Meine Fetisch-Kurzgeschichte: Lucia und Amber

  • FSK 18/ Bitte nur Erwachsene lesen, danke!

Teil 1

Lucia fehlte schlichtweg der Mut. Sie bewunderte die Topmodels in den Hochglanz-Zeitschriften, die ausgefallene Frisuren trugen und sich experimentierfreudig und farbenfroh zeigten. Für sie war das nichts und würde wohl immer ein Traum bleiben. Spitzen schneiden und vielleicht ein paar Highlight-Strähnen, mehr traute sich Lucia nicht zu. Es war nicht so, dass ihr nicht Tipps unterbreitet wurden, wie sie optisch mehr aus ihrem Typ herausholen konnte. Ihr Friseur gab sich in seiner Überzeugungsarbeit alle Mühe. Doch Lucia trug letztendlich stets den gleichen Haarschnitt und die gewohnte Haarfarbe brünett. Sie war Anfang Dreißig und das vielbesagte graue Mäuschen, dem weder Männer hinterher schmachteten, noch Frauen neidvoll nachblickten. Eine ganz gewöhnliche Frau, die im Strom der Menschenmenge verschwand. Ungesehen.

Mist! Wann habe ich eigentlich aufgehört, etwas aus meinem Typ zu machen? Ok, ab und an raffe ich mich auf, eine Runde joggen oder schwimmen zu gehen. Doch ganz ehrlich, das war es dann schon. Ich schminke mich nicht und trage kein besonderes Parfum oder aufregende Garderobe. Meine alten, verwaschenen Jeans habe ich satt. Gepflegt bin ich zu jeder Zeit, das ist mir wichtig. Lackierte Finger- und Fußnägel bleiben aber eher die Ausnahme. Dabei habe ich eine akzeptable Figur, wie ich finde. Ein zarter Busen füllt meinen BH aus, und ein knackiger Apfelpo drückt gegen meine Hose. Meine Haare reichen bis zu meinen Schultern und sind lockig. Die Locken stören mich. Zu kurz darf ich sie nicht schneiden lassen, sonst stehen mir die Haare kraus ab. Ein wahrer Alptraum! Zu lang dürfen die Locken allerdings auch nicht sein, sonst schluckt die Haarpracht förmlich mein schmales Gesicht.

Und so seufzte Lucia an diesem Dienstagmorgen sehnsüchtig auf, als sie im Wartezimmer der Praxis ihres Hausarztes saß und die Illustrierten durchblätterte.  Sie hatte sich neulich wohl verkühlt, denn ihr Nacken war ganz steif. Vorsichtshalber wollte sie das gesundheitliche Problem ärztlich abklären lassen. Wie bei ihrem Styling ging Lucia in Sachen Körperlichkeit auf Nummer sicher.

Auf einmal fiel ein Schatten auf den Artikel, den Lucia las. Sie blickte verärgert empor. Wer sich wohl erdreistete, an ihr durchzuzwängen, wo es doch genügend freie Plätze auf der gegenüberliegenden Seite gab? Da verfing sich Lucia in einem Paar bezaubernden, blauen Augen, die ihre Erscheinung musterten, in aller Ruhe und fein säuberlich. Erst skeptisch prüfend, dann wohlwollend einladend. Lucia wurde es unbehaglich zumute, und sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her.

Die Person, die sie so genau in Augenschein nahm, war eine Frau mittleren Alters, mit langen, blonden Haaren und einem hübschen, unverbrauchten Gesicht. Sie trug einen enganliegenden Latex Rock, der glänzend schimmerte und ihre sinnlichen Kurven stilvoll betonte. Lucias Blick blieb an dem außergewöhnlichen Kleidungsstück hängen. Latex. Sie war irritiert. Warum bemerkte sie das überhaupt? Und warum rieselte ihr ein prickelnder Schauder den Rücken herab, je länger sie den faszinierenden Stoff anstarrte? Latex – pervers und anstößig. Nichts für eine anständige Frau, wie sie eine war, oder? Zugegeben, die Körperform der anderen Frau hob die besondere Beschaffenheit des Materials gekonnt hervor. Sie sah sehr verführerisch darin aus. Für Lucia jedenfalls würde solch ein raffinierter Rock nie in Frage kommen. Zu sehr richtete sie sich nach der Meinung anderer Zeitgenossen und stand ungern im Mittelpunkt. Das graue Mäuschen eben.

