Meine Vermarktung

Es ist schon sonderbar…

Da schreibst du völlig unbedarft einige Zeilen. Aus den Zeilen werden Geschichten und so reiht sich auf einmal nach und nach eine weitere Geschichte an. Auf einmal haltest du eine Sammlung deiner persönlichsten Gedanken in deinen Händen, ohne je bewusst beabsichtigt zu haben, diese zu haben.

Genau so entstanden meine ersten Werke. Ich hatte nie bewusst diesen Entschluss gefasst, es ergab sich sozusagen aus dem Moment heraus.

Schon immer habe ich gerne geschrieben, die Wörter und die Sprache waren für mich seit jeher ein Ausdrucksmittel, Gefühle und Erlebtes zu verarbeiten und mit anderen zu teilen. Meinen Physiklehrer konnte ich zum Verzweifeln bringen, meinen Deutschlehrer hingegen verstand ich auf Anhieb.

Als meine Kleine verstarb, hatte ich auf einmal wieder mehr Zeit für mich. Etwas, das ich über eine lange Zeit durch die Vollzeitpflege, die ich gerne machte, kaum hatte. Ich spürte mich wieder viel bewusster. Nicht nur die Mutter in mir, sondern auch die Frau. Und ich spürte, dass ich einen Weg für mich finden musste, um all die schweren Emotionen zu verarbeiten: Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht. An die Verarbeitung derer schlossen sich die angenehmen Gefühle an: Freude, Seligkeit, Begeisterungsfähigkeit, Hoffnung. Bei diesem persönlichen Prozess der Aufarbeitung von Tragik konnte mir kein Mensch von außen helfen, weder ein Familienmitglied, noch Freunde, noch ein Therapeut.

Ob denn ich wundervolle und helfende Gespräche mit meinen Lieben führen durfte, musste ich den wesentlichen Kern von allem mit mir selbst innerlich austragen. Diese Traueraufarbeitung konnte mir kein Nahestehender abnehmen. Daraus entsprang innerlich immer mehr der Drang, Wege der Verarbeitung zu finden, die mir dabei halfen.

Zunächst einmal wurde ich mir meiner wieder viel bewusster. Es ist seltsam, denn ich war fast drei Jahre lang nicht mehr richtig bei mir selbst. Ich lebte für meine Kleine und ihre Pflege. Das war gut so, genauso wählte ich es für uns, so sollte es sein. Dies war mir eine große Herzensangelegenheit. Und doch gab es auch Zeiten, in denen ich schlicht funktionierte, in denen Angst um ihr Leben und Sorge um ihr Wohl alles überschatteten. Anderes gerät dadurch in diesen Momenten vollkommen in den Hintergrund.

Ich weiß noch, wie ich mich das erste Mal wieder ausgiebig schminkte. In aller Ruhe, einfach im Moment verweilend. Oder als ich das erste Mal beim Friseur saß, ohne die Angst zu haben, hoffentlich passiert daheim nichts Schlimmes und der Babysitter möge alles im Griff haben. Oder als ich das erste Mal wieder bewusst shoppen ging, ohne Zeitdruck und entspannt bummelnd. Ich weiß noch, dass ich mir dabei einen Lederrock aussuchte. Dieser ist trendy und erinnerte mich an eine andere Welt, eine Welt, die lange verschollen war: Frau sein, Frausein leben… Dieser Kauf des Lederrocks war eher symbolisch für mich. Schon immer gab mir das Tragen von Ledermode das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit, Weiblichkeit und Selbstbewusstsein. In etwa ist es vergleichbar mit dem Anlegen einer „Uniform“. Kleidung hat nun einmal eine große Wirkung auf unser Wohlbefinden.

Nach einiger Zeit, in welcher ich mich wieder nach und nach bewusster wahrnahm und spürte, kam dieser Drang in mir auf – der Drang zu schreiben. Beinahe war es so, als hätte es diese Zeit mit meiner Kleinen gebraucht, mich wieder zum Wesentlichen des Lebens hinzuführen, so paradox dies möglicherweise klingen mag. Irgendwie leben wir doch oftmals unser Leben, bis auf einmal etwas Großes geschieht und das Leben uns ein Stoppschild vor Augen hält und uns zur Innenschau zwingt.

Wenn ich bei meiner Kleinen am Grab stehe und mit ihr spreche, gibt sie mir Antworten auf meine Fragen. Dann spricht sie zu mir:

„Mama, du warst immer für mich da, ich danke dir. Jetzt sei nicht mehr traurig, es geht mir im Himmel gut. Wir sehen uns doch irgendwann wieder. Lebe dein Leben, auch für mich. Ich konnte es nicht, wie ich wollte, denn ich war krank. Aber du bist gesund, du hast die Möglichkeiten, deinen Traum zu leben. Warte nicht zu lange damit. Denke an dich und vertraue in dich. Ich schaue dir von oben zu und begleite dich auf deinen Wegen.“

Und so war auf einmal alles im Fluss und ging seinen Gang. Mein gesamtes Leben, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, tat sich vor mir auf. Auf einmal spürte ich ohne lange zu überlegen instinktiv, was zu tun war. Ich war in der Pflicht, Verantwortung für mich zu übernehmen und meinen Traum zu leben. Und mein Traum war und ist es unter anderem zu schreiben.

