Meine Kurzgeschichte: „Bis dass der Tod uns scheidet? Eine BDSM-Liebesgeschichte“

FSK 18

„Ich bin ein alter Mann. Siehst du den Kellner, Sub? Er dürfte so um die Dreißig sein. Wäre er ein Dom, wäre er doch alterstechnisch perfekt für dich!“

Jana verschluckte sich beinahe an ihrem aromatischen Kaffee, als sie die Worte ihres Herrn vernahm. Wieder dieses leidige Thema, auf das er in letzter Zeit wiederholt zu sprechen kam – sein Alter. Es war nicht so, dass es ihr Herr offensichtlich tat. Nein. Er ging behutsam vor, denn er ahnte, dass seine Worte sie verletzten. Meist standen diese verheerenden Sätze in einem subtilen Zusammenhang und wurden mit einer sorglosen Leichtigkeit ausgesprochen, die in einem ambivalenten Verhältnis zu deren Schwere stand.  

Missmutig kniff Jana ihre Augen zusammen und runzelte verärgert ihre Stirn. Konnte sich ihr Herr diese Spitzen nicht verkneifen? Bereitete es ihm Vergnügen, unentwegt auf ihren Altersunterschied hinzuweisen? Anfangs war er kein bedeutsames Thema zwischen ihnen. Im Gegenteil, sie scherzten darüber. Doch in den vergangenen Wochen rückte ihr Herr die größere Altersdifferenz vermehrt in den Fokus.

Jana fragte sich, warum er dies tat. Meist verbarg sie ihren Groll über seine Aussprüche hinter einem angestrengten Lächeln oder überhörte sie schlichtweg. Das ganze Verhalten ihres Herrn war seltsam, nicht nur in dieser Hinsicht.

Es war schwer, die passenden Worte für dieses wabernde Ungetüm zwischen ihnen zu finden. Der beste Vergleich fand sich in einer immer dichter werdenden Wolkendecke. Wolken, deren Weiß sich in Grau umwandelten. Wolken, die sich unaufhaltsam formierten und zu einer unheilbringenden Gewitterfront auftürmten. Je länger sie über diese Metapher nachdachte, desto trefflicher erschien sie ihr. Ob Jana eher den aufziehenden Sturm fürchtete oder die einsetzende Stille, kurz bevor sich der erste Blitz entlud, dessen war sie sich nicht sicher. Doch sie fürchtete sich.

Der Duft des mit Karamell verfeinerten Kaffees stieg Jana erneut in die Nase. Gedankenverloren griff sie nach der randvollen Tasse. Gerade erst serviert worden, war das Getränk noch sehr heiß und schmerzte ihr beim Ansetzen an den Lippen. Ein spitzer Schrei entfuhr ihr. Beherzt stellte sie die bauchige Tasse ab. Dabei schwappte der Inhalt über die Untertasse und verunstaltete die geblümte Tischdecke mit einem großen, brauen Fleck.

Hastig tupfte Jana diesen trocken und bemühte sich um Schadensbegrenzung. Dabei stieß sie gegen die Blumenvase in der Mitte des Tisches. Die zwei roten Rosen darin kamen gefährlich ins Wanken. Jana prustete und spürte Tränen der Entrüstung in sich aufsteigen. Das war doch absurd! Konnte sie sich nicht wie andere Leute im Griff haben? Wer außer ihr weinte wegen einer solchen Lappalie? Ihre Nerven waren wohl angespannter, als sie vermutete.

Da spürte Jana die markante Hand ihres Herrn auf ihren Fingern. Ein schwieliger Daumen strich rau über ihre zarte Haut und sandte angenehme Schauder über ihren Rücken. Ein mächtiges Gefühl von Erregung vertrieb alle ungeliebten Gedanken. Sinnliches Prickeln erfüllte ihren Kitzler, ließ ihn pochen und ihre Schamlippen anschwellen. Drängende Nässe breitete sich in ihrem pulsierenden Spalt aus und benetzte die Innenseiten ihrer Oberschenkel. Jana atmete schneller und um Beherrschung ringend. Ihre Wangen waren erhitzt. Wie vermochte ihr Herr es, sie mit einer simplen Geste so intensiv zu berühren? Die Angst, dass dieser Umstand keinem anderen Herrn mehr gelingen würde, verdrängte Jana tunlichst. Trotz ihrer Unerfahrenheit erahnte sie instinktiv, dass sie und ihr Herr etwas Seltenes teilten, das nicht so leicht zu finden war.