Egal. Lucia schob den unangenehmen Gedankengang beiseite und lenkte ihren Blick auf die Strumpfhose der Frau. Das Kleidungsaccessoire erschien ebenso extravagant wie ihre Bluse, die einen einladenden, prallen Ausschnitt präsentierte. War die Zurschaustellung der Brüste um diese Tageszeit nicht etwas zu gewagt? Diese Frau weckte gemischte Gefühle in Lucia. Einerseits stieß Lucia der auffällige Kleidungsstil der Dame ab, andererseits faszinierte sie das Selbstbewusstsein, mit der sie ihre Figur betonte, die keinem gängigen Schönheitsideal entsprach.

Warum der eindringliche Blick der anderen Frau Lucia so in Verlegenheit brachte, konnte sie sich nicht erklären. Etwas Unergründliches durchzuckte sie. „Wann hast du deine Musterung beendet? Meine Knie werden allmählich weich.“ Grinste die blonde Schönheit, als Lucia vor Verlegenheit schnell ihre Augen senkte. Grazil stöckelnd ging sie auf den Stuhl zu, der sich direkt neben Lucia befand.

Argwöhnisch sah Lucia zur Seite, ignorierte dabei das schmerzhafte Ziehen im Nacken und folgte den anmutigen Bewegungen, als sich ihre Sitznachbarin anlehnte, einen Schminkspiegel aus der Handtasche entnahm und mit einem Lippenstift die dunkelroten Lippen nachzog. Ihre Eleganz verlieh ihr eine besondere Würde, die in einem eigentümlichen Kontrast zu ihrem provozierenden Style stand. Lucias Interesse war geweckt, auch wenn sie sich das ungern eingestand. Neid regte sich, denn alle ersehnten Eigenschaften sah sie in der Frau vereint, die soeben ihren Lippenstift und Schminkspiegel wieder in der Handtasche verstaute.

Schminken, so eine Sache! Das letzte Mal schminkte ich mich als Teenager, als mich ein Junge aus der Oberklasse ins Kino einlud. Der Film war allerdings spannender als der junge Mann, weshalb meine Bemühungen, ihm zu gefallen, umsonst waren.

„Ich mache das für mich, musst du wissen.“ Lucia wurde aus ihren zynischen Gedanken gerissen und sah zu der Frau an ihrer Seite, die sie angesprochen hatte. Konnte sie etwa Gedanken lesen? Verwirrt runzelte Lucia ihre Stirn. „Wie bitte? Was meinen Sie?“ Hakte Lucia nach, Überlegenheit demonstrierend.

Unbeeindruckt des Umstands, dass sie gesiezt wurde, sprach die Frau klar und in Ruhe weiter: „Das Schminken. Ich mache es nur für mich. Nicht für einen Mann, nicht um jemandem zu gefallen. Wenn ich mich schminke, schenke ich mir selbst Zeit.“

Lucia wurde ganz still. Die Worte der auffälligen Dame regten Denkprozesse in ihr an, die verschüttet zu sein schienen.

Zeit, die ich mir selbst schenke. Wie oft habe ich mir das in den vergangenen Jahren vorgenommen? Wie wenig habe ich mir selbst etwas Gutes getan? Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Egoistisch zu wirken, ist mir ein Graus. Doch bin ich selbst bezogen, wenn ich achtsam mit mir umgehe?

