Die Hand des Mannes

Die Hände eines Mannes sind für mich etwas Besonderes, denn sie erzählen mir seine Geschichte. Die Hände sprechen über das Leben des Mannes, der diese innehat.

Meine persönlichen und auch durchaus erotischen Gedanken hierzu habe ich im Blog eines Freundes festgehalten, bei dem ich in Zukunft immer wieder Gastbeiträge veröffentlichen darf.

Ich danke ihm von Herzen für diese Ehre und kann seine Webseite wärmstens empfehlen. Besucht ihn doch mal! Wenn ihr mögt, lest dabei gerne meine Artikel, ich freue mich über euer Feedback ❤!

Mein Artikel ist FSK 18, also nur für Erwachsene gedacht. Frerics Blog ist auch FSK 18 und kostenfrei anzuschauen.

Viel Spaß beim Lesen!

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Der Schrank

Habt ihr auch diesen einen abgeschlossenen Schrank in euren Gedanken?

Diesen einen Schrank, der irgendwo in der hintersten Ecke eures Bewusstseins steht, verstaubt und kaum genutzt?

Ab und zu besucht ihr mal diesen Schrank. Ihr fahrt dann mit den Händen über die schönen Holzkonturen, atmet die etwas muffige Luft ein, genießt für einen kurzen Moment die Stille um euch herum. Doch Vorsicht, bloß nicht den Schrank öffnen! Oder….?

Wie auch, wo der Schlüssel zum Schloß irgendwann auf dem Weg eures Lebens abhanden kam.

Dieser Schrank führt ein verkümmertes Dasein. Und doch ruft er sich immer wieder in euer Gedächtnis zurück, mal stiller und mal lauter.

Aber was ist denn nun in diesem wunderlichen Schrank?

Was wurde darin weggesperrt, doch wohl nicht gänzlich entsorgt?

Was verbirgt sich hinter dessen Türen, was nicht hinaus darf?

Nun, darin verborgen ruhen unsere Träume.

Unsere Träume, die wir gedanklich irgendwann einmal in unserem Leben erweckten, die geboren wurden aus Liebe, Zuversicht und dem Glauben an sich und die anderen.

Diese wundervollen und lebendigen Träume, die so mächtig werden können, so vereinnahmend scheinen können.

Diese Träume, die uns einst strahlen und lachen ließen, die uns die Kraft des Lebens in den Pulsadern spüren ließen.

Diese machtvolle Injektion an Pioniergeist, Visionen und der allumfassenden Zuversicht, dass sich genau dieser eine Weg vor uns auftut, den es zu beschreiten gilt.

Oh Gott, schnell noch ein Schloß anbringen an der Tür des Schrankes. Noch mehr Verschluss und Abriegelung zur Sicherheit, so bleiben die Träume schön verwahrt und in Schach gehalten.

Denn kurz war diese große ausfüllende Energie spürbar, kurz begehrte das Träumen auf, kurz fand es Gehör.

Schnell wieder weg von diesem Schrank, schnell wieder zurück in das sicher geglaubte Leben.

Ein Leben, welches in geordneten Bahnen läuft, welches ohne viel Aufregung bequem vor sich hin plätschert.

Das ist doch schließlich das Leben, für welches ihr euch entschieden habt! Das ist doch das Leben, welches euch glücklich macht. Zumindest ein bisschen glücklich macht, das muss reichen. Das ist eure Konformzone, diese Wege geht ihr seit Jahren immer wieder auf und ab.

Diese Wege sind bewährt und an deren Wert ist nicht zu rütteln.

Also still, ihr aufschäumenden Träume in diesem einen Schrank in eurem Kopf! Lasst in Ruhe, es ist keine Zeit, um sich mit euch auseinanderzusetzen!

Mist, da vorne ist ein Verkehrsschild. Darauf steht, der Lebensweg geht irgendwann zu Ende, doch ein paar Jahre verbleiben noch zu verweilen.

Uff, dann ist es ja zum Glück nicht so dringlich, dann bleibe ich einfach auf diesem gewohnten Weg, bis er eben endet. So soll es sein und so ist es gut!

Auf einmal siehst du in Gedanken wieder diesen Schrank vor dir, diesen Schrank voller ungelebter Träume.

Mmmmhhhh…

Vielleicht diesen Schrank doch noch einmal wieder öffnen?

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Ich habe diesen meinen Schrank wieder geöffnet. Und fand meine Passion für das Schreiben als Medium meines Ausdrucks wieder. Ich habe begonnen, einen neuen unbekannten Weg zu beschreiten. Der Ausgang dieses Weges ist im Grunde nicht wichtig. Wesentlich ist das Beschreiten dieses Weges, meinen Traum zu leben. Ich folge dem Ruf meines Herzens. Denn wir sind alle endlich und haben nur ein geschenktes Leben. Anbei mein erstes Werk, das ihr bei Interesse gerne betrachten könnt.

Findet euren Weg und nutzt eure Lebenszeit. Hört ihr, euer Schrank ruft euch…

Produktplatzierung/FSK 18

Weihnachts-Impressionen

Ich bin bei meiner Kleinen auf dem Friedhof, mein kleiner Großer ist dabei.

Wir entdecken einen wunderschönen Christbaum auf einer Anhöhe des Friedhofs. Gemeinsam gehen wir hin, um ihn uns genauer anzuschauen.


Es ist schon dunkel, obwohl es noch garnicht spät ist.
Umso mehr leuchtet uns der Baum den Weg.


„Siehst du Schatz, wie der Stern über dem Stall von Bethlehem den Weg wies, so zeigt uns das Strahlen des Christbaums den Weg“, meine ich zu meinem Sohn.


Wir haben die Anhöhe erreicht und sind ein wenig außer Atem. Wunderschön leuchtet der Baum inmitten der Dunkelheit.

Als wir beim Christbaum ankommen, halten wir inne und genießen die Stille.


