel fungiert die Alge Irish Moos. Der Knorpeltang wird in dieser Hinsicht für Speisen aller Art verwendet. Besonders in der veganen Küche ist er sehr beliebt. Er ersetzt den Einsatz von Gelatine. Dabei kann sich diese Alge in Torten, Eis, schmackhaften Dessertcremes bis hin zu mundenden Soßen befinden!

Beliebte Produkte hergestellt aus Algen

Das Superfood Algen befördert derzeit viele verschiedene Produkte auf den Markt. Lieben Sie auch die würzig-feinen Kartoffelchips? Probieren Sie doch mal als wesentlich gesündere Alternative Snacks aus knusprig und pikant verfeinerten Algenblättern. Meersalz, Rapsöl und Nori-Algenblätter – fertig ist der krosse und figurfreundliche Knabberspaß. Ebenso spannend klingt die Algen Bouillon zum Verfeinern von Suppen und Soßen. Als vitaminreiche Nahrungsergänzung bieten sich Spirulina-Tabletten an, die mit Wasser geschluckt oder in Smoothies aufgelöst werden können. Sie sind vegan, biologisch hergestellt und ohne jegliche Zusatzstoffe. Gerade als Eisenlieferant finden sie in der veganen Ernährung Anklang.

Hätten Sie vermutet, dass Spirulina Chilli eine Käsesorte darstellt, jedoch mit konventionellem Käse nichts zu tun hat? Eine Gaumenfreude, wenn man es denn scharf mag und experimentierfreudig ist. Da Spirulina acht essenzielle Aminosäuren beinhaltet, würde diese Speise dem Körper sicherlich guttun.

Auch die Welt der Brotaufstriche wird durch Algen revolutioniert, als vegane Variante zu Leberwurst oder auch eine Algen-Bratwurst, ebenso vollkommen vegan. Diese spannenden Möglichkeiten in der Verarbeitung eines nachhaltigen Lebensmittels gibt es, ergänzend durch Algenlimonade, dem Kaviar ähnlich aussehenden Algenperlen, leckere Meeres-Spaghetti (zu denen es schon ein Kochbuch gibt) und Spirulina-Cracker als weitere gesunde Alternative zu Kartoffelchips. Algen sind trendy und im Kommen und das gesunde Aushängeschild der aktuellen Superfood-Bewegung.

Mein Blogartikel: Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen

Zweifelhafte Trends unter Jugendlichen – Wovor sollten Kinder geschützt werden?

Nicht nur die sozialen Netzwerke ziehen immer mehr Jugendliche in ihren Bann. Auch das Gaming wird immer populärer. Dabei gibt es die unproblematischen Spiele, die einen gewissen Lernerfolg versprechen und die sozialen Fähigkeiten fördern. Gleichsam konsumieren Jugendliche immer mehr die als problematisch einzustufenden Spiele bis hin zu den Glücksspielen der Online Casinos. Diesen zweifelhaften Trends soll durch Maßnahmen des Schutzes entgegengewirkt werden.

Wann wird ein Spiel und das Spielen in Online Casinos problematisch?

Gerade bei den Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren bürgen vor allem diejenigen Spiele ein gewisses Risiko, welche mit einem finanziellen Aufwand einhergehen. Hierbei werden vom Anbieter des Spiels bewusst Kostenfallen in einen Spielablauf integriert, um dieses in irgendeiner Weise attraktiv zu gestalten und somit die Kinder zum Kaufen animieren. Gerade auch eine psychologische Komponente kommt hierbei zum Tragen. Auch die Nutzung derjenigen Online Casinos, die wenig gesichert ihre Dienste auf dem Markt anbieten, bilden eine zweifelhafte Richtung. Diese sollten wenigstens mit einer EU-Lizenz ausgestattet sein, denn diese beinhaltet sichere Rahmenbedingungen.

Zweifelhafte Trends: Glücksspielelemente und finanzielle Aspekte

Jugendliche sind eine der wichtigsten Zielgruppe der Computerspielindustrie. Sie sind aufgrund ihres Entwicklungsstands leicht verführ- und beeinflussbar. Monetäre Aspekte wie das Hinzukaufen von Spielerweiterungen oder zeitlich begrenzte Items binden die Kinder stark an einen Spielverlauf.

Auch Lootboxen, In-Game-Währungen und 1-Click-Käufe animieren die jungen Spieler, finanzielle Investitionen in ihr Freizeitvergnügen zu tätigen.

In Bezug auf Ausschmückungen der Handlungskulisse oder der Spielprotagonisten geben die Jugendlichen zudem vermehrt Geld aus.

Kinder und Jugendliche als Konsumenten von Online Casino-Spielen?

Der Weg von kostenverursachenden Videospielen führt oftmals hin zu den Online Casinos. Die Anonymität des Internets lockt, um eine Nicht-Volljährigkeit zu verschleiern und das Angebot von Online Casinos zu konsumieren.

Der Glücksspielstaatsvertrag regelt den organisatorischen Rahmen von Online Casinos. Offiziell ist das Glücksspiel nur Volljährigen gestattet. Es liegt in der Verantwortlichkeit der Inhaber der Plattformen, durch geeignete und zuverlässige Identifizierungs- und Authentifizierungsmaßnahmen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von der Nutzung auszuschließen. Da Jugendliche erfinderisch sein können und auch mal die Ausweisdokumente ihrer Eltern benutzen, ist ein vollständiger Schutz auch mit besten technischen Personalisierungsmechanismen nicht immer garantiert.

Hier empfiehlt es sich, nach einem Betreiber mit europäischer Lizenz zu suchen, denn diese bietet schützende Rahmenbedingungen, um Missbrauch zu verhindern und Sicherheit zu gewährleisten.

Zudem stehen die Eltern und Erziehungsberechtigten eines Kindes in der Mitverantwortung, vor unerlaubtem Glücksspiel um Echtgeld zu schützen.

Unerlaubte Werbung in sozialen Netzwerken

Äußerst kritisch anzusehen ist der Trend der Werbung für Glücksspiel für Kinder. Dieses ist nicht erlaubt, doch findet sich in kaschierter Form auf Plattformen wie Twitch oder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wieder. Diese Werbung ist als solche nicht immer deklariert. Auf der Plattform Twitch kann zum Beispiel Streamern beim Live-Spielen zugesehen werden. Follower der Streamer sehen dabei, wie Geldsummen gewonnen werden und dieses auf eine vermeintlich einfache und unkomplizierte Art und Weise. Mögliche finanzielle Verluste werden hierbei eher nicht erwähnt.

Bei den Betrachtern implizieren sich dadurch Botschaften im Gehirn. Diese können suggerieren, dass das Glücksspiel grundsätzlich gefahrlos sei und eine gute Möglichkeit, um Geld ohne großen Aufwand zu verdienen.

Die Werbedeals, die hinter diesen Aktionen stehen und mit denen You-Tuber Geld verdienen, sind für die jugendlichen Zuschauer nur schwer zu erkennen.

Die Plattform Twitch versucht diesem Trend mit Maßnahmen wie zeitlicher Streaming-Begrenzung und einer Ausstrahlungszeit erst nach Mitternacht Einhalt zu gebieten, um Jugendliche besser zu schützen.

Mittlerweile muss Werbung in sozialen Netzwerken auch als solche gekennzeichnet sein, doch dies können Jugendliche aufgrund ihrer Unbedarftheit oftmals schwer einschätzen.

Die Gefahr einer Spielsucht ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen tendenziell höher, da diese im Gegensatz zu Erwachsenen die Konsequenzen ihres Handelns schwerer einschätzen und zu einem Ende in einem laufenden Spiel finden können. Jugendliche sind risikobereiter und weniger vorsichtig und weitsichtig. Auch das Streben nach sozialer Anerkennung und Ruhm lässt Jugendliche solchen You-Tuber-Aktionen folgen, denn You-Tuber sind deren angesehene Idole und in deren Wahrnehmung authentische Stars. Sie blicken zu diesen auf, und diese fungieren oftmals als Vorbildfunktion und Orientierung für eigenes Verhalten.

Durch die Spielkomponente können Online Casino-Siele auf den Plattformen der sozialen Netzwerke nicht gänzlich verboten werden. Es braucht auf jeden Fall das aufklärende und achtsame Gespräch aus dem persönlichen Umfeld des Jugendlichen über mögliche Risiken derer.

Welche Warnsignale zeigen sich bei einer beginnenden Sucht?

Veränderte Kontaktaufnahme

Der Jugendliche sucht vermehrt das Alleinsein und weicht Begegnungen mit anderen aus. Er zieht sich immer mehr zurück und ist fast nur noch auf das Spielen konzentriert.

Keine anderen Freizeitaktivitäten

Neben dem Spielen nimmt der Betroffene kaum mehr andere Aktionen wahr. Die Zeit der Nutzung der Spiele breitet sich stetig aus und überschattet alle anderen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

● Eine neue Tagesstruktur

Der bisherige Tag-Nacht-Rhythmus kehrt sich oftmals vehement. Die Kinder schlafen sehr viel weniger und legen ihren gesamten zeitlichen Fokus auf das Spielen.

Beeinträchtigte Impulskontrolle

Ein Verzicht auf das Spielen oder keinen Zugang dazu zu haben bringt die Kinder in emotionale Bedrängnis. Sie reagieren darauf ungewohnt intensiv mit Wut und Aggression. Auch depressive Zustände können sich einstellen und blockieren die sonstigen Wesenszüge des Kindes.

Schludernde Nachlässigkeit

Zuvor feste Aufgaben und Verpflichtungen werden kaum mehr beachtet oder vergessen, da das Gamen das Denken sehr vereinnahmt. Die Konzentration auf Alltagsfaktoren wie Hausaufgaben lässt stark nach.

Fehlende Selbstreflektion

Das eigene Nutzungsverhalten kann der Jugendliche nicht mehr eigenständig erörtern. Eine neutrale und realistische Einschätzung der vorherrschenden Situation wird kaum mehr möglich sein.

Hilfreiche Tipps für Eltern:

→ Machen Sie Glücksspiel zum Thema

Neben einem wachsamen Blick auf die Internetnutzung Ihres Kindes wäre es ratsam, das Thema Glücksspiel offen zu kommunizieren als auch die Gefahren, die davon ausgehen können. Stellen Sie auch klar, dass diese erst ab Volljährigkeit legal genutzt werden dürfen.

→ Aufklärung von außen ist ergänzend, nicht ersetzend

Kampagnen von Schulen oder Vereinen in Bezug auf Spielsucht reichen nicht als alleinige Aufklärungs- und Schutzmaßnahme aus. Ihr Kind braucht in jedem Fall die Gesprächsreflektion mit Ihnen, um Gehörtes und Gesehenes zu verarbeiten.

→ Verwahren Sie wichtige Dokumente sicher

Wenn sich jemand Ihres Personal- oder anderen Ausweises bedient, stellt dies nach § 281 Strafgesetzbuch ein Vergehen dar. Dieses kann Ihnen schlimmstenfalls eine Haft- oder Geldstrafe einhandeln, deshalb ist hier große Vorsicht geboten.

→ Haben Sie Ihr Konto im Blick

Achten Sie aufmerksam auf auffällige Kontobewegungen wie Ein- und Auszahlungen eines Online-Casinos. Auch unerwartete Abweichungen im Kontostand sollten Anlass sein, genau hinzusehen.

→ Nutzen Sie Hilfsangebote

Scheuen Sie sich nicht davor, bei einer aufkommenden Spielsucht oder bei einem exzessiven Spielkonsumverhalten Ihres Kindes Hilfsangebote von außen in Anspruch zu nehmen. Seien Sie Ansprech- und Vertrauensperson, hören Sie aufmerksam zu und machen Sie Ihrem Kind keine Vorhaltungen oder Vorwürfe. Gehen Sie daraus resultierende Schritte gemeinsam an und holen Sie sich dabei gegebenenfalls auch für sich professionelle Unterstützung.

Achtsamkeit anstatt Panikmache

Nicht jedes Spielverhalten ist gleichsam pathologisch und nicht jeder Jugendliche tendenziell gefährdet. Der soziale und kulturelle Hintergrund und die primären Ansprechpersonen spielen hierbei eine bedeutsame Rolle.

Auch können Symptome der Pubertät oder Vorpubertät die Einschätzung einer möglichen Gefährdung tangieren. Manchmal sind psychische Verhaltensstörungen bereits vorhanden, aus welchen erst eine aufkommende Spielsucht generiert.

Ein offenes Gespräch und ein wachsamer, individueller Blick sind grundsätzlich ratsamer als ein sofortiges generelles Spielverbot, welches fast immer zu Kurzschlusshandlungen von Seiten des Jugendlichen führt.

Hinweis der Autorin: Glücksspiel ist erst ab Volljährigkeit gestattet. Glücksspiel kann süchtig machen.

Gastbeitrag: Ein Weihnachtsgedicht

Ein lieber Follower schickte mir ein paar Weihnachtszeilen. Ich fand, sie würden vielleicht dem ein oder anderen Menschen da draußen Mut machen. So schenkt der Gastautor seine Poesie von Herzen gerne auch Euch! Vielen herzlichen Dank dafür! Ein wirkliches Talent dieser Dichter, wie ich finde. Er möchte gerne anonym bleiben. Schöne Weihnachten!


Hier beginnt der Gastbeitrag:

Die Sterne funkeln in ihrer Pracht,
die Lichter am Baum erhellen die Nacht.

Trotz den aktuell stürmischen Zeiten
möchte ich Euch eine Freude bereiten:)

Drum sende ich Euch, ob nah, ob fern,
meine lieben Grüße von Herzen gern.

Feiert mit Euren Lieben ein schönes Fest,
das Ihr sobald nicht vergesst!

Meine Buchrezension: „Der Vogel, der den Regen liebt“ von Björn Nonhoff

Wie ein stilles und gütiges Licht scheint er mir in seinen Twitter-Posts entgegen, dieser besondere Autor und Künstler: Björn Nonhoff. Durch all das Laute der Inszenierung des sozialen Netzwerks höre ich seine Klänge, die sich zu einer opulenten Melodie formen. Gerade durch seine Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit dringt dieser Mensch in den eigenen geistigen Kosmos ein und bereichert die persönliche Seele mit Wärme und einem Geschenk des Glücks. Glück in Form von glückseligen Momenten, die dieser Interpret durch seine Kunst zu geben vermag. Der Autor kreierte eine Fabel, angereichert mit einer Erzählung und Bildern seines Schaffens. Ich schwelge noch immer in dem Genuss, dieses kleine große Stück Lebensfreude gelesen zu haben…

Die Fabel „Der Vogel, der den Regen liebt“ von Björn Nonhoff

Kaum etwas löst in uns mehr Ehrfurcht aus wie die Gabe der Liebe und die Sehnsucht nach Glück. Doch was ist Glück und wo können wir es finden? Und die Liebe? Bedeutet sie die Gewissheit zur Glückseligkeit? Der Künstler lädt den Leser mit seinen lebendigen Worten auf eine Reise ein, hin zu einem kleinen Vogel. Ein unscheinbares Geschöpf, unbedeutend im Kreislauf der Naturgewalten. Scheinbar… Der Vogel nimmt einen an die Hand und fliegt gen Himmel dem Regen entgegen. Er ist anders als seine Artgenossen und die meisten Lebewesen, denn er flieht nicht vor diesem. Ganz im Gegenteil. Der Vogel genießt den Tanz im und mit dem Regen und das stille Glück, das ihm dieser Moment schenkt. Da gesellt sich ein weiterer Vogel hinzu. Auch die Sonne wird von der Zauberhaftigkeit des Tanzes angelockt. Alles erwacht zu neuem Leben. Die Liebe erblüht und taucht die Welt in die buntesten Farben. Ist dies das Glück, wonach es zu streben gilt?

Da geschieht ein Unglück. Alles wird auf einmal grau und lieblos. Der Schmerz und die Trauer über einen Verlust brechen den Vogel im Innersten. Seine Tänze enden und sein Lachen verstummt. Wird der sympathische Vogel wieder seine Zuversicht finden? Oder wird er in der Düsterheit des Kummers verbleiben?

Der kleine Vogel wird für den Leser zum Synonym für das Seelenleben, für verinnerlichte Sichtweisen und Glaubenssätze. Er rüttelt auf und regt Denkanstöße an, die den Lesenden sinnierend und in sich gekehrt zurücklassen – und doch mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. „Der Vogel, der den Regen liebt“ ist eine Fabel von Verschiedenheit und Gleichheit, von Schwere und Leichtigkeit, von Schwermut und Fröhlichkeit. Der Leser wird durch das Anregen sinnhafter Gedanken aus seinem Alltag entführt und zum Verweilen eingeladen. So hält dieser die Fabel in den Händen und fragt sich, ob die Suche nach dem Glück und Sinn des Lebens im Außen stattfindet – oder im Inneren. Dabei geht es um den Gleichklang mit sich und den anderen, um den Frieden der Erkenntnis und der Akzeptanz der unangenehmen Gefühle. Denn all das ist Teil eines großen Ganzen, nach dem viele rastlos suchen, unwissend, es nicht bereits in sich zu tragen. Die Fabel vom kleinen Vogel möchte meines Erachtens ermutigen zur Selbstannahme, zum Hören der eigenen Melodie und zum Erkennen der wahren und mentalen Schönheit. Sie erinnert mich an die Sehnsucht nach warmer Stille und dem Leuchten von Farben, jenseits vom hellen Schein der Sonne und dem Wirken der anderen. Eine Geschichte vom Wert der Leichtigkeit des Seins, die es in meinem Empfinden vermag, die Tragik des Lebens zu umarmen. Wenn der Leser das schöne Werk Björn Nonhoffs aus den Händen legt, aus dem Fenster blickt und einen Vogel sieht, dann steigt vielleicht friedvolles Wissen in ihm auf. Das Wissen um das Erstrahlen der eigenen Stärke. Ein unbezahlbarer Schatz, den ein jeder von uns im Herzen trägt. Danke für diese wundervollen Impressionen!

Kurzgeschichte: Gastbeitrag: Die heimliche Vorführung

Ein Gastautor verwöhnt uns mit einer wundervollen, erotischen Kurzgeschichte! Vielen Dank dem Autor, der unerkannt bleiben möchte.

Viel Spaß beim Lesen! Bitte nur Erwachsene – FSK 18! Danke!

Eure Julia

——————————————————————————————————————–

Hier beginnt der Gastbeitrag:

FSK 18

Klack! Das mechanische Geräusch des Zylinders im Schloss der Tür drang unnatürlich laut an ihr Ohr. Ihre Sinne waren geschärft. Ihre Knie zeigten nicht die geringsten Anzeichen von Standfestigkeit. Ihr Atem klang zittrig, voller Spannung. Klack! Sie hatte den Schlüssel ein weiteres Mal gedreht und merkte, wie die Tür ihren Widerstand aufgab. Leise schwang sie auf und gab den Blick in den dunklen Flur preis. 3 Türen, keine von ihnen geöffnet. Sie trat ein, vorsichtig, aber sicher, dass dies der Ort war. Der Ort, zu dem sie gerufen worden war!

Sie hatte noch kurz zuvor plötzlich unglaublichen Hunger bekommen. Also hatte sie sich aufgemacht zu dem kleinen griechischen Imbiss, zwei Straßen vom Büro entfernt. Sie ging schnell, hatte keinen Sinn für den an sich schönen Tag, sondern beeilte sich, schnell wieder im Büro zu sein. Mit dem in Aluminium eingewickelten Plastikteller lief sie zurück, schämte sich etwas für den Essensduft, den sie in dem engen Fahrstuhl verströmte. Sie schmunzelte vor sich hin, denn sie kannte das Gefühl, mit hungrigem Magen im Fahrstuhl dem quälenden Geruch anderer Leute Mahlzeiten ausgesetzt zu sein.

Nach einer Stippvisite in der Küche, um sich mit Besteck und einem Glas Wasser zu versorgen, eilte sie wieder an ihren Platz. Sie riss die Folie auf, stiess die Gabel in den Berg köstlich duftenden Fleisches und stopfte sich die ersten Bissen in den Mund. Sie schloss unwillkürlich leicht die Augen, genoss das Aroma – und verschluckte sich heftig, als sie die Augen wieder öffnete. An ihrem Bildschirm lehnte hochkant ein Kuvert. Ihr Name stand mit Schreibmaschine geschrieben auf der Seite. Es war nicht ihr richtiger Name. Es war ihr Spitzname! Nur er nannte sie so! Sie benutzten diesen Namen nicht in der Öffentlichkeit, außer ihnen kannte ihn keiner. Wie war er hier hineingekommen? Alle Türen zu diesem Gebäude waren gesichert, die Mitarbeiter waren angehalten, Fremde nicht hinein zu lassen. Aber im Grunde stellte sich die Frage nicht, denn das Kuvert war hier, wie auch immer es herkam.

Immer noch hustend griff sie nach dem Umschlag, riss ihn auf. Ein Schlüssel fiel heraus und landete auf dem Tisch. Es war ein Haustürschlüssel, nichts Besonderes. Es hing ein Etikett daran, so ein kleines blaues Plastikschildchen. Eine Adresse! Sie griff nach dem Umschlag, schaute nach, ob weitere Botschaften in ihm enthalten waren. Sie fand nichts! In diesem Moment klingelte ihr Telefon. Sie griff abwesend nach dem Hörer und erstarrte, als sie unmittelbar seine Stimme hörte. „Komm zu mir, heute Abend, nach der Arbeit! Mache keinen Umweg, du weißt, wo ich bin!“ Sie wollte antworten, Fragen stellen, Erklärungen haben, aber ihr gelang es nicht, einen einzigen Ton über ihre Lippen zu bringen. Sie saß da, den Hörer am Ohr, den Mund leicht geöffnet und starrte auf das Kuvert, dass zerrissen auf ihrem Tisch lag.

Unter einer der Türen drang schwaches, flackerndes Licht in den Flur. Wie ein Wegweiser zeigte der Schein auf dem Fussboden den Eingang. Aber wohin? Wohin würde sie dieser Eingang führen? Sie hatten schon häufiger Spiele gespielt, aber immer in gegenseitiger Absprache, das hier war neu. Er befahl und sie gehorchte! Sie ging auf die Tür zu, langsam mit stetig wachsender Nervosität. Noch bevor sie die Tür erreicht hatte, vernahm sie gedämpft, aber eindeutig seine Stimme. „Tritt ein!“ Sie drückte die Türklinke und stellte fest, dass die Tür nur angelehnt war. Weil sie damit nicht gerechnet hatte, stolperte sie fast in den Raum. Sie vernahm ein heiseres leises Lachen und blickte in Richtung der Herkunft. Bis auf die Wand mit der Tür waren die Grenzen des Raumes in der Dunkelheit nicht auszumachen. Sie sah ihn nicht, konnte nur ahnen, wo er sich befand und sprach in seine Richtung: „Was machst du? Was soll das?“ Es klang unsicher, viel unsicherer, als sie sich das vorgestellt hatte. Aus einer vollkommen anderen Richtung als erwartet kam die Antwort. Sie schleuderte herum. „Ich spiele! Mit dir! Weil du es willst!“

Mit diesem Versteckspiel nahm er ihr das letzte bisschen Vertrauen. Sie kam sich vor wie auf dem Schulhof, wenn man mal wieder den Älteren zu Nahe gekommen war. Sie umringten einen und schubsten einen herum. Nur war es diesmal nur einer und dem konnte sie nicht nah genug kommen. Immer wieder änderte er seinen Standort, und sie hatte keine Ahnung, wo er sich befand! Er schubste sie herum, ohne sie nur ein einziges Mal zu berühren. „Zieh dich aus!“ Wieder keine Ahnung, woher das kam, dennoch war die Aufforderung unmissverständlich. Und sie gehorchte! Sie knöpfte den Blazer auf, ließ ihn über ihre Schulter gleiten und einfach fallen. Ihre Hände griffen nach hinten, öffneten den Reißverschluss ihres Rockes. Sie ließ ihn zu Boden gleiten und stieg einfach hinaus. Als sie den BH öffnen wollte, nahm sie ihn hinter sich wahr. Er packte ihre Hände und drückte sie nach unten, legte sie seitlich an seinen Körper. Sie spürte seine Haut, er war nackt. Schnell und kaum merklich öffnete er ihren BH, ließ ihn fallen.

Er schob sie weiter in den Raum und sie musste feststellen, dass dieser deutlich größer war als vermutet. Plötzlich verlor sie den Kontakt zu ihm, drehte sich um – er war weg, verschluckt von der Dunkelheit. Sie stand da, allein vor dem Bett. Sie war verloren in dem großen Raum. „Aufs Bett!“ Sie erschrak, denn sie hatte nicht mit der Nähe seiner Stimme gerechnet. Die zwischenzeitlich gewonnene Stabilität ihrer Beine war wieder verflogen. Sie ging zum Bett, kletterte darauf. Es kam ihr riesig vor. Sie legte sich auf den Rücken und schloss die Augen, denn das Licht über dem Bett blendete. Sie kam sich vor wie auf einer Bühne. Und sie ahnte nicht, wie recht sie damit hatte! Ihr gegenüber, irgendwo am Fussende, leuchtete plötzlich eine kleine rote Lampe auf! Zuerst konnte sie damit nichts anfangen, dann erkannte sie es – es war eine Kamera. Sie lächelte in sich hinein! Da war also das Spiel! Das war das Überraschungsmoment!

„Den Slip! Zieh ihn aus!“ Sie reckte ihren Po in die Luft, ganz leicht und zog den Slip wie gewünscht langsam über ihre Beine nach unten. Sie wartete! Gleich würden bestimmt neue Befehle erfolgen. Ihr gefiel es, seine Befehle zu befolgen. Sie hatte wirklichen Gefallen daran gefunden. Aber es blieb still. Einzig das leise Surren der Kamera erfüllte den Raum. Sie setzte sich auf, schaute sich um. Dunkelheit! Bewegung? „Ich will sehen, wie du dich streichelst, dich verwöhnst, dich entspannst! Zeig es mir!“ Sie lässt sich wieder zurück fallen und greift sich unmittelbar zwischen die Beine. Ihre mittlerweile unermessliche Lust lässt ihr keine Wahl. Er biete ihr die Chance etwas von ihrer Lust abzubauen, sie greift zu. Ihr Finger gleitet zwischen ihre Lippen, sie ist bereits feucht, nein, nass! Sie massiert ihren empfindlichen Kitzler und genießt es. Ihr Stöhnen wird lauter, intensiver, sie will diesen Höhepunkt. Sie arbeitet direkt darauf zu, spürt wie die Lust zwischen ihren Beinen stärker und stärker pocht. „STOP!“ Sie sitzt sofort, schaut sich um, ihr ist schwindelig, und sie weiß nicht, ob das am schnellen Aufsetzen oder an dem herannahenden Orgasmus liegt. Enttäuscht spürt sie die Wellen, die ihn ankündigten, schwächer werden. Aus irgendeiner Richtung fliegt etwas auf ihr Bett. Es ist ein Dildo. Etwas unsicher schaut sie ihn an, traut sich nicht, ihn anzufassen. „Nimm ihn!“ Wird sie diesmal vollenden dürfen, was sie eben begann? Sie hofft….und greift zu!

Das Spiel beginnt von vorn! Eine Vorbereitung braucht sie nicht mehr, das Spielzeug gleitet schnell in sie hinein. Sie stimuliert sich, sie weiß ja schließlich, wie es am schnellsten geht. Ihre Hände sind geschickt, ihre Lust riesig! Noch ein kleines bisschen, nur noch ein kleines bisschen! „STOP!“ Nein, sie will nicht aufhören, will ihn jetzt! „HÖR AUF!“ Sie hält inne. Die Stimme lässt keinen Widerspruch zu! Sie stoppt sich, kann kaum Atmen in den Wellen der schwindenden Lust. Sie kann nicht mehr. Jede Berührung ist mittlerweile so intensiv, dass sie ihre Gier kaum noch zurückhalten kann. Sie will nicht mehr aufhören, sie will ihn jetzt, den erlösenden Orgasmus. Sie richtet sich auf, schaut sich um. Sie vermutete etwas zu sehen, doch bevor ihre Augen sich zu sehr an die Schwärze gewöhnt haben, schreitet er auf sie zu. Er kommt aus der Richtung, in der sie die Tür vermutet, steigt zu ihr auf das Bett und beginnt sofort, sie leidenschaftlich zu küssen. Sie wird von ihm und seiner Lust überrollt, lässt sich überrollen, genießt seine Direktheit, befolgt seinen Willen. Sie nimmt ihn auf, lässt ihn das Tempo bestimmen, fügt sich seinem Rhythmus. Sie kommt mehrfach auf dem Weg zu seinem Höhepunkt, der schließlich laut und stürmisch das Treiben ausklingen lässt.

