Gastbeitrag: „Was es mir bedeutet, Vater zu sein“

Manchmal lernen wir in den sozialen Netzwerken wundervolle Menschen kennen, die unser Leben auf angenehme Art und Weise bereichern.

Einer dieser Menschen ist für mich Freric, der auf Twitter einen Account unter dem Namen @freric1973 führt. Auch hat er einen eigenen Blog mit einer tollen, kostenfreien Webseite feetlove1973.de . Er freut sich bestimmt über Euren Besuch, falls Ihr mögt.

Freric möchte uns einen Einblick in sein Leben vor und nach seinem Vater-werden schenken. Vielen lieben Dank dem Gastautor für seinen Gastbeitrag. 💚

Hinweis: Der Gastbeitrag enthält Themen wie Alkoholsucht, schwere Kindheit und klinische Behandlung zum Kinderwunsch.

Bitte nur Erwachsene lesen – FSK 18. Danke!

………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………

Hier beginnt der Gastbeitrag von Freric:

Mein Gastbeitrag für Julia:

Was es mir bedeutet, Vater zu sein“

Julia und ich haben uns über Twitter kennengelernt. In ihren Tweets erzählte sie über ihr verstorbenes Kind und erklärt, wie sie mit ihrer Trauer umgeht und diese verarbeitet. Darüber bin ich gestolpert und dementsprechend auch über ihren Blog. Für sie bin ich der Nordmann mit der tiefen Stimme. Auf Twitter eher unter @feetlove1973 bekannt. Mein Rufname ist Freric, bin 48 Jahre jung und schreibe bisweilen auch in einem eigenen Blog. Doch heute möchte ich Euch und Ihnen erzählen, was es mir in meinem Leben bedeutet, Vater zu sein.

Früher hatte ich nicht viel mit Kindern zu tun, außer dass ich selbst eines war und offen gestanden, auch noch heute bin. Da ich in einem Kinderheim groß wurde, war ich trotzdem immer mit anderen Kindern umgeben. Das lag in der Natur eines Kinderheimes. Natürlich kümmerte ich mich um die jüngeren Kinder und beschützte sie vor den älteren Kameraden. Das war auch bitter nötig, da viele Kinder aus allen möglichen sozialen Schichten dort zusammen leben mussten – ob sie wollten oder nicht. Das führte zu inneren Spannungen, welche sie extern äußerten… höflich gesagt.

Damals dachte ich in keiner Weise daran, mal selbst eigene Kinder zu bekommen. Dies änderte sich lange Zeit auch nicht. Ich lebte mein Leben ziemlich alleine und dies war auch okay für mich. Meine berufliche Situation auf See ließ auch keine festen Beziehungen an Land zu. 15 Jahre bin ich zur See gefahren, mit Kreuzfahrtschiffen auf allen Weltmeeren. Und dauernd unterwegs. Heimweh und Fernweh gaben sich die Klinke in die Hand. Und wenn jemand ständig „Weh“ hat, flüchtet er. Ich flüchtete mich in den Alkohol, wurde stark abhängig und konnte irgendwann den Job auf den Schiffen nicht mehr machen. Durch Entzug und langen Therapien, Umschulung und durch Wechsel in ein völlig anderes Umfeld gelang es mir bis heute trocken zu bleiben, klar denken zu können und mein Leben nüchtern zu meistern.

Und etwa zu diesem Zeitpunkt lernte ich meine jetzige Frau kennen und lieben. Wir planten und heirateten und auch der Kinderwunsch stand im Raum. Jedoch sollte sich dieser nicht so schnell erfüllen. Wir probierten und versuchten so ziemlich alles, was uns in die Finger kam. Doch trotzdem hatten wir keinen Erfolg. Nachdem wir uns weiter Gedanken gemacht hatten, entschlossen wir uns die Ärzte zu befragen. Meine Frau ab zum Frauenarzt und ich… zum Männerdoktor. Und dabei kam eben heraus, dass mein Sperma untersucht wurde und uns gesagt wurde, dass die Nichtschwangerschaft kein Wunder wäre bei der miserablen Qualität desselben.

Uffz. Auf natürlichem Weg ging also gar nichts. Nach einer Weile, auch bei mir musste dieses Ergebnis erst einmal sacken, machten wir einen Termin in der Kinderwunschklinik, sprachen mit der Krankenkasse, und so nahm dieses Kapitel seinen Lauf. Meine Frau nahm Hormone, Spritzen und hatte echt zu kämpfen. Ich dagegen hatte wohl die wenigste Arbeit. Als der Tag nun endlich gekommen war, machten wir uns auf den Weg. Ich konnte meinen Teil in einen Plastikbecher dazu geben. Ein kleiner rot angestrichener Raum, welcher mich wohl „in Stimmung“ bringen sollte, war dafür vorgesehen. Ein paar Pornoheftchen- und Filme lagen da auch rum – von „Dolly´s dicke Dinger“ bis „Der Gärtner, der durch die Hintertür kam“. Also nichts, was mich tatsächlich erheiterte. Romantik sah anders aus. Versprochen. Nun denn, die Probe wurde mir entrissen, labortechnisch bearbeitet und meine Frau mit dem Ergebnis künstlich befruchtet.