Das tiefe Timbre ihres Herren Stimme lockte sie aufzublicken und in den unergründlichen Tiefen seiner blauen Augen zu versinken. Ein ganzes Gefühlskaleidoskop begegnete Jana darin. Sie hielt seinem eindringlichen Blick stand, als er wohlwollend resümierte: „Meine Liebe, du wärst nur ein Schatten deiner selbst, bliebest du allseits beherrscht. Wie schön dein Licht strahlt in deiner Aufrichtigkeit. Unschuldig und rein, gleich einem kostbaren Diamanten.“ Seine Worte umhüllten Jana wie ein schützender und Geborgenheit spendender Mantel. Zärtlich glitten seine Finger in ihre und hielten sie sanft umfangen.  

Jana konnte nichts erwidern. Ein dicker Klos formte sich in ihrer Kehle und drückte bei jedem Schlucken. Erneut stiegen Tränen in ihr auf. Tränen der Rührung. Aufgrund ihres impulsiven Charakters kam es vor, das sie von ihren Mitmenschen abgelehnt wurde und Missgunst und Ausgrenzung erfuhr. Sie wusste darum, mit einem überlegten Handeln und reflektierten Vorgehen Probleme und Missverständnisse vermeiden zu können. Eine intrigante Absicht verbarg sich nicht hinter ihren Reaktionen. Jana agierte schlichtweg in bestem Wissen und Gewissen und frei jeglichen Taktierens. Sie trug ihr Herz auf der Zunge.

„Den meisten Menschen wirst du zu anstrengend sein. Auch vielen Doms. Doch manchmal widerfährt einem Glück im Leben. Vielleicht auch dir und einer wird verweilen und genauer hinblicken. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen!“

Wieder so ein Ausspruch ihres Herrn, der sie nachdenklich stimmte. Warum zog er andauernd diese Vergleiche? Sie war seine Sub und hegte kein näheres Interesse an anderen dominanten Wesen. Nein, definitiv nicht! Jana wollte nur ihren Herrn und war ihm ergeben mit alledem, was ihn ausmachte.

Der herannahende Kellner veranlasste Jana dazu, schnell die Tränen zu trocknen. Sie wollte ihren Herrn nicht erzürnen. Obwohl sich Jana seiner vollen Unterstützung gewiss war, ahnte sie, dass ihm emotionale Ausbrüche in der Öffentlichkeit unangenehm waren. Ihr Herr war ein diskreter Zeitgenosse, der nicht jedem Einblick in seine Gefühlswelt gewährte. So lächelte Jana, als der Bedienstete fragte, ob beide noch einen Wunsch hätten.

„Haben wir noch einen Wunsch, Schatz?“, konterte Jana grinsend und fing den vielsagenden Blick ihres Herrn auf. Die plötzlich eintretende Stille verursachte ihr ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas stimmte nicht, dessen war sie sich sicher. Ihre Intuition hatte sie selten getäuscht. Sonst lachte ihr Herr über ihren Humor und ergänzte die neckischen Bemerkungen schlagfertig mit zweideutigen Anspielungen. Oder eine anzügliche Bestrafung folgte.

Jana wurde übel. Am liebsten wäre sie aufgestanden und hätte diese groteske Szenerie verlassen, um an einem ruhigen Ort tief Luft zu holen. Ihre Hände begannen zu zittern, als ihr Herr seine Finger von ihren löste und den Kellner mit einem „Nein, vielen Dank, die Rechnung bitte“ abspeiste.  

Der bittere Geschmack von Galle breitete sich in Janas Mund aus. Sie versuchte ihre Angst vor einem drohenden Unheil mit einem Positionswechsel zu kompensieren und schlug ihre Beine auf andere Weise übereinander. Etwas Unausweichliches brach sich gerade Bahn. Jana ahnte, dass es ihre verletzliche Seele zerstören könnte. Und die ihres geliebten Herrn.

„Ich müsste noch auf die Toilette, bevor wir gehen. Darf ich Sie darum um Erlaubnis bitten, Herr?“ Jana wartete nicht seine Ermächtigung ab, sondern stand hastig auf. Eine ungewöhnliche Handlungsweise von ihr, denn normalerweise war sie eine gehorsame Sub. Von Verzweiflung getrieben griff sie eilig nach ihrer Handtasche.

„Setze dich bitte.“ Mehr von seiner Seite brauchte es nicht. Jana folgte seinen ruhigen Worten umgehend. Ihres Herren stille Autorität hatte sie von Beginn an fasziniert. Die Eindringlichkeit seiner Präsenz hätte nicht wirkungsvoller sein können. Es bedurfte keines Schreiens. Nie. Stumm sank Jana auf den hölzernen Stuhl zurück. Ihr Herr fuhr sich mit der Hand durch seine graumelierten Schläfen und fixierte sie starren Blickes.