Sie fallen zurück auf das Bett, genießen die Anwesenheit des anderen. Küsse, Berührungen, sie nickt kurz ein. Ein paar Atemzüge später erwacht sie, er sitzt auf einem Sessel vor dem Bett, betrachtet sie. „Danke! Du hast dir also gemerkt, dass ich mal ein Video von mir wollte!“ Sie lächelt ihn an, als sie dies ausspricht.

Er erwidert: „Ja!“

„Was hast du dir noch gemerkt?“, fragt sie gespannt.

Er steht auf, geht durch die Dunkelheit. Sie hört das Klacken eines Lichtschalters.

Sie blickt in vier fremde Augenpaare.

„Dass du mal Zuschauer haben wolltest!“

Mein Blogartikel: Kink sagen oder nicht?

Mit dieser Frage habe ich mich auseinandergesetzt und mich dahingehend reflektiert.

Falls Ihr mögt, viel Spaß beim Lesen.

Bitte nur Erwachsene, danke.

Eure Julia

—————————————————————————————————————-

Sage ich meinem Partner meine/n Vorliebe/Kink/Fetisch oder lieber nicht?

FSK 18

Wichtig ist so finde ich zu vertrauen. Männer sind meiner Erfahrung nach in dieser Hinsicht sehr klar und pragmatisch. Wenn dir dein Partner sagt, er habe eine Vorliebe für eine bestimmte Haarfarbe oder einen bestimmten Frauentyp, du seist jedoch dennoch für ihn perfekt, so glaube ihm das bitte. Dann spricht er höchstwahrscheinlich die Wahrheit.

Vertrauen ist hierbei sehr wichtig, genauso wie die offene Kommunikation darüber. Auf keinen Fall sollten Selbstzweifel beim Gegenüber aufkommen, das ist leider oftmals der Anfang vom Ende. Sehe es immer als ein großes Geschenk an, wenn dir dein Partner eine sexuelle oder optische Vorliebe oder eine Fantasie präsentiert und dich an seinem Seelenleben teilhaben lässt. Wenn du unsicher bist, frage nochmal nach, inwiefern dieser Wunsch Einfluss auf ihn hat. Ist es eine Fantasie, die nicht weiter drängt? Oder ist es ein präsenter Fetisch, der nicht unterdrückt werden kann? In diesem Fall schenke ihm Entfaltungsfreiheit und glaube an eure Liebe.

Der Sinn von Liebe meint Freiheit schenken

Schenke deinem Partner die Sicherheit des Verstanden- und Angenommenseins und übe dich in Toleranz. Gestatte ihm Wege zu gehen, um inneren Frieden zu finden. Denn das ist meines Erachtens der Sinn von Liebe – Freiheit zu schenken, um dass dein Partner sein Glück finden kann.

Heimlichkeiten, Unausgesprochenes und Unterdrücktes wird auf kurz oder lang eure Beziehung vergiften und zerstören, das liegt oftmals in der Natur der Dinge.

Sagen oder nicht sagen?

An dieser Stelle sei noch eine weitere Überlegung erwähnt: Soll ich wirklich immer ehrlich sein? Soll ich meiner Partnerin/meinem Partner meinen Fetisch „beichten“? Soll ich ihr/ihm sagen, dass ich eigentlich Rothaarige bevorzuge, ob denn sie/er jedoch blond ist?

Als ich früher wie heute in der psychologischen Beratung tätig war, kam ich einmal mit einem Mann in das Gespräch, der eine Vorliebe für große Brüste hatte. Seine Partnerin hatte jedoch eher kleinere Brüste. Dennoch liebte er sie vollkommen, denn für ihn zählte das Gesamtbild. Doch immer wieder kam diese Vorliebe in ihm hoch und entwickelte sich zu einem Kink, der nahe an ein Fetisch reichte. Wenn er auch nur Frauen mit großen Brüsten sah, konnte er kaum an sich halten.

Dieses Unterdrücken führte dazu, dass er mittlerweile mit seiner Partnerin Erektionsprobleme im Liebesspiel bekam und heimlich Pornos konsumierte, um diesem Verlangen nachzugehen. Er dachte an Fremdgehen, doch sein schlechtes Gewissen seiner Partnerin gegenüber wuchs in das Unermessliche. Gleichsam wuchs die Begierde nach großen Brüsten immer mehr.

Was hätten Sie diesem Mann geraten, hätte er Sie um Rat gefragt?

Eine schwere Frage, nicht wahr?

Schwierig kann es auch werden, wenn sich Partner innerhalb einer Beziehung optisch sehr verändern oder sich sexuelle Wünsche auftun, die 10 Jahre zuvor beim Kennenlernen vielleicht noch nicht da waren oder noch im Inneren verborgen schlummerten.

Auch kann ich aus der Sicht der Frau sagen, dass es erstmal nicht schön ist, wenn dir dein Herzenspartner sagt, er stehe optisch auf einen ganz anderen Typ als man selbst ist oder er hat eine bestimmte sexuelle Vorliebe, die man nun gar nicht teilt und auch nicht ausprobieren möchte.

Ich denke, jeder von uns wird diese Frage sehr individuell beantworten. Und genau das ist das Gute daran. Vielleicht sollte nie der Mensch aus dem Blick verloren gehen, der hinter den Worten und Aussagen steht. Und vielleicht sollte einander vertraut werden, denn wo gesprochen wird, ist noch Liebe.

Ist dies nicht immer besser, als wenn das Sprechen versiegt?

Natürlich spreche ich hier aus meinem Herzen, meinen persönlichen Erfahrungen und Ansichten, die niemanden verletzen, angreifen oder triggern sollen. Dies ist mir an dieser Stelle wichtig zu erwähnen.

Und so halte ich mich persönlich an die Worte, die einst der Psychoanalytiker Friedrich Nietzsche fand (Zitat):

„Die dümmste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt.“

Gastbeitrag: Unanständige Gedanken mit einer attraktiven Sekretärin

Ein Gastautor, der unerkannt bleiben möchte, teilt seine erotischen Gedanken mit euch! Ein aufregendes Kopfkino mit einer attraktiven Büroangestellten und – vielleicht dir?
Vielen Dank dem Gastautor! Viel Spaß beim Lesen!
Nur für Erwachsene – FSK 18!

Eure Julia

——————————————————————————————————————–
FSK 18
Beginn Gastartikel:

Lass dich nur nicht ablenken Süße….
Wenn ich in dein Büro komme und du mich nicht bemerkst. Ich von hinten an dich herantrete und du auf deinem Stuhl sitzt, lege ich meine Hände auf deine Schultern. Du zuckst zusammen, weil du damit nicht gerechnet hast.
Meine Hände wandern abwärts zu deinen Brüsten auf der Kleidung und liegen dort erstmal auf. Ich will deine Atmung spüren, während ich mit meinem Kopf seitlich deinen Nacken erreiche und zuerst nur Luft durch meine Nase puste, um deine Reaktion abzuwarten.
Meine Hände tun nichts, mein Mund allerdings öffnet sich, um deinen Nacken sanft zu küssen. Du legst deinen Kopf dafür zur Seite, weil es dir gefällt.
Ich spüre deine Erregung und beginne deine Bluse aufzuknöpfen. Knopf für Knopf. Deine Brüste durch deinen BH zu berühren.
Du raunst und wirst lauter, weil du es schön findest und mir zuflüsterst, dass du bereits schon ganz feucht bist. Du beugst dich eben nach vorn, um selbst den BH komplett zu öffnen und ihn von deinen Schultern zu streifen. Meine Zunge wandert zu deinem Ohr und beginnt an der Ohrmuschel zu knabbern und zu lecken, während meine Hände deine Brustwarzen zwirbeln und kneifen.
Du stöhnst auf, dass du mich willst. Ich drehe deinen Stuhl um, sodass du zu mir blickst. Da stehst du fix auf, streifst deinen engen Bleistiftrock herunter und setzt dich wieder. Ich spreize deine Beine und lass meinen Kopf dazwischen verschwinden, um deine heiße Mitte zu erforschen.
Meine Zunge arbeitet sich voran und verwöhnt dich, während meine Hände deine Schenkel sanft halten.
Du stöhnst und windest dich, weißt nicht, wo dir der Kopf steht. Presst meinen Kopf mit deinen Händen noch mehr in deinen Schritt.
Nicht mehr lange und dein Körper wird sich anspannen, während dein Orgasmus dir süße Befriedigung verspricht.

Photo by W R on Pexels.com -Symbolbild-

Gastbeitrag: Der Physiotherapeut und seine Patientinnen

Ein Physiotherapeut gibt persönliche Einblicke in sein Berufsbild. Spannend sind hierbei immer wieder die Begegnungen mit Kundinnen, die sich eigentlich eine Frau als Behandelnde wünschen. Wie erlebt er diese Situationen in seiner Arbeit? In seinem Gastbeitrag lässt er den Leser daran teilhaben. Vielen herzlichen Dank dem Gastautor für seine Erzählung!


Beginn Gastbeitrag:

Kurz zu mir: Ich bin männlicher Physiotherapeut und habe, seitdem ich den Job angefangen habe, immer wieder damit zu kämpfen, dass ich ein Mann bin und sich Frauen nicht gern von Männern behandeln lassen möchten. Dabei kommt es nicht immer auf das Alter an, sondern meist auf die Erfahrung, welche die Patientinnen gemacht haben. Ich habe sowohl jüngere als auch ältere Damen erlebt, die sich von mir oder generell von einem Mann nicht behandeln lassen wollten.

Bei dem Thema fallen mir allerdings auch zwei Beispiele ein, bei denen es genau anders war:


Die eine Patientin war etwa Mitte 30, hatte Brustkrebs mit brusterhaltender OP. Sie fragte ihren Mann, ob er damit ein Problem hat, wenn ich ihre Brust behandle mit manueller Lymphdrainage. Er hatte kein Problem damit. Die Patientin konnte sich gut auf mich einlassen, denn ich bin schließlich Profi und seriös in meinem Job. Sie hat einige Rezepte vorbei gebracht. Am Ende hat sie die Therapie nicht mehr benötigt, ein voller Erfolg.

Die andere Dame hätte in etwa meine Mutter sein können, in ihren späten 50ern. Diese Kundin hatte anfänglich ein Problem mit mir, da sie vorher bei einer Kollegin war und ich diese krankheitsbedingt vertreten habe.
Nach den ersten zwei Behandlungen hat sie allerdings alle Scheu verloren und war froh, bei mir zu sein. Auch sie hatte einen Brustkrebs, weshalb ihre axillaren Lymphknoten entfernt wurden und ihre linke Brust extrem anschwoll. Nach einigen Behandlungen konnte ich auch dieses Ödem in den Griff bekommen, weshalb sie nach ein paar Rezepten keine weitere Therapie mehr nötig hatte.

Die Fehlgeburt der fremden Frau

Ein Besuch im Hallenbad ist eine aufregende Sache. Nein, ich meine nicht das Schwimmvergnügen. Ich meine die Menschen, die dir in dieser Zeit in ihrer bunten Fülle begegnen.

Während dem Schwimmen befinde ich mich auf engem Raum mit anderen, die alle ihre persönliche Geschichte mit sich führen. Durch die Begrenzung des Beckens kommen wir uns mitunter nah. So können Gespräche entstehen, die einer Wundertüte gleichen. Lächelnd geschieht es meiner Erfahrung nach von ganz alleine. Ohne es zu wollen oder bewusst zu initiieren.

So betrieb ich meinen Sport, als ich unvermutet an eine Frau herantrieb. Da zeitgleich der Kurs des Schwimmsportvereins stattfand, wurde das Wasser von kraulenden Athleten aufgepeitscht. So kann es passieren, dass die Wellen einen in Richtungen tragen, die nicht immer freiwillig ausgesucht sind.:)

Die fremde Frau sah unauffällig aus, war um die sechzig Jahre, mit einer ruhigen Ausstrahlung versehen. Wir kamen ins Gespräch und auf den Schwimmkurs meines Kleinen. Erörterten die Didaktik einer solchen Aktivität und die besonderen Corona-Umstände, die derzeit herrschen. Da fragte sie mich, wie viele Kinder ich hätte. Wie immer antworte ich auf diese Frage mit: „Ich habe zwei Kinder. Meinen Jungen und mein Mädchen im Himmel.“

Die Frau wirkte überrascht und berührt gleichermaßen. Sie wäre Mitglied einer ehrenamtlichen Vereinigung, die mit beeinträchtigten Kindern Ausflüge unternimmt. Kinder habe sie selbst keine.

Während ich ihr mein Sternchen vorstellte, wurde die Frau zunehmend still. Da dies eine Reaktion ist, die mir die Menschen oftmals entgegenbringen, wenn ich ihnen von meiner Kleinen im Himmel erzähle, wunderte ich mich nicht darüber.

Als wir schon im Verabschieden waren, platzte es aus der fremden Frau heraus: „Ich habe auch ein Sternchen. Als ich noch sehr jung war, hatte ich eine Fehlgeburt. Der Vater des Kindes wollte nichts mehr von mir wissen, ich war ganz auf mich alleine gestellt. Vielleicht war es gut so, dass ich das Kind verlor. Von allen Seiten wurde auf mich eingeredet, ich solle das Kind abtreiben. Nun ja, vielleicht hat es das ja bemerkt und ging.“

Ob denn sie leise sprach, hallten ihre Worte in einer Eindringlichkeit, die mir im Herzen schmerzte. Wie es meine Art ist, entgegnete ich ungefiltert: „Sie wären eine tolle Mutter geworden. So viel Wärme geht von Ihnen aus. Dem Kind wäre es sehr gut gegangen bei Ihnen!“

Als die Worte gefallen waren, tat es mir sofort leid. Natürlich musste meine Rückmeldung sie im tiefsten Inneren berühren. An diese Konsequenz hatte ich mal wieder nicht gedacht. Ich sprach schlichtweg aus, was ich in diesem Moment dachte. Mist!

„Entschuldigen Sie bitte, es steht mir nicht zu, das zu sagen. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.“

Die Frau verharrte still am Beckenrand, blickte gedankenverloren in die Ferne. Dann drehte sie sich zu mir mit einer solch gewaltigen Intensität in den Augen, dass ich vollkommen ergriffen war.

„Wissen Sie was? Sie sind der erste Mensch, dem ich nach über vierzig Jahren von meinem Sternchen erzähle. Können Sie sich das vorstellen? Ich kenne Sie seit zwanzig Minuten.“ Nach einer vielsagenden Pause fuhr sie fort: „Es wurde Zeit, dass ich darüber sprach. Ja, das wurde es. Ich bin froh, dass ich Sie heute hier getroffen habe. Sie blicken einem so ins Herz.“

Wir sprachen noch eine Weile miteinander, ließen unsere Sternchenkinder aufleben. Es war wunderschön.

Meine Kurzgeschichte: Laura

Liebe Leser!

Es ist eine verbotene Fantasie und heißer Stoff für ein aufregendes Kopfkino!

Begleitet die junge Studentin Laura, die wider Erwarten käuflich wird…

Die Kurzgeschichte ist nur für Erwachsene / FSK 18. Alle Personen und Handlungen sind frei von mir erfunden. Wenn Euch die Geschichte gefällt, empfehlt mich gerne weiter!

Liebe Grüße

Eure Julia

………………………………………………………………………………………………………..

Kurzgeschichte / FSK 18:

Laura

„Würdest du dich für hundert Euro mit mir treffen und Sex haben?“

Laura wollte eigentlich ihrem ersten spontanen Impuls folgen und die Nachricht von diesem Fremden löschen. „Unverschämtheit!“, dachte sie sich empört und ging im Geiste den äußerst knappen Wortwechsel durch, den sie mit dem 15 Jahre älteren Mann in dem Chat der Singlebörse gehabt hatte. Seit einigen Tagen hatte sie sich diese neue Dating-App heruntergeladen und sich ein ausführliches Profil angelegt, um nicht zu viele in die Leere laufende Aufmerksamkeiten zu bekommen. Als junge Frau mit gutem Aussehen wurde ihr Account regelrecht gestürmt und erfreute sich sehr großer Beliebtheit. Glücklicherweise beinhaltete die App auch einen Fetisch-Schwerpunkt, so dass sich Gleichgesinnte gezielt kennenlernen konnten. Laura hatte eine gewisse Vorliebe für aufregende Stoffe und Materialien. Sie liebte Wetlook-Dessous und Kleidungsstücke aus Latex, ferner auch Leder.

Dabei schrieben sie deutlich ältere oftmals verheiratete oder gebundene Männer an, die mit ihren Partnerinnen aus vielerlei Gründen keinen Geschlechtsverkehr mehr hatten. Jedoch auch Männer im gleichen Alter wie sie oder sogar noch jünger, die sich meist eine Beziehung wünschten. Einige kamen sehr schnell zur Sache und machten deutlich, dass sie Unverbindlichkeit suchten. Andere lehnten den schnellen Sex kategorisch ab und suchten eine aufrichtige Tiefe und wollten sie als Menschen erst einmal in Ruhe kennenlernen.

Da ihr die Flut an Mitteilungen schlichtweg zu viel wurde, hatte sie sehr viel gelöscht und auch stumm geschaltet. So war Laura dann doch vollkommen überrumpelt, als ihr dieser Mann nach einem Korb von ihr erneut schrieb. Viele meldeten sich dann einfach nicht mehr oder beschimpften sie sogar. Irgendwie setzte auf einmal ein angenehmes Kribbeln als Reaktion auf die Frage ein, welches sie nicht so wirklich deuten konnte. Auch ein drängendes Pochen machte sich zwischen ihren Beinen bemerkbar und förderte ihre Feuchtigkeit zutage. Vermutlich hatte sie zu lange keinen Sex gehabt.

Laura war grundsätzlich sehr wählerisch, was die Menschen anbelangte, die sie näher an sich heran und zum Teil ihres Lebens werden ließ. Diese Haltung war nicht aus Arroganz oder gar Überheblichkeit geboren, sondern basierte auf reinem Selbstschutz. Wenn Laura liebte, dann liebte sie wahrhaftig und ohne Halten. Dieser besondere Mensch durfte sich dann maßlos über ihre Liebe freuen, denn für diesen tat sie alles und opferte sich auf, um dass dieser ein sehr angenehmes Leben mit ihr führen durfte. Dabei stellte es für sie auch kein Problem dar zu verzichten, eigene Bedürfnisse hintenanzustellen oder diese Person in den Mittelpunkt zu heben, denn dann war diese in diesem Moment ihr vollkommener Dreh- und Angelpunkt.

Viele Männer nutzten diese umsorgende und großherzige Charaktereigenschaft von Laura leider oftmals rücksichtslos aus und zogen nur die eigenen Vorteile aus einer Beziehung mit ihr. So geriet sie in ihrer Vergangenheit leider immer wieder an Egoisten oder Narzissten, denen sie gefällig war und die sich durch ihre Schönheit und ihren Geist schmückten, jedoch kaum etwas ausreichend oder selbstlos zurückgaben. Immer wieder gab sie alles – immer wieder brach ihr dann ein Partner das Herz und immer wieder starb dann ein kleiner Teil ihres Selbstwertgefühls. Mit der Zeit war diese Spirale toxisch, denn Laura kam sich vermehrt hohl und unempfindsam vor und hatte Angst, irgendwann nicht mehr wirklich fähig sein zu können, vollen Herzens zu lieben.

Da das Alleinsein auf Dauer aber auch nicht ihrem Naturell entsprach und sie ernsthaft anfing, einen Menschen an ihrer Seite zu vermissen, reifte in ihr der Gedanke, wieder auf Partnersuche zu gehen. Wie es der Zufall im Leben manchmal dann will, las sie just in dem Moment von einer neu entwickelten Dating-App, die ihren Mitgliedern scheinbar so einiges zu bieten hatte. Also war sie spontan, überlegte diesmal nicht lange und wägte auch nicht zig Mal das Für und Wider ab und meldete sich kurzerhand an.

Binnen kürzester Zeit gingen die ersten Profilanfragen ein und gaben Laura ein freudiges Gefühl der Anerkennung und Wertschätzung in Bezug auf ihre Person. Ein paar Mal wurde sie von anderen Usern sogar gefragt, ob sie echt sei und kein Fake-Account, da ihre Bilder so gut aussehen würden wie bei einem professionellen Fotomodell. Diese Rückmeldungen taten ihr gut, denn obgleich Laura kein eingebildeter Mensch war, pflegte sie sich und ihren Körper, achtete auf ihre Ernährung und trieb regelmäßig Sport. Das Rauchen hatte sie zum Glück nie angefangen und der Konsum von Alkohol lag ihr mehr als fern.

So wirkte ihr Aussehen fast jugendlich und nicht nur einmal musste sie schon ihren Ausweis bei Alterskontrollen vorlegen. Laura studierte Betriebswirtschaftslehre und hatte zuvor ihr Abitur mit einem sehr guten Notenschnitt absolviert. Gedichte und Songtexte schreiben war ein großes Hobby ihrer gleich nach den abwechslungsreichen Fitnesskursen. Sie war also nicht nur attraktiv mit dem gewissen Etwas, sondern auch gebildet und studiert. Mit ihrer Intelligenz kamen leider auch nicht alle Männer klar, sahen sie doch in ihr mitunter das typische Blondchen mit Schmollmund und großem Busen, welches nichts im Kopf zu haben schien. Doch von dieser Sorte Mann hielt sie sich schon lange bewusst fern; zu wichtig war für Laura ihr eigenes Seelenwohl und zu oft hatte sie schon wegen solchen Egozentrikern, die eine Freude daran hatten sie klein zu halten, geweint.

Laura ging gedankenversunken auf die Toilette und erleichterte ihre Blase. Als sie sich mit dem Toilettenpapier abputzte, wunderte sie sich über ihre unglaubliche Nässe. Dieser unvermutete Zustand überraschte sie vollkommen, hatte sie doch gar kein erotisches Kopfkino gehabt oder sich selbst berührt. Dieses Pochen an ihrem Kitzler war urplötzlich wieder da und wie fremdgesteuert fing sie an, sich ihre Perle zwischen den Zeigefinger und Daumen zu nehmen und zu reiben.

Dabei stellte sie sich vor wie es wohl wäre, einem Mann zur Verfügung zu stehen, der sie gekauft hatte und der für gemeinsamen Sex bezahlte. In ihrer Phantasie zog sie sich ganz langsam vor diesem aus, schwang dabei ihre sinnlichen Hüften und lockte und reizte ihn damit gleichermaßen. Die Dessous, die dabei von ihrem heißen Körper glitten, waren aus dem glänzenden Material, welcher sich Wetlook nannte. Dieses umschloss ihre Kurven gekonnt, engte sie jedoch nicht wirklich ein. Eine bequeme und sexy Wäsche sozusagen, in welcher sich jede Frau sehr wohl und gleichsam gewollt fühlen konnte.

Laura hatte das aufregende Material erst kürzlich für sich entdeckt; seitdem trug sie es sehr gerne und auch mal auf einer Party oder gar in der Uni, also nicht ausschließlich nur in einem erotischen Zusammenhang. Ein besonders aufregender Favorit war dabei für sie ein Wetlook-Glanz-Kleidchen mit einem auf dem Rücken liegenden sexy Reißverschluss, süßen Rüschen am Rockteil und einem integrierten Slip. Darin fühlte sie sich äußerst begehrenswert und liebte das anschmiegsame Tragegefühl des glänzenden Materials mit seinem hohen Elasthan-Anteil.

Wie aufregend das war und wie begehrt sich Laura dadurch fühlte. Dann genoss sie es, dass sie ihre Beine vor dem Freier spreizte und er sie ausgiebig in Augenschein nahm. „Du wirst jetzt von mir rangenommen, Schlampe!“, entgegnete ihr der markant aussehende und ihr doch kaum bekannte Mann, als dieser sich genüsslich und bestimmend in Position brachte. Laura erfühlte sein steifes Glied kurz am Oberschenkel, da schob er ihr seinen harten Riemen schon in einem Satz tief in ihre Vagina ein. Kurz raubte ihr ein Gefühl zwischen Erregung und Schmerz den Atem, dann begleitete das Klatschen seiner Hüften an ihr weiches Fleisch ihr erfülltes Stöhnen.

Diesen aufregenden und ein wenig verbotenen Gedanken hing Laura nach und als sie sich gerade ausmalte, von dem dominanten Herrn hart und ausdauernd von hinten genommen zu werden, kam es ihr in einem heftigen und intensiven Orgasmus.

Noch die fantastischen Nachwehen auskostend und dennoch ein wenig ratlos und konstatiert vom eigenen Verhalten, begab sich Laura wieder vor ihren Laptop und las sich die Nachricht des abgewiesenen Mannes noch einmal durch – ein unmoralisches Angebot sozusagen. Ob denn sie masturbiert hatte, war diese Grundanspannung in ihrem Inneren immer noch da. Sollte sie es wagen?

„Um ehrlich zu sein, könnte ich das Geld gerade schon gut gebrauchen.“, ging es Laura durch den Kopf. Die Leasingraten für ihr kleines Auto drückten jeden Monat auf den Geldbeutel genauso wie die unverschämte Miete, bei der ihr vom Vermieter erst vor vier Tagen eine Erhöhung angekündigt wurde. Und neue Klamotten hatte sie sich seit langen Zeiten nicht mehr gegönnt, da sie sehr sparen musste, um über die Runden zu kommen. Hmmm…

„Ach was soll`s!“, rief Laura aus und schrieb dem Unbekannten zurück, dass sie es sich überlegen würde mit einer Zusammenkunft. Zudem bat sie ihn, ein Foto von sich zu schicken und fragte ihn, was er sich für hundert Euro so vorstellte, mit ihr machen zu wollen.

Binnen zwei Minuten erfolgte bereits seine Antwort: „Keine Sorge, ich bin kein Spinner oder Freak. Ich will keine abartigen Sachen mit dir machen. Du bist echt eine süße Maus und ich habe einfach spontan Bock auf dich. Zudem gefällt mir deine Vorliebe für außergewöhnliche Stoffe und Kleidungsstücke. Wenn ich dich zum Essen einladen würde, hätte ich das Geld auch ausgegeben und es wäre nicht sicher, ob wir im Bett landen würden. So ist es irgendwie einfacher und ehrlicher, finde ich. Lass uns kuscheln und dann sehen wir weiter, ok?“

Seine Worte wirkten sympathisch und Laura konnte im folgenden Wortwechsel Vertrauen zu ihm fassen. Sie hatte wohl auch ein wenig Angst, er könnte kein Gentleman sein oder ihr dann nach dem Sex das Geld nicht geben. Doch die Neugier es ausprobieren zu wollen war größer.

So stimmte Laura schließlich ein, dass sie sich bei ihr daheim für Sex treffen könnten. Dass sie damit ein großes Wagnis einging, in dem sie ihm ihre Adresse gab, war ihr zu dieser Zeit nicht wirklich bewusst. Schließlich war sie kein Profi und empfing das erste Mal einen Freier, der sie für Sex bezahlen würde.

So kam der Tag des erotischen Treffens. Laura duschte sich in aller Ruhe und sehr ausgiebig und genoss das wohlige Plätschern des warmen Wassers auf ihrer Schulter- und Rückenpartie. Wäre sie für sich gewesen und hätte keinen Besuch erwartet, hätte sie gerade liebend gerne Lust gehabt, sich den Strahl des Duschkopfes direkt auf ihre Perle zu richten und die erregenden Wonnen dabei voll und ganz zu genießen. Doch leider konnte das nun nicht sein, denn die Uhr tickte unaufhörlich und erinnerte sie daran, dass sie sich ein wenig beeilen musste. Schließlich wollte sie sich noch ein ansprechendes, wenn auch dezentes Make-up auflegen und sich attraktiv kleiden. So zog sie sich aufreizende rote Latex-Dessous an, welche sich eng und straff an ihre weiblichen Kurven schmiegten und darüber das aufregende schwarze Wetlook-Glanz-Kleidchen, welches sie wie ein anziehendes Dienstmädchen aussehen ließ. Laura fühlte sich rundum wohl in ihrem attraktiven Outfit und wartete im Anschluss an das Ankleiden gespannt auf ihren Gast. So machte sie im Anschluss dem Mann die Wohnungstür auf, mit dem sie geschrieben hatte und stellte fest, dass er ehrlich zu ihr gewesen war und aussah wie auf dem Bild, das er ihr zur Verfügung gestellt hatte. Irgendwie seltsam waren diese ersten Minuten des Kennenlernens.

Da Laura und er in ihrer Wohnung waren, fühlte sie sich jedoch ganz gut und fing an, sich vor ihm in noch etwas unsicheren, jedoch nicht minder lasziven Bewegungen auszuziehen. Die bewundernden Blicke des Mannes gaben ihr Recht, mit dem Wetlook-Glanz-Kleidchen eine gute Auswahl getroffen zu haben. Sein warmer und vor Begierde schimmernder Blick ruhte auf ihren sinnlichen Kurven, als sie im roten Latex-BH und -Slip vor ihm stand.