Welch herbe Enttäuschung für uns, dass es beim ersten Mal nicht geklappt hatte. Der zweite Versuch brachte uns Erleichterung, denn dieser hatte funktioniert, und meine Frau wurde schwanger. Das war schon ein kleines Wunder, hörten wir doch immer wieder, dass dies nicht immer der Normalfall ist. Als ich hörte, dass sie schwanger ist, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Tausend Fragen taten sich auf. Was essen Baby´s so? Wachsen die schnell? Zerbricht ein Baby nicht, wenn ich es festhalte? Mag es mich? Welche Tapete für das Zimmer? Welche und wie viele Kuscheltiere braucht ein Menschenkindlein? Wie hoch ist der Schnullerverbrauch im Durchschnitt? Da wir beide Ersteltern wurden hatten wir mehr Fragen als Antworten. Wir taten unser Bestes, renovierten die Bude, richteten ein Kinderzimmer ein, kauften die sinnigsten und unsinnigsten Sachen ein und freuten uns auf unser Wunschkind.

Und dann war sie endlich da, ich durfte bei der Geburt zugegen sein, wenngleich ich nach der Geburt unserer Tochter erst einmal weggeschickt wurde. Unsere Tochter hat alles gut überstanden und die Frau Mama auch. Und wir waren selig. Und ich hatte immer noch Angst, mehr denn je, dieses kleine Etwas Mensch könnte in meinen grobmotorischen Händen kaputtgehen.  Tat es nicht. Die Welt drehte sich weiter und mit jedem Tag mit diesem wunderbaren Menschenjungen zeigte sich mir den Sinn des Lebens. Nicht nur der Sinn meines Lebens, sondern generell DES Lebens.

Dieses Kind zeigt mir jeden Tag, wie einfach das Leben sein kann. Die Augen leuchten, nicht nur wenn es Schokolade gibt. Nein, auch wenn wir albern sind und miteinander spielen. Ihre Augen sind traurig, wenn Papa zur Arbeit oder Mama kurz mal weg muss. Lachen und Weinen liegen oft eng beieinander. Doch einmal in den Arm genommen, ist alles wieder gut.

Mein Kind, und es ist mir bewusst, dass nicht jedes Kind ein glückbehaftetes zu Hause hat, soll von mir eine Kindheit bekommen, welche es glücklich sein lässt. Ich habe es geschworen, als sie aus dem Schoß meiner Frau kam.

Selbst habe ich eine Kindheit gehabt, wie ich sie niemandem wünschen würde. Es war die Hölle auf Erden! Und diese Kindheit erspare ich meinem Kind auf jeden Fall. Geliebt zu werden ist für ein Kind kein Privileg, das es sich erst verdienen muss. Nein, es ist eine Selbstverständlichkeit! Ja, natürlich müssen Werte wie Ethik und Moral an das Kind vermittelt werden. Aber passiert dies nicht automatisch, wenn dem Kind diese vorgelebt werden? Ich denke schon. Kinder zeigen einem selbst, ohne dass sie es willentlich merken, wie man sich gibt.

Sie spiegeln das Verhalten der näheren sozialen Umgebung und ich hoffe, dass wir beide unser Großmöglichstes tun und natürlich vorleben, wie es hoffentlich „richtig“ ist. Und ja, wir machen auch Fehler, wer kann von sich behaupten, perfekt zu sein? Doch wenn die Grundrichtung vorhanden ist, kann schon sehr viel Gutes passieren. Unser Kind muss nicht perfekt sein, es darf einfach „sein“. Ein Kind, ein glückliches. Mich rührt es, wenn sie unsere Nähe sucht und wir immer für sie da sein können. Ein Leben lang. Das ist für mich Glück!

………………………………………………………………….


Liebe Julia, mir ist bewusst, dass das Thema „Eltern sein“ zwei Seiten in Deinem Leben hat. Und da ich allenfalls nur erahnen kann, was Du durchgemacht hast, möchte ich Dir sagen, dass ich trotzdem mit Dir fühle. Auch wenn ich weiß, dass keine noch so gut gemeinten Worte Deinen Schmerz auch nur ansatzweise lindern könnten. Wir Menschen haben ein paar gute Eigenschaften. Eine davon ist das Mitgefühl. Und so kann ich mit Dir fühlen. Ich muss oft an Dich denken, wenn ich in die kleinen Augen meiner Tochter schauen darf. Und fühle mit Dir.

In diesem Sinne, fühle Dich herzlich umarmt.

Freric

3 Gedanken zu “Gastbeitrag: „Was es mir bedeutet, Vater zu sein“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s