„Hat den der liebe Gott hingestellt Mama, um den Menschen eine Freude zu machen? Alle Menschen sind doch gerade traurig wegen der Krankheit.“


„Ach Schatz, das ist eine gute Frage. Ich vermute, der Herr Pfarrer hat ihn zusammen mit Freunden aufgestellt und so schön geschmückt. Er wollte dem lieben Gott bestimmt Arbeit abnehmen, wo doch gerade überall so viele Christbäume stehen. Aber ich glaube, es geschah im Sinne des Herrn.“


Eine Weile stehen wir still beisammen. Dann überkommt es mich, und spontan beginne ich, Weihnachtslieder zu singen. Irgendwie gibt mir das Singen Trost und Zuversicht.

Mein Sohn stimmt mit ein so gut er kann, und so hallen unsere Stimmen in der Dunkelheit.


Auf einmal hören wir zwei weitere Stimmen im Gesang. Ich fahre erschrocken um und sehe in gewisser Entfernung zwei Menschen stehen, ein Mann und eine Frau.


„Entschuldigen Sie, stört es Sie, wenn wir mitsingen? Wir halten sicheren Abstand wegen der Schutzmaßnahmen, keine Sorge. Es hat gerade gut getan zu singen.“


„Natürlich können Sie mitsingen, Sie stören nicht, danke dass Sie fragen und auch Abstand halten. Das dachten wir gerade auch, dass es uns gut tut.“


„Sie sind doch die Frau, die Ihr Kind verloren hat? Ohje, ich bin indiskret, entschuldigen Sie.“


„Alles gut, ja das bin ich. Unsere Kleine singt die ganze Zeit mit, sie steht im Geiste an unserer Seite. Haben Sie nur keine Berührungsängste.“


„Wissen Sie, ich frage deshalb, weil ich Ihr Leid kenne. Ich habe auch ein Kind verloren. Die Geburt ging seinerzeit zu lange, und die Medizin war noch nicht so gut wie heute.“


Ich lächle und frage: „Weitersingen?“

Die Frau lächelt mich wissend an, sind wir doch zwei Verbündete im Leid.

Sie schaut dem Mann neben ihr lange in die Augen, eine reife Liebe zeigt ihr Gesicht.

Der Mann legt eine Hand auf ihre Schulter und küsst sie auf die Wange. Ich freue mich für deren beider Glück. Dann wenden sich beide wieder uns zu.

„Sehr gerne, lassen Sie uns fortfahren!“

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Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 2

Heute Nacht schläft sie aber lange, denke ich mir auf einmal.

Ich pumpe gerade Milch ab, um endlich einmal Vorräte anzusammeln und den Milchfluss anzuregen.

Er gedeiht wundervoll und trinkt tüchtig, alle Vorräte hat er zeitnah aufgebraucht.

So beende ich mein Abpumpen, weil mich auf einmal eine innere Unruhe erfasst, begleitet von einem schweren Gefühl, dass mir fast die Luft zum Atmen nimmt.

Eine Stimme sagt in meinen Gedanken: „Der Tod wird kommen“.

Ich verdränge das Gefühl augenblicklich, mache mich auf den Weg zum Zimmer, in dem meine Kleine schläft. Halte noch an der Tür zum Zimmer meines Kleinen und schaue einmal vorsichtig hinein.

Er schläft friedlich mit ruhiger Atmung. Etwas das ich bis heute nicht ablegen kann, auf seine Atmung im Schlaf zu achten.

Die Ärzte sagten immer, die gefährlichen Situationen geschehen im Stillen…

Ich gehe weiter in’s Zimmer meiner Tochter. Ein drückendes Gefühl begleitet mich. Die Schwere, wenn der Tod anklopft…

Ich kenne dieses Gefühl zu gut, träume ich doch oftmals den Tod von Nahestehenden. Ihren Tod hatte ich nicht geträumt, alles wird gut, denke ich mir…

„Nein“, vernehme ich das Flüstern. Ich verdränge es vehement und betrete den Raum, mach Licht.

Ich höre sie nicht atmen.

Komisch, denke ich mir, die letzten Tage hatte sie schwer geschnarcht, und auch so atmete sie nie lautlos.

„Gesunde Kinder hören sie nicht im Schlaf, Schnarchen ist ein Zeichen von Schleimverlegung“, meinten die Ärzte immer.

Ich sehe sie an. Sie ist ganz grau im Gesicht und atmet sehr flach.

Ich bekomme eine Gänsehaut und Angst durchfährt meinen Körper. Mein Herz klopft auf einmal schneller. Irgendetwas stimmt nicht, spüre ich instinktiv.

Der Kinderarzt war erst am Nachmittag da. Ich hatte ihn gerufen, da mir ihre Atmung nicht gefiel und ihr Sättigungswert niedrig war. Ich hatte ihn dreimal gefragt, ob sie Antibiotikum braucht.

„Nein“, sagte er, „inhalieren sie mit dem Medikament. Ihre Bronchien sind etwas zu. Wenn es in zwei Tagen nicht besser ist, geben wir Antibiotika“.

Sie sollte diese Frist nicht mehr erleben…

Ich schaue auf den Monitor, an dem sie immer beim Schlafen angeschlossen ist. Mein elektronischer Babysitter, nannte ich ihn immer. Irgendwann musste ich auch mal schlafen…

Die Werte sind gerade an der Grenze zum Alarm und schlechter als am Nachmittag. Oh Gott, bitte nicht! Angst… Immer größere Angst…

Ich nehme sie hoch auf meine Arme, versuche sie aufzuwecken.

„Wenn sie schlecht atmet, wecken sie sie auf“, meinten die Ärzte immer.

Beim Anheben merke ich, dass sie glüht. Oh Gott, wo kommt auf einmal dieses Fieber her?

Fieber bedeutet für einen herzkranken Menschen immer Lebensgefahr. Ein gesundes Kind hält Fieber drei Tage unbedenklich aus, ein krankes Kind einen Tag.

Panik erfasst mich. Ich versuche ruhig zu bleiben, Panik hilft ihr nicht.

Sie hängt schlaff in meinen Armen, wacht nicht auf.

Ich lege sie auf das Bett. Sie hat die Augen halb geöffnet, reagiert jedoch nicht auf meine Ansprache. Ich bekomme sie nicht mehr wach.

„Bitte Schatz, du musst aufwachen, bitte, sonst stirbst du, bitte….“

„Bitte Herr, lasse sie nicht sterben… Nimm mich bitte, nicht sie…“ bete ich…

Ich rufe ihren Vater herbei. Dann setze ich einen Notruf ab und rufe einen Krankenwagen.