„Wie wunderschön du bist, Laura!“, rief er unverhohlen bewundernd aus und holte freundlich lächelnd und ohne Aufforderung ihrer den vereinbarten Geldbetrag aus seiner Jeans und gab ihn ihr. Mit etwas zitternden Händen nahm Laura diesen dankend entgegen und verstaute die Scheine unauffällig in einer Schublade.

Dabei fand sie es sehr rücksichtsvoll und einfühlsam von ihm, dass sie von ihm gefragt wurde, ob er sie anfassen durfte. Dieser Mann, der ihre Dienstleistung gekauft hatte, behandelte Laura die ganze Zeit über sehr respektvoll und zuvorkommend und bezog sie die ganze Zeit über in die sexuellen Handlungen mit ein. Dadurch konnte sie sich entspannen und fand auch eine gewisse Erregung dabei. Laura begann, ihn oral zu verwöhnen und fand beim Ablecken seiner Eichel, dass seine Lusttropfen wundervoll schmeckten. Auch sein männlich-herber Moschusduft im Intimbereich war ihr sehr angenehm und ehrlicherweise war sie sehr froh darum. Der Mann ließ Laura das Tempo des Blasens bestimmen, denn er wollte ihr durch plötzliches Einlenken keinen absichtlichen Würgereiz verursachen, da er sie dafür schlicht zu wenig kannte und sie nicht erschrecken wollte.

Auf einmal zog er sich ruckartig aus Lauras Mund zurück und quittierte ihren überraschten Gesichtsausdruck mit einem verständnisvollen Lächeln: „Weißt du Laura, für mich ist das alles genau so aufregend wie für dich. Wir hatten zwar sehr schön miteinander geschrieben, doch wusste ich letztendlich ja nicht, was mich hier bei dir erwartet. Oder auch besser gesagt wer. Dabei meine ich nicht dich selbst oder dein Aussehen, sondern eher, dass ein Mann auch in einen Hinterhalt gelockt werden kann, wenn er sich auf solche Dates einlässt. Schon so mancher wurde währenddessen überfallen und ausgeraubt und zwar von Männern, die sich irgendwo im Hintergrund versteckt hielten und eine gutaussehende Frau nur als Lockvogel fungierte. Ein wenig Herzklopfen habe ich noch immer, entschuldige. Du bist so wunderschön, ich möchte keinen Fehler machen, es soll trotz des Geldes auch schön für dich sein. Gerade wäre ich beinahe gekommen, doch ich weiß nicht, ob ich wegen meiner Nervosität ein zweites Mal ohne längere Pause könnte.“

Irgendwie rührte dieses Geständnis an Lauras Herz und spontan und ohne langes Nachdenken ergriff sie seine Hand und gab ihm einen Kuss darauf. Diese unvermutete Geste der Zärtlichkeit zog beide in ihren Bann, war sie doch aus freien Stücken und unaufgefordert gegeben. Zärtlichkeit ist immer ein in Freiwilligkeit gegebenes Geschenk an einen anderen Menschen und kann niemals erkauft werden. Dieser eindringliche und zugleich sehr menschliche Moment zwischen beiden brach das Eis vollends. Nicht nur Laura, sondern auch Tom, so hieß ihr Freier, wirkten nun viel lockerer miteinander und genossen zusehends ihr Miteinander. So legte sich Tom auf das Bett, während Laura auf ihn stieg und seinen prallen Harten in ihre nasse Scheide einführte. Pikanterweise hatte sie ihre roten Latex-Dessous noch immer an, denn auch Tom war Wäscheliebhaber und absoluter Latexfan. So präsentierte ihm Laura die Öffnung am roten Latexslip ouvert, durch welche sie Toms hartes Glied schob und in sich aufnahm. Tom genoss das Gefühl der zusätzlichen Reibung an seiner Peniswurzel sehr, welche ihm durch den Latexstoff an der Öffnung im Slip geboten wurde. Große, kantige Männerhände gruben Lauras üppigen Busen aus dem roten Latex-BH, umschlossen diesen gierig und rieben ihre rosigen Brustspitzen, bis Laura ihn immer heftiger ritt, bis sie beide beinahe zeitgleich zum Orgasmus kamen. Natürlich hatten sie ein Kondom benutzt, wie zuvor auch schon beim Oralverkehr. Zum Glück hatte Tom diese selbst mitgebracht, denn als Single und keinen Sex habend hatte Laura diese gar nicht im Haus gehabt und in ihrer Aufregung zuvor schlicht vergessen, welche zu besorgen.

Erschöpft lag nun Laura an Toms Seite und sinnierte gedanklich darüber nach, dass sie gerade sehr viel Spaß hatte und das Geld eigentlich sehr leicht verdient war. Dafür hätte sie in irgendeinem Restaurant lange kellnern müssen. Da spürte sie wie sich Tom ihr zuwandte und sie nonchalant anlächelte. Dabei entblößte er seine gepflegten Zähne und Laura dachte auf einmal, wie sie wohl reagiert hätte, wären die Zähne nicht so adrett gewesen.

„Hättest du Lust, dass wir das demnächst wiederholen? Wir können gerne ins Kino gehen, ich würde dich gerne einladen. Wenn es für dich in Ordnung ist, würde ich gerne mit dir dann einen Blowjob im Auto in der Tiefgarage und auch Analverkehr haben. Das dann bei dir daheim oder in einem Hotelzimmer in aller Ruhe. Ich gehe auch ganz behutsam vor, mache dir keine Sorgen. Solltest du irgendetwas brauchen an Hilfe oder Unterstützung, melde dich gerne bei mir, meine Nummert hast du ja. Ansonsten melde ich mich wieder bei dir, falls ich darf.“ Wie leicht das alles ging, damit hätte Laura nun wirklich nicht gerechnet.

Tom wollte eine Wiederholung des Ganzen. Das Schöne daran war, dass sie ihn nun kannte und alles beim nächsten Mal noch vertrauter wäre. Dennoch zögerte Laura ein wenig ihm gleich eine Zusage zu geben. So erbat sie sich Bedenkzeit, denn sie merkte schon, dass sie erstmal ein wenig zur Ruhe kommen und das aufregende Erlebnis heute verdauen musste, wenn sie wieder alleine war.

„Kein Ding Laura, auch für mich war das alles recht neu; ich mache solche Treffen sonst auch nicht jeden Tag. Du bist einfach so wundervoll und ehrlich zu mir. Gerade fühle ich mich eher wie dein Freund und nicht wie dein Freier. Richtig wohl fühle ich mich mit und bei dir. Deine Dessous vorhin waren übrigens sehr heiß und sexy. Ich werde morgen mal im Internet schauen und dir für das nächste Mal, sollte es stattfinden, ein Geschenk mit Wetlook- oder Latex-Wäsche mitbringen. Das sage ich dir, damit du dich bereits jetzt schon darauf freuen kannst. Du wirst es immer gut mit mir haben, das verspreche ich dir!“

Einerseits fühlte sich Laura sehr geschmeichelt, andererseits brauchte sie jetzt Zeit für sich. Das drängende Bedürfnis, das Erlebte verarbeiten zu wollen, stieg nun mit aller Kraft in ihr auf. So löste sich Laura als Erste aus der Umarmung und begann sich wieder anzuziehen. Ihre roten Latex-Dessous sahen einfach nur himmlisch und absolut verführerisch aus. Tom duschte noch und war die ganze Zeit über freudig aufgelegt.

Als er dann zirka 20 Minuten später die Türe hinter sich schloss, ließ sich Laura erleichtert auf das grüne Sofa fallen. Sie schloss mit einem Aufseufzen die Augen und grübelte über den fantastischen Sex nach, den sie gerade mit einem fast Fremden gehabt hatte. Ihre blonde Mähne nach hinten werfend, sinnierte sie aber auch über die Gefahr nach, in welche sie sich leichtfertig begeben hatte. Nein, sich bei ihr daheim zu verabreden, das ist wohl keine so gute Idee gewesen, das würde sie so nicht noch einmal umsetzen. Ihre Privatsphäre würde sie in Zukunft sehr viel besser wahren, dessen war sich Laura nun sicher. Sie hatte auch schon von gewissen Portalen gehört, die interessierte Frauen wie Laura suchten und zahlenden und seriösen Kunden vermittelten. Oder sollte sie diese Erfahrung als einmalig abhaken und nicht mehr wiederholen?

Laura entschied sich eindeutig für ein Weitermachen. Sie traf Tom wieder und verbrachte mit ihm noch einige tolle Dates. Irgendwann sprach er von Liebe, da beendete Laura schweren Herzens die Treffen mit ihm, denn sie wollte Tom nicht unnötig verletzen, da sie ihn wohl sehr mochte, jedoch nicht liebte. Dieses ließ die Leichtigkeit ihres Zusammenseins leider immer mehr schwinden. Dennoch erinnerte sie sich immer gerne an Tom zurück, schließlich war er ihr erster Kunde und stets ehrenvoll zu ihr gewesen.

Auch beschloss Laura ihr eigener Herr zu werden und meldete sich offiziell als Sexarbeiterin an, um sich nicht verletzbar zu machen und natürlich korrekt zu agieren. So wurde sie zu einem sehr begehrten Escortgirl, welches ein gewisses Ansehen erlang, gut gebucht wurde und stets zufriedene Gäste hatte.

Am Tag, als Laura ihr Studium erfolgreich absolvierte, klopfte ihr Herz vor Freude bis zum Hals. Dumm war sie mit ihrer blonden Haarpracht und ihrem süßen Aussehen nun wirklich nicht. Dumm war, wer dies ernsthaft glaubte.  

– Symbolbild –

Meine Kurzgeschichte: Nicole

Liebe Leser!

Manche von Euch warten schon sehnsüchtig darauf, nun ist es endlich so weit! Hier meine neue Kurzgeschichte für Euch!

Taucht ein in ein ganz besonderes Bewerbungsgespräch und lernt die hinreißende Nicole kennen! Alle handelnden Figuren meiner Geschichte als auch die Handlung selbst sind frei erfunden. Die Geschichte ist nur für Erwachsene – FSK 18! Danke.

Viel Spaß beim Lesen!

Eure Julia


FSK 18

Nicole

„Sag mal, wäre das nichts für dich, als Erotik-Chatterin zu arbeiten?“

Claudias warme Stimme riss Nicole augenblicklich aus ihren abschweifenden Gedanken. Sie hatte gerade ein junges Pärchen durch die Scheiben der kleinen Eisdiele beobachtet, welches Hand in Hand stehend in einer Seitengasse vor einem Juweliergeschäft die glitzernde Auslage betrachtete. Der blonde Mann lächelte versonnen seine brünette Partnerin an, als seine kantige Hand über ihre Wange strich.

„Nicole, ich habe dir eine Frage gestellt!“, beharrte Claudia, doch ihr liebevoller Blick strafte die Strenge ihrer Worte Lügen. Nicole wandte widerwillig den Blick von dem verliebt wirkenden Pärchen ab. Eine leichte Melancholie glomm in ihren grünen Augen nach, als sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Claudia lenkte.

Diese sah erwartungsvoll zu ihr. „Ich soll als Erotik-Chatterin arbeiten, ist das dein Ernst?“, hakte Nicole mit hochgezogenen Augenbrauen zögerlich nach.

„Warum denn nicht? Das ist eine spannende Tätigkeit. Du kommst mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, und es wird dir dabei garantiert nicht langweilig. Außerdem arbeite ich in einem klasse Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Ein Moderator hört nächste Woche aus privaten Gründen auf. Die Stelle wäre demnach neu zu besetzen. Dabei dachte ich spontan an dich Nicole!“ Claudia untermauerte ihre Aussage mit einem charmanten Lächeln, das ihre Schönheit und Eloquenz in besonderer Weise hervorhob.

Eine leichte Spur von Neid verdunkelte Nicoles Gedankengänge. Sofort schämte sie sich dafür, denn sie hatte Claudia vom ersten Tag an in ihr Herz geschlossen. Claudia war nicht nur optisch eine äußerst attraktive Frau; sie besaß auch viele wundervolle Charaktereigenschaften, die ihre ganze Person wie eine kleine Sonne erstrahlen ließen. Dennoch gestand sich Nicole zähneknirschend ein, dass sie Claudia nicht wirklich das Wasser reichen konnte, ginge es nach dem gängigen Schönheitsideal. Nicole würde zwar auch von sich behaupten, einen guten Charakter und ein aufrichtiges Herz ihr Eigen nennen zu können, doch wirklich gutaussehend fand sie sich nicht. Wenn sie durch die Straßen flanierte, drehten sich nur gelegentlich Männer nach ihr um. Ganz anders bei Claudia, die beim Betreten eines Raumes diesen fast gänzlich für sich einnahm.  

„Ich weiß nicht, Claudia. Das ist sehr nett von dir, dass du dabei an mich gedacht hast. Doch ich bin nicht so selbstbewusst wie du, eher das unscheinbare Mauerblümchen, das niemand sieht. Sollten so einen Job nicht eher mutige Frauen machen, die jeden Mann um den Finger wickeln können? Was soll ich den Kunden denn erzählen? Mir fällt da nichts Passendes ein, zumal ich nicht einmal ein aufregendes Sexleben, eine Beziehung oder eine Affäre habe. Claudia, ich bin nicht wirklich eine begehrenswerte Frau. Da soll ich Männer animieren können?“ Das Lachen, mit dem Nicole ihre Rede schloss, klang etwas hohl und ließ einen gewissen Zynismus mitschwingen.

Claudia quittierte es mit einer wegwerfenden Handbewegung und konterte mit einem „Ach papperlapapp“. Nachdem sie einen großen Schluck ihres Latte macchiatos getrunken hatte, strahlte sie Nicole mit ihren blauen Augen an: „Mache dich nicht schlecht Nicole! Du bist sehr viel attraktiver, als du denkst. Deine zurückhaltende und bedachte Art kann sehr erotisch wirken. Doch weil du nicht an dich glaubst, glauben andere Menschen auch nicht an dich. Für mich bist du die perfekte Besetzung für diese Stelle und ich denke, dass sie dir den Glauben an dich und deine Stärke zurückgeben wird.“ In einer eleganten Handbewegung stellte Claudia die langstielige Tasse ab und fuhr fort: „Deshalb, gerade weil ich an dich glaube und dieses als große Chance für dich erachte, habe ich unserem Chef Bescheid gegeben, dass du die Stelle gerne hättest. Heute Abend hast du ein Meeting-Date mit ihm. Dabei wird er dich in die Tätigkeit einweisen, und du kannst nächste Woche starten!“

Nicole verschluckte sich an dem Stück Apfelkuchen, das sie beim Zuhören gegessen hatte. Nachdem sie wieder zu Atem kam, blickte sie voller Entrüstung zu Claudia, die sie herausfordernd angrinste.

„Claudia, ich kann das wirklich nicht, ich bin nicht wie du, so sexy und selbstsicher. Ist das nicht auch unanständig, einen solchen Job auszuüben?“

Claudias Lächeln wurde noch strahlender und erhellte beinahe den gesamten Gastraum der Eisdiele. „Na klar ist der Job pikant, doch was kümmern uns die doofen Spießer? Außerdem sind die Doppelmoralisten unsere besten Kunden!“ Augenzwinkernd winkte Claudia dem Kellner zu und orderte die Rechnung. Dieser ließ beinahe das Tablett fallen, als er Claudias hübsche Erscheinung wahrnahm.

„Na toll, bei mir lässt der wohl nichts fallen!“, kommentierte Nicole selbstironisch die Reaktion des Angestellten. Claudia überhörte gekonnt Nicoles süffisante Äußerung und kramte fröhlich in ihrer türkisfarbenen Handtasche. „Du bist eingeladen, Süße!“ Mit einem breiten Lächeln, das ihre gepflegten weißen Zähne entblößte, ergänzte Claudia: „Tom, unser Chef, freut sich schon sehr darauf, dich kennenzulernen!“

…………………………………………………………………………………………………

Was sollte sie nur anziehen? Tom war es bestimmt gewohnt, von schönen Frauen in stilvollen Kleidern umgeben zu sein. Claudia musste ihre Anspannung gespürt haben, denn sie bot sich an, mit ihr vor dem Treffen shoppen zu gehen. Eine Schnappatmung bekommend ließ sich Nicole von Claudia in einen Erotikshop ziehen und in eine Umkleide drängen, die bewusst abseits der Verkaufsräume lag. Dort musste sie auf Claudias Anweisungen hin aufregende Dessous und Kleider anprobieren. Schließlich hatte sich Nicole zu einem Kauf einer exklusiven Kombination überreden lassen, für die sich Nicole niemals alleine entschieden hätte. Nachdem ihr Claudia spielerisch mit einer Beendigung ihrer Freundschaft drohte, willigte sie schließlich lachend ein.

Nun umschmeichelte ein knöchellanges Wetlook-Kleid mit langen Ärmeln ihren kurvigen Körper und hob gekonnt ihre Vorzüge hervor. Zuvor hatte Nicole noch nie Wetlook getragen, doch sie empfand dieses anschmiegsame Material als sehr angenehm zu tragen und fühlte sich dadurch sehr weiblich und anziehend. Das schwarze Wetlook-Kleid erweckte in ihr ungekannte Gefühle von Selbstvertrauen und Erhabenheit, die durch die Latex-Dessous, die sie darunter trug, noch verstärkt wurden.

Oh ja – die Latex-Dessous! Da hatte Claudia auch ganz besondere Exemplare für sie entdeckt. Der BH schenkte ihr einen atemberaubenden Ausschnitt und das dazu passende Höschen betonte raffiniert ihre Hüften und Beine. Sie hatte schon von dem exquisiten Material gehört, sah diese spezielle Mode jedoch eher in dunklen Domina-Studios platziert. Dass auch eine ganz normale Frau wie sie Latex tragen konnte, gefiel ihr zunehmend. Sie fühlte sich damit herrlich unanständig und verrucht.

So aufreizend gekleidet hatte sich Nicole schon lange nicht mehr. Erstaunlicherweise fühlte sie sich nach einer anfänglichen Überwindung doch erstaunlich wohl. Insgeheim dankte sie Claudia, dass sie diese Empfindungen in ihr erkannt hatte und diesen zum Ausbruch verhalf durch ihre einfühlsame Beratung in Sachen Kleiderwahl.

Nervös blickte Nicole auf ihre kleine Uhr am Handgelenk. Nur noch ein paar Stunden, dann würde sie Tom gegenüberstehen. „Oh Gott!“, dachte sie und schluckte aufgeregt einen dicken Kloß herunter. „Hoffentlich werde ich ihm gefallen.“

………………………………………………………………………………………………

Sein angenehmes Parfum würde Nicole wohl nie wieder aus der Erinnerung entweichen. Der intensive Duft nach Moschus und Sandelholz umhüllte sie wie ein zartes Band, welches alle negativen und drückenden Gedanken der letzten Zeit fernhielt. Wie in einer wundervollen Blase saß Nicole gemeinsam mit Tom, dem Chef der Erotik-Hotline, an einem edlen Holztisch, welcher in seiner natürlichen Schlichtheit die Vertrautheit des Moments unterstrich.

Tom hatte sie von einem Fahrer abholen und in dieses heimelige Restaurant fahren lassen. Als der Wagen vorfuhr, sah sie Tom eindrucksvoll und von den schimmernden Lichtern des noblen Restaurants umrahmt am Eingang stehen.

Welch imposante Erscheinung er doch bot!

Nicole war sofort beeindruckt von diesem ihr noch unbekannten Mann und freute sich auf den gemeinsamen Abend, ob denn sie vor lauter Aufregung kaum ein Wort herausbrachte. Sie wäre ihm beinahe in die Arme gestolpert, als sich ihr leichter Seidenschal beim Aussteigen im Türrahmen der schwarzen Limousine verfing. Die ungewohnt hohen Pfennigabsätze ihrer High-Heels taten ihr übriges. Nicole war vollauf erleichtert gewesen, als Tom charmant lächelte und sie gekonnt in einer Drehung auffing, um sie dann galant in das stilvolle Restaurant zu führen.

Es war ein berauschendes Gefühl, als sie beide so über die Türschwelle schritten und alle Blicke auf sie gerichtet waren. Bisher drehte sich kaum jemand nach Nicole um. Um so mehr konnte sie mit dieser neuen und ungewohnten Situation kaum umgehen und blickte unsicher zu Tom auf, der einen ganzen Kopf größer als sie war und das trotz der High-Heels. Er hatte ihren Arm wie selbstverständlich in seine Armbeuge gelegt. Seine Körperwärme strahlte kraftvoll zu ihr und schenkte ein wohliges Gefühl des Getragen-seins, das sie veranlasste, ihm ihr Vertrauen zu schenken. Seine grauen Augen blickten sie liebevoll an, und sein spitzbübisches Grinsen verleitete auch sie, sich komplett losgelöst in die aufregend neue Situation zu begeben.

Galant zog Tom Nicoles Stuhl zurecht, als sie an dem romantisch eingedeckten Tisch Platz nahm. Tom setzte sich seitlich zu ihr und gab dem Kellner unauffällig einige geflüsterte Anweisungen, denen dieser umgehend nachkam. Eine stille Autorität begleitete diesen gutaussehenden Mann, die wohl nicht nur Nicole wahrnahm.

Dankbar, einige ruhige und unbeobachtete Momente für sich zu haben, folgte Nicole fasziniert Toms Fingern, die leise klackend auf die Armatur des Laptops auftippten. Den Laptop hatte er mitgebracht und vor ihnen aufgestellt.

Interessanterweise war Tom nicht Nicoles optischer Typ. Sein weißes Hemd spannte sich über seiner ausgeprägten Oberkörper- und Oberarmmuskulatur und ließ erahnen, welche Kraft sich hinter dieser verbarg. Nicole mochte zwar trainierte Männer, die Sport betrieben und auf ihren Körper achteten, doch zu viele Muskeln sollten es dann doch nicht sein. Normalerweise – vor dem Kennenlernen mit Tom.

Nun erwischte sie sich dabei, wie sie gebannt auf dessen lebendiges Spiel der Muskeln starrte und sogar eine leichte Erregung dabei verspürte. Auch war Tom älter als ihre bisherigen Partner. Sie schätzte ihn auf Ende Fünfzig, denn sein Haar war graumeliert und zu einem Zopf am Hinterkopf zusammengebunden. Es reichte ihm schätzungsweise bis auf die Schultern, und trotz seines Alters war es noch recht voll. Tom trug zudem einen Vollbart, der in einem geflochtenen Zopf mündete.

Nicole mochte ihre Männer bisher bartlos, störte sie sich doch an dem Kratzen und Kitzeln beim Küssen. Dann auch noch dieses Zöpfchen am Bart – Tom war eine Type, die einem nicht jeden Tag begegnete. Seine faszinierenden grauen Augen wirkten in keiner Weise kühl und unnahbar, wie es oft bei dieser Augenfarbe der Fall war. Ein kleines wildes Feuer loderte in diesen, ein Versprechen auf eine Leidenschaft, die sich Bahn brechen konnte und die seinem Blick eine attraktive Eindringlichkeit verlieh.

Nicoles errötete nervös. Um den Moment zu überspielen, nahm sie einen Schluck aus dem bauchigen Rotweinglas. Sie musste sich zusammenreißen und versuchen, nicht so intensiv auf diesen außergewöhnlichen Mann zu reagieren. Schließlich war dies hier ein Geschäftsessen und keine romantische Verabredung.

„Mich faszinieren errötende, rothaarige Schönheiten!“, murmelte Tom fast unmerklich und ohne Nicole anzusehen, doch seine liebevoll-neckenden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht und trafen Nicole mitten ins Herz – und an anderer Stelle zwischen ihren Beinen. Diesem berauschenden Gefühl wollte sie jetzt nicht bewusst nachgehen.

Dass Tom sie schön nannte, war Nicole Balsam für ihre Seele. Um so mehr, da sie instinktiv spürte, dass es Tom ernsthaft meinte. Sie selbst hätte sich nie als schön bezeichnet. Claudia vielleicht mit ihrem blonden aparten Bob und ihrer athletischen Figur, die kein Gramm Fett zu viel hatte.

Doch sie mit ihren zehn Kilo zu viel auf den Rippen, mit ihrem vollen Busen und ihrem etwas zu prallen Hintern und strammen Schenkeln. Nicole würde wohl kaum dem gängigen Schönheitsideal entsprachen, sie sollte schön sein?

Dann noch ihre roten Haare, die sie oft mit einer brünetten Tönung abmilderte, damit sie sich nicht wie ein Kobold vorkam. Sie war weder besonders groß noch mit auffälligen Tattoos oder Piercings versehen. Nicole empfand sich als gewöhnlich, vielleicht höchstens als hübsch.

Toms angenehme Stimme riss Nicole aus ihren bewegten Gedanken, als er begann, ihr die organisatorischen und technischen Abläufe des Chat-Programms zu erklären. Das Gute daran war, dass sie dieses im Grunde überall aufrufen und damit arbeiten konnte. So war sie nicht an einen bestimmten Arbeitsort gebunden und musste keine Fahrtwege in Kauf nehmen. Auch versuchte Tom ihr die Nervosität vor dem erotischen Schreiben mit den Männern zu nehmen, in dem er ihr die Stammkunden und deren Anliegen vorstellte. Auch zeigte er Wege der Kommunikation auf, die sie auch in kniffligen Situationen anwenden und mit denen sie sich aus diesen manövrieren konnte.

Nach diesem Einführungsgespräch in den Tätigkeitsbereich einer Erotik-Chatterin fühlte sich Nicole wesentlich entspannter und sich der Aufgabe durchaus gewachsen. Ihre nagenden Selbstzweifel schienen an diesem Abend weit fort. Dies war der Verdienst dieses ungewöhnlichen Mannes, der immer wieder unauffällig ihren Unterarm streifte. Auch beugte sich Tom wiederholt zu ihr und verringerte somit unaufhörlich den Abstand zwischen ihnen.

Nachdem Nicole keine Fragen mehr hatte, genossen beide ein wundervoll abgeschmecktes Lammragout und frisch zubereitete Bandnudeln, welche die kulinarische Spezialität des gut besuchten Restaurants darstellten. Während sich Nicole und Tom angeregt über alle möglichen Themen unterhielten, berührten sich ihre Knie und Ellenbogen wieder und wieder, und Toms Blick suchte immer wieder Nicoles Augen. Auch fiel ihr auf, wie Tom in scheinbar ungesehenen Momenten zu ihr hinsah. Nicole empfand seine Blicke wie ein sanftes Streicheln und ließ sich nicht anmerken, wie sehr sie diese genoss.

Die Luft zwischen ihnen schien allmählich dünner zu werden. Ein leises, starkes Gefühl verschaffte sich zunehmend Gehör. Nicole konnte es nicht benennen, doch es sorgte dafür, dass ihr Puls anstieg. Fast schon berauschend war es, als Tom die Rechnung beglich und Nicoles Arm wie selbstverständlich in seine Armbeuge legte und sie nach draußen führte.

Scheinbar hatte Tom den Fahrer der schwarzen Limousine zwischenzeitlich kontaktiert, denn dieser wartete schon vor dem kleinen Restaurant, um seine Gäste nach Hause zu fahren.

„Macht es dir etwas aus, wenn ich dich nach Hause begleite?“, fragte Tom unvermittelt. Ein Anflug von Unsicherheit verdunkelte seine grauen Augen und zeigte seine Furcht vor einem Korb.

„Was antworte ich ihm nur?“, dachte Nicole panisch. Toms direkte Frage brachte sie gänzlich aus dem Konzept, zumal sie um ihre besondere Latex-Unterwäsche wusste. Bestimmt wollte er höflich sein und sie einfach ganz gentlemanlike nach Hause begleiten.

Doch wenn es doch zu mehr kommen und sie Zärtlichkeiten austauschen würden, was dann?

Diese Vorstellung löste einen wohligen Schauer in ihr aus. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr, als sie Tom klopfenden Herzens ein Küsschen auf die Wange gab. Sie wollte diesen einmaligen Moment nicht verstreichen lassen. Zu lange war sie das stille Mauerblümchen gewesen. Ein Prickeln rann ihr den Rücken herunter. Ja, sie wollte endlich vom Leben kosten und nicht nur existieren! So fasste sie all ihren Mut zusammen und setzte sich mit ihm auf die Rücksitze der Limousine. Eine dunkle Scheibe trennte Gast- und Fahrerraum und schenkte beiden Parteien Privatsphäre.

Auf einmal setzte eine erwartungsvolle Stille ein. Im Nachhinein hätte Nicole nicht rekonstruieren können, wie es dazu kam, doch sie spürte plötzlich Toms weiche Lippen auf den ihren und seine feuchte Zunge in ihre Mundhöhle eindringen. Er stieß diese behutsam in sie und unterstrich sein Begehren mit seinen Händen, die zärtlich ihre Oberschenkel hinaufstrichen. Dabei schob er sanft den Wetlook-Rock hinauf und entblößte ihre leicht zitternden Beine. Nicole stöhnte in seinen drängenden Kuss und erwiderte diesen mit einer Inbrunst, die sie von sich so nicht kannte.