Als Lucias Gedanken drohten, immer finsterer zu werden, streckte ihr die freundliche Frau auf einmal ihre Hand entgegen. Perfekt manikürte, lange Fingernägel baten um Annahme. Na toll! Lucia genierte sich, dass ihre Hand unscheinbar im Vergleich zur anderen wirkte. Zögerlich griff sie zu und erwiderte zaghaft den Händedruck. „Hallo, ich heiße Lucia.“ Obwohl sie nicht nach dem Namen ihrer Sitznachbarin fragte, entgegnete diese: „Freut mich dich kennenzulernen. Ich heiße Amber.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: „Amber ist der Name meines wahren Ichs. Geboren wurde ich als Silke. Du kannst dir gerne aussuchen, wie du mich nennen willst, Lucia.“

Ambers unvoreingenommene Herzlichkeit tangierte einen sensiblen Punkt in Lucia und berührte sie zutiefst. Diese Frau, die sie als Konkurrentin eingestuft und mit Vorurteilen belegt hatte, nahm sie vorbehaltlos an. Einfach so. Ohne Wertung, ohne Verurteilung, ohne Spott. Lucia wurde nie zuvor von einer anderen Frau mit einer solchen Wärme und Wertschätzung willkommen geheißen, die nicht eine bestimmte Absicht mit ihrem Verhalten verfolgte. Scham breitete sich in ihr aus, dass sie Amber noch vor ein paar Augenblicken mit negativen Sichtweisen abgehandelt hatte. Dann umspielte ein Lächeln ihre Lippen, als sie die Bedeutung Ambers Worte erkannte. „Dein wahres Ich?“ Hakte sie nach.

Ambers Gesichtsausdruck wirkte zuvorkommend, als sie feststellend fragte: „Da du das äußerst, nehme ich an, du hast dich noch nicht gefunden?“ Da bemerkten beide Frauen, dass sich ihre Finger seit dem Vorstellen umfingen. Das Eis war nunmehr zwischen ihnen gebrochen, die unsichtbare Barriere verschwunden. Lucia sinnierte über Ambers ernste Frage. Nachdenklich verlor sich dabei ihr Blick in der Ferne. In ihrem Seelenleben suchte sie nach einer Antwort.

Habe ich mich gefunden? Oder suche ich mich noch?

Vielsagend formten sich Lucias Worte: „Es gab noch keine Hand, die mich aufrichtig hielt und verantwortungsvoll führte, Amber.“

Die unerwartete Tiefe des Gesprächs vermischte sich mit einer Vertrautheit, die vollkommen im Moment verweilen ließ. Lucia wurde bereits das zweite Mal von der Sprechstundenhilfe aufgerufen, bevor ihr Name zu ihr durchdrang. Wie aus einer Trance erwachend, sprang sie hastig auf, um ihren Hausarzt nicht unnötig warten zu lassen. Der plötzliche Schmerz in ihrem steifen Nacken erinnerte sie daran, warum sie die Arztpraxis aufgesucht hatte. Verdammt, keine ruckartigen Bewegungen! Nicht auffallen, das hatte sie perfektioniert. Ambers Handgriff, der noch immer bestand, veranlasste Lucia, augenblicklich innezuhalten.

„Süße, es wird Zeit, dass die Leute mal auf dich warten.“ Verwirrtheit erfasste Lucia und ließ ihren Pulsschlag erhöhen. „Wenn du es zulassen und mir vertrauen kannst, werde ich deine Hand halten. Ich will dir eine Welt zeigen, die du noch nicht kennst. Eine Welt, die dich bereichern wird. Eine Welt, die dich gefangen nehmen wird. Eine Welt, die dich zu deiner Mitte lenkt.“ Verheißungsvoll fügte Amber flüsternd hinzu: „Und eine Welt, die dir unglaubliche Orgasmen schenken wird. Möchtest du das?“ Lucia war nicht in der Lage, sofort zu reagieren. All diese eindringlichen Worte Ambers, sie kamen nur bruchstückhaft in ihrem Verstand an. Doch ihr Herz pochte heftig. Etwas Unwiderrufliches vollzog sich. Ebnete den Weg für ein Gefühl, das sich schon lange Bahn brechen wollte und nun endlich ein Portal fand, um entweichen zu können.