Der Mensch am anderen Ende fragt mich, ob ich wirklich einen Arzt brauche. Ich sage ihm: „Ja , sofort, meine Tochter atmet immer schlechter und ist bewusstlos“.

Der Monitor beginnt Alarm abzugeben. Ein schrilles Piepsen.

Es kriecht mir durch Mark und Bein.

Ihre Werte sinken unaufhörlich. Ich stelle ihren Sauerstoff höher, noch höher, bis zur höchsten Stufe, stabilisiere ihre Körperlage.

„Bitte wach auf Schatz!“

Sie wacht nicht auf.

Ihr Gesicht grau, ihr Körper marmoriert. Ein Zeichen von Sauerstoffmangel im Blut. Ich hatte es oft gesehen auf der Intensivstation, erst wurden die Kinder grau… Und dann weiß.

Die Rettungssanitäter treffen zuerst ein. Zwei junge Männer betreten den Raum. Sie erkennen sofort, dass die Lage ernst ist. Ihre Blicke werde ich nie vergessen.

„Das arme, sterbende Kind“, sagen die Blicke.

„Meine Tochter erstickt gerade, bitte helfen sie ihr.“

Der Notarzt trifft ein. Der gleiche Blick. Er stellt ihre Bewusstlosigkeit fest.

„Wir versuchen sie ins Krankenhaus zu bringen, ich weiß aber nicht, ob sie die Fahrt überlebt, da bin ich ehrlich mit Ihnen. Wollen Sie sie in den Krankenwagen tragen?“

Ich will instinktiv aufstehen, liegt sie doch in meinen Armen. Da spüre ich ein scharfes Stechen.

„Ich hatte vor zwei Wochen einen Kaiserschnitt“, sage ich wie in Trance.

Der Notarzt nickt und nimmt sie auf seine Arme. „Gehen Sie mit?“, fragte er mich.

„Ich kann nicht, ein Säugling ist noch im Haus. Ihr Vater begleitet sie.“

Sie brachten meine Tochter aus dem Haus und mussten sie 15 Minuten stabilisieren, bevor sie die Fahrt ins Krankenhaus antreten konnten.

Ich schließe die Haustür und gehe wie betäubt in die Küche. Auf einmal breche ich zusammen und weine heftig.

„Bitte nicht, bitte lasse sie nicht sterben!“, rufe ich immer wieder gen Himmel.

Nach einer Weile gehe ich nach oben, schaue in das Kinderzimmer meines Sohnes. Er hat von dem ganzen Drama nichts mitbekommen und schläft weiterhin friedlich.

Der Morgen graut, es wird allmählich hell.

Ich lege mich wie ferngesteuert etwas hin. Eine halbe Stunde später erwacht mein Sohn und macht sich bemerkbar.

Ich stehe auf, streife im Vorbeigehen das Bett meiner Tochter.

Ihr Kopfabdruck ist noch im Kissen sichtbar. Die Decke verwuschelt, ihr Lieblingskuscheltier sitzt brav im Eck ihres Bettes…

Ich gehe zu meinem Sohn. Nehme ihn aus seinem Bettchen, lachend quakend begrüßt er mich, nichtsahnend des vergangenen Geschehens.

Wir gehen in das Kinderzimmer seiner Schwester zurück, da ich ihn dort stillen möchte.

Beim Vorbeigehen schaut er in das Kinderbett seiner Schwester.

Es durchfährt mich ein heftiger Schmerz, so intensiv wie noch nie zuvor erfahren.

„Schatz, deine Schwester musste in’s Krankenhaus. Es geht ihr nicht gut…“

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Der Dorftrottel

Gerade verlasse ich das Geschäft, da höre ich ihn schon, bevor ich ihn sehe:

Einen Mann Anfang vierzig, hagere Erscheinung, strähniges Haar, das Gesamtbild ungepflegt.

Noch auffallender als sein Äußeres sind seine Äußerungen, vielmehr die Lautstärke derer.

Er spricht mit sich selbst, ab und an unterbricht er seinen Monolog mit Ansprachen von vorbeilaufenden Passanten.

Ich erkenne den Mann: Er ist auch bekannt als der Dorftrottel.

Irgendwann in seinem Leben ging etwas schief, und er konnte dieses Schiefgehen wohl nicht verarbeiten.

Er begann zu trinken. Erst Bier, dann Wein, dann folgte der Schnaps. Seine Eltern starben, als er gerade volljährig war.

Er hat einen jüngeren Bruder, der einem Beruf nachgeht. Er selbst hatte Maschinenbau studiert. Eine Frau und Kinder hatte er nicht. Ein sanierungsbedürftiges Häuschen mitten im Ortskern ist sein Eigen, geerbt von den Eltern.

Woher ich das alles weiß, ohne je ein Wort mit ihm gesprochen zu haben?

Vom Dorfgespräch, vom Dorftratsch, von der Weitergabe der Vita eines Menschen durch Klatsch.

Die Leute scheinen alles über diesen Mann zu wissen…

Und doch weiß niemand etwas über dich, nicht wahr?

Wie schnell die Gesellschaft ein Urteil über einen anderen Menschen fällt, wie gnadenlos sich Menschen über andere Menschen als deren Richter aufspielen…

Während ich die Einkäufe im Wagen verstaue, spricht der Mann Passanten an. Freundlich, nicht wüst, doch merklich verwirrt.

Er ist stark alkoholisiert, denke ich mir. Jeder seiner Ansprachen ein Hilferuf nach gesehen werden, nach wahrgenommen werden.

Nicht als Abschaum der Gesellschaft, nicht als Alkoholiker, nicht als gestrandeter Versager, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt.

Gesehen werden als Mensch wie du und ich, ohne Urteil und Vorurteil, ohne falsche Anteilnahme, sondern mit aufrichtigem Interesse an der eigenen Person.

Was hat dich zu einem Schatten deiner selbst werden lassen?

Was verletzte dich so dermaßen, dass du nur die Flucht in die Sinnesbetäubung sahest?