Was machte dieser faszinierende Mann nur mit ihr?

Der Kuss wurde zunehmend leidenschaftlicher und Toms Hände frecher. Nicole spürte einen kühlen Lufthauch an ihren Schenkeln, als Tom diese mit leichter Führung öffnete und seine Finger vor ihrem Latex-Höschen positionierte. Mit kreisenden Bewegungen begann er, diese gegen Nicoles Mitte zu drücken und durch den Latex-Stoff ihren Kitzler zu stimulieren. Diese intime und zugleich sehr achtsame Geste berührte Nicole zutiefst, und sie spreizte instinktiv ihre Beine noch ein wenig weiter und bäumte sich Toms starkem Körper entgegen.

Die Limousine führte kurz darauf eine starke Linkskurve aus, so dass Tom versehentlich ganz auf Nicole rutschte. Die drängenden Finger machten einer festen Beule Platz, die sich reibend gegen Nicoles Unterleib presste. Lautes Stöhnen erfüllte den Innenraum des Fahrzeugs, als der wunderschöne Latex-BH zum Vorschein kam und zwei volle milchige Wölbungen präsentierte. Tom grinste breit und murmelte an ihre Lippen: „Du kleines Luder! Dass du auf Latex stehst, hätte ich nicht gedacht.“ Nicole wollte entrüstet antworten, doch Tom umschloss lustvoll saugend eine ihrer Brustspitzen und brachte sie so zum wohligen Schweigen.

Nicole konnte nicht mehr klar denken; starke Emotionen bäumten sich in ihr auf.

Sie spürte ihre Vagina schon schmerzhaft pochen und griff mit ihren Händen beherzt an Toms Pobacken, um ihn noch näher an sich drücken zu können. Ob denn Toms Hose und Nicoles Latex-Höschen einen Haut-an-Haut-Kontakt verhinderten, konnte der Moment nicht inniger sein. 

Da hörte Nicole Toms tiefe Stimme an ihrem Ohr: „Meine Schöne, komm für mich!“

Nicole konnte nicht mehr an sich halten und verlor jegliche Selbstkontrolle. Mit einem lauten Aufschrei hob sie ein letztes Mal ihre Hüften an. Dann fühlte Nicole einen unglaublich intensiven Orgasmus über sich hinwegbrechen, der sie in zuckenden Wellen davontrug. Eine solche Heftigkeit hatte sie noch nie zuvor mit einem Mann erlebt. Auch wusste sie nicht, dass sie überhaupt zu solch einer großen Begierde fähig war.

Was machte dieser Mann nur mit ihr! Nicole erkannte sich selbst kaum wieder und atmete schwer ein und aus, um wieder Herr ihrer Sinne zu werden.

Toms verschmitztes Grinsen und sein Blick Richtung Hose holten Nicole sanft in die Wirklichkeit zurück. Ein großer dunkler Fleck breitete sich auf Toms Hose genau in seiner Schritthöhe aus und zeugte davon, dass auch er gerade einen großartigen Orgasmus gehabt hatte. Verlegen schlug Nicole ihre Augen nieder, überkamen sie doch Schuldgefühle, dieses nicht bemerkt zu haben.

„Entschuldige Tom, es ist so lange her, dass ich mit einem Mann beisammen war. Ich habe deinen Orgasmus gar nicht bemerkt. Hätte ich mich anders verhalten sollen?“

„Nicht doch, du hast dich genau richtig verhalten. Du warst authentisch, hast nicht über dein Handeln nachgedacht und mir vertrauensvoll deine Hingabe dargeboten. Dafür möchte ich dir von Herzen danken. Und zu deiner Latex-Unterwäsche kann ich nur staunend sagen: Wow!“

Um seinen bewundernden Worten Ausdruck zu verleihen, küsste Tom Nicole lange auf die Stirn und strich ihr eine seidene, rote Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Außerdem befinden wir uns wohl in einer ganz ähnlichen Situation.“ Mit erhobenen Augenbrauen glitt sein Blick zwischen ihre noch immer leicht geöffneten Beine auf ihr Latex-Höschen, an dessen Seiten ihr Nektar hervorquoll. Selbst an den Innenseiten ihrer Schenkel befand er sich und transportierte einen unvergleichlich süßen Duft. Tom beugte sich vor und nahm genussvoll ein paar tiefe Atemzüge, bevor er anzüglich grinste.

Dies gefiel Nicole so sehr, dass sie spontan ihren Slip auszog und ihm diesen feierlich reichte. Tom war davon vollkommen überrascht und konnte Nicole nur mit großen Augen anstaunen.  

„Ich könnte mir vorstellen, mein Geschenk gefällt dir. Behalte mein Höschen und trage es mit dir, dann kannst du meinen Duft überall genießen.“ Hatte das Nicole gerade wirklich gesagt? So als würde sie neben sich stehen, wartete sie gespannt auf Toms Reaktion.

„Meine Güte, du kannst wirklich meine Gedanken lesen! In der Tat liebe ich den Duft von Frauen und deinen ganz besonders. Sehr gerne nehme ich dein himmlisch-köstliches Geschenk an und werde deinen geilen Latex-Slip wie einen Schatz aufbewahren. Wenn ich an dich denke, werde ich deine Lust inhalieren und voller Sehnsucht auf unsere nächste Begegnung hoffen.“

Voller Inbrunst drückte er den außergewöhnlichen Stoff gegen seine Nase und leckte kurz über Nicoles Nässe, die noch am Slip heftete. Tom stöhnte auf und schien für einen kurzen Moment der Gegenwart entrückt.

„Wie fantastisch du bist, genauso wie dein Geschmack.“

Just in diesem Moment, als Nicole vor freudiger Erregung erneut errötete, hielt das schwarze Gefährt an. Kurze Zeit später öffnete der Fahrer die Tür auf Nicoles Seite, denn sie waren an ihrem Zuhause angekommen.

Auf einmal ergriff Tom Nicoles Hand und hielt diese fest umschlossen, als er sie um ein Wiedersehen bat. Spielerisch koket zögerte sie kurz, dann hauchte sie ihm ein erlösendes „Sehr gerne“ mit einer Kusshand entgegen, welches seine markanten Gesichtszüge freudvoll erstrahlen ließ.

Sie tauschten noch einen heißen Kuss, dann stieg Nicole aus und vernahm dabei Toms poetische Worte: „Was bist du nur für ein berückender Mensch!“

Eine kleine Ewigkeit verfingen sich ihre Blicke, graue in grüne Tiefen. Da äußerte Nicole auf einmal keck: „Wenn dir Latex so gut gefällt, kannst du dich ganz besonders auf ein Wiedersehen freuen. In meinem Kleiderschrank hängt ein neues Latex-Minikleid mit aufregenden Reißverschlüssen an ganz besonderen Stellen. Noch fand ich keine Gelegenheit es auszuführen.“ Ohne Toms Antwort abzuwarten, schloss Nicole geschwind die Tür. Sie erhaschte noch einen Blick in seine erstaunt blitzenden Augen, da setzte der Wagen schon an und war alsbald aus Nicoles Sichtfeld entschwunden.

Eine ganze Weile stand Nicole einfach nur da, gefangen in ihrer bewegten Gedankenwelt. War das gerade alles sie, die das erleben durfte?

Bald würde die einbrechende Dämmerung die Nacht verabschieden und den Tag einläuten. Kaum hatte sie Gelegenheit gehabt sich zu sammeln, da vibrierte auch schon ihr Handy. Sie nahm es neugierig zur Hand und rief das Display auf. Tom hatte ihr geschrieben. Er bedankte sich für den wundervollen Abend und ihr entzückendes Geschenk. Und er schrieb, dass er sich auf ihr baldiges Wiedersehen sehr freute und noch nie eine solch bezaubernde Frau kennengelernt hatte.

Ein verführerisches Grinsen umspielte Nicoles rosafarbene Lippen, als sie Tom sogleich antworten wollte. Just in dem Augenblick, als sie ansetzen wollte, erhielt sie eine weitere Nachricht. Im Eifer des erotischen Gefechts hatte sie ganz vergessen, dass ihre Schicht im Erotikchat soeben begonnen hatte.

Die erste Nachricht eines Kunden hatte sie soeben erreicht. Darin war zu lesen: „Ich sitze hier auf dem Stuhl und warte gespannt, wie du aus der Dusche kommst.“

Nicoles aufkommendes, selbstbewusstes Lächeln verlieh ihr auf einmal einen ganz besonderen Glanz. Nicht einmal ein Höschen trug sie gerade. Ihr Leben schien wohl recht interessant zu werden…

Meine Kurzgeschichte: Mein Verehrer, der Boxer

Sie waren geradezu magisch, diese Freitagabende im Hallenbad. Bis 22 Uhr war immer geöffnet. Draußen lag alles im kompletten Dunkel, umso eindringlicher reflektierten die Glasscheiben das Geschehen in der Schwimmhalle. Das Wasser wurde oftmals stimmungsvoll beleuchtet, die Deckenbeleuchtung gedimmt. Da keine Vereine mehr trainierten, gab es keine abgetrennte Bahnen mehr, die Schwimmer konnten frei im Becken ihre Bahnen ziehen. Freitagabend waren oftmals die gleichen Schwimmer anwesend, die Stammkunden – so wie ich zu diesen zählte.

Wie immer nahm ich mir vor, zumindest eine halbe Stunde durchzuziehen. Freitags fiel mir das immer schwer, denn oftmals war ich etwas müde von der Woche. An diesem Abend trug ich einen roten Triangel-Bikini mit weißen Tüpfelchen und Rüschenvolant an Oberteil und Höschen.

Ich hatte schon ungefähr die Hälfte hinter mir, da fiel mir ein Mann am anderen Ende des Beckens auf, der gerade eine Schwimmpause einlegte und mich eindringlich betrachtete. Ich schaute kurz in seine Richtung, konnte sein Gesicht jedoch nicht deutlich erkennen, da er sich im schummrigen Licht befand.

Mir fiel sein Oberkörper auf. Und Oberarme, die ihn am Beckenrand hielten. Meine Herren, war dieser Mann stark. Muskelbepackte Arme liefen in einen Brustkorb über, der definierter nicht hätte sein können. Der Mann fuhr sich mit einer riesigen Hand durch sein blondes kurzes Haar, bevor er sich zu voller Größe aufrichtete, auftauchte und seinen Körper bis zum Bauchnabel freilegte.

Dann fuhr er sich mit dieser Riesenhand über seine glatte Brust und schaute mich die ganze Zeit über an. Ein blaues Schimmern ließ mich nicht mehr los. Ich reagierte auf ihn und spürte leichte Erregung in mir aufsteigen. Verlegen senkte ich meinen Blick und schwamm wieder los.

Der Mann tat es mir gleich und durchpflügte das Wasser. Es war erkennbar, dass er seinen Körper trainierte und gut im Griff hatte, auch mental. Er schwamm konzentriert, ausdauernd und zielführend. Während den kurzen Drehungen am Beckenrand bemerkte ich im Blickwinkel, dass seine Augen immer wieder auf mir ruhten. Irgendwie schien sich der Abstand zwischen uns zu verringern, obwohl ich meine Position nicht verändert hatte.

Und so kam es, dass er auf einmal direkt in der Bahn neben mir schwamm. Er erreichte vor mir den Beckenrand. Als er sich erhob, erhaschte ich einen Blick auf seinen mächtigen Rücken.

Nun zog er die Schwimmbrille ab, die er aufgrund des Kraulens getragen hatte. Schwungvoll drehte er sich auf einmal zu mir um und sah mir zu, wie ich die letzten Meter zurücklegte, bis ich den Rand des Beckens erreicht hatte. Er drehte sich synchron mit mir, beide schauten wir eine Weile nach vorne und sahen uns in unserem Spiegelbild im Fenster vor uns.

Unvermittelt wandte er sich plötzlich zu mir und sagte mit tiefer Stimme: „Hallo.“

Ich drehte mich zu ihm und blickte in ein solch blaufunkelndes Augenpaar, wie ich es noch nicht erlebt hatte.

Ein helles, klares Blau mit Schatten von Grau. Ein Drei-Tage-Bart mit leicht rotblonder Note schmückte sein Gesicht, seine Wimpern und Augenbrauen standen hingegen im dunkleren Kontrast zu seiner hellblonden Haarfarbe. Er lächelte mich offen und liebevoll an und zeigte dabei seine schönen und gepflegten Zähne.

Ich konnte gar nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern. „Hallo.“, antwortete ich.

„Ich heiße Waldemar.“

Anstatt ihm zu antworten, musterte ich ihn unauffällig.

„Wie heißt Du?“, hakte er nach.

„Julia.“

„Julia – ein schöner Name. Es freut mich dich kennenzulernen.“

Dabei kam er einen Schritt auf mich zu. Eine Bugwelle erreichte mich, als er mir seine Hand zur Begrüßung reichte.

Mein Gott waren das Pranken! Riesige Handteller, dicke Finger und ein kräftiger Händedruck. Meine eigene Hand verschwand in diesem Händedruck komplett.

Mir gefiel dieses höfliche Auftreten. Damit ehrte er mich auf eine ganz urtümliche Art und Weise. Sein Blick glitt unauffällig über meinen Körper, als er wieder etwas zurückwich.

„Du bist immer freitags hier, nicht wahr? Ich sehe dich schon länger und habe mein Training so gelegt, dich hier anzutreffen.“

Interessant, wie man doch gesehen wird. Er war mir bisher nicht bewusst aufgefallen.

„Was trainierst du denn?“

„Ich bin Boxer. Krafttraining gehört auch dazu. Am Schluss gehe ich dann immer schwimmen für die Kondition.“

„Das ist nicht zu übersehen“, äußerte ich spontan ohne nachzudenken. „Eigentlich bist du gar nicht mein Typ, das sind mir fast zu viele Muskeln.“

Verwegen grinste er mich an: „Dafür bist du genau mein Typ. Bist du Single? Da schwimmt manchmal ein Mann mit dir“.

„Das ist vermutlich Rouven, den du meinst. Wir treffen uns als auch hier. Er geht ebenfalls regelmäßig schwimmen. Ich bin aber nicht mit ihm zusammen. Rouven kommt gerade aus einer Beziehung und will erstmal keine Freundin.“

Waldemar musste auf einmal lachen. „Quatsch. Ich habe euch beobachtet. Er will was von dir. Nur ein dummer Mann will dich nicht.“

Er sagte es sehr bestimmt und eindringlich und als ich ihm widersprach, meinte er:

„Julia, du wirst immer gewollt sein. Ich sehe es in deinem Gang, du hast Stil. Dein Lachen ist herzlich und dein Herz ist ehrlich. Das sehe ich alles. Das wirst du auch als alte Frau noch haben!“

Ich war seltsam berührt von seinen Worten. Waldemar sprach mit mir, als würden wir uns schon Jahre kennen. Es war eine Intimität zwischen uns spürbar, die nichts mit Sexualität zu tun hatte. Im anschließenden Gespräch erzählte er mir, dass er Inhaber und Chef einer Firma war, die Personenschutz anbietet. Daher sein wacher Blick für seine Umgebung, kam es mir in Gedanken.

Ich hatte spontan ein Gefühl des absoluten Vertrauens. Instinktiv wusste ich, dass dieser Mann immer gut zu mir sein würde und immer aufrichtig und loyal. Seine Augen waren grundehrlich, seine Absichten spürbar rein. Optisch sah er aus wie der geborene Checker, doch spürte ich Güte von ihm ausgehen und ein riesengroßes Herz in seiner Brust wohnen. Seine scharfe Wahrnehmung hatte nichts mit Kontrollwahn zu tun. Dieser Mann sorgte sich um mich und mein Wohlergehen. Und das nach dieser kurzen Zeit…

Gastbeitrag: Meine Kindheit, die keine war

Ich möchte euch an dieser Stelle einen ganz besonderen Mann vorstellen. Wir kamen über ein soziales Netzwerk in Kontakt, als er von meiner Webseite und der Möglichkeit der Gastbeiträge erfuhr. Ich schrieb über Erziehung, wir kamen in das Gespräch und ich fragte ihn spontan, ob er etwas aus seiner Kindheit erzählen möchte. Er meinte, er hätte etwas zu erzählen.

Doch lest selbst…

Danke für dein Vertrauen in mich und im Namen aller, dass du deine Lebensgeschichte mit uns teilst. Es würde den Verfasser dieses Gastbeitrags freuen, nicht Sensationsgier zu stillen, sondern anderen eine Bereicherung zu sein und Mut zu machen.

Danke für deinen Mut, Gastautor ! 💙

Triggerwarnung: Den Leser erwarten Erzählungen von Gewalt, sexuellem Missbrauch und Drogenmissbrauch. Sensible oder betroffene Menschen sollten bitte mit Bedacht lesen.

FSK 18 – nur für Erwachsene.

…………………………………………………

„Meine erste frühkindliche Erinnerung ist der Schlag mitten in das Gesicht. Ein Schlag, der mein Aussehen auch für immer verändern sollte. Das Nasenbein war zertrümmert und wurde auch nicht behandelt.

Ich war ungefähr 4,5 Jahre alt und sollte den langjährigen Freund meiner Mutter die „Pöhler“ (Fußballschuhe) säubern und einfetten. Das gelang mir wohl nicht zur vollsten Zufriedenheit, was sich dann so mit einem Schlag äußerte.

Das war nicht das erste Mal und auch nicht das letzte Mal. Er war nicht mein Vater und hatte trotzdem einen sehr starken Einfluss auf mich und meine Erziehung gehabt. Er hatte den Weg geebnet, wie meine Mutter ihre Kinder erzieht, mit wenig Empathie, viel Schläge und das man immer das Gefühl hatte, das man an allem Schuld ist.

Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass es mehr auf die Fresse als zu essen gab. Das Jugendamt schaltete sich ein, änderte aber nichts an der Situation, da ich hier nicht offen reden konnte, da Mutter immer dabei saß in den Gesprächen oder mir auch nicht geglaubt wurde. Und hatte ich doch mal was erwähnt, dann gab es zur Belohnung im Anschluss Schläge.

Aufgrund meiner Unterernährung bin ich 2 Jahre hintereinander in einer Kinderklinik für 6 Wochen gelandet. Hier sollte ich zunehmen und war in der Regel das einzige Kind, was nicht auf Diät war. Was das bedeutete war abzusehen. Ich bekam zu jeder Sondermahlzeit von den anderen Kids Dresche…

Ich war immer ein Störfaktor, egal wo… Kindergarten, Schule, Sportverein und erst recht Zuhause. Viele Sommer lang Stubenarrest in einem kargen Zimmer, was kein Kinderzimmer war. Dort war ein altes Sofa mit frotteeähnlichem Bezug in dunkelgrün, welches nach kaltem Zigarettenrauch und Urin stank. Ein Fliesentisch mit 46 Kacheln, Nussholzfunier, ein dunkelbrauner Teppich mit Zigarettenlöchern um dem Tisch und ein Sofa drumherum. Zudem ein kleiner, eintüriger Kleiderschrank, jede Menge Rotkreuzsäcke, aus denen ich meine Kleidung raussuchen konnte. Diese wechselten dann auch monatlich. Ein alter Kohleoffen, beigefarbene Tapeten aus den 70-ern, wobei ich denke, dass die noch älter und vom Vormieter waren. Eigentlich weiß, aber durch Tonnen von Zigaretten und dem Kohleofen ihre Farbe verändert hatten.

Das erlernte Verhalten gegenüber anderen zeigte sich schon im Kindergarten, wo ich das von Zuhause Erlernte schnell umsetzte und dort alsbald rausflog. Das machte die Situation nicht besser. Auch in der Schule änderte ich mein Verhalten nicht, weil ich ja nur das umsetzen konnte, was ich im Umgang mit Menschen gelernt hatte. Ich flog darauf mehrfach für teilweise Monate aus der Schule. Einmal wurde ich versetzt, nur weil meine Mutter versprach, das wir aus der Stadt ziehen.

So mit 14 war es dann soweit, das ich freiwillig ins Heim ging, da mir damals schon klar war, Knast oder Tod, das ist nicht das was ich wollte, aber das war auch nur ein Traum. Aber darauf lief es hin. Opa, Onkel, Cousins und nähere Bekannte waren alle im Knast und dazu Alkoholiker. Das waren meine Vorbilder, ich lernte und lebte das Gesetzt der Straße.

Das war aber im Zusammenspiel mit den Heranwachsenden im Heim auch nicht die richtige Sprache. Und so wanderte ich dort auch von Gruppe zu Gruppe und später im „Betreuten Wohnen“ wurde ich dann mit 17 Jahren mir endlich alleine überlassen.

Vielleicht noch einmal ein bisschen zurück, da dies auch dazu gehört.

So mit 12-13 Jahren „durfte“ ich bei der Schwester meiner Oma übernachten. Die hatten ältere Kinder: Eine Tochter so um die 17-18 Jahre und einen erwachsenen Sohn schon 22-23 Jahre.
Hier erlebte ich eine andere Art, die mich für die nächsten Jahre prägte. Erst wurde ich von der Tochter, welche in meinen Augen damals ein wunderschöne und für mich schon erwachsene Frau verführt. Sie hatte mir eingeredet, dass Männer Versager sind, wenn sie die Frauen nicht zu einem Orgasmus bringen. Vorher darf man nicht aufhören. So brachte sie mir viele Techniken bei oder zumeist das, was ihr gefiel. Ihr älterer Bruder platze dann einmal herein. Anstatt sich zu echauffieren, zog er sich aus legte sich zu uns. Er hatte aber kein Interesse an seiner Schwester, sondern nur an mir. Was mir anfänglich in meiner frühpubertären Unbedarftheit gefallen hatte, änderte sich schnell zu einem Martyrium. Dies war ein sonderbarer Sommer, der sich für lange Jahre als einen Schatten auf meine sexuellen Interessen und Handlungen legte.

War ich bei Frauen im Sexuellen geradezu mit großem Eifer bei der Sache, war mein Interesse an Männern rein dominanter Natur. Bei Frauen hatte ich immer alles darum getan, das es ihnen gefiel. Die Frauen hatten oftmals mehrfach einen Orgasmus. Ich fühlte mich danach als ganzer Mann.

Allerdings war meist schnell mein Interesse auch an der Frau verloren, vor allem bei schnelle Bekanntschaften. Wenn die Frau sich schnell auf’s Bett einließ, war sie genauso schnell wieder weg.

Bei Männern war das schon eine etwas extremere Geschichte. Ich suchte mir Männerbekanntschaften aus der einschlägigen Szene und aus Portalen. Hier gab es keine Körperlichkeit und Nähe und niemals Küsse, sondern pure Dominanz!

Wenn klar war, dass was passiert, lief es immer gleich ab: Unterdrückung des Gegenübers. Harter Sex und danach Anziehen und Gehen, egal in welcher Situation. Die Männer waren ein Stück warmes Fleisch, welches ich benutzt habe. Keine Namen, kein „Wie war es, wie geht’s dir?“.

Das ging so bis ich 30 wurde. Ich war zu dem Zeitpunkt Handwerker, da dies der einzigste Beruf war, der mir möglich war zu erlernen mit meinem Hauptschulabschluss der 9. Klasse.

Ich hatte keine festen Freunde, weil ich einfach jeden würdelos behandelte oder jede Frau von meinen Künsten im Bett überzeugen wollte, egal wessen Frau oder Freundin das gerade war.

Besonders wenn ich getrunken hatte, waren schneller Sex oder Fäuste die Devise. Auch war das Klientel mit dem ich „befreundet“ war ebenso simpel gestrickt wie ich. Die einzige Schnittmenge waren dann auch nur Fußball, Frauen, Feiern und Fäuste. Ein Leben auf der Überholspur. Je mehr Feinde ich mir machte, desto besser fühlte ich mich. War es doch das, was ich von Zuhause erlernt hatte. Das war ich. Ein Ich, das aber auch jahrelang Weihnachten und Feiertage allgemein alleine verbrachte und mit Drogen und mit hartem Alkohol Sorgen runterspülte. Ich wartete bis abends die Clubs aufmachten, um mich dort weiter zu produzieren und zu betäuben. Ob mit Drogen, Alkohol, Sex oder Gewalt war letztendlich egal…

Ich wurde dann so mit 30 krank, der Rücken. Ich konnte meinen Job nicht mehr ausführen und fiel in ein Loch. Alleine, keine Hilfe, keinen Zuspruch, dafür viel Zeit, um mich zu reflektieren.

Die Erkenntnis war dann für mich, dass ich immer alles auf meine Vergangenheit geschoben hatte. Ich habe meine Erziehung als Ausrede genutzt, selbst vor mir selbst. Es war nie so, das ich mich wohl gefühlt hatte in meiner Haut und in meinem Verhalten. Dadurch, dass ich mehr betäubt als mit klarem Kopf durch die Welt ging und mir ein Umfeld des verlogenen Zuspruchs gezimmert habe, hatte ich auch nicht die Kraft, Motivation und Ambitionen, um mich zu verändern. Mein Umfeld zu ändern. Ein anderes Leben zu führen. Ein Leben, womit ich mich wohl fühlte und mir nüchtern in den Spiegel schauen konnte.


So saß ich da vor den Trümmern meines Lebenswerks. Nichts was ich in eine neue Zukunft mitnehmen konnte.

Geld weg, Umfeld weg, Job weg, meine Identität weg.

Ich habe immer Ärger angezogen. Ein Blick reichte um mich selbst zu bestätigen. „Aus dir wird nie was!“ ist einer der Sprüche, die mich geprägt haben und an die ich immer geglaubt hatte. Nie gelernt mit Problemen umzugehen, immer weggelaufen und verdrängt und das Gute im Leben verscheucht.

Heute mit 45 bin ich froh, dass ich in meiner aggressiven Zeit scheinbar niemanden – meines Wissens – nachhaltig geschädigt habe, da alles immer in beidseitigem Einvernehmen stattfand. Das macht es nicht besser, aber ich bin heute demütig, dass ich aufrecht gehen kann, ein echten Freundeskreis habe, ein neues berufliches Umfeld gefunden habe, als Mensch gewachsen bin, finanziell zwar nicht ausgesorgt, aber dass es mir im Verhältnis gut geht und ich meine Schulden abbezahlte, was mir persönlich extrem wichtig war.

Wenn das ein Teil meines Canosa-Gangs ist, so gehe ich den gerne, denn vieles kann ich nicht wieder gut machen.

Eine Insolvenz kam für mich nie in Frage. Meine Teams auf der Arbeit gehen mit mir durch’s Feuer, weil ich es schaffe, die richtige und ehrliche Ansprache für jeden einzelnen zu finden. Meine Vorgesetzten sind froh mich zu haben, da mir persönlich nicht das Finanzielle im Vordergrund steht, sondern der Zuspruch und die Anerkennung meine Seele streichelt.

Klar dass diese das auch gerne ausnutzen, aber mich stört das nicht, da ich immer im Sinne der Company und auch im Sinne meiner Mitarbeiter handle.


Meine Freunde stehen zu mir.

Sie schätzen an mir die Ehrlichkeit und Empathie und wissen, dass sie für mich meine Familie sind. Und das seit beinahe 15 Jahren und das wird auch bis zum Ende gehen.

Ich habe eine Frau gefunden, die mein Totem ist. Sex ist kein Vergleich mehr zu früher und hat keinerlei Wichtigkeit mehr für mich. Keine Ahnung, ob das am Alter liegt oder ich mit mir damit im Reinen bin. Und trotzdem lieben wir uns und sind seit 6 Jahren verheiratet.

Heute sehe ich mich nicht mehr so, dass ich aus schlechten Elternhaus komme und es ja so super schwer hatte.

Ich habe mich da raus gekämpft und viele in meinem Umfeld sehen mir das auch nicht mehr an. Ich habe auch mit meinem Elternhaus Frieden geschaffen. Heute lebe ich so, wie es für mich will. Meine Dämonen habe ich im Griff und lasse mich davon nicht mehr beeinflussen. Ich bin stark und gewillt anderen Menschen nur Gutes zu tun, egal in welcher Situation – meine Hand ist immer griff- und hilfsbereit!

Gerade weil ich aus einem schlechten Elternhaus komme, möchte ich ein Pfad sein für diejenigen, die sich noch nicht erkannt haben, aber auch ihr Leben ändern wollen!“

Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 3

Den ganzen Tag über hatte ich ein ungutes Gefühl im Magen, mochte nichts essen, Angst schwirrte unaufhörlich in meinem Kopf herum. Angst, das eigene Kind zu verlieren. Vergangene Nacht hatte ich den Notarzt gerufen, da meine Kleine nur noch flach atmete und ihre Sättigungswerte sehr schlecht waren, begleitet von sehr hohem Fieber (siehe: “Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 2”). “Ich weiß nicht, ob sie den Transport in das Krankenhaus überlebt”, hatte mir der Notarzt noch gesagt. Es hatte geklappt, nachdem das Ärzteteam vor dem Haus im Krankenwagen 15 Minuten lang brauchte, um sie soweit zu stabilisieren, dass die Fahrt starten konnte.

