Mein Blogartikel: Wettbewerbsdenken im BDSM

FSK 18 – Bitte nur Erwachsene lesen, danke!

Schneller, weiter, besser – Wettbewerbsdenken im BDSM

Auf Twitter in meinem Account beschäftige ich mich mit der Thematik, dass derzeit in Tweets viele Umfragen und Meinungen zu verschiedenen Techniken und Praktiken zu BDSM im Umlauf sind.

Dies ist einerseits eine gute Sache, denn auf diese Art und Weise kann ein lebendiger und hoffentlich respektvoller Austausch unter Gleichgesinnten stattfinden. Andererseits bekomme ich persönlich immer Bauchweh dies zu lesen, denn solche Tweets können auch einen Wettbewerb implizieren, der nicht sein sollte.

Die Individualität beim BDSM

Jeder BDSM ist genauso individuell wie Sub und Dom, die diesen ausleben und mit Leben, Geist und Seele füllen. Es gibt nicht DAS BDSM, genauso wenig wie es DIE Sub und DEN Dom gibt. Gerade diese Vielfalt unter uns, dieser bunte Erfahrungsschatz war eines der ersten Dinge, die mich an BDSM faszinierten, lange bevor ich eine Technik kennenlernte. Praktiken, genauso wie Spielzeug und Locations, sind schmückendes Beiwerk und dienen als Mittel zum Zweck, sind jedoch nicht das Herzstück. Einen speziellen Fetisch oder Kink dabei ausgenommen. Dieses Herzstück bilden Sub und Dom, die es mit Leben füllen, so zumindest mein Standpunkt.

Fisten, Kaviar, Ohrfeigen, Rape-Game, Partnertausch, Fremdbenutzung, Rollenspiele, etc. sind alles Möglichkeiten der Auslebung, jedoch nicht zwingend notwendig und kein Indiz für „wahren“ BDSM, zumindest nicht in meiner individuellen Auslegung von BDSM.

Steht zu euch und euren Vorlieben

Seid in dieser Hinsicht selbstbewusst und steht zu euren persönlichen Vorlieben, wäre mein Rat. Liebe Sub, auch wenn du kein Analverkehr magst, bist du nicht minder Sub. Lieber Dom, auch wenn du deine Sub nicht ohrfeigen willst, bist du nicht minder Dom. ‚Alles kann, nichts muss‘ sagt bekanntlich schon der Volksmund.

Auch das Schenken von Schmerzen kann erfüllend sein für einige Praktizierende, für andere wiederrum gehört es nicht zu ihrem gelebten BDSM. Es geht nicht darum, wer was am meisten aushalten kann oder wer besonders viele Gangarten befürwortet und ausübt. BDSM ist kein Sport und keine Kompensierung für derweil Profilierung.

Der Dom unter Druck

Im Übrigen kann eine solche Dynamik auch den Dom ganz schön unter Druck setzen. Nicht jede dominante Person möchte zum Beispiel sein Geschäft auf seiner Sub verrichten. Einen diesbezüglichen Beitrag zu lesen muss nicht, kann aber unsicher werden lassen. Egal ob Sub oder Dom, diese Gedanken zerstören und lassen nicht fliegen und haben von daher keinen Platz im BDSM, zumindest meines Erachtens.

Meine Worte sollen bitte niemanden kränken oder verletzen. In meinen Artikeln und Tweets spreche ich von persönlichen Ansichten im Hinblick auf die Schönheiten des Fetischs und des BDSM und der Akzeptanz derer.

Mögliche Verunsicherung am Anfang der Selbstfindung

Hätte ich als unerfahrene Sub so manchen Tweet gelesen, wäre ich extrem verunsichert. Vielleicht hätte ich mich auch abgewandt und wäre von BDSM im Allgemeinen abgeschreckt.

Einem möglichen Treffen hätte ich auf keinen Fall zugestimmt aus Angst, dass verschiedene Praktiken von mir erwartet würden.

Wir sind alle oftmals in einem Prozess und durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen in unserer Selbstfindung. Dabei gibt es viele Wege der Auslebung und Instrumente der Unterstützung. Traut euch bitte jedoch, diese zu benennen und steht zu euch! Auch Nein zu sagen oder Praktiken abzulehnen, hinter denen ihr nicht steht, gehört dazu. Es ist vollkommen in Ordnung, nicht alles auszuprobieren. Lasst euch dahingehend nichts einreden und auch nicht untereinander vergleichen, egal ob Sub oder Dom. Sonst kann BDSM toxisch werden und mitunter nicht mehr guttun.

Die Magie des BDSM

Ich bin für viele schöne Dinge offen, jedoch auch nicht immer und nicht mit jedem Dom. Der Mensch zählt dabei und steht für mich immer am Anfang von allem und ist mein Dreh- und Angelpunkt jeder weiteren Dynamik.  

Und das zu jeder Zeit und an jedem Ort. Lasst euch gerade zu Beginn eurer Selbstfindung nicht verunsichern oder in Richtungen lenken, die nicht eurem Willen und eurem Wollen entsprechen. Seid mutig und zeigt euch eurem Gegenüber, wie ihr wirklich seid. Erst dann kann BDSM seine volle Magie entfalten und geschieht mit euch und nicht über euch hinweg.

Dies wünsche ich jeder Sub und jedem Dom. Wir sind alle einzigartig – das macht uns aus!

                                                   Geschrieben von Julia, Autorin „Gewürzt mit Herz“

Symbolbild

2 Gedanken zu “Mein Blogartikel: Wettbewerbsdenken im BDSM

  1. So ist es… BDSM ist kein Sport, kein Wettbewerb und in keiner Weise ein Pflichtprogramm. „Wahren“ BDSM gibt es schon garnicht. Es gibt aber endlose Möglichkeiten und entscheidend sind die jeweils Beteiligten.
    „Erst dann kann BDSM seine volle Magie entfalten und geschieht mit euch und nicht über euch hinweg.“ … sehr schön gesagt 🙂
    Liebe Grüße, Lyrix

    Gefällt 1 Person

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