Ein anderer Mann winkt ihn mit abfälliger Handgeste ab, Frauen schauen an ihm durch, ein paar Jugendliche lachen ihn aus…

Keiner behandelt ihn als gleichwertigen Mensch. Jeder nimmt sich das Recht heraus, sich über ihn zu erheben.

Du bist Abschaum am Rande der Gesellschaft, scheint jede dieser Reaktionen zu sagen.

Weil er ein offensichtliches Alkoholproblem hat?

Weil er zu laut spricht?

Weil er überhaupt andere Menschen anspricht?

Keinem tritt er zu nahe, keinen Menschen beleidigt er. Der „Dorftrottel“ behandelt sein Gegenüber mit Achtung und Respekt und zeigt mehr Würde im Verhalten als jeder dieser Passanten.

Der „Dorftrottel“ ist ein Mahnmal für die Menschen.

Er ist vermeintliches Synonym für Schwäche und Brechen am Leben und seiner Tragik.

Er erinnert unbewusst an all die unschönen Seiten unseres Seins, unfreiwillig hält er einen Spiegel vor.

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Keiner spricht mit ihm, nur schnell vorbei an diesem Menschen. Er wendet sich daraufhin einem Hund zu, der im Auto auf seine Besitzer wartet.

Die Tragik dieser Reaktion versetzt mir einen Stich in den Magen.

Dieser Mensch, der vermutlich dem Alkohol erliegen wird, wenn sein Körper den übermäßigen Konsum irgendwann quittiert.

Oder schafft er doch noch die Kurve?

Ein Gefühl überkommt mich, dass er selbst nicht mehr daran glaubt, an sich selbst.

Ein Schicksal wie viele andere Schicksale auch.

Wer vermag ihm die Hand zu reichen?

Wer weiß, vielleicht würde er dadurch Mut finden…

Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 1

Es gab einen Moment, da kam ich an meine persönlichen Grenzen. Da merkte ich, das schaffe ich psychisch nicht.

Es war der Moment, als du dein Kind in den Vorbereitungsraum für eine Operation begleitest. Diese letzten Minuten, bevor dein Kind hinter Türen verschwindet und du nicht weißt, ob du es wieder lebend sehen wirst.

Diesen Moment konnte ich für sie nicht stark sein, denn ich wollte nicht, dass sie Mama weinen sieht, bevor sie von all den fremden Gesichtern des OP-Teams umgeben ist.

Ich war heilfroh, dass es ihren Vater gab. Er war genauso mitgenommen wie ich, doch er schaffte es, diesen Moment so fröhlich zu gestalten, wie sie es verdiente.

Das war stets sein Part. Die Ärzte meldeten mir später immer zurück, wie liebevoll er mit seiner Tochter redete und umging und dass das gar nicht selbstverständlich sei.

Meistens würden die Mütter bleiben, mit Ausnahme ein paar weniger Väter. Das „Kreuz“ ein krankes Kind zu schultern wäre eine Bestandsprobe eines jeden, meinten sie.

Ich war wieder schwanger, und der Geburtstermin rückte immer näher. Ich redete viel mit meinem Engel, erklärte ihr die neuen Umstände, dass es Veränderungen geben wird, dass ich sie dennoch genauso lieben würde wie vorher, dass sie dann einen Spielkameraden hätte, sie, die große Schwester.

Die letzten vier Wochen vor der Geburt wurden anstrengend. Ich war schnell erschöpft und kämpfte mit Rückenschmerzen.

„Heben Sie die Kleine nicht mehr hoch, sonst kann das eine Frühgeburt auslösen“, mahnte mich mein Frauenarzt.

Ich passte also auf, denn ich trug Verantwortung für beide, obwohl es mir sehr schwerfiel, das Spielen mit ihr einschränken zu müssen.

Manchmal schaute sie mich lange an, in den kindlichen Augen fast schon den weisen Ausdruck eines Erwachsenen.

Ich war überfällig. Als ich die 42. Ssw begann, schickte mich mein Frauenarzt zur Kontrolle ins Krankenhaus, da war der Ultraschall genauer.

„Gehen Sie kein Risiko ein, die Versorgung des Babys durch die Plazenta wird generell nach der 40 Ssw immer unzureichender“, riet er.

So ließ ich einen Kaiserschnitt-Termin vereinbaren, denn ich wollte nicht schuld sein an einem vermeidbaren Unglück.

Einen Tag vor dem Kaiserschnitt-Termin entschied sich mein Junge, sich auf den Weg zu machen.

Ich hatte für einige Tage eine Betreuung für meinen Engel organisiert mit professionellen Pflegekräften, doch wohl war mir dabei nicht, sie so lange aus meiner Fürsorge zu geben.

Unter starken Wehenschmerzen schaffte ich noch sie zu versorgen, bis die Pflegekraft eintraf.

Im Krankenhaus offenbarte man mir, dass der Muttermund sich bisher 3 Zentimeter geöffnet hatte. Auf der Toilette bemerkte ich grünes Fruchtwasser. Das heißt, das Baby hatte Stress. Die Wehen kamen in zu kurzen Abständen.

Es war zu erwarten, dass er groß werden würde laut Ultraschall. Ich entschied mich gemeinsam mit dem Vater für einen Kaiserschnitt, wollte kein Risiko mehr eingehen.

„Wenn er stecken bleibt, können wir auch mit Kaiserschnitt nichts mehr tun“, meinten die Ärzte. Durch einen Geburtsfehler sollte er keinen Schaden nehmen…

Ich dachte die ganze Zeit auf dem OP-Tisch, bitte lass alles gut werden…

Der erste kraftvolle Schrei…

Er ist gesund, wusste ich sofort. Kranke Kinder schreien nicht mehr kraftvoll, sie wimmern, weil ihnen die Kraft und die Luft zum Schreien fehlt.

Die Ärzte sagten immer, bei den wirklich gefährlichen Situationen hört man die Kinder nicht mehr…

Ein süßer Junge, 4.1 kg, erblickte das Licht der Welt. Er ist doppelt so schwer wie seine Schwester bei der Geburt, kam es mir in den Sinn…

4-5 Tage ist die empfohlene Aufenthaltsdauer bei einem Kaiserschnitt im Krankenhaus. Der Kleine trank ohne Probleme, er entwickelte sich völlig unauffällig und prächtig. Alle Schwestern hatten sich schon in ihn verliebt.