Ihr Vater war mit ihr im Krankenhaus; ich war zu Hause und versorgte den Kleinen, gerade war er erst vor zwei Wochen geboren. Er trank gut und mein Milchfluss noch nicht voll da, so konnte ich noch keine Vorräte an Muttermilch ansammeln. Somit brauchte er meine Anwesenheit, und ich konnte nicht bei ihr im Krankenhaus sein. Ich führte an diesem Tag Arztgespräche, erst mit dem diensthabenden Arzt, dann mit dem Oberarzt der Kinderintensivstation. Er machte mich darauf aufmerksam, dass sie nicht wüssten, ob die Kleine überleben würde, da ihre Lungentätigkeit weiter abnahm und ihr Fieber nicht sank. Irgendwann sprach dann der Chefarzt mit mir, erklärte mir die Vorgänge von Herzaktivität und Lungenfunktion. Ich hatte fast drei Jahre immer wieder Aufenthalte auf Intensivstationen hinter mir, ich wusste, was diese Dynamik bedeutete.

Einmal klingelte eine Nachbarin. Was denn bei uns los sei, der Krankenwagen sei vergangene Nacht vor unserem Haus gestanden. Ich konnte das Gespräch schnell abwimmeln. Keine Kraft für das gerade. Es klingelte noch ein paar Mal an der Tür, ich machte jedoch nicht mehr auf. Es war mir zu viel, ich brauchte mein bisschen Kraft für mich.

Mein Kleiner gab mir Halt und Trost. Diesen kleinen, warmen Körper zu spüren, in seine Augen zu sehen… Immer mal wieder musste ich weinen. Einfach so, konnte mich nicht beherrschen. Tröstende, wissende Augen schauten mich dann aus diesem jungen Gesicht an. So klein, verstand er vermeintlich schon alles.

Immer wieder führte ich auch Telefonate mit ihrem Vater. Er war müde, verzweifelt, traurig, erschöpft, überfordert vom Entscheidungen fällen, vom Zusehen müssen, was alles an medizinischen Behandlungen an ihr gemacht wurden. “Die Ärzte holen ständig Blut, geben dies und jenes Medikament, fragen immer, was sie im Notfall tun sollen, wie weit sie reanimieren sollen. Unsere Kleine ist nicht mehr aufgewacht. Sie scheint zu schlafen. Ich weiß nicht, ob sie überlebt…” Ich habe ihn in diesem Moment bewundert, wie er all das schaffte, wie er die ganze Zeit an der Seite seiner Tochter stand, seit 24 Stunden durchgehend wach.

Der Anruf

Abends legte ich mich mit meinem Kleinen hin. Er hatte gerade getrunken, ich legte derweil das Handy in Reichweite, falls ein Anruf kommen sollte. Ich hatte es wohl geahnt, der Anruf kam nachts um halb eins. Ihr Vater war am Apparat, unter Tränen brach seine Stimme: “Komm schnell in´s Krankenhaus. Sie sagen, sie wird bald sterben…”

Es ist seltsam, ein solcher Moment. Was geht da in einem vor? Eine merkwürdige Ruhe erfüllte mich. Ich musste auch nicht weinen. Irgendwie agierte ich wie ferngesteuert und rief Verwandtschaft an. Ich pumpte noch schnell Milch ab, damit der Kleine etwas hatte, sollte er später aufwachen. “Beeile dich”, sagte meine Verwandte, “dass du dich noch verabschieden kannst von ihr.” Der Kleine schlief friedlich, als ich mitten in der Nacht das Haus verließ, mich in das Auto setzte und in das Krankenhaus fuhr. Mein Unterbauch schmerzte noch beim Fahren, der Kaiserschnitt lag erst zwei Wochen zurück. Eigenartige Gefühle waren meine Wegbegleiter. Als ich so fuhr, sah ich in Gedanken eine Kerzenflamme, die immer schwächer wurde. Ich spürte, dass sie bald sterben würde. “Schatz, bitte halte durch, Mama ist gleich da”, flüsterte ich ihr in Gedanken zu.

Ich erreichte das Krankenhaus und fand aufgrund der Uhrzeit sofort einen Parkplatz. Etwas hinkend lief ich zum Eingang, die Narbe schmerzte am Bauch beim Gehen. Die Gänge waren menschenleer. Ich erreichte die Intensivstation, ein buntes Schild mit spielenden, lachenden Kindern zeigte auf die Eingangsklingel. Ich klingelte, meldete mich namentlich an, die großen Schwingtüren öffneten sich automatisch. Sofort umgab mich der vertraute Geruch von Krankenstation und Medizin. Eine Schwester saß am Tresen. Ihr Blick sprach Bände. Mitleid… Eine andere Schwester kam auf mich zu, ich kannte sie bereits von früheren Aufenthalten. Sie begleitete mich zur Isolierstation, auf die alle Patienten mit hohem Fieber kamen. Bevor ich das Krankenzimmer betrat, atmete ich einmal tief durch…

Meine Kleine

Das Kinderbett nahm den Raum fast gesamt ein. Um das Bettchen herum standen zig Apparate, Maschinen blinkten und summten, ab und an ein Piepsen. Monitore erleuchteten das fahle Licht. Ihr Vater stand neben dem Bett, eine andere Schwester war an ihr zugange. Es war ein altvertrauter Anblick, der sich mir da bot. Ich kam näher zum Bettchen, begrüßte die Anwesenden. Ihr Vater hatte eine tiefe Traurigkeit im Blick, unendlicher Schmerz zeichnete sich darin ab. Die Krankenschwester versuchte locker zu sein, lächelte mich an. Ihre Augen straften ihre Fröhlichkeit. Mitleid sprach aus ihnen sowie die Gewissheit, was kommen würde. “Ich kann nicht mehr, ich bin seit 24 Stunden wach”, sagte mir ihr Vater. “Lege dich ein wenig hin, ich bin jetzt da.” Die Schwester neben mir kommentierte lachend: “Vorhin war er mal eingenickt, wir mussten ihn dreimal ansprechen, bis er aufwachte.” “Haben Sie schon einmal 24 Stunden durchgehend am Krankenbett ihres sterbenden Kindes gewacht?” fragte ich die Schwester. Ihr Lachen erstarb daraufhin, sie entschuldigte sich. Sie erklärte mir, dass sie der Kleinen gerade ungefähr 10 Medikamente zeitgleich gaben, bei einem zeigte sie starke Nebenwirkungen, das mussten sie absetzen, da ihre Hände blau anliefen. Ich sah hinab auf die Hände meiner Kleinen: Eine Hand war fast schwarz, die andere blau. “Wieviel musstest du erleiden mein Schatz”, dachte ich mir. Stattdessen fragte ich die Schwester: “Geht das wieder weg an ihren Händen?” “Ja, das geht wieder weg”, meinte sie daraufhin. Wir wussten in diesem Moment beide, dass das keine Rolle mehr spielte. Ich bat die Schwester, ob sie mich mit meiner Kleinen alleine lassen könnte. Sie bejahte und verließ daraufhin den Raum. Ich war mit ihr alleine. Ihr Vater lag ein wenig entfernt auf einer Pritsche, er war sofort eingeschlafen vor lauter Erschöpfung.

Gedankenversunken schaute ich auf meine Süße herab. Ihre Haut war nicht mehr grau, sondern erstaunlicherweise ganz rosig. Zig Kabel liefen zu und von ihrem kleinen Körper weg, ein Tubus steckte in einem ihrer Nasenlöcher. Sie atmetet bereits nicht mehr selbstständig, eine Maschine erledigte dies stattdessen. “Hätte ich nur keinen Notarzt mehr gerufen”, dachte ich mir, als ich sie so sah, mit ihren dunklen Händen, den blauen Flecken vom Blut abnehmen, all die Schläuche. Ich beugte mich zu ihr herunter, legte meine Wange an ihre Stirn. Die einzige Stelle in ihrem hübschen Gesicht, die noch frei lag. “Schatz, du musst jetzt kämpfen. Wir lieben dich so sehr. Dein kleiner Bruder wartet daheim auf dich.” Nach einer kurzen Pause sprach ich weiter: “Wenn es nicht mehr geht, wenn du nicht mehr kannst, dann ist es in Ordnung Schatz, dann darfst du gehen.”

Ihre schwarze Hand mit den blaurot unterlaufenen Fingernägeln lag in meiner Hand, ich lauschte dem mechanischen Brummen der Beatmungsmaschine, roch sie noch einmal, wobei ihr eigentlicher ureigener Geruch bereits verflogen war. Auf einmal zuckte ihr linkes Bein. Ich richtete mich auf. Ihr Brustkorb zog sich daraufhin unnatürlich stark nach innen ein, zuckte zweimal. Ich blickte auf den Monitor, der ihre Vitalwerte anzeigte. Der Wert des Pulses begann sich auf einmal in steten Schritten zu senken: 125, 118, 108, 102…

Das Sterben

Ich rief zu ihrem Vater: “Wach bitte schnell auf… Sie stirbt…” . Sofort war er hellwach und eilte an das Krankenbett. Ich sah auf sie hinab und meinte zu sehen, wie ihr Gesicht leblos wurde. “Deine Seele geht gerade”, dachte ich mir. 88, 82, 78… Der Monitor, der die Vitalfunktionen aufzeichnete, fing in diesem Moment an, gelben Alarm zu schlagen. 74, 68, 62… Der Alarm verschärfte sich um eine Stufe nach oben, roter Alarm. 58, 52, 48… “Komm gut im Himmel an”, sagte ich zu ihr… Ihr Vater nahm meine Hand, wir sahen uns in die Augen, teilten den Schmerz des Moments…

Zwei Schwestern und eine Ärztin betraten auf einmal hastig den Raum. Die Ärztin sagte: “Es tut mir leid, ihr Kind stirbt gerade. Wollen sie es in den Arm nehmen?” Auf einmal kamen mir die Tränen, ich nickte. Eine Schwester schaltete den Monitor ab, der Wert des Pulses stand mittlerweile bei null. Als sie damals zwei Wochen alt war, hatte ich das schon einmal erlebt, diese Monitoranzeige bei null. Da hatte sie einen Herzinfarkt gehabt, konnte jedoch reanimiert werden und fing sich wieder…

Eilig entfernte die andere Schwester alle Schläuche und legte mir die Kleine in meine Arme. Ihr Vater wollte mir den Vortritt lassen. “Es tut mir so leid. Sie war ein so liebes Kind”, meinte noch die Ärztin, der wir schon bei früheren Aufenthalten begegnet waren. “Notieren Sie Todeszeitpunkt 4.35 Uhr”, hörte ich sie noch ihren Kollegen zurufen.

“Gehen Sie jetzt bitte”, brachte ich noch hervor. So lag meine wunderschöne Kleine in meinen Armen. Vielmehr ihr Körper, denn ihre Seele war schon entflogen. Absurderweise hob und sank sich ihr Brustkorb noch immer, die Schwestern hatten vergessen, die Beatmungsmaschine abzustellen. Es störte mich, dieses Heben und Senken. Eine Schwester kam erneut, stellte daraufhin die Maschine ab und schnitt den Schlauch zum Intubieren durch, dessen Gewicht ihr Gesicht auf die rechte Seite zog. Ich blickte in ihr Antlitz, sah, wie ihre Hautfarbe immer weißer wurde, genauso wie ihr Zahnfleisch und ihre Zunge. Ihr Lippen verfärbten sich langsam bläulich. Nach und nach erkaltete sie. Ich wollte ihr so gerne von meiner Körperwärme abgeben…

Nach einer Weile gab ich sie ihrem Vater. Ich hatte sie ungefähr eine Stunde gehalten, ihre Arme waren mittlerweile steif geworden. Auf meinen Pullover war Flüssigkeit gelaufen, die aus ihrer Bauchsonde austrat. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, sie blickte bereits von oben auf uns herab. Irgendwann kam wieder eine Schwester und fragte, ob wir dabei sein möchten, wenn sie sie waschen und anziehen, um sie vorzubereiten für die Leichenschau. Ihr Vater blieb an ihrer Seite und half beim Waschen, während ich das Krankenzimmer verließ. Ich musste zurück nach Hause, die Verwandten hatten angerufen, der Kleine sei aufgewacht und hatte schon den Vorrat leergetrunken.

Das Danach

Ich lief den Flur entlang, vorbei an den Stationsräumen, sah die besorgten Eltern an den Bettchen ihrer Liebsten wachen. Vorbei an dem Empfangstresen, die Schwester zu mir: “Fahren Sie bitte vorsichtig.” Schlenderte durch den langen Flur, der hinweg von der Intensivstation führte bis hin zu einem offenen Bereich. Noch waren die Flure leer, bald würde der alltägliche Trubel einsetzen. Wie war ich diese Krankenhäuser leid. Und doch hatten wir sie gebraucht; ohne ärztliche Behandlung wäre die Kleine spätestens nach der Geburt verstorben, wäre sie überhaupt lebend auf die Welt gekommen. Ich verließ das Krankenhaus und holte vor dem Eingang ein paar Mal tief Luft. Diese schlechte und stickige Luft in den Krankenhäusern hatte ich immer gehasst. Am Auto angekommen, stieg ich ein und saß erst einmal nur da. Eine Kehrmaschine reinigte derweil den Gehsteig, gerade wurden der angrenzenden Apotheke Waren geliefert. Ein Taxi hielt und ließ eine ältere Person aussteigen. Der Verkehr auf den Straßen nahm an Fahrt auf, bald würde der Berufsverkehr richtig anrollen. Irgendwie fühlte sich all das surreal an. Gerade endete ein junges Leben, doch die Welt erlaubte sich einfach weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Ich schrieb noch eine Nachricht an einen lieben Menschen, schrieb, dass meine Kleine gerade verstorben war. Komisch, diese Worte zu schreiben…

Dann startete ich den Motor, bog in die belebte Straße ein und machte mich auf den Heimweg. Komisch, ihren Körper dort in diesem Gebäude liegen zu wissen, nicht hier bei mir, auf dem Heimweg…

Irgendwie agierte ich wie ferngesteuert. An die Heimfahrt kann ich mich ansonsten nicht erinnern, der Körper fuhr wohl Automatismen ab. Daheim angekommen öffneten mir die Verwandten die Haustür. Sie nahmen mich in den Arm, ein kurzes Gespräch. Der Kleine sei wieder eingeschlafen. Ich bat daraufhin meine Verwandten, mich alleine zu lassen. Sie waren verständnisvoll und gingen. Zunächst lief ich die Treppe in den ersten Stock hinauf und schaute vorsichtig durch den Türspalt des Kinderzimmers. Der Kleine schlief tief und fest. Daraufhin ging ich in das Bad, zog mich aus, duschte. Als ich mich abtrocknete, erreichte mich die Nachricht des lieben Menschen, dem ich zuvor geschrieben hatte. Ich begann zu weinen, nahm die Wäsche vom Boden, zögerte jedoch einen Moment, bevor ich diese in die Waschmaschine tat. Ihre Körpersäfte waren darauf, irgendwie fühlte es sich so endgültig an, diese zu waschen, die Spuren von ihr zu löschen.

Dann ging ich in die Küche und setzte mich an den Küchentisch. Dort lag die Tageszeitung. Mir fiel auf, dass ihr Todestag eine Schnapszahl war. “Du musst etwas essen und trinken”, sagte ich zu mir selbst. Keinerlei Appetit begleitete mich, mein Mund war seltsam trocken. Doch ich war gezwungen zu essen, ansonsten würde mir die Milch wegbleiben, da ich voll stillte. Meinem Kleinen zuliebe aß ich ein paar Cornflakes, ein Brot hätte ich nicht schlucken können. Beinahe hätte ich mich daraufhin übergeben, doch ich konnte mich soweit konzentrieren und sammeln, dass ich den Impuls unterbinden konnte. Ich ging wieder nach oben, zu meinem Schlafzimmer und setzte mich auf das Bett. Vor mir stand ihr Kinderbett, mit ihrem Lieblingskuscheltier und ihrer Lieblingsdecke. Auf der linken Seite im Regal bewahrte ich ihre Pflegeartikel auf. Alles war griffbereit: die frische Kleidung, ihre Windeln, die Cremes. Der Hausmonitor, der zu Hause ihre Vitalwerte aufzeichnete, hing treu am Regal und wartete darauf, angestellt zu werden. Ich hatte das Gefühl, gleich kommt jemand mit ihr auf dem Arm in das Zimmer und gibt sie mir wieder, um dass ich mich um sie kümmern kann. Ansonsten war mein Kopf leer, ließ mich auf das Kinderbett starren.

Nach einer Weile ließ ich mich nach hinten fallen, zog meine Beine an und schloss die Augen. Kurz musste ich eingedöst sein, da hörte ich auch schon meinen Kleinen nach mir rufen. Sofort war ich wach und ging zu ihm in sein Kinderzimmer, nahm ihn auf meine Arme, setzte mich und legte ihn an meine Brust an. Er trank eifrig und kraftvoll, zufrieden seine wachen Augen. Während ich ihn stillte, liefen mir die Tränen über meine Wangen. Als er fertig war, setzte ich ihn vor mich auf meine Beine und bemerkte, dass er mich fragend ansah.

Ich sagte zu ihm: “Mein Schatz, Mama ist sehr traurig, aber nicht wegen dir. Du bist so ein liebes Kind. Vergangene Nacht, als du geschlafen hast, ist deine liebe Schwester von uns gegangen. Sie ist jetzt im Himmel. Schau, da oben…” und zeigte Richtung Zimmerdecke.

Wann ist Leben lebenswert? Auf Leben und Tod

Ich sitze im Café der Spezialklinik und warte.

Warte auf den Anruf der Chefärztin, die gerade mit ihren Kollegen meine Kleine operiert. Nur der Chefanästhesist hatte sich bereit erklärt, die Operation zu begleiten, geschuldet seiner langjährigen Berufserfahrung, kein anderer Arzt sonst.

Angst.

Angst, ein Kind könnte unter den Händen wegsterben. Ich mache ihnen keinen Vorwurf und kann ihre Gedankengänge nachvollziehen. Was mache ich nur, wenn dieser Chefarzt in Rente geht?

Warten – stundenlanges Warten.

Warten, während dein Kind gerade am offenen Brustkorb operiert wird. Die Chancen 50/50 stehend laut Ärzten, dass sie überleben wird.

Wisst ihr, was alles nichtig wird in einem solchen Moment? Wie lächerlich manche Momente eines Lebens in diesem Moment wirken können?

Demut.

Ich schmecke weder den Kaffee noch die Butterbrezel vor mir. „Essen Sie etwas, vergessen Sie sich nicht“, hatten die Ärzte gesagt, „Sie werden die Kraft noch brauchen.“

Wie soll ich etwas essen können, wenn ich jederzeit einen Anruf bekommen könnte, mein Kind hat es nicht geschafft?

Ihr Gendefekt ist sehr selten und relativ unbekannt und leider kaum erforscht. Die Ärzte kennen bisher nicht den Weg für dieses Krankheitsbild. Zum Glück kann ich sie fühlen und trage sie in meinem Herzen.

Ob sie die OP dokumentieren dürfen, um Erfahrungswerte zu sammeln, wurde ich gefragt. „Versuchskaninchen und Testobjekt für die Forschung.“, kommt es mir zynisch in den Sinn.

„Diese Krankheitsbilder können nicht ausreichend erforscht werden, da 9 von 10 Frauen bei der Diagnose Gendefekt und behindert abtreiben.“, so die Aussage eines jungen, ambitionierten Arztes.

In die Dokumentation der OP willigte ich schließlich ein. Warum ich einwilligte? Weil die Erkenntnisse dieser OP vielleicht einmal einem anderen Kind helfen werden, um dass es leben darf.

Stunde um Stunde zieht sich das Warten hin.

Auf einmal spüre ich meine Kleine wieder, innerlich im Herzen, so als wäre sie gerade aufgewacht.

Sie hat es überstanden, Gott sei Dank, denke ich mir erleichtert. Wobei erleichtert ein zu lapidares Wort ist für dieses Gefühl. Eine halbe Stunde später die Bestätigung durch die Chefärztin:

„Die OP verlief gut und sie ist wohlauf. Wenn alles gut abheilt, wird sie in drei Tagen keine Atemunterstütztung mehr brauchen.“ Sie kann dann alleine atmen, ohne Hilfe von Geräten und mit einer enormen Verbesserung der Lebensqualität.

Das war mein Antrieb für die Einwilligung zu einer OP, in der mein Kind nur 50% Überlebenschancen hat.

Ich stehe auf und gehe zum Ausgang. Eine verschleierte Frau betritt das Café, auf dem Arm ein Kind, welches um den Kopf einen großen Verband trägt. Die Augen der Frau sind voller Sorge. Ich kann sie gut verstehen und denke mir, dass Elternliebe universal ist, unabhängig jeglicher Herkunft oder Nationalität.

Wollen wir nicht alle das beste für unsere Kinder?

Zig Flure durchquere ich und passiere eine Vielzahl von Menschen. Jeder trägt hier sein Kreuz und leidet im Stillen. Diese Atmosphäre auf den Fluren einer Intensivstation…

„Die wirklich Kranken hörst du nicht jammern, sie tragen ihr Schicksal in der Stille.“, denke ich mir.

Im Aufenthaltsraum sitzen zwei Teenies mit einem Mundschutz tragend. Sie stehen lachend auf und biegen in die Onkologie-Abteilung ab.

Ihr Mundschutzverweigerer, unterhaltet euch doch mal mit diesen Mädchen, die ihr Leben lang einen Mundschutz aufgrund ihrer nicht intakten Immunabwehr tragen müssen.

Ich komme im Zimmer an, in dem meine Kleine mit einem anderen Mädchen zusammen liegt und setze mich an die Seite ihres Krankenbettes, nehme ihre Hand und warte geduldig auf ihr Aufwachen. Jetzt kann es nur besser werden, flüstere ich ihr zu und dass ich sehr stolz auf sie bin.

Wenn ich sie umarmen will, soll ich einen Mundschutz tragen, zur Sicherheit. „Eine solch schwere OP schwächt das Immunsystem ungemein.“, so die Ärzte.

Ich schaue zu dem anderen Mädchen im Zimmer, welches von zig Maschinen umgeben und an einer Vielzahl von Schläuchen angeschlossen ist.

Ein wenig hatte ich vernommen, dass das Mädchen im Koma liegt und sein Gehirn abgestorben ist. Maschinen erhalten bei ihr das Leben, kontrollieren Atmung, Nahrung und Körpertemperatur. Sie ist dadurch ein Intensivstpflegefall.

Wann ist Leben lebenswert?

Eine ethische Frage….

Eine grausame Frage…

Für Diejenigen, die vor die Entscheidung gestellt werden, Maschinen anzulassen oder abzustellen.

Das Mädchen schaut unentwegt zur Decke. Sie wird ausschließlich fremdbewegt und günstig gelagert wegen ihren Wunden. Zudem wird der Schleim regelmäßig abgesaugt.

Hätte es das Mädchen so gewollt?

Oder hätte es lieber sterben wollen?

Ich wurde auch gefragt, falls eine lebensbedrohliche Situation eintritt, wie weit sollen die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen fortführen?

Welche Entscheidungen wir im Laufe unseres Lebens treffen müssen – Ich möchte einfach mal wieder nur entscheiden müssen, was ich zu Mittag essen darf.

Die moderne Medizin ist Fluch und Segen. Ohne sie wäre meine Kleine nicht lebend zur Welt gekommen…

„Unter den Kranken ist meine Kleine noch fit“, sagen die Ärzte.

Welch Erkenntnis einer furchtbaren Superlative…

Da sehe ich die Mutter des anderen Kindes sitzen, ganz versteckt hinter dem Krankenbett. Gestern wurde sie in die Pflege eingewiesen, denn sie möchte ihre Kleine mit nach Hause nehmen.

„Respekt und Achtung für diese Entscheidung“, denke ich mir.

Ich gehe zu ihr hin, irgendwie ist es mir ein Bedürfnis. Herzlich begrüße ich sie, als sie sich gerade unauffällig einige stille Tränen aus den Augen wischt. „Ihre Kleine ist wunderschön, so tolle dunkle Haare.“, sage ich ihr liebevoll und ernst gemeint. Ich meinte es so, sie war ein süßes Mädchen, zumindest das was ich von ihr hinter den Schläuchen erkennen konnte.

„Danke sehr, das sagen nicht mehr viele, seit sie hier ist. Wie geht es ihrer Kleinen, sie hatte doch heute OP, oder?“

„Zum Glück verlief alles so wie geplant laut Ärzten. Nachher erfahre ich mehr.“

„Seien Sie froh, Sie können nichts dafür, dass Ihr Mädchen dort liegen muss!“, sagt sie völlig unvermittelt.

„Wie meinen sie das?“

„Sie sagten doch, sie hat einen angeborenen Gendefekt. Unsere Kleine wurde gesund geboren. Sie war gerade am Laufen lernen. Mein Mann, jetzt Ex-Mann, konnte sie nicht beruhigen. Sie hat immer so viel geweint. Nur bei mir hat sie damit aufgehört. Ich hätte die beiden niemals alleine lassen sollen. Mein Ex schüttelte sie dann. Dadurch fiel sie ins Koma, weil ihr Gehirn starb.“

Oh Gott, da war sie wieder, diese grausame Sperlative.

Ich war sprachlos. Wie musste sie sich fühlen? Von Schuldgefühlen zerfressen, sich selbst die schlimmsten Vorwürfe machend?

Was sagt man einem Menschen in einer solchen Situation? Wirkt nicht jedes Wort hohl?

Ich streichle ihren Arm auf und ab, rein intuitiv und ohne lange nachzudenken. Eine ganze Weile stehen wir stumm beieinander, umgeben von Maschinen, die ständig Alarme abgeben, unsere Kinder von Herzen liebend.

„Wissen Sie, sie kriegt noch viel mit. Man kann es kaum glauben, aber auf ihre eigene Art und Weise spricht sie mit mir. Sie ist da. Ich spüre sie. Wie soll ich da den Ärzten sagen, stellt die Maschinen ab?“

Wann ist Leben lebenswert?

Ich vermag diese Frage nicht zu beantworten – vermögt ihr es?

„Sie schaffen das. Bitte glauben Sie an sich.“

„Haben Sie keine Angst etwas falsch zu machen und verantwortlich für ein Unglück sein zu können? Sie legen ihr die Sonde alleine,wie schaffen Sie das?“

Mir steigen Tränen in den Augen.

„Wie ich das schaffe? Wie es wohl alle Eltern schaffen, die ihre kranken Kinder pflegen: Ich will sie bewahren vor noch mehr Leid. Wenn die Ärzte die Sonde legen, bekommt sie immer Nasenbluten. Bei mir bekommt sie das nicht. Aber glauben Sie mir, es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn sie dabei weint.“

Nun streichelt sie mir den Arm. Ein wortloses Verstehen zweier Mütter vereint im selben Schicksal. Ich schaue sie an und äußere:

„Sie können es. Die Kraft dafür liegt tief in Ihnen, in Ihrem Herzen. Vertrauen Sie auf Ihren Mutterinstinkt und Ihre mütterliche Intuition. Kein Arzt vermag dies zu ersetzen. Lassen Sie sich dies niemals absprechen. Ihr Kind braucht diesen Instinkt. Er kann ausschlaggebend sein über Leben und Tod.“

„Danke…“, kaum hörbar geflüstert, war ihre Antwort.

Die Chefärztin betritt auf einmal den Raum. Ich atme tief ein und aus und versuche meinen Herzschlag zu beruhigen. Hoffentlich waren die Strapazen dieser OP für meine Kleine nicht umsonst, denke ich mir, während ich die Ärztin begrüße.

Symbolbild

Gastartikel: Das erste Mal bei einer Escort-Dame

Den folgenden Gastbeitrag reichte mir ein junger Mann ein, der die Menschen daran teilhaben lassen möchte, wie er sein erstes Mal Sex mit 18 Jahren mit einer Escort-Dame erlebte.

Damit möchte er nicht die Sensationsgier der Leute stillen, sondern Mut machen, zu seinen Gefühlen zu stehen und das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Mut wird oftmals belohnt! Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle dem Autor des Gastartikels, der gerne anonym bleiben möchte.

Alle handelnden Personen in der Erzählung sind mindestens 18 Jahre alt. Bitte nur Erwachsene lesen, danke!

Liebe Grüße

Eure Julia

………………………………………………………

FSK 18

Gastartikel:

Meine Geschichte handelt von meinem ersten Mal im doppelten Sinne. Es war meine erste sexuelle Erfahrung und dazu noch im Escort-Bereich. Angefangen hat es, als meine damalige Freundin und ich uns getrennt haben. Zu diesem Zeitpunkt war ich 18, und aufgrund verschiedener Dinge kam es bis dahin leider nicht zum ersten Mal.