„Sub, du hast mitbekommen, dass ich bei meinem Hausarzt war, weil ich wiederkehrende, starke Bauchschmerzen hatte und ab und an Blut spuckte. Er verordnete mir daraufhin eine Magenspiegelung, bei der auffällige Schleimhautwucherungen entdeckt wurden.“

Er konnte Jana nicht mehr ansehen und betrachtete leeren Blickes die zwei roten Rosen in der Vase. Seine Schultern wirkten eingefallen, trotz der beachtlichen Spannung, die seinen Körper erfasste, und seine Gesichtsfarbe wurde fahl. In diesem Augenblick erschien ihr Herr ihr um Jahre gealtert. Da kehrte sein Blick zu Jana zurück. Die aufglimmende Ausweglosigkeit darin ließ sie zusammenzucken.

„Bitte nicht!“, stammelte sie. Unbeeindruckt dessen sprach ihr Herr weiter: „Die Gewebeproben, die anschließend entnommen und untersucht wurden, stellten sich als bösartig heraus. Ich habe Magenkrebs.“

Den wiederkehrenden Kellner bemerkte Jana nicht, genauso wenig die Begleichung der Rechnung. Alles drehte sich. Nur mit äußerster Mühe konnte Jana verhindern, sich nicht an Ort und Stelle zu übergeben. Ihr Tisch lag zum Glück abseits der anderen Gäste. Oder war dies kein Zufall? An diesem späten Vormittag fanden sich nur wenige in der heimeligen Brasserie ein. So waren sie, trotz dem sie sich in der Öffentlichkeit befanden, relativ abgeschirmt.

Jana fühlte sich in einen schrecklichen Film versetzt, in dem ihr die grausame Hauptrolle zukam. Sie stand vollkommen neben sich. Fühlte es sich so an, wenn das Herz vor Kummer zerbrach? War dies der Zustand, bevor nichts mehr zu einem durchdrang?

Das Zittern ihrer Hände verschwand und machte einer Steifheit Platz. Hatte Jana seine Worte richtig verstanden? Magenkrebs? Bedeutete das etwa, er musste sterben?

Ihr Herr schien ihren betroffenen Zustand nicht zur Kenntnis zu nehmen. Als sie wieder alleine waren, führte er seine Erzählung fort: „Sub, mache dir keine Sorgen. Ich werde mich in der kommenden Zeit einer ganzen Reihe medizinischer Behandlungen unterziehen. Dein Herr hat schon andere Dämonen in seinem Leben bezwungen. Nun nehme ich es mit dem Monster Krebs auf. Sollte ich diesen Kampf verlieren, werde ich mein Schicksal akzeptieren. Wenn es so sein soll, kann ich in Frieden und reinen Gewissens von dieser Welt gehen.“

Jana war fassungslos. Sie räusperte sich und redete gegen den immer dicker werdenden Klos in ihrem Hals an. Ihre Stimme klang unnatürlich hoch: „Mein Herr, bitte schließen Sie nicht mit Ihrem Leben ab. Werden Sie nicht mutlos und verzagen Sie nicht! Sie sind ein kraftvoller und entschlossener Mann und werden den Krebs besiegen!“ Jana unterdrückte die Tränen, die heiß hinter ihren Lidern flirrten, denn sie wollte stark für ihren Herrn sein. Am liebsten hätte sie ihm all ihre Energie übertragen, um dass sie gemeinsam diese unheilvolle Krankheit besiegen konnten. Dieser tröstliche Gedanke schenkte Zuversicht. „Wir schaffen das! Ich werde da sein und Sie zu Ihren Untersuchungen begleiten.“

Die große Hand ihres Herrn krachte mit einer solchen Wucht auf den Holztisch, dass die Tischbeine vibrierten. „Nein Sub, das wirst du nicht!“ Jana erschrak und starrte ihn offenen Mundes an.

Die darauffolgende Stille hätte nicht lauter hallen können. Ein Rauschen breitete sich in Janas Trommelfell aus und verursachte ihr heftige Kopfschmerzen. „Warum denn nicht?“, hauchte sie kaum hörbar. Ihre Selbstkontrolle ließ sie im Stich. Eine Träne rann bereits über ihre blasse Wange.