Doch trotz meinem Mutterglück spürte ich zeitgleich, dass meine Kleine nach mir rief.

Ich ließ die Schmerzmittel fast weg, so dass ich mich spüren konnte. Ich unterschrieb etwas und entließ uns selbst nach 3 Tagen. Der Kinderarzt und der Frauenarzt hatten ihr OK gegeben.

Daheim angekommen stellte ich die beiden Geschwister einander vor. Sie hatten gleich einen innigen Draht zueinander.

Es wäre alles gut gegangen, sie war nur stiller als sonst, meinten die Pflegerinnen.

Ich begrüßte meinen Engel ausgiebig. Sie war weniger überschwenglich mir gegenüber.

Erst nach zwei Tagen schaute sie mir wieder richtig in die Augen, denn ich spürte, sie war verärgert mit mir, dass ich solange nicht da war.

Es vergingen ein paar Tage voller Glück und Freude. Beide Geschwister zusammen zu erleben war wundervoll für alle Beteiligten.

Es sollte die letzte gemeinsame Zeit der beiden bleiben…

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Gedanken einer Sternchen-Mama

Nun stehe ich wieder an deinem Grab mein Engel, wie Tag um Tag und egal welches Wetter ist.

Es ist mir ein inneres Bedürfnis, einmal am Tag nach dir zu sehen und zu schauen, ob es dir gut geht.

Jetzt, wo der liebe Gott auf dich aufpasst und ich meine Fürsorge um dich in seine Hände legte.

Bitte gebe ihr ausreichend zu trinken, sage ich ihm manchmal, weil du doch immer viel trinken musstest.

Musstest, weil es Teil deiner Pflege war, weil die Flüssigkeit deinen Schleim in den Atemwegen locker hielt.

„Müssen“ musstest du so viel in deinem kurzen Leben, mein Engel.

Viele Schmerzen, Operationen, Aufenthalte auf Intensivstationen musstest du hinnehmen.

Und tatest dies wie eine Kämpferin und hast uns dennoch immer wieder alles verziehen.

Die Ärzte sagten immer, dass du nicht viel mitbekommen würdest, dass deine Wahrnehmung beeinträchtigt sei und sie nicht wüssten, was du alles realisierst.

Viel nur mir dieser Widerspruch auf?

Dein Gendefekt, verbunden mit einer Behinderung, wurde zum Stigma, als würdest du einen durchsichtigen Stempel auf der Stirn tragen.

Totgeweiht sagt er…

Uns allen widerfährt dieses Schicksal. Du hattest das Kreuz zu tragen, dass die Ärzte bei dir täglich darauf warteten.

Wie ein Mantra sagten sie, du könntest jederzeit aufhören zu atmen oder dein Herz aufhören zu schlagen.

Du hast den Ärzten in Gedanken dann immer den Mittelfinger gezeigt…

Nie wolltest du Mützen tragen.

Lange kam ich nicht dahinter, warum du dich gegen das Anziehen von Mützen gewehrt hast.

Dann wurde es mir klar…

Der Beatmungsschlauch hing die ersten drei Lebensmonate an einer Kappe befestigt.

Ich hätte an deiner Stelle auch keine Lust mehr auf Mützen gehabt…

Bei Männern mit Brillen im Familien- und Bekanntenkreis hast du angefangen zu weinen, obwohl sie lieb zu dir waren.

Warum nur, fragte ich mich…

Welcher Arzt mit Brille musste an dir eine unangenehme Behandlung vornehmen, die dir so dermaßen zusetzte, dass du dir dies gemerkt hast und verbandest mit einer Brille.

Aber sie kriegt doch nichts mit, sagten sie immer…

Menschen mit Beeinträchtigung sind ein solch menschlicher Zugewinn, eine solch wertvolle Bereicherung, dass sie ohne Diskussionen in unsere gesellschaftliche Mitte gehören.

Habt keine Angst vor Diagnosen mit Behinderung in Bezug auf eure Kinder, freut euch um das Glück, sie bei euch zu wissen…

So stehe ich an deinem Grabe…

Und denke mir so oft, wenn es gegangen wäre, hätte ich dir sofort dieses Kreuz abgenommen und deine Krankheit getragen.

Sofort.

Doch es ging nicht, warum dieses Unglück auch geschehen musste.

Ich hoffe, ich konnte dir zumindest einen Teil deines Leids abnehmen und ihn mit Freude füllen…

Du hast mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist.

Du, der Mensch mit Behinderung, der Mensch jenseits aller Norm, hast die Essenz des Lebens sofort verstanden.

Du hast uns Erwachsenen an die Hand genommen, geduldig und verzeihend, und hast unsere Dunkelheit mit deinem kostbaren Licht erhellt.

Du, der Mensch mit Beeinträchtigung, hast wohl so manches Mal gedacht, wie begriffstutzig die Großen doch sind… Und die Botschaft des Lebens nicht verstehen.

Am Tage deines Versterbens starb ein Teil von mir mit. Er liegt bei dir, damit du nicht so alleine bist mein Engel.

Eine Wunde bleibt lebenslang. Denn ein Teil ging.

Liebe Mamas von Sternenkindern!

Nehmt diese Wunde in eurem Herzen wahr. Weint, trauert, schreit, zweifelt, leidet…

All diese Emotionen müssen nach außen kommen, sonst vergiftet ihr euch nach und nach im Innern.

Und das hätte euer Sternchen nicht gewollt.

Erst nach dem Durchleben des Abschieds seid ihr wieder offen und bereit für das Leben mit all seinen Wundern.

Achtet auf euch, tut euch Gutes, lebt, lebt, lebt…

Eine Wunde, die äußerlich blutet, würdet ihr doch auch kompromisslos versorgen…

That’s all about it!

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Gewidmet meinen beiden Sternenkindern ❤.

Sub=Des Doms Therapeutin?

Ein gewagter Titel, nicht wahr?

Ist doch der Dom der starke und dominante Part im D/S-Gefüge…

Oder?