Also fing ich an im Internet nach Anzeigen zu schauen, weil ich nun endlich diese Erfahrung machen wollte. Habe lange überlegt, ob ich diese Erfahrung wirklich so sammeln möchte, was ich im Nachhinein überhaupt nicht bereue.

Zurück zum eigentlichen Thema. Nach längerer Suche bin ich fündig geworden. Ich erklärte ihr die Situation, und sie zeigte großes Verständnis. Ein paar Nachrichten später war es klar, dass ich mit dieser Frau mein erstes Mal haben möchte, und so machten wir ein Treffen aus. Vor lauter Aufregung hab ich das erste Treffen in den Sand gesetzt und dachte schon, das wars. Aber nein, sie gab mir eine zweite Chance, die ich diesmal warnahm.

Kurz vor dem Klingeln bei ihr.

Vor der Haustüre angekommen wollte ich vor Nervosität schon wieder gehen, doch ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und klingelte. Eine liebevolle Stimme bat mich herauf zu kommen. Oben angekommen öffnete sie mir die Tür, und was soll ich sagen? Einfach ein Traum. Lange, dunkelbraune Haare, ein super süßes Gesicht, dazu eine üppige Oberweite und einen Po, der prall und knackig wie ein Apfel war.

Ich betrat die Wohnung und nahm auf der Couch im Wohnzimmer Platz. Total nervös und mit beginnender Erektion saß ich nun da, und sie setzte sich neben mich. Wir unterhielten uns, sie fragte mich noch einmal, ob ich mein erstes Mal wirklich so möchte und ich dürfte mich nicht verlieben. Fasziniert von ihrem Körper war ich wie benommen, und sie bemerkte schnell meine Schwellung in der Hose. Also fragte sie, ob ich bereit wäre und wo es mir am liebsten wäre.

Ich entschied mich für das Schlafzimmer.

Zuerst ging es ins Bad frisch machen. Langsam befreite sie mich von meinen Klamotten, küsste meinen Körper, bis ich nur noch in meiner Unterhose vor ihr stand. Als sie plötzlich mit ihrer Hand nach meinem Penis griff, stellten sich mir alle Haare auf. Sie zog meine Unterhose aus,  und so stand ich wie von Gott geschaffen vor ihr. Mein Penis platzte schon fast vor Geilheit, und ich hoffte nicht allzu schnell zu kommen. 

Aus dem Nichts fing sie an, ihn in den Mund zu nehmen und mit ihrer Zunge zu bearbeiten. Im Gespräch vorhin meinte sie zwar, dass sie gerne bläst, aber hey ich dachte nicht, dass es so geil wird.

Es war unbeschreiblich! Sie wusste genau, was ein Mann braucht.

So standen wir im Badezimmer, und sie bearbeitete abwechselnd mit ihrer Hand und Zunge meinen Penis. Auch meine Eier kamen nicht zu kurz. Es war einfach wunderschön. Nach einer Weile merkte sie, dass ich es nicht mehr lange halten würde, und so zog sie mich an meinem Schwanz ins Schlafzimmer, wo ich sie endlich näher betrachten konnte.

Sie zeigte auf ihren Po mit der Aufforderung, ihren Slip auszuziehen.

Ich weiß noch, wie sie meinte: „Nicht dass es dir gleich kommt“. Ich griff mit meinen Händen nach ihrem Arsch und zog ihren Slip herunter.  Ich knetete ihre Arschbacken und gab ihr Küsse. Als sie sich aufs Bett legte und ihr Oberteil freimachte, erstrahlte sie in ihrer ganzen Schönheit. Unbeholfen stand ich da, und sie zeigte auf ihre Vagina. Ich fragte verlegen, ob ich sie fingern, bzw. lecken dürfte.

Sie erwiderte mit der Antwort: „Sehr gerne“, und so begann ich meinen Finger langsam in ihre Muschi zu schieben. Sie zeigte mir, wie ich am besten Hand anlege. Nach kurzer Zeit vergrub ich mein Gesicht zwischen ihren Schenkel und begann sie zu lecken.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl. So schön warm und weich.

Ich weiß nicht, ob es mir eingebildet habe, aber ich glaube, sie war trotz meiner Unerfahrenheit erregt und begann schwerer zu atmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm sie meinen Kopf und fragte, ob ich nun bereit wäre. Ich antwortete in Trance: „Klar“. Sie griff in ihrer Kommode nach einem Kondom, dass sie mir überzog. 

So lag ich nun auf ihrem Bett und war kurz davor, meine Jungfräulichkeit zu verlieren.

Als sie sich dann langsam näherte und meinen Penis vor ihrer Vagina platzierte, wusste ich mir nicht zu helfen. Dieser Anblick war zu schön. Wie sie auf mir saß und mich verträumt anschaute. Sie merkte meine Aufregung und flüsterte mir nur ins Ohr: „Keine Sorge, versuch nur nicht direkt zu kommen“. Leichter gesagt als getan bei meiner Geilheit.

Und dann war es soweit: Sie senkte ihr Becken herab, und mein steifer Schwanz drang in ihre Vagina ein.

Es war eine totale Reizüberflutung. Noch nie überkamen mich solche Gefühle. So warm, weich und schön. Sie bewegte sich auf und ab, während ich völlig unbeholfen da lag. Ich versuchte, mich mit ihr im Rhythmus zu bewegen, was leider nicht direkt so funktionierte. Aber das war nicht schlimm, denn meine Prinzessin wusste ja, dass ich in dem Moment das erste Mal mit einer Frau Sex hatte und übernahm die Führung. 

Es war einfach nur geil.

Durch die Spiegel konnte ich schön sehen wie sie auf mir ritt, langsam und sicher dem Orgasmus entgegen.  Mir fiel es sichtlich schwer nicht zu kommen, und so kündigte ich an, dass es gleich so weit wäre. Völlig unbeirrt erhöhte sie das Tempo, und ich griff zusätzlich nach ihrem Busen.

Plötzlich überkam es mich und ich spritzte drei bis vier starke Male in den Gummi. Sie blieb auf mir sitzen und küsste mich, bis mein Kleiner schlaff war. Wir lagen in ihrem Bett und kuschelten noch eine Weile, während ich es einfach genoss, mit ihr nackt da zu liegen. Nach einer gefühten Ewigkeit fragte sie, ob ich nochmal könnte und bereit wäre für eine zweite Runde. „Natürlich, nichts lieber!“, antwortete ich. So führte sie mich mit halber Erektion ins Bad zum Frischmachen. Danach ging es direkt wieder ins Schlafzimmer, wo sie ihn mit einem traumhaften Blowjob zum Stehen brachte wie eine Eins. Also Gummi drauf, und ich konnte es kaum erwarten, dieses geile Gefühl wieder zu erleben. Dieses Mal legte sie sich mit halb gespreizten Beinen aufs Bett und deutete darauf, dass ich zu ihr kommen sollte.

Total hilflos legte ich mich über sie, und sie platzierte meinen Penis vor ihrer Vagina.

Als ich schließlich in sie eindrang, versuchte ich die typischen Bewegungen zu machen, was leider nicht direkt funktionierte. Sie half mir mit einem Tipp und dann lief es. Es war einfach unbeschreiblich, wie ich das erste Mal mit einer Frau in der Missionar-Stellung Sex hatte. Ich rammelte drauf los, und ein paar gefühlte Sekunden später füllte sich wieder das Gummi. Wie gerne hätte ich in der Stellung Stunden auf ihr ihr liegen bleiben können, doch bevor mein Penis schlaff wurde, bat sie mich ihn rauszuholen, dass nicht noch etwas passiert. So lagen wir dann noch ein paar Minuten im Bett, wo wir redeten und kuschelten.

Gastartikel: Meine traumatische Geburt / CN: Gewalterfahrung im Kreissaal

Einen sehr bewegenden und aufwühlenden Gastartikel reichte mir @StupsiSchnut (Twitter-Account) ein. @StupsiSchnut nehme ich in meinem Empfinden als eine wundervolle und empathische Frau wahr, gespickt mit einem großen Herzen und einem liebenswürdigen und stilvollen Auftreten. Authentisch und mit allen Facetten ihres Seins lässt sie die Menschen auf ihrem Twitter-Account an ihrem Leben teilhaben, ungeschminkt und wahrhaftig. Besucht sie gerne auf ihrem Account, und Eure Zeit ist sinnvoll genommen.

@StupsiSchnut nimmt in ihrem Gastartikel den Leser mit in den Kreissaal, in welchem sie eine wohl traumatische Geburt erleben musste. Von Herzen danke für das Teilhaben lassen an diesen äußerst intimen Momenten und an diesen unschönen Gefühlen neben all dem Glück, Mutter geworden zu sein.

Zudem möchte @StupsiSchnut anderen Frauen Mut machen, über ihre gemachten Gewalterfahrungen während der Geburt zu sprechen und sich nicht dafür schämen zu müssen, sollten diese geschehen sein.

Ein Appell und Aufzeigen eines Misstandes, der so nicht hätte passieren dürfen, wie ich finde. Und doch höre und lese ich in den Medien und in Gesprächen, dass dieser immer wieder passiert.

Vielen lieben Dank @StupsiSchnut!

Hinweis: Der Gastartikel schildert Gewalterfahrungen bei der Geburt. Schwangere sollten ein Lesen gut abwägen.

Natürlich gibt es auch sehr wundervolle Geburtserfahrungen, und nicht jede Geburt geht mit schlimmen Erfahrungen einher.

Liebe Grüße

Eure Julia

…………………………………………………………………

Gastartikel:

Nun reißen Sie sich mal zusammen!

Im Februar 2018 war es endlich soweit – mein lang ersehntes Kind sollte geboren werden. Gewissenhaft las ich Bücher, hatte zig Gespräche mit meiner Hebamme (die natürlich auch ganz gezielt ausgesucht wurde), die gepackte Tasche stand vorschriftsmäßig im Flur. Gebetsmühlenartig hätte ich den Ablauf einer Entbindung nach Lehrbuch herunterbeten können; hatte ich mir jedoch jeden Schritt gut eingeprägt und lauschte aufmerksam auf das kleinste Zeichen meines Körpers.

Doch es kam nichts. Kein Ziehen in den Bändern. Kein Absenken des Bauches. Nichtmal sporadische Verhärtungen der Bauchdecke wollten sich um den Termin herum einstellen!

Eines Nachts wurde ich dann doch davon wach, wie ein dünnes Rinnsal meine Beine entlang lief. Hmm. Ein Blasensprung wäre doch schwallartiges Wasser? Und von Wehen keine Spur. Zur Sicherheit doch lieber ins Krankenhaus, schließlich ist es mein erstes Kind, und ich war wahnsinnig unsicher, ob der unaufhaltsame Prozess der Geburt bereits begonnen hatte.

Im Krankenhaus gähnende Leere, zum Glück. Hektische Betriebsamkeit wäre meiner Nervosität sicher nicht zugutegekommen. Spärliche Beleuchtung versuchte den Flur zur Entbindungsstation zu erhellen, der Weg war mir noch vom Anmeldegespräche bekannt. Klingeln am Kreissaal.

Die Nachthebamme öffnet uns (der Vater des Kindes, zu der Zeit noch mein Ehemann, begleitete mich). Ein Blick, der mich schnell von oben bis unten taxierte; schließlich am Bauch hängen blieb.

„Was wollen Sie hier? Kann sich ja wohl kaum um eine Entbindung handeln, ihr Bauch ist viel zu klein. 7. Monat? 8.?“ Nachdem geklärt war, dass ich mich aufgrund des errechneten Termins und des abgängigen Wassers wohl doch zu Recht hier befände, durfte ich in dem einzigen freien Zimmer auf dem Bett Platz nehmen.

„Aber nicht zu gemütlich machen! Wir haben heute im Laufe des Tages noch geplante Kaiserschnitte. Bis dahin sind Sie entweder fertig oder Sie müssen dann auf Station wechseln. Irgendeinen Platz gibt’s schon. Und wenn’s noch gar nicht so richtig losgeht, tut’s auch mal der Flur für `ne Stunde, nech?“, sprach sie und lies uns verdutzt mit der Anweisung, wenn möglich zu schlafen und nur zu klingeln, wenn ich Wehen bekäme, allein.

Einige Stunden später, morgens gegen fünf, als das Gewimmel des frühen Tages im Krankenhaus die Atmosphäre durchdrang, musste ich in die kochend heiße Wanne steigen. „Wir wollen schließlich, dass es mal losgeht, `ne?“ Und zu meinem Mann gerichtet: „Ach und wenn ihr bisschen schwummerig wird, das ist normal! 15 Minuten sitzen lassen, dann raushelfen.“

Gesagt, getan, bereitwillig zurück auf´s Bett, um die Bemühungen meines Körpers im Nachgang zu kontrollieren. Eine Ärztin huschte in den Raum, stellte sich kurz vor. Mit einer raschen Bewegung waren die Handschuhe über den Fingern und ebendiese in mir. Zur Hebamme: „Gebärmutterhals steht noch fast 2 cm. So schnell wird das hier nix. Bewegung macht vielleicht was. Ich komme in ein paar Stunden wieder.“

Ich lief. Ich lief und lief und lief und lief. Immer wieder meine Kreise um die Station. Treppen rauf, Treppen runter. Wiederholung.

Endlich scharfer Schmerz, ein brennendes Ziehen im Bauchraum, das bis in den Rücken ausstrahlte. Aha – das waren also diese Wehen. Dank der Infos vorher wusste ich, ich solle laufen, bis der Schmerz so stark würde, dass entweder die Knie von selbst nachgeben würden oder keine andere Option als ein Rückzug in das Kreissaalzimmer für mich vorstellbar wäre. Auch hier, ich hielt mich an den Rat der Hebammen. Lief weiter. Hielt alle paar Minuten an, abstützen am Geländer des Treppenhauses.

Atmen. Laufen. Abstützen. Atmen. Laufen. Abstützen.

Bis es nicht mehr ging. Man gewährte mir Einlass in das ersehnte Zimmer, Pause auf dem Bett. Die Wehen rauschten durch meinen Körper. In den Nebenzimmern Schreie. Erst die Frauen, dann die Babys. Seit meinem Aufenthalt drei Geburten, und alle kamen nach mir in den Kreissaal.

Untersuchung. Mittlerweile früher Vormittag.

Aufmunterndes Tätscheln meines Schenkels. „Na, schon zwei Zentimeter offen! Geht doch. Aber wollen doch mal sehen, ob wir da nicht noch was machen können… Wehentropf wäre ok?“ Ich traute mich, vorsichtig zu erfragen, was mich dann erwarten würde. Ob es nicht auch natürlich weitergehen würde. „Bis morgen können wir Sie hier aber nicht liegen lassen! Wir hängen mal ran und schauen, ob in den nächsten Stunden die Öffnung besser und schneller klappt. Ist ja auch für Sie dann angenehmer.“

CTG war prima, Wehen vorhanden, aber der Körper weigerte sich nunmal hartnäckig, sich kooperativ zu zeigen und das Gewebe erweichen zu lassen.

Die Chemie tat schnell ihre Wirkung. Die Wehen kamen schneller, heftiger. Ich spare mir an dieser Stelle die Beschreibung des Schmerzes, der mich innerlich zerreißen wollte. Ich atmete mich in Trance. Jede Wehe, die heran rollte, visualisierte ich als Welle; tauchte in ihr ein, erklomm den Wellenberg und lies mich ins Tal hinabziehen. Pause. Nächste Welle.

Zwei Stunden später. Nächste Untersuchung. Unzufriedenes Stirnrunzeln der Ärztin zwischen meinen Beinen. „Das reicht nicht. Hier ist ja kaum etwas passiert. Höher dosieren.“

Mitleidiger Blick der Hebamme, welche mit der Tagesschicht betraut war. Die ersten aufmunternden, lieben Worte. Zum ersten Mal wurde auch mein Mann anders als wie die sich im Raum befindliche Stehlampe angesehen. Beruhigende Worte auch an ihn.

Ich klammerte mich an mein Bild der Wehen-Welle, atmete, atmete, atmete. Keine Pausen mehr. Welle, Welle, Welle. Mein Gesichtsfeld wurde eng und dunkel. Ich bestand nur noch aus gleißendem Schmerz. Und mein Körper, der Verräter, kooperierte noch immer nicht genügend. Die nächsten Schreie aus den Nebenzimmern. Kinder vier und fünf des Tages.

Mittlerweile seit 15 Stunden in der Klinik. Seit 8 Stunden Wehen. 5 cm offen.

Ich weiß noch, wie ich nach der Ärztin rief: „PDA, bitte, jetzt, ich kann nicht mehr!“ Noch nie habe ich mich für mein Versagen so sehr geschämt. Die natürlichste Sache der Welt – und bei mir geht nichts, der Körper verkrampft, verschließt sich, verhärtet. Kein Wehentropf vermochte das Gewebe geschmeidig werden zu lassen.

„Mit einer PDA spüren Sie dann die Wehen nicht mehr so stark, nur noch als Druck im Körper. Wollen Sie das?“ Zu diesem Zeitpunkt hätte sie mir auch mit einem rostigen Messer den Bauch längs aufschneiden können, es wäre mir egal gewesen, solange es nur meinem Kind gut geht und der Schmerz endlich vorbei ist.

Ihr Kind würde es so schaffen, aber wenn Sie natürlich schon zu schwach sind…“

Die PDA brachte endlich die kurzzeitige Atempause. Jede Wehe nur noch ein Druck im Bauch. Aber ihre Ausläufer zogen sich… Seit diesem Tag weiß ich, was die Redewendung durch „Mark und Bein“ wirklich bedeutet. Rückenschmerzen, als ob die Wirbel bersten wollten, gelähmte Muskulatur, in der ich mich selbst als Fremdkörper fühlte. Jede Stunde einen Zentimeter.

Auftritt Spätschicht-Hebamme. „Ja das muss wehtun, sonst passiert ja auch nichts! Und andere haben das auch geschafft, dann kriegen Sie das ja wohl auch hin! Hören Sie, drüben schon wieder eins. Sie dürfen sich nun mal nicht so anstellen, meine Güte!“

Weitere Stunden vergehen.

10 cm.

Endlich.

Positionswechsel. Verordnet natürlich.  

Ich spüre meine Beine kaum, den Bauch gar nicht, nur brüllenden Schmerz im Rücken. Vierfüßlerstand. Ich sacke zusammen.

„Festhalten! Da oben am Kopfende! Sie müssen schon mitmachen!“ Ein Paar Hände, das mich grob zusammenschiebt und auf dem Bett ausrichtet. „Pressen!“ „Doch nicht sooo!“ „Nach unten!“ „Wenn Ihr Kopf rot wird, machen Sie es falsch. Und der ist rot!“ „Das müssen Sie doch merken!“ „Naja, vielleicht ja wirklich nicht. Sie wollten schließlich eine PDA. Schade.“

Atmen. Schmerzen. Atmen.

Hilflosigkeit. Noch nie habe ich mich so gedemütigt, nackt und allein gelassen gefühlt. So ausgestellt, von Menschen verachtet, die in meinen Eingeweiden herumwühlen und deren Untauglichkeit laut bescheinigen.

Es scheint etwas zu passieren, die Ärztin wird konsultiert. „Sie schafft es nicht allein. Offen ist, Kind liegt noch zu weit oben. Keine Kraft mehr und pressen kann sie wohl nicht richtig. Zumindest bis jetzt nicht.“

Wieder Finger, die sich tastend in mir bewegen. Ich spüre sie nicht, sehe nur die Bewegung. „Schneiden werden wir nicht, es ist nur noch ein kleines Stück. Glocke.“ Durch den Schmerz und die Erschöpfung nahm ich alles nur noch wie durch einen zähen, dickflüssigen Nebel wahr.

Tropfenweise sickerte die Erkenntnis in meine Gedanken, dass ich gleich mein Kind in den Armen halten werde. Was dazu nötig war, verstand ich nicht.

Eine zweite Ärztin, die Oberärztin, kam. Rollte irgendein schlankes, hohes Gerät ins Zimmer, der Schmerznebel nahm mir die Sicht. Positionierte sich zwischen meinen Beinen. Die Hebamme recht neben mir, ihre Hände umgriffen grob meine Arme, zerrten mich in eine halbsitzende Position, das nutzlose Stück Fleisch, das ich in dem Moment war.

Ärztin eins links neben mir. Alle reden durcheinander, aber nicht mit mir. Irgendwas Kaltes an meiner Scham. Irgendwas pikst. Warum fühle ich das überhaupt? Wehen. Atmen. Die Saugglocke. Ich soll pressen.

Ärztin eins legt ihren Arm um mich, doch nicht, um mich zu stützen. Ihr anderer Arm schnellt auf meinen Bauch, ihre Unterarmknochen bearbeiten drückend und schiebend meine Haut, gefühlt in dem Versuch, meine Organe neu zu ordnen. Es reicht nicht. Wieder Gebrüll. Pressen, Atmen, Schieben, Drücken, Schmerz.

Ein Schrei.

Mein kleiner, gesunder Junge wurde geboren.

Nach 21 Stunden Wehen.

„Nun freuen Sie sich doch mal, wir haben es geschafft.“

Ja, WIR hatten es geschafft. Nicht ich. Nicht mein Körper.

ICH war schwach. ICH habe versagt. ICH konnte für mein Kind nicht stark sein. ICH wusste nicht, was mit mir gemacht wird. Welche Schritte wann und warum nötig waren. Was ICH vielleicht doch hätte tun können.

Mein Kind wurde untersucht, vermessen, gesäubert und in ein kleines Rollbettchen gelegt.

Ein nasser Waschlappen klatschte mir zwischen die Beine.

„Nun machen Sie sich mal schnell sauber, dann können Sie rüber auf die Station. Schade, dass das nötig war mit der Glocke zum Schluss jetzt. Aber Sie haben ja nicht geschrien, so wie die anderen Mütter, dann wissen wir ja auch nicht, ob sie wirklich Schmerzen haben. Manchmal muss man sich eben auch mal zusammenreißen! Bestimmt wäre es auch noch so gegangen eine Weile. Aber gut, ist jetzt durch. Und er ja zum Glück ganz fit. Alles Gute dann.“

Ich brauchte mehrere Monate therapeutische Begleitung, um die Schuldgefühle, die in Zusammenhang mit der Geburt standen, aufzuarbeiten.

Durch das Kristellern erlitt mein Kind eine Stauchung der Brustwirbelsäule und eine Zerrung des Zwerchfells. Letzteres wurde mit Geduld und Magnesium behandelt, ersteres durch Osteopathie und Physiotherapie.

Die Schuldgefühle, diese Folgen durch mein Unvermögen verursacht und meinem Kind geschadet zu haben, blieben bis heute.

Am 25.11. jeden Jahres ist der „Roses Revolution Day“ – eine Aktion gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

Jedes Jahr an diesem Datum lege ich vor diesem Kreissaal eine rosafarbene Rose nieder. Irgendwann vielleicht auch mal mit Zeilen wie diesen. Weil Gewalt in der Geburtshilfe keinen Platz haben darf.  

Zwiegespräch mit einem Kind über den Tod

Der Spielplatz ist gut besucht, als ich mit meinem Kleinen dort eintreffe. Gerade spielen wir an einem Spielgerät, da kommt ein kleiner Junge auf uns zu, ungefähr 7 Jahre alt.

Ich stelle ihm meinen Kleinen vor, da entsteht auf einmal ein wunderschönes Gespräch, wie ich es zumindest deklarieren würde.

Doch lest selbst und bildet Euch eine eigene Meinung.

Eure Julia

…………………………………………………………….

Der Junge: „Hast du noch andere Kinder?“

Ich: „Ich habe noch ein Mädchen im Himmel.“

Der Junge: „Ist das schon gestorben?“

Ich: „Ja, mein Mädchen ist leider schon gestorben. Sie wurde krank geboren.“

Der Junge: „Das Kind von Petra ist auch im Bauch gestorben.“

Seine Mutter kommt hinzu, wir begrüßen uns und kennen uns ein wenig. Sie hat die Aussage ihres Sohnes gehört und weiß um mein Sternenkind.

Die Mutter: „Ja, da war Petra sehr traurig.“

Ich: „Manchmal sterben Kinder schon im Bauch, das kann passieren. Es wäre bestimmt gerne auf die Welt gekommen und hätte diese kennengelernt. Doch leider geschieht so etwas. Manchmal sterben Babys, manchmal alte Menschen.“

Die Mutter stimmt mir zu, der Junge blickt nachdenklich zu mir.

Der Junge: „Ist dein Mädchen jetzt ein Stern?“

Ich: „Ja, das ist sie. Vielleicht sind die vielen Sterne am Himmel alles Kinder, die schon gegangen sind.“

Der Junge: „Die schauen uns jetzt beim Spielen zu. Schade, dass sie nicht mitspielen können. „

Ich: „Weißt du, ich glaube, im Himmel spielen alle Kinder, die gestorben sind, miteinander. Wir sehen sie zwar nicht mehr, aber sie haben dort wo sie jetzt sind ganz bestimmt viel Spaß zusammen.“

…..

Symbolbild

Gastartikel: Die Zeit nach meinem Escort-Besuch

Der Gastautor, der anonym bleiben möchte und uns an seinem ersten Mal mit 18 Jahren mit einer Escort-Dame teilhaben ließ, verfasste einen Brief für alle Leser.

In diesem Brief möchte er uns schildern, wie es in seinem Leben nach dem intensiven Erlebnis seiner Entjungferung weiterging.

Vielen lieben Dank dem Gastautor für seinen Brief und seine Zeit.

Bitte nur Erwachsene lesen, danke.

Liebe Grüße, Julia

………………………………………………………………….

FSK 18

Der Brief des Gastautors:

Ohje, ich hab jetzt nicht mit so Reaktionen gerechnet im positiven Sinne. Danke sehr!


Kurzum, die Vorteile meiner Entjungferung mit einer Escort-Dame waren offensichtlich. Weiter ging es eigentlich ganz ehrlich gesagt nur mit einer kurzen Zeit und einer längeren Beziehung, wo der Sex einfach Katastrophe war, weil was soll ich sagen? In meinem Alter sind die meisten entweder total geil oder was ich eigentlich gar nicht gesucht habe. Das, was ich gesucht habe, hat darin geendet, dass sich die Mädchen erst selbst finden mussten. Charakter aus Gold, aber dadurch das sie einfach verklemmt waren und nicht ansatzweise wussten, was sie wollten und nicht zu ihrem Körper standen, endete es in „guten“ Freundschaften.

Ich bin auch nicht krampfhaft auf der Suche, weshalb da nicht so viel bei raus kam. Was auch besser ist, weil entweder ergänzt es sich und passt oder eben nicht. Aber ja, sexuell ist es in meinem Alter schwer, weil umgekehrt bringt es mir auch nichts, wenn ich das Mädchen liebe, man sich Zukunft vorstellt, und sie wollen nur Sex oder Materielles.

Im Bereich Pay Sex hab ich es ein paar Mal danach wieder probiert, aber das ist halt wirklich nur für den schnellen Druckabbau. Klar, bei meinem Escortgirl und mir war es auch Geld gegen Sex, aber ehrlich? Kann man halt nicht miteinander vergleichen.

Wenn ich mit Kollegen im Laufhaus, Bordell, etc. war ist es einfach komisch, weil alles nach dem Eieruhr-Prinzip funktioniert. Für die einen ist es was, für die anderen eben nicht. Aber im Endeffekt ist es auch nicht schlimm, weil hey, ich bin zwar irgendwo ein Mann mit Trieb, aber nicht um jeden Preis muss ich mir sowas geben. Und der Scheiß war einfach oder ist bis heute, dass ich bedingt durch den Tod meiner Mutter schwer klar komme mit allem.

Sie ist jetzt seit fast 4 Jahren tot, und trotzdem vergeht kein Tag, wo ich nicht auf dem Friedhof bin und an sie denke. Gehört jetzt auch nicht hier her, aber das Gesamte macht es eben schwer. Auch durch Selbstständigkeit usw. habe ich gar nicht die Zeit und Lust, so auf die Suche zu gehen. Wie gesagt, wenn der Druck zu groß wird, geht’s halt schnell wohin, aber genauso schnell hat man die Begegnung wieder vergessen.


Und das können Sie mir jetzt glauben oder nicht, aber es ist gut so wie es ist, weil meistens scheitert es bei Menschen daran, dass sie Dinge erzwingen wollen, egal ob die große Liebe, Wohlstand oder sonst etwas. Sobald man etwas erzwingt, wird des nichts.

Und zuletzt hab ich die Arschkarte gezogen, dass bei mir das Beste zuerst kam und nicht zum Schluss, wie man sagt. Dachte damals auch, wenn es gut läuft, bin ich nach dem Treffen mit der Escort-Dame einfach keine Jungfrau mehr und alles ist gut. Mann ich konnte damals doch nicht wissen, dass mit ihr gleich das Beste kommt.

