Mein Blogartikel: Das Strafbuch

Welche Bedeutung kommt dem Strafbuch im BDSM zu? Ist das nicht eine verstaubte Angelegenheit? Oder kann darin ein ganz besonderer Reiz liegen?

Ich habe mir Gedanken zum Erziehungsmittel „Strafbuch“ gemacht. Falls Ihr mögt, viel Spaß beim Lesen.

Bitte nur Erwachsene, vielen Dank!

Eure Julia

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FSK 18

Ein Strafbuch als Mittel der Erziehung ist ein wenig verkannt. Oftmals wird dieses belächelt und genießt eher weniger Ansehen in seiner Verwendung. Ein Grund dafür könnte sein, dass dieses ein eher subtileres Mittel der Disziplinierung darstellt und nur innerhalb eines absoluten Vertrauensverhältnisses seine wirkliche Kraft entfalten kann. Warum dieses, fragt Ihr Euch?

Nun, es ist ganz einfach: Die Handhabung eines Strafbuchs erfordert eine unabdingbare Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit des devoten Parts und stellt somit eine unglaublich große Respektbekundung an den dominanten Part dar. Ein Strafbuch erfordert auch eine gewisse Eigenständigkeit als auch Kreativität des Subs. In diesen Momenten agiert Dom nicht unmittelbar, sondern überträgt eine gewisse Selbstständigkeit an Sub. Ein Strafbuch macht insofern auch nur Sinn, wenn dieses Sub ernst nimmt und entsprechend würdigt. Dabei steht nicht das „Nach-Lust-und-Laune“-Prinzip im Vordergrund, sondern dass das wahrhaftige Geschehen dokumentiert wird. Der devote Part steht dabei in der Pflicht, eigene Empfindungen und Bedürfnisse sehr differenziert wahrzunehmen und sich selbst gegenüber absolut aufrichtig sein. Gerade in solchen Momenten des Interagierens zeigt sich, ob Sub wirklich Achtung vor Dom hat, denn dieser sollte alles festhalten und sich diesen Prozessen der Erziehung ernsthaft stellen. Nur so können diese sehr wichtigen und oft unbewusst ablaufenden Meilensteine der Disziplinierung ihre volle Wirksamkeit entfalten.

Ein Strafbuch soll auch nicht unbedingt Spaß machen und Freude schenken. Es soll durch das Niederschreiben ein Bewusstwerden implizieren über Gewesenes und über das Empfangen von daraus resultierenden Konsequenzen. Anstatt Strafbuch kann es auch Reflektions- oder Findungsbuch genannt werden, denn letztendlich ist das Erleben des Aufschreibens und nochmaligen Durchlesens und des Vortragens dieser Niederschriften vor Dom ein sehr klares Herangehen und Aufzeigen von persönlichen Strukturen und Denkmustern, die es in der Erziehung aufzuzeigen und anzugehen gilt. Nimmt Sub das Strafbuch ernst, nimmt sie auch ihren Dom ernst und vor allem die eigene Submission. Dieser wiederrum vertraut in Sub, um dass Sub ehrlich aufschreibt und kein Schauspiel darstellt, welches Dom`s Verhalten im schlechtesten Fall manipulieren soll.

Manipulieren? Ja, genau das. Steht Sub auf Schläge, könnte dieser doch Vergehen erfinden, um in den Genuss derer zu kommen. Oder Sub empfängt diese lieber nicht und verschweigt deswegen Vergehen gegen zuvor vereinbarte Regeln. Auch dies stellt eine ernstzunehmende Beeinflussung der Erziehungsmaßnahmen dar und beleidigt Dom und ehrt letzten Endes weder Dom noch Sub.

Von daher stellt ein Strafbuch auch immer einen Gradmesser für die wirkliche Substanz und Ernsthaftigkeit ein jeder submissiven Verbindung dar. Macht Euch dies bitte vor Anwendung dieses Disziplinierungsmittels bewusst. Ob von allen Beteiligten oder von einzelnen gewünscht, ein Strafbuch kann Zeiten der Trennung sehr interessant und anregend gestalten und bereichernd überbrücken. Sei es nun innerhalb einer Übergangsphase zwischen zwei Treffen oder im Rahmen einer Online-Erziehung, ein Strafbuch kann ein äußerst reizvolles Mittel der Erziehung und Formung darstellen.

Ein Tipp für Euch:

Bitte verzichtet dabei jedoch auf die Handhabung von Beweismitteln wie zum Beispiel den gerne angewandten Beweisbildern. Warum? Beweismedien sollen dem Namen nach etwas beweisen, also sicherstellen. So oder so sind Beweisvorgänge immer Misstrauensvoten an den anderen gerichtet nach dem Motto: „Zeige mir, dass du es gemacht hast!“ Sub wird es von sich aus wollen und genießen, Dom mit seinen Mitteln zu erfreuen und Doms Vertrauen mehrfach auf seine ureigene Art und Weise wertzuschätzen. Dies liegt in der submissiven Natur eines jeden Subs. Je weniger Dom einfordert, desto mehr bekommt dieser aus freien Stücken von Sub. Einfach mal ausprobieren und neue Wege gehen!

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