Dabei ließ ich mein bisheriges Leben Revue passieren: Erlebnisse, Begegnungen, Erfahrungen. So fing ich an zu schreiben, durchlebte dadurch die Begegnungen erneut, erlebte vor meinem geistigen Auge die Menschen dieser wieder und spürte wiederholt die damit verbundenen Emotionen. Schlicht gesagt, ich spürte das Erwachen und das Pulsieren des Lebens. Wie es so meine Art ist, war die durchdachte und gelenkte Vorgehensweise bei mir in dieser Hinsicht weniger der Fall, denn bewusst tat ich nichts. So entstanden Schriften meinerseits, fernab des Mainstreams, aus spontanen und besonderen Moment geboren und unschuldig in ihrer Gesinnung.

Nach der Erstellung dieser begegnete mir manchmal, dass es mitunter im Denken der Menschen entweder das Schwarze oder das Weiße gibt.

Wo bleibt das Grau?

Zum Beispiel geht es doch nicht, unterhaltsame Kurzgeschichten zu verfassen und gleichsam auch die Geschichte des verstorbenen Kindes aufzuarbeiten. Solch ein gesellschaftlicher Tonus begegnete und begegnet mir immer wieder. Konventionen und das Korsett der Norm sind sehr präsent im Denken der Leute, dieses gegenseitige Kategorisieren und Einordnen. Fast schon macht es Spaß, nicht die Norm zu bedienen und den Konventionen zu entsprechen, obwohl ich dies nicht bewusst initiiere oder herbeiführe.

So verfasste ich meine persönlichsten Gedanken in der Gesinnung, weitere Gedanken folgen zu lassen, denn es ist mir ein Anliegen zu zeigen, dass eine Frau viele Facetten hat. Oftmals wird ihr ein Korsett auferlegt und ihr eine Facette zugeteilt, die sie dann auch bitte zu erfüllen hat! So verlangen es die gebräuchlichen Werte, welche es zu erfüllen und zu bedienen gilt, um mit dem Strom zu schwimmen und nicht aufzufallen. Auf diese Weise lebst du dein Leben für andere und niemals für dich. Wenn mich eines mein Sternchen lehrte, dann dass unsere geschenkte Zeit auf Erden endlich ist und mitunter schnell zu Ende gehen kann. Konventionen einzuhalten, das ist nun einmal nicht immer das Wahre.

Dann steht sie also immer wieder und mit jeder neuen Niederschrift an, die Vermarktung meines persönlichen Gedankenguts. Es ist schwer zu beschreiben, was das mit einem macht. Einerseits kann es schwer fallen, das persönliche Gedankengut unwiderruflich herzugeben, andererseits möchtest du den Spirit deiner Gedanken weiterreichen. Du möchtest eine Sinnhaftigkeit in die Welt tragen und das geht nur durch Vermarktung.

So sammelte und sammle ich gerade die unterschiedlichsten Erfahrungen, die allesamt spannend sind und mich bereichern, jedoch auch aufwühlen und nahe gehen. Einen Auftragstext zu verfassen mit klaren Vorgaben und darüber ein Feedback zu erhalten ist etwas ganz Anderes, als über dein eigenes Gedankengut eines zu erhalten. Dieser Prozess ist unglaublich spannend und ich danke jedem, der sich Lebenszeit und Muse nimmt, in meine Zeilen einzutauchen und mit mir ein Stück meines Lebensweges zu gehen.

Im besten Fall nimmt sich derjenige beim Lesen meiner Gedanken und Geschichten etwas für sich daraus mit. Dieses wäre für mich das größte Kompliment, denn dann gab mein Wirken auch anderen Menschen etwas Licht und Glück! Genau diese Erfahrung möchte ich dabei als Autorin nicht mehr missen!

Wenn ich von den Erlebnissen und Erfahrungen mit meiner Kleinen schreibe, tue ich das als sehr bewussten Vorgang, denn ich möchte ihr etwas Bleibendes schenken und ihr Wirken und ihre damit verbundene Bereicherung für die Welt teilen und sie damit ehren.

So bleiben Zeilen, welche die Zeiten überdauern…

Wenn ihr kleiner Bruder einmal groß genug ist und vielleicht von seiner Schwester lesen möchte, kann er diese durch das Lesen in Ruhe kennenlernen und ihr somit im besten Fall nahe sein ❤!

Das ist mein Uranliegen, mein Herzblut und meine Intuition in Bezug auf das Verfassen meiner Texte zu ihr und nicht zuletzt meine Aufgabe als Mutter.

Und wisst Ihr was? Auch wenn es mitunter schmerzt, freue ich mich sehr darauf!

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