Klar wird noch viel passieren, aber sie hat halt die Messlatte zu hoch gelegt, und ich meine es in jeder Hinsicht.

Ob vom Wesen, Charakter oder Sex, wenn ich es vergleiche und das sollte ich nicht, wird es glaube ich schwer, so jemanden zu finden. War einfach alles zu schön, und ich weiß nicht, ob es am naiven Alter lag oder weil es das erste Mal war. Ich weiß nur, dass es super war. Und bevor ich hier einen Liebesbrief schreibe, muss ich mich selbst bremsen. Habe ja schon gesagt, sie hat alles richtig gemacht. Und ob wir uns je wieder sehen, überlasse ich ihr natürlich. Klar gäbe es nichts Schöneres, wie wenn wir einfach zusammen Sex hätten und sie mir Sachen zeigt, wo sie in meinem Alter dafür einfach nicht offen sind, aber es muss eben nichts sein.


Ich sag immer, Gott gibt und Gott nimmt, und alles was ich bekomme, nehme ich dankend an und hinterfrage nicht, was er für mich auf meinem Weg bereit hält.

Es gibt auch Menschen, die nicht allein sein können und immer einen Partner brauchen, aber ich habe meine Familie und ein paar sehr gute Freunde. Ich mag es nicht nicht zu wissen, woran man bei Menschen ist. Heutzutage ist es alles schwierig geworden, egal ob mit der Ehrlichkeit oder sonst was.

Katastrophe mit mir, Sie merken es ja selbst.

Auf jeden Fall schön, dass es so eine Resonanz auf den Beitrag gab!

Mein Essay: Ethik von Mensch zu Mensch

Mein neuer Artikel ist verfasst – diesmal ein ganz anderer, als ihr es bisher vermutlich von mir gewohnt seid. Doch ich habe viele Facetten und diese Form der Erörterungen sind ebenso ein Teil von mir als Mensch und Autorin.

In dieser wissenschaftlich angelehnten Ausarbeitung geht es inhaltlich um die Ethik des Helfens, erörtert an aktuellen und zeitlosen Beispielen aus der sozialen Arbeit.

Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

Bleibt mir gerne treu!

Liebe Grüße!

——————————————————————————————————————–

Einleitung:

In diesem vorliegenden Artikel soll es um die Erörterung der Thematik „Die soziale Arbeit und deren ethische Hintergründe“ gehen. Was ist Ethik und was beinhaltet diese?

 „Philosophische Disziplin oder einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat; Sittenlehre, Moralphilosophie“ „Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer (verantwortungsbewussten) Einstellung zugrunde liegen“

(Duden/Herkunftsdefinition/©Bibliographisches Institut GmbH, 2020)

Die soziale Arbeit zeigt sich in einem vielfältigen und von helfenden Situationen geprägten Kontext, auf welchen dieser Artikel einen umfangreichen Blick richten möchte. Nicht alle, doch einige hoch aktuelle als auch zeitlose Situationen und Fragestellungen aus der sozialen Arbeit möchte diese Ausarbeitung zum Anlass nehmen, um verschiedene Sichtweisen zu erörtern und zur individuellen Innenschau einzuladen.

Thema:

„Die soziale Arbeit und deren ethische Hintergründe“

Es kann ein verstörender und aufrüttelnder Anblick inmitten eines wohlstrukturierten und wohltemperierten Alltags sein: Der sichtlich angetrunkene, in schmuddeliger Erscheinung wirkende Mann, in gebeugter Haltung und mit sich Selbstgespräche führend, stehend am Eingang eines Lebensmittelgeschäfts, den vorbeigehenden Passanten zur Schau gestellt. Was löst eine solche Situation innerhalb des sozialen Gefüges im Betrachter aus? Welche moralischen Vorstellungen und Erwartungshaltungen impliziert dieser bewegende Moment bei allen Beteiligten? Eine spontane Ablehnung könnte spürbar werden, auch eine Diffamierung des Bedürftigen könnte geschehen. Wieder andere Betroffene verspüren das innere Bedürfnis, helfen zu wollen, scheinbar sozial verantwortungsvoll zu interagieren. Schon der Psychoanalytiker Sigmund Freud erkannte den Zusammenhang von Situationen und dem Auslösen von unbewussten innerlichen Prozessen, der Determiniertheit aller sozialen Prozesse, welche der Motivator der Handlungen darstellt.

Der Einkaufsladen ist erreicht, der vermeintlich Bedürftige hinter sich gelassen. An der Obsttheke fällt der Blick auf eine Person, die keine Mund-Nasen-Bedeckung trägt. Inmitten der gegenwärtigen Corona-Pandemie ein seltener und zugleich unzulässiger Anblick. Darf dies sein? Um den Menschen bildet sich auf einmal eine hitzige Traube, er wird zur Zielscheibe der Diskriminierung anderer. Ihm werden Attribute zugeteilt und Absichten unterstellt. Kaum zu Wort kommend, artikuliert und gestikuliert er händeringend um Absolution seines Nicht-Tragens eines Mundschutzes. Es geht um die Frage dieser Tage: Wann enden die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung zum Wohle der Allgemeinheit und der Unversehrtheit jedes Einzelnen? Wo sich moralische Werte und gesellschaftliche Normen scheiden, erließ die Politik Gesetze und Verordnungen, welche ein soziales Miteinander in der Krise regeln und strukturieren sollen. Der Schutz und die Gesundheit deklarieren das Doktrin, welches zum Gradmesser einer jeden sozialen Interaktion wird und persönliche Lebenseinstellungen und Existenzen überschattet.

Zwei Herren in Uniform betreten das Szenario, der Marktleiter hat die Polizei hinzugerufen. Was ist, wenn eine Situation innerhalb der sozialen Interaktion schwerwiegend außer Kontrolle gerät? Wer vermag eine toxische Anreihung von Ereignissen im Sinne aller Beteiligten immer richtig zu deuten? Der Polizei obliegt als finales Mittel der Deeskalation der „finale Rettungsschuss“:

„Ein Schuss, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich wirken wird, ist nur zulässig, wenn er das einzige Mittel zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Lebensgefahr oder der unmittelbar bevorstehenden Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ist.“

(Art. 66 Abs. 2 Satz 2 Bay PAG)

Dem klügsten Menschen vermag es wohl nicht immer gelingen, binnen Sekunden das Todesurteil über einen anderen Menschen gewissenhaft auszusprechen, zu richten über Leben und Tod, einen hochgeschaukelten Moment dementsprechend auszuwerten. Die Alternative wäre eine Eskalation ohne das Einwirken ein jeder solcher Menschen. Den größten Respekt den Involvierten, die bereit sind, diese Bürde der Verantwortung zu schultern, die oft ein Leben lang die Konsequenzen eines „finalen Rettungsschusses“ verarbeiten.

Der Einkauf wird fortgesetzt, von der Obst- und Gemüseabteilung in Richtung Kühlregal. Eine verschleierte Frau passiert den Weg, freundlich blitzen ihre warmen, dunklen Augen unter den Stoffen hervor. Die Frage, die aktueller ist denn je, steht im Raum: Was geschieht mit Menschen mit Migrationshintergrund, gegen die aufenthaltsbeendende Urteile rechtsstaatlich ausgesprochen wurden? Eine Option stellt der faktische Schutz des Kirchenasyls dar. Dabei wird unterschieden zwischen einem offenen, stillen oder verdeckten Asyl. Die rechtswissenschaftlich umstrittenste Maßnahme bildet das verdeckte Asyl, bei dem keine Behörde hinzugezogen wird. Menschen, die ein anderes Land aufsuchen, in dieses flüchten, ihre Heimat und Wurzeln hinter sich lassen, haben oftmals schwerwiegende Gründe dafür und werden häufig durch drastische, unzumutbare Umstände dazu gezwungen. Die schlimmsten Traumata flankieren zu häufig ihren Lebensweg. Die Kirche sieht sich in sozialer Verantwortung gegenüber diesen Menschen, lebt und gibt Nächstenliebe und gewährt den Schutzsuchenden Unterschlupf, wie es die theologischen Lehren preisen. Ist dies richtig oder impliziert dies nicht ein Veto in Bezug auf das Vertrauen haben in die Urteilskraft des Staates?

Zwei Meter weiter am Kühlregal, Richtung den Joghurts. Lieber den Erdbeer- oder lieber den Vanillejoghurt? Da dringen Gesprächsphrasen an die Ohren und lassen einen zum unfreiwilligen Lauscher werden: Eine junge Frau mit Kleinkind klagt einer älteren Frau ihr Leid, keine Wohnung finden zu können. Gerade sei sie ihrem schlagenden, alkoholkranken Partner entkommen, geflüchtet in eine Mutter/Vater-Kind Einrichtung, und nun widerfahren ihr Vorurteile en masse. Dies sei für sie schlimm, jede ablehnende Reaktion von Seiten der Vermieter, ohne sie und ihre persönlichen Umstände näher zu kennen, wie eine weitere Ohrfeige. Sie fühle sich, als würde sie ein Stigma tragen, wohnungssuchend aus einer sozialen Notunterkunft kommend.

„Aufenthalte im Frauenhaus werden häufig über Leistungsansprüche aus dem Sozialgesetzbuch finanziert. Weil EU-Bürger_innen in vielen Fällen nicht leistungsberechtigt sind, müssten sie Unterkunft und Beratung selbst finanzieren – und kommen deshalb oft gar nicht in den Schutzunterkünften an.“

(Aktuelles, Bewohnerinnenstatistik, Pressemeldungen, 2019, ©Frauenhauskoordinierung)

Ist es vertretbar, einer leitgeprüften Person weiteres Leid in Form von Diskriminierung bei der Wohnungssuche zu vermitteln? Steht ein Urteil zu, ohne in den direkten Dialog gegangen zu sein, geleitet von gesellschaftlichen Konventionen? Oder wird zu viel Aufhebens um eine vermeintliche Selbstverständlichkeit gemacht, künftige Mieter auf Herz und Nieren zu prüfen?

Da rennen auf einmal zwei Jungs den Einkaufsflur entlang und eine Frau mittleren Alters hinterhereilend, bemüht die Buben zu bändigen. Wie es wohl ist, wenn die Kinder viel Unruhe in sich verspüren und Mühe haben, dem Lernstoff und Schulalltag konzentriert und geflissentlich zu folgen? Die Schulsozialarbeit kann hier Antworten und Hilfestellung geben. Sie meint professionelle, sozial-orientierte Arbeit für und mit den Lernenden und Arbeitenden einer Schule. Laut den „Leitlinien für Schulsozialarbeit“ des Kooperationsverbunds Schulsozialverband beruht die Schulsozialarbeit immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Sie kann und sollte nicht erzwungen oder gar machtvoll missbraucht werden. Ein Hilfsangebot in dieser Hinsicht kann für alle Beteiligten eine wunderschöne und produktive Bereicherung darstellen. Und sie vermag ebenso unter Druck zu setzen, Hilfsangebote annehmen zu müssen, um nicht sozial benachteiligt zu werden. Wie steht es hier um die Menschen mit Migrationshintergrund: Wird die Schulsozialarbeit auferlegt als Voraussetzung einer guten und gewollten Integration? Haben diese Menschen eine Wahl, die Hilfe anzunehmen oder auszuschlagen?

Nun noch schnell zu den Zeitschriften, um sich über das aktuelle Zeitgeschehen zu informieren. Ist es ethisch vertretbar, unser Land am Hindukusch zu verteidigen? Die Frage kommt auf, nachdem die Entscheidung darüber im Raum steht, mit bewaffneten Drohnen die Bundeswehr vor Ort aufzurüsten. Die Befürworter argumentieren, die Drohnen dienen ausschließlich zum Schutz der Soldaten und Soldatinnen vor Ort. Ob diese Maßnahme sinnhaft und dem Völkerrecht entsprechend ist und zugleich der ethischen Überprüfung standhält, wird durch dieses Argument gleich ausgeklammert. Und so bleibt die Fragestellung erhalten: Schützt das Einsetzen bewaffneter Drohnen Leben oder nimmt es Leben?

Schnell zur nächsten Zeitung greifen, doch auch da ziert ein gehaltvolles Thema das Titelblatt: „Wie steht es um die Menschenrechte für Flüchtlinge in Gewährswohnungen, für Menschen ohne Aufenthaltstitel?“ In Deutschland ist es anerkannten Asylbewerbern erlaubt, für sich Wohnraum anzumieten. Nicht anerkannte Asylbewerber haben keine Wahl, sie kommen in Gewährswohnungen unter. Dadurch findet in gewisser Weise eine Klassifizierung der Asylsuchenden statt; die eine Gruppe erfährt das Recht auf Selbstbestimmtheit und Autonomie, die andere Gruppe kann nicht frei wählen, eine Unterkunft wird bereitgestellt. Hauptsache Unterkunft, könnte man meinen. Doch ist es wirklich so einfach, wie es dem Anschein nach aussieht? Greift diese Regelung nicht in die Würde eines jeden ein, der ein Land aufsuchte, welches das Recht auf Würde im Grundgesetz verankert hat? Aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet könnte diese Einteilung auch als ein Medium der Strukturierung gesehen werden. Die Abläufe haben in sich eine gewisse Ordnung, es sollen nicht einfach Menschen abtauchen und unter dem Radar verschwinden.

Aufgewühlt und etwas dumpf wird sich in die Schlange im Kassenbereich angestellt. All diese Gedankengänge, all diese sozialen und menschlichen Gefüge und Situationen. Eine undefinierbare Stimmung steigt auf. Wie steht es um unsere Selbstbestimmung? Hat nicht ein jeder Mensch das Recht, nach seiner Fasson, seinem Gutdünken im legalen Rahmen zu leben und sich nach persönlichen Vorlieben und Vorstellungen zu entfalten? Solange sich an Gesetze gehalten wird, sollte der Staat nicht äußerst vorsichtig mit einem Zugriff auf Leben agieren? Und gilt dies nicht auch für andere Personen, die meinen zu wissen, wie ein Leben gelebt werden soll? Es ist Teil des Verständnisses der Selbstbestimmung, frei wählen zu dürfen, wen ich von außen in mein Leben eintreten lasse, wer bleiben darf und wer wieder gehen soll, wer Macht über meine Entscheidungsfreiheit erlangt oder wer diesen Einfluss auf mich niemals haben wird. Im Sinne der Menschenrechte ist das Selbstbestimmungsrecht ein wesentlicher Eckpfeiler unserer Autonomie. Wann ist eine Einmischung von außen legitim? Wann endet der freie Wille zugunsten dem Wohle der Gemeinschaft?

Wie sieht es erst damit aus, wenn Menschen mit Abhängigkeiten und psychischen Störungen Machtausübung in einem Zwangskontext erleben müssen? Der abgeschlossene kleine Mikrokosmos einer Klinikwelt lässt nicht immer einen Blick von außen nach innen und von innen nach außen zu. Das Vertrauen zwischen Patienten und behandelndem Arzt sollte dabei unabdingbar gegeben sein, um Fehlentwicklungen von beiden Seiten zu vermeiden. Gegenüber Menschen mit psychischen Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen kann mitunter sehr leicht, oftmals auch im besten Gewissen und Wissen, Macht und Zwang ausgeübt werden. Sie sind das schwächste Glied in einer Reihe und nicht immer Herr ihrer Sinne aufgrund verschiedener Psychopharmaka. In einem solch intensiven Gefüge hat das verantwortungsvolle Handeln eines jeden oberste Priorität. Ein Mangel an Personal kann sich nachteilig auf die Verpflegung und das Therapieren dieser Menschen auswirken.

Schluss:

Der Einkaufsladen wird verlassen, zurück im Auto drehen sich die Gedanken im Kreis. Die Frage kommt in den Sinn: „Wann ist Hilfe helfend und wann nicht?“ Hilfe geben zu wollen, als Geschenk und Frage darbietend. Dem Betrachter zeigt sich oftmals eine Momentaufnahme, die zu schnellen Entscheidungen zwingt. Hilfe geben zu wollen kann egoistische und profilierende Motivationsgründe haben. Hilfe zu geben kann von eigenen Problemen ablenken und ein Gefühl der inneren Zufriedenheit schenken. Hilfe zu geben kann auch völlig unbedarft und selbstlos geschehen. Es sollte immer in Erwägung gezogen werden, die Hilfestellung wie eine Einladung zu offerieren, welche angenommen oder abgelehnt werden kann. Nur selbstbestimmt kann Hilfe angenommen werden und sich das Machtgefüge zwischen Helfer und Geholfenem nicht verschieben. Hilfe kann als Himmel empfunden werden. Hilfe kann als Hölle empfunden werden. Dazwischen, gibt es da etwas?

Literaturverzeichnis:

● Duden/Herkunftsdefinition/©Bibliographisches Institut GmbH, 2020

            ● Universität Heidelberg/Bereich allgemeine und theoretische Psychologie

  „Freuds Psychoanalyse – Eine Einführung“, Stuttgart: Kohlhammer,

   Köhler, T., 1995

● „Der finale Rettungsschuss – Polizeirechtliche Vorschriften und deren     

  Verfassungsmäßigkeit“, Manuel Holder, 14.12.2006

● Polizeiaufgabengesetz Bayern/PAG

● Ausarbeitung/wissenschaftliche Dienste/©2018 Deutscher Bundestag

● Neundorf, „Kirchenasyl – Verfassungsrechtliche Aspekte und

  ausgewählte administrative Handlungsmöglichkeiten“, ZAR 2011, 259 f.

● Verein Frauenkoordinierung/Bewohnerinnenstatistik 2019

            ● Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, Januar 2015

● Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für internationale   

   Politik und Sicherheit, „Zur Ethik militärischer Gewalt“, Berlin,

   Peter Rudolf, März 2014, S. 6

● Politik/Wolfgang Lieb/17.12.2020

            ● Universität Oldenburg, Lexikon, 21.08.2020

● „Psychisch kranke Straftäter: Epidemiologie und aktuelle Praxis“,

  Springer, Norbert Leygraf

Photo by Kamaji Ogino on Pexels.com

BDSM-Poesie: Liebesbrief einer Sub

FSK 18

Und so schrieb eine glückliche Sub ihrem geliebten Herrn:

„Oh ja – Mein Geist pulsiert, sie erregen mich wahnsinnig.
Meine Mitte pocht stumm und leicht schmerzend für Ihren Herrn…
Sie sehnt Euch Herr.
Eure Essenz ruft mich…
Eure Narben sehnen meine Küsse und zarten Berührung meiner Finger.
Ich begehre diese Eure Narben.
Sie zeigen mir, dass Ihr lebt und überwunden habt – Eure wahre Stärke…
Dann erst kommt die Peitsche.
Die nichts wäre, schlapp und kraftlos, ohne die Kraft Ihres Ausführenden und Herrn.
Mein Herr…
Wie schön Ihr seid.“

Narben, die vom Leben erzählen – meine Kaiserschnittnarbe

Vor der Zeit meiner Schwangerschaften machte ich mir nie wirklich darüber Gedanken – über die Körperregion zwischen Bauchnabel und Schambereich. Eher über die Stelle oberhalb meines Bauchnabels, da ich dort bereits eine Narbe trug. Als Kleinkind hatte ich ein Geldstück verschluckt, da ich dieses mit Schokoladen-Spielgeld verwechselte. Dem aufmerksamen Blick meiner Mutter entging dies zum Glück nicht, denn es geschah während dem Einkaufen. Als ich mich dann im Anschluss begann zu übergeben und damit nicht mehr aufhörte, brachten mich meine Eltern ins Krankenhaus. Nach der Diagnose wurde mir die Münze wieder entfernt, welche sich in einer inneren Gewebefalte verfangen hatte und somit vom Körper nicht ausgeschieden werden konnte. Deshalb der immer wiederkehrende Würgereiz, mit welchem sich mein Körper letztendlich befreien wollte.

Zu dieser Zeit wurden die Operationen an Kleinkindern noch nicht endoskopisch oder über den Weg durch die Speiseröhre durchgeführt, und die Ärzte wollten damals kein unnötiges Risiko eingehen, denn die Stelle, an welcher sich die Münze verzwackt hatte, war wohl scheinbar recht ungünstig für mich. So schnitten die Ärzte meinen Bauch auf und entfernten das verschluckte Geldstück. Erinnern kann ich mich nur noch daran, dass ich fürchterlich weinen musste, da meine Eltern nicht bleiben durften. Seinerzeit gab es keine Elternbetten auf Stationen, und die Eltern und Bezugspersonen der kleinen Patienten wurden nach Hause geschickt. Diese traumatische Trennung führte dazu, dass ich lange Zeit im Umgang mit Ärzten Probleme hatte, wirklich Vertrauen fassen zu können. Ein weißer Kittel löste lange Zeit unvermitteltes Unwohlsein in mir aus und das vollkommen unabhängig des Arztes, der diesen trug oder des medizinischen Vorgangs. Heutzutage agieren beispielsweise viele Ärzte in Untersuchungen mit Kindern ohne weißen Kittel, sondern in gewöhnlicher Kleidung, um den Kindern keine Ängste zu bereiten. Mittlerweile geht es bei mir mit meiner Phobie jedoch wieder und ich konnte mein Kindheitstrauma dahingehend aufarbeiten.Ein Teil dieser Aufarbeitung war das Friedenschließen mit der Narbe, die nach dieser Operation zurückblieb.

Narben sind Zeitzeugen und erinnern ein Leben lang an Ereignisse, Unfälle oder (überstandene) Krankheiten.

Mein Weg in dieser Hinsicht war dieser, mir ein Bauchnabelpiercing verpassen zu lassen, welches auf diese Körperstelle hinweist und zugleich diese hervorhebt und betont. Ich weiß noch, dass mich die freundliche Piercerin mehrmals fragte, ob ich mir über die Tatsache im Klaren sein würde, dass das Piercing den Blick auf diese Narbe lenkt.

So machte ich aus der Not eine Tugend und trug stolz meine Bauchnarbe zur Schau, funkelnd unterstützt durch einen schimmernden Stein im Nabelpiercing. Später gesellte sich noch ein zweites Bauchnabelpiercing hinzu, so dass ich ober- und unterhalb des Nabels Schmuck trug. Dann kamen meine Schwangerschaften und meine Fehlgeburt dazwischen, so dass es mir ein Bauchnabelpiercing einbüßte und sich eine Kaiserschnittnarbe hinzugesellte. Eigentlich wurde ein Kaiserschnitt zweimal bei mir vorgenommen, doch ich hatte großes Glück an eine sehr fähige Gynäkologin zu gelangen, welche den zweiten Schnitt exakt in der bereits vorhandenen Naht durchführte und sehr gekonnt diesen erneut vernähte. Im Nachhinein bin ich ihr für ihre Voraussicht sehr dankbar, dass sie nicht einen unabhängigen Schnitt setzte, sondern sich des ersten bediente, um ein kosmetisch gutes Ergebnis zu erzielen.

Solche Gedanken wurden mir jedoch erst im Nachhinein bewusst. Zur Zeit der Schwangerschaften war mir mein Aussehen im Grunde dahingehend völlig egal, als dass das Wohl des Kindes immer an erster Stelle stand. Ob ich dafür eine Narbe in Kauf nahm, war mir vollkommen und gänzlich unwichtig.

Nun befinde ich mich derzeit in der Zeit der körperlichen Regeneration, wie ich es ausdrücken würde. Mein Sohn ist mittlerweile abgestillt. Diesen Prozess der Ablösung von der Brust leitete er Stück für Stück selbst ein, als er zunehmend größer wurde. Über seine Bedürfnisse hinweg hätte ich niemals entschieden abzustillen, so lange es mir gesundheitlich möglich gewesen wäre. So war der Lauf der Dinge, und allmählich beruhigt sich mein Körper in Bezug auf seine hormonelle Lage wieder. Schwangerschafts- und Stillhormone sind sehr mächtig und führen allerlei physische und psychische Symptome mit sich. Einige davon sind schön, viele davon sind es leider allerdings weniger, zumindest rückblickend aus meiner Erfahrungswelt betrachtet.

Wenn sich nun alles wieder eingespielt, beruhigt und eingependelt hat, wird eines ein Leben lang bleiben: meine Kaiserschnittnarbe.

Noch als alte Frau werde ich vor einem Spiegel diese anblicken können und daran erinnert werden, dass ich einst Leben schenkte. Auch wenn ein Kaiserschnitt heutzutage oftmals schnell angeboten wird, um alle Risiken für Mutter und Kind auszuschließen und der Mutter Schmerzen zu ersparen, so ist er nicht zuletzt verantwortlich dafür, dass viele Kinder gesund zur Welt kommen dürfen. Noch vor fünfzig Jahren wären diese Kinder vermutlich während den Wehen verstorben oder unwiderruflich durch zum Beispiel Sauerstoffmangel während der Geburt geschädigt worden. Eine Querlage oder eine Nabelschnur, in welcher sich das Kind verfangen hat, können eine normale Geburt unmöglich machen und schlimme Konsequenzen nach sich ziehen.

Insofern ist der Kaiserschnitt aus der modernen pränatalen Medizin nicht mehr wegzudenken und überwiegend als Segen und Lebensretter für Mutter und Kind zu betrachten. Was bleibt ist eine Narbe. Manchmal zieht diese auch Unempfindlichkeiten und Taubheitsgefühle innerhalb der Körperregion nach sich, wie es bei mir danach auch einige Zeit der Fall war. Doch glücklicherweise vergingen diese dumpfen taktilen Unempfindlichkeiten wieder, und nun ist es von diesem Aspekt her wieder wie zuvor. Obwohl – nicht ganz.

Die Narbe teilt Weichgewebe an einer Stelle, an welcher nicht alle Frauen sehr schlank sind. Somit hebt sich das Unterhautfett ober- und unterhalb der Narbe hervor, was optisch etwas unschön wirken kann, zumindest durch meine Augen in Bezug auf meine Narbe betrachtet, nicht im Generellen gemeint. Doch es ist nun einmal so und es führt meiner Meinung nach wohl kein Weg daran vorbei, sich auch mit diesem Zeitzeugen zu akklimatisieren und Frieden zu schließen. Denn wäre diese Narbe nicht, hätte ich ganz bestimmt niemals meine Tochter lebend in meinen Armen halten können und vielleicht auch nicht meinen Sohn.

Bei meinem Sohn war die Geburt offen, doch da bereits ein krankes Kind da und er laut Ultraschall groß und bereits überfällig war, rieten die Ärzte zu einem Kaiserschnitt, um das Risiko für das Kind minimal zu halten. Einen Tag vor dem geplanten Kaiserschnitt setzten bei mir die Wehen ein, und mein Sohn erblickte während diesen per Kaiserschnitt das Licht der Welt.

Schon seit längerem fällt mir auf, dass ich auf den wenigsten Fashion- und Aktbildern Kaiserschnittnarben sehe. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ein Modell in Unterwäsche, Bikini oder Akt sah, welches eine solche Narbe trug. Da dieser Eingriff jedoch sehr oft durchgeführt wird und ich mir nicht vorstellen kann, dass so viele Frauen keinen Kaiserschnitt hatten, liegt bei mir die Vermutung nahe, dass eine vielleicht vorhandene Narbe der Bildbearbeitung zum Opfer fiel und wegretouchiert wurde.

Wie erlebt Ihr das? Mögt Ihr mir Eure Meinung zu diesem Thema sagen?

Ich würde gerne vielen Frauen das Gefühl nehmen können, ihre Kaiserschnittnarbe verstecken oder als Makel betrachten zu müssen. Vielleicht auch – das wäre mein größter Wunsch – mit dieser ein Stück weit Frieden zu schließen, wie ich es gerade bei mir selbst tue. Von daher würde ich mich über eine rege Beteiligung und viele Rückmeldungen sehr freuen und hoffe damit viele Frauen erreichen und ansprechen zu können.

Wer möchte, schreibe mich bitte direkt auf meiner Webseite an. 

In meiner Rubrik „Gastbeiträge lieber Menschen“ würde ich gerne Eure Erfahrungen, Ansichten und Meinungen diesbezüglich veröffentlichen. Dies kann vollkommen anonym, teilanonym oder mit Klarnamen erfolgen, ganz wie Ihr es wünscht. Die möglichen Bilder Eurer Beiträge müssen dabei bitte von Euch persönlich stammen oder mit der Herkunft derer gekennzeichnet sein. Das Urheberrecht über Eure Texte bleibt dabei weiterhin Euch selbst behalten, auch nach einer Veröffentlichung auf meiner Webseite.

Nun würde ich mich über Euer Echo hinsichtlich meiner Gedanken und ins Leben gerufenen Aktion wahnsinnig freuen!

Denn ganz ehrlich:

Darf eine Kaiserschnittnarbe denn nicht gezeigt werden? Lebensretter sind doch keine Makel!

Eure Julia

Meine Vermarktung

Es ist schon sonderbar…

Da schreibst du völlig unbedarft einige Zeilen. Aus den Zeilen werden Geschichten und so reiht sich auf einmal nach und nach eine weitere Geschichte an. Auf einmal haltest du eine Sammlung deiner persönlichsten Gedanken in deinen Händen, ohne je bewusst beabsichtigt zu haben, diese zu haben.