Eine Sub ist, unabhängig ihrer individuellen Vorlieben, entgegen der landläufig oft verbreiteten Meinung, keinesfalls schwach.

Im Gegenteil. Eine Sub ist getragen von Charakterstärke, von mentaler Größe und einem großen liebenden Herz.

Oftmals durchschritt Sub schon so manches Tal, um die Berge ihres Lebens zu erklimmen. Sie kennt die Bedeutung von Leid und Kummer, leider viel zu oft.

Nun trifft Sub auf einen Dom. Einen Mann, der Eloquenz, Charisma und Charme versprüht. Und eine latente dominante Präsenz.

Er stellt sich vermutlich nicht in den Vordergrund. Ist kein Checker oder Player. Und doch nimmt er jeden Raum mit seiner stillen,drängenden Aura ein…

Ein Dom ist oftmals ein Mensch, der selbst in seinem Leben Unglück und Leid erfuhr. Vielleicht auch traumatische Situationen durchstehen musste. Ein Mensch, der schonmal am Boden lag. Doch der sich wieder aufrappelte. Den Dreck abschüttelte… Und siegte.

Er kennt Schmerz.

Und das ist der Grund, warum er Dom ist. Er kennt den Himmel, den man finden kann, wenn der Schmerz geschafft wurde zu besiegen. Er kennt den Weg. Er kennt den Prozess der Heilung. Denn er erfuhr es am eigenen Leib.

Natürlich meine ich das nicht allgemeingültig für alle Dom und Sub, denn das wäre diskriminierend, und das liegt mir mehr als fern.

In meinem Artikel nehme ich Bezug zum gelebten BDSM mit Schmerz, denn das ist für mich persönlich ein wichtiger Bestandteil dessen.

Auch mit einem Vanilla-Mann ist tiefe Vertrautheit und Liebe, doch ein Vanilla-Mann trägt nicht den Schlüssel in sich. Den Schlüssel zum Betreten des Himmels durch Schmerzerleben.

Den Schlüssel?

Ja, ich möchte es so bezeichnen. Ich sehe Sub und Dom in einem symbiotischen Verhältnis zueinander.

Der Eine trägt den Schlüssel des Anderen in sich… Zu deren beider Himmel.

Ein Dom, mein Dom, steht an dieser Pforte. Zu meinem ganz persönlichen Himmel.

Er geht mit mir den Weg des Schmerzes… Und nur er trägt den Schlüssel in der Hand und vermag diese Pforte zu öffnen, um dass ich in meinen Himmel eintreten kann und fliegen. Das obliegt einzig und allein ihm. Er trägt meine Seele in seinen Händen.

Und andersrum verhält es sich genauso. Ein Dom hat seine Sub, oder mehrere Sub. Diese Sub hält den Schlüssel in ihren Händen, um Dom seinen Himmel erfahren zu lassen. Sub trägt des Dom Seele in ihren Händen.

Es ist meiner Meinung nach diese Symbiose, die Sub und Dom aneinander bindet. Das Fundament ihrer Zweisamkeit. Der Eine kann ohne den Anderen nicht seinen Himmel finden…. Beide brauchen sich und bedingen einander. Zwei Seiten einer Medaille.

Schmerz zu durchleben, auszuhalten, fühlen zu wollen…. Setzt in unserem Körper neurobiologisch gesehen starke Botenstoffe frei, zB. Adrenalin.

Diese Botenstoffe verbinden sich unmittelbar mit unserem Geist, lassen uns über uns hinauswachsen, wenn wir es möchten, das Schmerz- und Lustzentrum im Gehirn miteinander zu verbinden.

Unsere beidseitigen Gefühle ebnen den Weg zur Bereitschaft, Schmerz als lustvoll empfangen zu wollen.

Der Grad zwischen Lust und Frust ist dabei individuell extrem verschieden und bedarf guter Kenntnis meines Gegenübers.

Schon Urvölker bedienten sich Schmerzritualen, um in eine Art Trancezustand zu gelangen.

Diesen Trancezustand zu erreichen, ich nenne ihn Himmel, ist ein mächtiger Wunsch in uns. Eine gewisse Abhängigkeit kann voneinander dadurch entstehen, ohne dies als schlecht werten zu wollen. Das ist Symbiose. Zwischen Sub und Dom. Dieses starke Gefühl absoluter Zusammengehörigkeit und tiefster Liebe.

Doch sollte Sub deswegen niemals zu Dom’s Therapeut werden. Sonst entstehen ungute Abhängigkeiten, die am Ende keinem der Beteiligten mehr gut tun.

Damit meine ich nicht das tragende Miteinander, die guten gemeinsamen Gespräche, das Zusammenstehen im Alltag, das sich den Rücken stärken.

Sondern: Keiner von Beiden sollte es als Macht über den Anderen ansehen, dessen Schlüssel zum Himmelglück zu tragen. Das entspricht nicht der Seele und Essenz des BDSM.

Macht auszunutzen ist charakterlich schwach. Und kann tiefste Verletzungen verursachen. Übrigens auf beiden Seiten. Opfer sind immer Beide. Ein toxischer Kreis.

Das ist pathologisch, sprich krankhaft.

In diesem Fall sollte Sub sich dessen bewusst werden… Und Dom ebenso.

Denn Keiner sollte des Anderen Therapeut sein.

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BDSM-Dating online

FSK 18

Dieser Artikel wird anders als sonst. Ich habe im Vorfeld des Artikels Recherche betrieben. Es geht diesmal nicht um mich, um meine persönlichen Einstellungen, sondern um ein allgemeines Potpourri an Meinungen und Erfahrungen.

Ich habe mich hierfür inspirieren lassen von einem Artikel von @eisbaer_ka (zu finden auf Twitter) und den Erfahrungen und Einsichten eines erfahrenen Dom.

So machte ich mir Gedanken zu dem Thema, wie findet sich online ein Gegenüber, um BDSM auszuleben?

Wieso kommt es manchmal recht schnell zu einer Umsetzung, aber manchmal eben auch nicht?

In den wenigsten Fällen laufen wir unserem Gegenpart in die Arme.

Viele von uns haben bei ihrer Suche nach dem geeigneten Partner schon so Einiges erlebt, und leider nicht nur Gutes.