Ihr Herr ballte seine Hand so vehement zu einer Faust , dass die Knöchel weiß hervortraten. Der intensive Ausdruck in seinen blauen Augen hielt Jana gefangen. Eine lähmende Ohnmacht kroch ihr eiskalt in die Glieder. Das alles verzehrende Gefühl nackter Angst bemächtigte sich ihrer erbarmungslos. Janas fein geschwungene Lippen zuckten unkontrolliert, als er in kühlem Ton weitersprach:

„Unsere Wege trennen sich hier Sub Jana. Ich entlasse dich aus deinen Diensten und stehe dir als Herr nicht mehr zur Verfügung. Danke für deine Hingabe und dein ehrenwertes Dienen. Du wirst dir einen Dom suchen, der deiner Altersklasse entspricht und mit ihm glücklich werden.“ Reglos erhob er sich und stolperte über das Tischbein, als er zum Gehen ansetzte. Sogleich sprang Jana auf und stellte sich ihm in den Weg. All ihre Selbstbeherrschung war verflogen. Sie scherte sich nicht mehr um die anderen und was sie dachten, inklusive ihrem Herrn.

Getrieben von unbändiger Wut holte sie schwungvoll aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. „Was erlaubst du dir Weib, mich zu schlagen?“, keuchte er. Seine geschlagene Gesichtshälfte leuchtete gerötet. Janas Händeabdruck zeichnete sich deutlich auf seiner Haut ab. Doch Jana ignorierte seinen Protest und holte erneut aus. Grenzenlos wog ihre Empörung über sein Verhalten.

Geistesgegenwärtig hatte ihr Herr Janas Reaktionen vorausgesehen, kannte er doch ihr temperamentvolles Wesen zu gut. In einer schnellen Drehung packte er ihr Handgelenk und bog ihr den Arm hinter den Rücken. Ihre attraktiven Kurven pressten sich unwillkürlich gegen seinen harten, männlichen Körper. Schwer atmend spie der Herr ihr entgegen: „Du Miststück wagst es, meine Autorität infrage zu stellen? Ich handle aus Verantwortung dir gegenüber, dummes Ding! Die hässliche Fratze der Krankheit möchte ich dir ersparen. Du bist jung und kennst noch kein wahres Leid. Glaubst du etwa, es würde dir Vergnügen bereiten, mich mit Schläuchen versehen im Krankenbett liegen zu sehen? Oder mich kotzend und vor Schmerzen windend wegen der Nebenwirkungen der Bestrahlung zu erleben? Möchtest du dabei sein, sollte ich elendig krepieren? Ist es das, was du willst? Ist es das?“

Sein Griff um ihr Handgelenk wurde zunehmend fester und er schüttelte sie, als jedes seiner Worte messerscharf auf Jana niederprasselte. Der glühende Ausdruck in seinen Augen ließ diese grau und undurchdringlich werden, als sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.

Jana war vollkommen aufgelöst und nicht mehr in der Lage, sich zu zügeln. Die unwiderrufliche Wahrheit drang gnadenlos in ihr Bewusstsein vor und manifestierte sich dort zu einer unüberwindbaren Mauer. Eine Mauer, die ihr Herz mit stählernem Griff umschlossen halten würde. Doch unbändiger Zorn gab ihr die Kraft, für sich einzustehen. „Werter Herr, ich bin erwachsen und kann selbst darüber entscheiden, mit was ich konfrontiert werde und mit was nicht. Verstehen Sie das? Sie sind für mich kein bloßer Beschaffer meiner Begierde, den ich nur will, wenn er gesund ist! Wir haben uns einst geschworen: „Für immer und ewig, in guten wie in schlechten Tagen“. Ich stehe zu meinem Versprechen Ihnen gegenüber, weil ich Sie liebe! Sie nehmen ihres scheinbar nicht ernst, Sie blödes Arschloch!“  

Da vergaß sich ihr sonst so gemäßigter Herr. Er packte Jana am Schopf, riss ihren Kopf nach hinten, schimpfte sie Luder und senkte seine Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss auf ihre. Jana stöhnte in seine Mundhöhle und rang mit ihm, doch ihr Körper war nicht mehr ihr Verbündeter. Er strafte ihre Gegenwehr Lügen, als sein berauschender Duft sie einlullte. Ihre Knie gaben nach, als sie ihn schmeckte und ihre Zungen erregend aneinander stießen. Seine Bartstoppeln zerkratzten ihr Kinn und scheuerten es wund. Jana öffnete gierig den Mund, empfing all seine Heftigkeit und verdrängte die vernichtende Erkenntnis, das sie wohl ihren letzten gemeinsamen Kuss teilten. Seltsamerweise war es nicht von Belang, denn dieser kostbare Moment der Glückseligkeit würde sich für immer in beide Seelen einbrennen. Dieser Augenblick würde alle Zeiten überdauern.