Genau so entstanden meine ersten Werke. Ich hatte nie bewusst diesen Entschluss gefasst, es ergab sich sozusagen aus dem Moment heraus.

Schon immer habe ich gerne geschrieben, die Wörter und die Sprache waren für mich seit jeher ein Ausdrucksmittel, Gefühle und Erlebtes zu verarbeiten und mit anderen zu teilen. Meinen Physiklehrer konnte ich zum Verzweifeln bringen, meinen Deutschlehrer hingegen verstand ich auf Anhieb.

Als meine Kleine verstarb, hatte ich auf einmal wieder mehr Zeit für mich. Etwas, das ich über eine lange Zeit durch die Vollzeitpflege, die ich gerne machte, kaum hatte. Ich spürte mich wieder viel bewusster. Nicht nur die Mutter in mir, sondern auch die Frau. Und ich spürte, dass ich einen Weg für mich finden musste, um all die schweren Emotionen zu verarbeiten: Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht. An die Verarbeitung derer schlossen sich die angenehmen Gefühle an: Freude, Seligkeit, Begeisterungsfähigkeit, Hoffnung. Bei diesem persönlichen Prozess der Aufarbeitung von Tragik konnte mir kein Mensch von außen helfen, weder ein Familienmitglied, noch Freunde, noch ein Therapeut.

Ob denn ich wundervolle und helfende Gespräche mit meinen Lieben führen durfte, musste ich den wesentlichen Kern von allem mit mir selbst innerlich austragen. Diese Traueraufarbeitung konnte mir kein Nahestehender abnehmen. Daraus entsprang innerlich immer mehr der Drang, Wege der Verarbeitung zu finden, die mir dabei halfen.

Zunächst einmal wurde ich mir meiner wieder viel bewusster. Es ist seltsam, denn ich war fast drei Jahre lang nicht mehr richtig bei mir selbst. Ich lebte für meine Kleine und ihre Pflege. Das war gut so, genauso wählte ich es für uns, so sollte es sein. Dies war mir eine große Herzensangelegenheit. Und doch gab es auch Zeiten, in denen ich schlicht funktionierte, in denen Angst um ihr Leben und Sorge um ihr Wohl alles überschatteten. Anderes gerät dadurch in diesen Momenten vollkommen in den Hintergrund.

Ich weiß noch, wie ich mich das erste Mal wieder ausgiebig schminkte. In aller Ruhe, einfach im Moment verweilend. Oder als ich das erste Mal beim Friseur saß, ohne die Angst zu haben, hoffentlich passiert daheim nichts Schlimmes und der Babysitter möge alles im Griff haben. Oder als ich das erste Mal wieder bewusst shoppen ging, ohne Zeitdruck und entspannt bummelnd. Ich weiß noch, dass ich mir dabei einen Lederrock aussuchte. Dieser ist trendy und erinnerte mich an eine andere Welt, eine Welt, die lange verschollen war: Frau sein, Frausein leben… Dieser Kauf des Lederrocks war eher symbolisch für mich. Schon immer gab mir das Tragen von Ledermode das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit, Weiblichkeit und Selbstbewusstsein. In etwa ist es vergleichbar mit dem Anlegen einer „Uniform“. Kleidung hat nun einmal eine große Wirkung auf unser Wohlbefinden.

Nach einiger Zeit, in welcher ich mich wieder nach und nach bewusster wahrnahm und spürte, kam dieser Drang in mir auf – der Drang zu schreiben. Beinahe war es so, als hätte es diese Zeit mit meiner Kleinen gebraucht, mich wieder zum Wesentlichen des Lebens hinzuführen, so paradox dies möglicherweise klingen mag. Irgendwie leben wir doch oftmals unser Leben, bis auf einmal etwas Großes geschieht und das Leben uns ein Stoppschild vor Augen hält und uns zur Innenschau zwingt.

Wenn ich bei meiner Kleinen am Grab stehe und mit ihr spreche, gibt sie mir Antworten auf meine Fragen. Dann spricht sie zu mir:

„Mama, du warst immer für mich da, ich danke dir. Jetzt sei nicht mehr traurig, es geht mir im Himmel gut. Wir sehen uns doch irgendwann wieder. Lebe dein Leben, auch für mich. Ich konnte es nicht, wie ich wollte, denn ich war krank. Aber du bist gesund, du hast die Möglichkeiten, deinen Traum zu leben. Warte nicht zu lange damit. Denke an dich und vertraue in dich. Ich schaue dir von oben zu und begleite dich auf deinen Wegen.“

Und so war auf einmal alles im Fluss und ging seinen Gang. Mein gesamtes Leben, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, tat sich vor mir auf. Auf einmal spürte ich ohne lange zu überlegen instinktiv, was zu tun war. Ich war in der Pflicht, Verantwortung für mich zu übernehmen und meinen Traum zu leben. Und mein Traum war und ist es unter anderem zu schreiben.

Dabei ließ ich mein bisheriges Leben Revue passieren: Erlebnisse, Begegnungen, Erfahrungen. So fing ich an zu schreiben, durchlebte dadurch die Begegnungen erneut, erlebte vor meinem geistigen Auge die Menschen dieser wieder und spürte wiederholt die damit verbundenen Emotionen. Schlicht gesagt, ich spürte das Erwachen und das Pulsieren des Lebens. Wie es so meine Art ist, war die durchdachte und gelenkte Vorgehensweise bei mir in dieser Hinsicht weniger der Fall, denn bewusst tat ich nichts. So entstanden Schriften meinerseits, fernab des Mainstreams, aus spontanen und besonderen Moment geboren und unschuldig in ihrer Gesinnung.

Nach der Erstellung dieser begegnete mir manchmal, dass es mitunter im Denken der Menschen entweder das Schwarze oder das Weiße gibt.

Wo bleibt das Grau?

Zum Beispiel geht es doch nicht, unterhaltsame Kurzgeschichten zu verfassen und gleichsam auch die Geschichte des verstorbenen Kindes aufzuarbeiten. Solch ein gesellschaftlicher Tonus begegnete und begegnet mir immer wieder. Konventionen und das Korsett der Norm sind sehr präsent im Denken der Leute, dieses gegenseitige Kategorisieren und Einordnen. Fast schon macht es Spaß, nicht die Norm zu bedienen und den Konventionen zu entsprechen, obwohl ich dies nicht bewusst initiiere oder herbeiführe.

So verfasste ich meine persönlichsten Gedanken in der Gesinnung, weitere Gedanken folgen zu lassen, denn es ist mir ein Anliegen zu zeigen, dass eine Frau viele Facetten hat. Oftmals wird ihr ein Korsett auferlegt und ihr eine Facette zugeteilt, die sie dann auch bitte zu erfüllen hat! So verlangen es die gebräuchlichen Werte, welche es zu erfüllen und zu bedienen gilt, um mit dem Strom zu schwimmen und nicht aufzufallen. Auf diese Weise lebst du dein Leben für andere und niemals für dich. Wenn mich eines mein Sternchen lehrte, dann dass unsere geschenkte Zeit auf Erden endlich ist und mitunter schnell zu Ende gehen kann. Konventionen einzuhalten, das ist nun einmal nicht immer das Wahre.

Dann steht sie also immer wieder und mit jeder neuen Niederschrift an, die Vermarktung meines persönlichen Gedankenguts. Es ist schwer zu beschreiben, was das mit einem macht. Einerseits kann es schwer fallen, das persönliche Gedankengut unwiderruflich herzugeben, andererseits möchtest du den Spirit deiner Gedanken weiterreichen. Du möchtest eine Sinnhaftigkeit in die Welt tragen und das geht nur durch Vermarktung.

So sammelte und sammle ich gerade die unterschiedlichsten Erfahrungen, die allesamt spannend sind und mich bereichern, jedoch auch aufwühlen und nahe gehen. Einen Auftragstext zu verfassen mit klaren Vorgaben und darüber ein Feedback zu erhalten ist etwas ganz Anderes, als über dein eigenes Gedankengut eines zu erhalten. Dieser Prozess ist unglaublich spannend und ich danke jedem, der sich Lebenszeit und Muse nimmt, in meine Zeilen einzutauchen und mit mir ein Stück meines Lebensweges zu gehen.

Im besten Fall nimmt sich derjenige beim Lesen meiner Gedanken und Geschichten etwas für sich daraus mit. Dieses wäre für mich das größte Kompliment, denn dann gab mein Wirken auch anderen Menschen etwas Licht und Glück! Genau diese Erfahrung möchte ich dabei als Autorin nicht mehr missen!

Wenn ich von den Erlebnissen und Erfahrungen mit meiner Kleinen schreibe, tue ich das als sehr bewussten Vorgang, denn ich möchte ihr etwas Bleibendes schenken und ihr Wirken und ihre damit verbundene Bereicherung für die Welt teilen und sie damit ehren.

So bleiben Zeilen, welche die Zeiten überdauern…

Wenn ihr kleiner Bruder einmal groß genug ist und vielleicht von seiner Schwester lesen möchte, kann er diese durch das Lesen in Ruhe kennenlernen und ihr somit im besten Fall nahe sein ❤!

Das ist mein Uranliegen, mein Herzblut und meine Intuition in Bezug auf das Verfassen meiner Texte zu ihr und nicht zuletzt meine Aufgabe als Mutter.

Und wisst Ihr was? Auch wenn es mitunter schmerzt, freue ich mich sehr darauf!

Gastbeitrag: Erlebnisse eines Mannes mit der Inanspruchnahme eines Escort-Service

Spannende Erlebnisse schildert hier ein Mann, der andere an seinen besonderen Erlebnissen teilhaben lassen möchte. Nicht um die mögliche Sensationsgier der Leute zu stillen, sondern um anderen eine Bereicherung zu sein. Vielen Dank dem Verfasser für diesen offenen Einblick…

Es werden hier keine sexuellen Praktiken dargestellt oder etwas empfohlen, dennoch sollten den Gastbeitrag bitte nur Erwachsene (FSK 18) lesen. Danke.


FSK 18

Beginn Gastbeitrag:

„Ich will die Geschichte erzählen wie es dazu kam, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft darüber nachgedacht habe, eine Escort-Dame zu engagieren.

Zu mir: Ich bin ein Mann Mitte 40, der in einer sexlosen Ehe lebt. In der Langeweile rund um die Weihnachtsfeiertage habe ich zur Ablenkung die Spielerei mit Twitter angefangen. Dort bin ich dann erstmal ziellos umhergewandert, und habe Accounts gesucht, die interessante oder lustige Inhalte teilen. Sehr zufällig bin ich dabei auf einen Spendenaufruf gestoßen und habe mich beteiligt. Mit einer der Organisatorinnen dieser Spendenaktion kam ich dann in’s Gespräch und wir führten eine Fachdiskussion über Themen, mit denen ich mich beruflich beschäftige.

Da das Tippen am Handy meistenteils für mich ein nerviges Geschäft ist, ist diese Diskussion zügig in ein Telefongespräch überführt worden.

Vicky (Anmerkung: Name geändert) stellte sich als intelligente und angenehme Gesprächspartnerin heraus. Erst zu diesem Zeitpunkt habe ich ihren Account besucht und verstanden, dass sie als Escort-Dame arbeitet.

In der Folge habe ich dann das „Privileg“ genossen, noch ein wenig mit Vicky zu telefonieren, bis es dann zu dem leidigen Thema „Geld“ kam.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht weiter darüber nachgedacht, fand aber die Stimme und den Intellekt ihrer durchaus angenehm und hatte nicht wirklich Langeweile und ein wenig Weihnachtsgeld zu verbrennen. Also haben wir uns auf einen angemessenen Preis für weitere, nicht sexuelle Telefonate geeinigt.

Über die nächsten Tage entwickelte sich von meiner Seite aus ein Vertrauensverhältnis und, ich gebe es zu, auch das Gefühl von Verliebtheit. In der Retrospektive ist Vicky mit der Situation relativ fair umgegangen: Ohne mir Hoffnungen zu machen, hat sie die Aufmerksamkeit sanft, aber bestimmt auf die Realitäten der Situation gelenkt (Kunde-Dienstleister-Verhältnis). Was mich faszinierte war definitiv ihr Geschäftsmotto („Die Zeit ist gekauft, das Interesse ist echt“) und der wache Geist hinter der sanften Stimme.

So kam es, dass ich anfing zu rationalisieren, dass es besser und einfacher wäre, mit einer professionellen Anbieterin Sex zu kaufen, als eine Affäre mit einer Frau zu beginnen. Ich kam zu dem Entschluss, dass ein Treffen und eine Nacht mit Vicky, von der ich zu diesem Zeitpunkt zwar einige Bilder gesehen hatte, aber noch nie das Gesicht, eine Option wäre.

An diesem Punkt sei erwähnt, dass bei Frauen für mich vor allem zwei Dinge wirklich wichtig sind: Zum Einen ein wacher Verstand und zum Anderen ein (für mich) hübsches Gesicht. Ich teilte ihr diese Überlegungen mit und erhielt ohne jede Diskussion 2 Bilder, die mir verrieten, dass all meine K.o.-Kriterien mit Leichtigkeit erfüllt waren.

Hier sei kurz erwähnt, dass ich mir Vicky nicht ausgesucht hätte, wenn es nur um Ihr Profil gegangen wäre. Falsche Haarfarbe, vielleicht etwas zu alt (jaja, ich weiß, alte Männer und junge Dinger 😉), Einschränkungen der möglichen Sexualpraktiken. Aber nichts davon spielte eine Rolle, den mir war die persönliche Beziehung, die ich zu diesem Zeitpunkt aufgebaut hatte, wichtiger als der eventuell mögliche Analsex oder die roten, blauen oder grünen Haare in welchem Schnitt auch immer. Ich wollte jemanden, dem ich Vertrauen schenken konnte; einen echten Menschen und nicht nur einen willigen Körper.

Und so einigten wir uns auf ein Date nach Corona oder zumindest zu einer Zeit, zu der Corona keine große Rolle mehr spielen sollte. Und wir wollten weiter miteinander telefonieren. Doch es kam anders.

Eines schönen Morgens, wir telefonierten wie üblich, sprachen über dies und das, überraschte Vicky mich. Sie wechselte mitten im Gespräch zügig und unvermittelt das Thema vom Kopf in Richtung Unterleib. Eine sehr unvorhergesehene und angenehme Überraschung. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass diese Aktion eher ihrer spontanen Lust entsprang als geplant war. Bis zum heutigen Tag, sollte es bei dieser einen sexuellen Begegnung bleiben. Es war das erste Mal für mich, Telefonsex zu haben. Und bis heute weiß ich nicht, wie ich dieses Erlebnis bewerten soll.

Sie zu hören war sehr erregend, aber zugleich war ich sehr reserviert und um Kontrolle bemüht, so dass ich mir beim Genuss vielleicht auch selbst etwas im Weg gestanden bin. Ich werde diesem Rätsel wohl nicht mehr auf den Grund gehen können, jedenfalls nicht mit Vicky.

Ihr fragt, warum, wo doch alles so gut läuft? Ganz einfach, weil es nicht mehr so gut weiterlief. Es kam zu erheblichen Verwerfungen in meine Wahrnehmung. Missverständnisse der Wahrnehmung, dass Vicky kein Interesse mehr an der Erfüllung unserer Abmachungen hätte. Dazu, ich gebe es unumwunden zu, kam noch das Gefühl, als Mensch und Gesprächspartner nicht mehr interessant zu sein. Mein persönliches Kryptonit, ich kann schlecht damit umgehen, dass Menschen, denen ich Bedeutung für mein Leben beimesse, dieses Gefühl nicht erwidern. Dabei geht es nicht darum, dass ich mir viel Aufmerksamkeit von der Welt wünsche oder allgemein hohe Ansprüche an meine Umwelt habe.

Meinen reflektiven Selbstwert ziehe ich aus der Beziehung zu ausgewählten Menschen und ich habe den Fehler (nicht sicher, ob es ein Fehler war oder einfach nur eine schmerzhafte Lernerfahrung) gemacht, Vicky in diesen erlauchten Kreis aufzunehmen. Nun, jedenfalls war ich sehr kurz davor, aus dem Gefühl heraus, dass unsere Vereinbarung entweder nicht eingehalten wurde oder aber, falls die Einhaltung so aussah wie es aussah meinen Bedürfnissen nicht gerecht wurde, die ganze Sache zu beenden. Warum auch eine Verbindung aufrechterhalten, die mir kein Vergnügen bereitet und dann auch noch dafür bezahlen?

Nun, ich tat also was ich lange nicht mehr gemacht habe und was schon immer sehr gut NICHT geklappt hat: Ich habe geschmollt, mich totgestellt und auf eine Reaktion gewartet.

Wie ein vernünftiger Mensch erwartet hätte, ist eben nichts passiert. Also habe ich mit genau derselben Sturheit, die auch einem Felsklotz eigen ist, genau mehr von dem getan, was zuerst schon keinen Erfolg zeigte. Über diese Übung verbesserte sich meine Laune natürlich täglich etwas mehr und wer hier den Sarkasmus nicht erkennt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Das Ganze endete in einem höflichen Telefonat, in dem der Telefon-Service aufgekündigt wurde. Einige der Missverständnisse konnten ausgeräumt werden und ganz die professionelle Dienstleiterin, erklärte Vicky, dass zumindest ein Teil der Schuld für unsere verschiedenen Erwartungshaltungen bei ihr zu verorten wäre. Ob das jetzt ernsthaftes Anerkenntnis von Schuld oder Beschwichtigung war, es hat funktioniert. Sie konnte zumindest den Löwenanteil unserer Vereinbarung, ihren Besuch bei mir retten.

Aber auch hier konnte und wollte ich Änderungen durchsetzen: Corona, die Inzidenzen und ich wurden uns leider nicht einig, ich hatte keine Lust mehr, zu warten bis in Deutschland wieder alles Mögliche erlaubt wurde und habe nach einem früheren Termin gefragt. Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, hier von irgendwelchen illegalen Aktivitäten zu sprechen, ein Wohnsitz im Ausland ist doch manchmal von Vorteil, denn andere Länder andere Regeln. Auch haben wir vereinbart, dabei Masken zu tragen. Scheinbar war das nicht mal im Ansatz ein Problem für die junge Dame und so wurden wir uns recht schnell einig.

In der Folge entspannte sich die Situation merklich. Kein Vertrag bedeutet ja auch, dass keine Abmachungen gebrochen oder nicht eingehalten werden können. Mein Aufmerksamkeit-Defizit-Problem war einigermaßen unter Kontrolle, und ansonsten hatte ich so viel mit meinem Job und meinen Hobbies zu tun, dass ich tatsächlich tagelang gar nicht an Vicky dachte.

Bis mir dreieinhalb Wochen vor unserem Date plötzlich klar wurde, dass es langsam aber sicher ernst wurde. Das Bahnticket war schon zugestellt und im Prinzip war der Zeitpunkt, die Reißleine zu ziehen und abzusagen, schon so gut wie überschritten. Mir viel nichts Besseres ein, als Vicky eine Textnachricht zu schicken: „Hallo Vicky, kennst Du kalte Füße? Die kriege ich grade.“ Zu meiner Überraschung erhielt ich nahezu sofort eine Antwort, und in Folge wurde meine Nervosität in einem sehr freundlichen Telefonat zumindest so weit kuriert, dass ich dem Treffen jetzt positiv entgegensehe.

Man könnte sagen, ich freue mich schon sehr. Wir werden sehen, was dann passiert. Ich verspreche, zu berichten.“

Mein Blogartikel: Ist ein Fetisch eine psychische Erkrankung?

In meinem neuen Blogartikel geht es um die Entstehung eines Fetischs aus wissenschaftlicher Sicht.

Ist ein Fetisch Zeichen einer psychischen Erkrankung?

Auf diese und weitere Fragen gehe ich in diesem Blogartikel ein.

Den Blogartikel könnt ihr kostenfrei lesen.

Vielen Dank! ❤ Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße

Julia

—————————————————————————————————————–

FSK 18

Die Entstehung eines Fetischs

Manchmal wissen die Menschen um ihre besonderen Bedürfnisse, manchmal auch nicht und die Suche verläuft unbewusst – gemeint ist der Fetisch, das Verlangen nach einer ganz speziellen Sache, einem Objekt, einem Material, einer Besonderheit, einem bestimmten körperlichen Attribut. Die unterschiedlichsten und intensivsten Emotionen gehen mit einem Fetisch einher. Die Skala reicht dabei von wunderschönen und erfüllenden Gefühlen bis hin zu beklemmenden und unschönen Empfindungen. In der Regel entspricht ein Fetisch nicht den gängigen gesellschaftlichen Konventionen, so dass allein diese Tatsache schon allerlei Konfliktpotenzial in sich birgt. Dabei sind manche Fetische im allgemeinen Verständnis tolerierter, andere hingegen genießen einen eher schlechten Ruf. So ist naheliegend, dass über persönliches Fetischempfinden recht selten offen und frei gesprochen wird und viele Menschen verborgene Leidenschaften als festes und sicheres Geheimnis oft ein Leben lang mit sich herumführen.

Wie entwickelt sich ein Fetisch?

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hatte wohl seine helle Freude daran, dafür so allerlei Theorien darzulegen, denn lange Zeit galt Fetisch ähnlich wie Homosexualität als Krankheit, die es zu therapieren galt. Wenn wir in der Geschichte zurückblicken, liegt die Auffassung nahe, dass mit dem Bewusstwerden eines Fetischs sehr viel Scham und vermutlich auch Ekel vor sich selbst einhergingen. Die Geheimhaltung diente letztendlich dazu, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können und schlimmstenfalls nicht verhaftet und in eine psychiatrische Klinik weggesperrt zu werden. Das klingt fürchterlich, war jedoch rückblickend lange Zeit Realität für die Menschen.

Nicht nur zur damaligen Zeit beschäftigten sich Forscher und Wissenschaftler bis hin zu Ärzten und Psychiatern mit der Frage, wie eigentlich ein Fetisch entsteht.

Wieso betrifft es manche Menschen und andere wiederrum nicht?

Wieso können Füße oder ein bestimmtes Material so großen Einfluss auf unser Sexualleben gewinnen?

Dabei wird als Fetisch eine Form des sexuellen Verlangens verstanden, bei der ein bestimmtes Material, Kleidungsstück, Gegenstand, Körperteil, etc… Anlass zu äußerster Erregung und nur durch diese Gegebenheiten wirkliche Befriedigung erfahren werden kann. Bei sehr starker Ausprägung kann nur noch Sexualität durch den Fetisch erlebt und empfunden werden. Bei abgeschwächten Erscheinungen kann auch ohne den Fetisch Sexualität praktiziert werden, jedoch meist mit weniger intensivem Empfinden.

Auch gibt es Formen des Fetischs, die in einen Suchtbereich münden und dadurch so viel Raum im Alltag einnehmen, dass ein normales und unabhängiges Leben nicht mehr möglich ist. Wie bei jeder anderen Sucht sollte in diesem Fall professionelle Hilfe aufgesucht werden.

Wie kommt es zum Fetisch?

Zunächst einmal sind wir alles Individuen, die unterschiedlich sind und unterschiedliche sexuelle Vorlieben haben. Kein Mensch gleicht hier haargenau dem anderen. Dabei spiegelt diese Individualität auch verschiedene erotische Fantasien und Vorlieben wider. Dennoch befassten sich Experten und Forscher mit genau diesem Thema der Analyse und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen.

Dabei wurde auch auf die Frage eingegangen, ob bei Menschen mit Fetischempfinden eine psychische Erkrankung vorliegt und vielleicht ausschlaggebend sein kann, warum manche Fesseln, Erniedrigung, Windeln für Erwachsene oder Latex aufregend finden und in die Sexualität einbinden.

In diesem Zusammenhang ging es auch um die Tatsache, dass ein Fetisch oft Gegenstände oder Körperteile betrifft, denen normalerweise kein erotisches Attribut anhängt. Dabei meint es zum Beispiel verschiedene Materialien wie Leder oder Nylon, Körperteile wie Hände, Füße oder Haare oder Objekte wie Autos. Die Studien beschäftigten sich auch mit der Frage, warum sich bei manchen Menschen eine Vorliebe für einen bestimmten Lebensstil herausbildet, welcher ein Ausleben von Dominanz und Unterwerfung, Bondage, Rollenspiele und Sadomasochismus (BDSM) ermöglicht. Dabei gibt es alternative erotische Lebensformen und Fetische in einer großen Vielzahl an Formen, die von allgemeiner bis hin zu extremer Erscheinung reichen.

Ist eine psychische Erkrankung Ursache für die Bildung eines Fetischs?

Sind Menschen, die einen besonders starken Fetisch haben oder mit besonders schwerem Fetischempfinden psychisch krank?

Die Forschungen kamen zu folgendem Ergebnis:  

Einige Menschen eben dieser Kategorie können möglicherweise psychisch krank sein oder ein Trauma erlebt haben. Psychische Erkrankungen sind aber ganz klar und entschieden kein Prädiktor für die Entstehung von Fetischen.

Bei all den paraphilen Störungen oder Angelegenheiten sexuellen Interesses, bei denen es nicht um übliche und der Norm entsprechende Verhaltensweisen und Attribute geht, bleibt die Frage im Raum bestehen, wie sich ein solches Fetischverhalten entwickeln oder was dies für einen Lebensstil bedeuten kann.

Viele dieser Fragen und Theorien hierzu sind nach wie vor offen und nicht klar definiert oder beantwortet. Im Allgemeinen muss hier festgehalten werden, dass dies individuell zu beobachten gilt und sich nicht zu verallgemeinerten Thesen verleitet werden lassen kann.

Außergewöhnliche sexuelle oder kreative Fantasien zu haben und deren Umsetzung zu suchen, macht einen Betroffenen noch lange nicht zu einem psychisch kranken Menschen. Dies würde den Menschen großes Unrecht tun und ausschließlich Vorurteile und Intoleranz nähren. Denn genau damit haben Begeisterte von Fetisch und BDSM in der Gesellschaft zu kämpfen und sehen sich vielmals mit Ausgrenzung, Beleidigung und Diskriminierung konfrontiert. Gerade auch Unwissenheit und vorgefertigte Meinungen führen zu dieser Diskrepanz und zu dieser inakzeptablen und unschönen Haltung.

Die meisten Menschen, die einen Fetisch haben und diesen pflegen und als eine wichtige persönliche Facette annehmen, sind psychisch vollkommen gesund und stehen oftmals mitten im Leben. In jeder sexuellen Auslebungsform wird es prozentual ein paar Ausnahmen geben. Dies findet sich dann jedoch auch in gleicher Häufung in nicht ungewöhnlich gelebten Sexualitäten, also auch außerhalb von Fetisch und BDSM. Nun also zu der Ursprungsfrage:

Wann entsteht ein Fetisch?

In vielen Fällen bildet sich ein Fetisch in der Pubertät aus, manchmal auch schon im Kindheitsalter. Dies sind jedoch sehr unbewusste Vorgänge, die die Betroffenen zu dieser Zeit nicht klar erkennen, verbalisieren oder gar akzeptieren können. Da die Pubertät an sich eine sehr ereignisreiche Zeit mit vielen verschiedenen und aufregenden Eindrücken ist, sich die Charakterbildung ausreift und meist gegen bestehende Umstände rebelliert wird, ist die Zeit des Erwachsenwerdens keine bewusst reflektierte Zeit.

Sexuelle Fantasien sind in dieser Zeit alle noch sehr neu und unbekannt, da wird dabei eher selten akzeptiert, dass zum Beispiel ein bestimmtes Objekt oder ein spezifisches Material erregt. Das gesamte Spektrum ist hierbei sehr unterschiedlich. Von daher könnten Fetische ein Element unserer individuellen Vielfalt in Bezug auf sexuelles Interesse und Erregung sein. Ähnlich wie beim Essen verhält es sich hierbei auch mit dem Herausbilden unterschiedlicher Geschmäcker und Vorlieben.

Nicht auszuschließen und wahrscheinlich anzunehmen ist von daher auch, dass sich ein Fetisch erst im Erwachsenenalter bilden kann, so wie sich unsere Geschmäcker im Laufe des Lebens auch stetig verändern und in andere Richtungen entwickeln können.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass sich ein Fetisch frühestens in der Zeit der Pubertät ausbildet. Genauso gut kann er aber auch erst im Erwachsenenalter entstehen und sich entwickeln. Ein Fetisch ist also in den meisten Fällen eine ganz normale Sache, nicht ungewöhnlich und auf keinen Fall ein Symptom oder ein Einhergehen mit einer psychischen Erkrankung.

Macht euch frei von diesen Gedanken, gebt dem Gerede der Leute nicht so viel Wichtigkeit und lebt euer Leben nach eurer Fasson, denn ihr habt nur das eine!