Ungeduldig rief die Sprechstundenhilfe ein drittes Mal ihren Namen auf. Da übermannte Lucia eine Welle des Trotzes. Ihr Konter kam mit fester Stimme: „Der Herr Doktor kann warten. Schließlich musste ich gerade über eine Stunde auf ihn warten.“ Stille.

Alle Anwesenden richteten unverzüglich ihr Augenmerk auf sie. Fassungslos. Der Arzthelferin blieb konsterniert der Mund offenstehen. Lucias Wangen begannen, tiefrot zu glühen.

Habe ich das soeben wirklich gesagt? Ich, die Unauffällige? Das entspricht doch nicht meinem Naturell, selbstbewusst zu sein. Oder?

Da spürte Lucia Ambers liebevolles Lächeln auf sich ruhen. Ihre neu hinzugewonnene Freundin bestärkend, richtete sie sich humorvoll an die anderen Patienten: „Recht hat sie! Schließlich müssen wir Frauen den Männern zeigen, wo der Hammer hängt, nicht wahr?“ Einige Wartende brachen ob dieser Schlagfertigkeit in Gelächter aus, andere schüttelten verständnislos den Kopf.

Lucia wäre am liebsten im Erdboden versunken. Warum war da nie ein Loch, wenn man eines brauchte? Als sie daraufhin gedanklich alle Arztpraxen in der Gegend durchlief, um diese hier vor lauter Unsicherheit nicht mehr aufsuchen zu müssen, streichelten Ambers Finger die Innenseite ihres Handgelenks. Das darauffolgende prickelnde Sehnen, das sich in ihrem Unterleib ausbreitete, beförderte Lucia in die Wirklichkeit zurück.

Seit wann begehre ich Frauen?

Von der plötzlich aufkommenden Erregung überwältigt, brachte sie stammelnd hervor: „Ich muss jetzt gehen. Es war schön, dich kennenzulernen.“ Noch immer hielt Amber ihre Hand. Die Welt stand nochmals still, als sie erneut in den Augen des jeweils anderen versanken. Da löste Amber die Berührung, griff in ihre Handtasche und reichte Lucia eine Visitenkarte.

„Für dich, meine Liebe. Du darfst mich anrufen, sobald du dir über die Antwort auf meine Frage im Klaren bist. Ich werde da sein, wenn du es weißt und dein Reiseführer sein.“ Mit zitternden Fingern nahm Lucia die Visitenkarte entgegen und steckte sie zügig in ihre Hosentasche, um nicht erneut die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Als sie sich zum Gehen wandte, ließ sich Ambers Stimme erneut vernehmen. Zärtlich wisperte sie: „Blaue Haare. Lang. Bis über deine Brüste reichend. Das wäre die perfekte Perücke für dich. Du wärst ein geiles, dreckiges Miststück.“

Lucia rannte förmlich aus dem Wartezimmer und beachtete Amber nicht weiter. Ihre Kopfhaut brannte. Intensive Worte, die ein Feuer in ihr entfachten. Verdammt seist du, Amber! Lucia konnte nicht mehr denken. Noch drangen die gesprochenen Worte nicht in voller Tragweite in ihr Bewusstsein vor. Doch sie würden Gestalt annehmen. Die versaute Disziplinierung der Anwärterin würde geschehen. Dessen war sich Amber sicher.

Wie Lucia wohl die roten Latex Dessous und der schwarze Latex Slip mit eingearbeitetem Anal Dildo gefallen würden? Oder würde sie Lucia in einen Leder Bondage Ganzkörpersack stecken und ihre Feminisierung mit Latex Handschuhen und Lack Kleid vorantreiben? Ambers Kopfkino lief auf Hochtouren. Sie konnte nicht ahnen, wie sehr Lucia ihren Fetisch für Latex entdecken und was für ein verruchtes Fickstück sie werden würde. Für sich – und einige andere Personen.

Geschrieben von: Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

4 Gedanken zu “Meine Fetisch-Kurzgeschichte: Lucia und Amber

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