Gleich einer Verzweiflungstat schlangen die Liebenden ihre Arme umeinander und pressten sich die Hüften entgegen. Sie fochten einen verzehrenden inneren Kampf aus, liebkosten und straften, schenkten und nahmen. Warme Feuchte traf bedingungslose Hingabe. Die Zeit stand still.

Janas Herr vertiefte seinen Kuss und nahm sie fordernd in Besitz. Immer wieder drang seine Zunge in sie ein. All seine Verzweiflung und Zuneigung brandeten in dieser Liebkosung. Er trank ihre weibliche Essenz, bediente sich ihres Begehrens, brandschatzte sie. Seine geliebte Sub. Seine Gefährtin. Seine Seelenpartnerin. Sein Lebenselixier. Seine Daseinsberechtigung. Sein Ein und Alles.

Die Beule in seiner Hose wuchs unaufhörlich und drückte sich schmerzhaft an ihr saftendes Fleisch. Sein hartes Glied sehnte nach Erlösung und einem Frieden, der über die schlichte körperliche Vereinigung weit hinausging. Das drängende Bedürfnis, Jana als die Seine mit seinem Sperma zu markieren, ihren Leib mit Marken zu zeichnen und sich tief in ihr zu verströmen, war übermächtig. Am liebsten hätte er sie an Ort und Stelle auf die Pflastersteine gebettet und sich so lange in ihr versenkt, bis jeder Tropfen seines Lebenssaftes vergossen war und die Erschöpfung ihn niederrang. Er wollte mit ihr alle Hindernisse überwinden und der vermaledeiten Krankheit ins grässliche Antlitz spucken. Er wollte. Verdammt!

So unvorhergesehen, wie der Kuss begann, endete er. Ihr Herr löste sich ruckartig von Jana und schob sie von sich. Wieviel Kraft ihn dieser Schritt letztendlich kostete und wie sehr er darunter litt, konnte sich Jana nicht erschließen. Zu unbeweglich muteten seine Gesichtszüge an, als erneut die Maske der kühlen Zurückhaltung niedersank. Die nüchterne Contenance war zurück. Ihres Herren wild pochendes Herz blieb genauso verborgen wie die Gallenflüssigkeit, die er mühsam herunterschluckte.  

„So ist es zu deinem Besten Sub. Dein Herr weiß, was er tut. Meine Erkrankung soll dich nicht belasten. Es reicht, wenn sie mich zerstört. Dich soll sie unbeschadet lassen.“ Er blickte auf ihre geschwollenen Lippen. Salzig hatten sie geschmeckt von ihren Tränen, neben der unvergleichlichen Süße. Ein letztes Mal verlor er sich in ihrem wunderschönen Antlitz, das ihm liebend entgegenfunkelte. Verflucht sollte er sein!

„Lebe wohl“, flüsterte er. Dann trat er aus ihrem Leben.

Der Hauch seines Rasierwassers lag noch in der Luft, als ihr Herr schon längst gegangen war. Er hatte sie verlassen. Jana war danach an den Tisch zurückgekehrt und wie eine Marionette, deren Fäden durchgeschnitten wurden, in sich zusammengesunken. Auf ihrem Platz kauernd betrachtete sie den leeren Stuhl, auf dem er zuvor gesessen hatte. Ihr war auf einmal kalt. Die wärmenden Strahlen der Sonne, die mittlerweile hoch am Himmel stand, erreichten sie nicht mehr. Unfähig sich zu bewegen, registrierte Jana den Kellner erst spät, der soeben an ihre Seite gekommen war. Sie musste schrecklich aussehen mit ihrem verschmierten Make-up und dem vom Weinen verquollenen Gesicht. Ihre Tränen waren nicht versiegt und rannen unaufhörlich über ihre bleichen Wangen. Der Angestellte war professionell genug, über ihr derangiertes Aussehen hinwegzusehen. Er wollte die sympathische, junge Frau, die so niedergeschlagen wirkte, nicht unnötig in Verlegenheit bringen.

„Entschuldigen Sie bitte, ich möchte Sie nicht stören, doch das Taxi ist da. Der Fahrer wird allmählich ungeduldig. Der freundliche Herr, ihre Begleitung, hat es für Sie in Auftrag gegeben, bevor er ging.“ Unauffällig legte er eine Packung Taschentücher ab.

Jana lächelte freudlos. Der Glanz ihrer Augen war erloschen. „Natürlich“, wisperte sie kaum hörbar und mehr zu sich selbst, „mein Herr war schon immer ein fürsorglicher Mann.“

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