Gerade auch in Zeiten von Corona suchen Viele nach ihrem Glück im Internet, online, auf unterschiedlichen Plattformen. Es gibt spezielle BDSM-Partnerbörsen. Und es gibt eine Vielzahl an Datingportalen, die nicht spezialisiert sind.

So habe ich ein Experiment gewagt und habe im Selbsttest inseriert, um zu sehen, was kommen für Reaktionen auf meine Annoncen?

Ich habe zwei Inserate geschaltet:

Eines als Sub Nicole, die eine ernsthafte 24/7 Sub/Dom-Beziehung sucht.

Und eines als Gesuch nach einer Spielbeziehung, beinhaltend regelmäßigen BDSM-Treffen.

Ich habe nach einiger Zeit alle Menschen angeschrieben, die mir auf die Annoncen geantwortet hatten.

Ich erklärte ihnen, dass ich nicht ernsthaft suchte, sondern Recherche für einen Blogartikel betreibe und ob ich Inhalte ihrer Anschreiben veröffentlichen darf in meinem Artikel.

Die Reaktionen waren erstaunlichereise durchweg positiv. Keiner beschimpfte mich. Es ergaben sich nette Gespräche. Manche wollten keine Veröffentlichung, Andere stimmten dem zu.

Die Antworten, die ich auf meine Spielbeziehungssuche erhielt, möchte ich an dieser Stelle nicht veröffentlichen. Es gibt dafür leider nicht genügend FSK18-Deklarierungen:)

Sie waren fast alle schlichtweg rein sexuell ausgerichtet ohne wirklichen BDSM-Kontext. Es gab nur zwei Antworten, die eines Mannes und die eines Paares, die symphatisch in meiner Wahrnehmung waren.

Ich kann gut nachempfinden, dass gerade unerfahrene Sub davon abgeschreckt werden können.

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum es manchmal nicht zur Umsetzung kommt, wer weiß.

Auf mein Gesuch 24/7 gab es recht unterschiedliche Anschreiben.

Ich darf einige davon veröffentlichen, die Autoren gaben ihre Erlaubnis im Vorfeld.

Meine persönliche Meinung möchte ich dabei außen vor lassen. Jeder empfindet subjektiv. Was für mich passt, passt für Sub …… nicht, und andersrum.

Bitte geht respektvoll in euren Kommentaren damit um, denn immerhin haben die Männer ihre Erlaubnis gegeben. Respect please!

Ich habe den Autoren auch meine Website genannt, um dass sie den Artikel einlesen können und nichts hinter deren Rücken geschieht.

Hier nun ein Auszug der Reaktionen auf meine 24/7 Gesuch-Annonce:

„Hallo. Ich heiße ________ und ich bin m 44! Ich komme aus ______________ und suche schon länger die Sub für eine feste Beziehung in einer BDSM Rolle! Durch zahlreiche Dates und kurzen AFFAIREN in dem Bereich, bin ich es aber leid immer wieder mich neu auf eine sie einzulassen! Was ich suche ist die eine sub die auch das wirklich Leben kann und möchte! Hier geht es nicht nur rein um das sexuelle sondern um die Unterwerfung! Du solltest darin gefallen finden dich deinem Dom m hingeben zu dürfen, dich zu unterwerfen und das nicht gespielt sondern als Lebenseinstellung! Ich bin kein südlandischer Typ! Ich bin m 44, blonde lange Haare, blaue Augen, gepflegt, gesund, gebildet, charmant, und auch im Alltag recht Dom! Ich bin selbstständig als Handwerker und weiß was es heißt anfassen zu können! Als sub musst du maso genug sein um einiges ausleben zu können aber eben auch zu wollen!
Bei Interesse erst einmal anfragen und etwas mehr über dich erzählen!“

„Hallo
Ich bin 34, 1,98m groß, schlank, dominant, aus der Nähe von _________.
Ich suche eine Frau für eine feste Beziehung, eine der Treue, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Verständnis und Humor ebenso wichtig sind wie mir.
Eine Frau die mit mir ihre devote Seite in einer Beziehung erleben und ausleben möchte.
Mir geht es nicht darum, unsere d/s Beziehung hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen, auch suche ich eine rein monogame Partnerschaft. So eine Beziehung muss wachsen, nicht alles ist von Anfang an her perfekt, wir werden uns kennen lernen, auch die Grenzen und Tabus des anderen schätzen und respektieren.
Ich suche nicht nur eine Partnerin die mir „dient“ weil ich es so möchte, sondern die das tut weil es sie erfüllt, wir miteinander unsere Eigenschaften leben können, uns voll vertrauen und auf einander verlassen können.“

„Melde dich! Tel.: ______________“

„Zeige dich nackt, sofort Sklavin, und ich sage dir, ob du es wert bist zu mir zu kommen!“

„Dom Sadist Suche Dich sie devote Sub die erniedrigt werde möchte und bestraft werden möchte

Erniedrigung fesseln Peitschen auf deine Arsch und Brust und. Pflaume
bist du schön rot und voller Striemen bist

Deine Brust Folter mit einschnüren aufhängen mit Schnüren und Klammern bearbeiten mit klammern und Instruktion Nadeln

Und foltern dein geschlechtsteil klammern induktions Nadeln gewichte dranhängen oder auch Strom

Das gleiche würde ich mit deinen Arsch Loch machen wenn du das erträgst

Dann würde ich deinen ganzen Körper mit Kerzenwachs bearbeiten

, dann würde ich

dich in beide löcher hat mit der Faust bearbeiten bis du Schönh. Weit offen bist
Und meine faust schön in deiner löcher hin und her schieben kann

Dann werde ich hingehen dir verschiedene, große Gegenstände in deine Löcher schieben

Mein Schwanz in deine Löcher schieben

einem Tiefe Rachen ficken bearbeite bist du kübeln
Dann. Werde ich dich an Pissen dann kannst du meine Pisse trinken
mein Arsch lecken
Das alles können ich dir anbieten. Tel.:_________ plus Bild.“

Ein herzliches Dankeschön an alle Männer, die mir ihre Erlaubnis gaben!

Ich fragte im Anschluss, welche Reaktionen von Seiten der Sub-Annoncen auf ihre Anschreiben kamen. Alle Männer antworteten einstimmig:

Ausschließlich schlechte Reaktionen oder keine Reaktionen.

Das war der einstimmige Tonus:

  • Verarsche
  • Lustigmachen
  • Bloßstellen
  • 99% Fake
  • Männer geben sich als Frauen aus und erregen sich an fremden Ideen und Fantasien.
  • Pishing Fakes
  • Scam Fakes
  • Frauen, die nach mehreren Nachrichten sagen, dass sie dafür Geld wollen
  • Sehr junge Frauen, die noch suchen, was sie wollen
  • Sehr reife Frauen, die ausprobieren wollen, es dann aber nicht ernst meinen
  • Weiterleitung zu kostenpflichtigen Abos und Websites
  • Es verbleiben 1%, die man erstmal finden muss

Es ist also zu erkennen, dass es wohl für alle Beteiligten nicht einfach ist, online in Portalen ihren Gegenpart zu finden.

Wie es sich in BDSM-Portalen verhält, mag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht mag sich der ein oder andere mit einem Kommentar dazu äußern.

Es war sehr interessant und spannend, diese Recherche für meinen Blogartikel.

Mein Fazit ist, sowohl für Sub und Dom:

Lasst euch nicht entmutigen von schlechten Erfahrungen! Verliert bitte nicht dadurch euren Mut, BDSM ausleben und erfahren zu wollen.

Dort draußen wartet irgendwo euer Seelenpartner, euer Gegenüber, welcher euch komplettiert.

Oder auch nur grandioser BDSM-Sex in gegenseitigem vertrauensvollem Einvernehmen.

Bleibt euch selbst treu!

Dann kommt das Glück auch zu euch…

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Die unschöne Wahrheit

Wer kennt es nicht….

Gedanken über Gedanken füllen den Geist, lassen den Kopf schwer werden.

Zig Möglichkeiten werden im Geiste gesponnen, wie sich ein Sachverhalt darstellen könnte.

Alle Seiten wägt man ab…. Die analytische Herangehensweise an Fragen, die beschäftigen…. Die zusetzen… Die sich immer wieder einbohren… Die sich nicht verdrängen lassen.

Ein weiser Mann sagte einmal:

„Sehe ich die Zeichen richtig? Oder sehe ich die Zeichen so, wie ich sie gerne sehen möchte, wie es mir gefallen könnte?“

Diese Frage alleine zu beantworten scheint wohl schier unmöglich.

Das ureigene Denken ist immer subjektiv, beeinflusst durch Emotionen, Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte.

Wer vermag sich davon freizumachen?

Helfen kann jedoch, sich aus sich selbst zurück zu nehmen, sich übertragenerweise neben sich zu stellen und das Gedankenkarussell zu stoppen und zu reflektieren.

Nur in der Ruhe, in einem besinnlichen offenen Zustand, haben wir die Möglichkeit zu wachsen.

Zu wachsen an Erkenntnissen des Miteinbezugs anderer Sichtweisen.

Am Besten gelingt dies, wenn eine Interaktion besteht, ein Austausch angestrebt wird.

Das Gegenüber kann gefragt werden:

„Habe ich das so richtig aufgefasst? Dies ist meine Interpretation. Liege ich damit richtig? Oder verkenne ich dich?“

Doch was ist, wenn es keine Kommunikationsebene mehr gibt?

Wenn Schweigen herrscht, wo Worte hallen sollten?

Ganz einfach: Dann ist es defakto der Ist-Zustand, den man akzeptieren muss.

Wenn ein Gegenüber auf eine Gesprächsbereitschaft, auf Fragen nicht eingeht, nicht eingehen möchte, hat es dafür seine Gründe.

Auch wenn dies im Grunde für beide Parteien schädlich sein kann, Beziehungen zerstören , Gefühle verletzen kann, so bleibt es das Recht eines Jeden, zu sprechen… Oder zu schweigen.

Akzeptanz kann Schlüssel sein zum Glück. Akzeptanz lässt einen abschließen mit Vergangenem…

Und nur durch einen Abschluss können Wunden heilen, kann Neues beginnen.

Doch manchmal geht das Schicksal seine eigenen Wege…

Und unvermittelt sieht man sich mit Antworten auf Fragen konfrontiert, die entweder bewusst oder unbewusst in Einem lagen…

Und so erfährt man eine unschöne Wahrheit.

Eine Wahrheit, die man nicht hat kommen sehen.

Eine Wahrheit, die verwirrt und schockiert.

Eine Wahrheit, die am eigenen Urteilsvermögen zweifeln lässt.

Da steht sie nun im Raum, diese bittere Wahrheit. Basierend auf einem Fakt, der vermutlich wenig Deutungsweisen offen lässt.

Wie geht man mit solch einschneidenden Erlebnissen um?

Die Frage nach dem Warum ist schwierig. Und oftmals nicht zielführend.

Warum geschieht Unglück?

Warum geschehen emotionale Verletzungen?

Eine nähere Reflektion eigener Verhaltensweisen ist wichtig zur persönlichen Weiterentwicklung.

Und dann gibt es diese Dinge, die geschehen, ohne unser Zutun.

Unglück geschieht einfach.

Genauso wie das Glück. Es ist die andere Seite der Medaille. Das Eine bedingt das Andere.

Ohne Unglück wüsste man nicht das Glück schätzen. Ohne Tränen nicht das Lachen.

Alles ist Teil des Kreislaufs des Lebens.

Manche Dinge sollen geschehen. Wir haben darauf keinen Einfluss.

Sie sollen uns erkennen lassen… Sehen lassen…

An was man ist. Wie der eigene Weg weiter geht. Welche Lektionen des Lebens man noch lernen muss.

Im Grunde „schenkt“ das Schicksal diese unschönen Wahrheiten.

Oft erkennt man es erst im Nachhinein.

Nichts geschieht ohne Grund…

Diese Klarheit bringt Frieden.

Lässt den Geist zur Ruhe kommen.

Sich wieder finden.

Keine offenen Fragen mehr.

Vertrauen auf Bestimmung.

Vertrauen haben in das Leben.

Und der Kreis schließt sich…

Zum Guten.

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