Gastbeitrag: Vermeintliches Kennen in sozialen Netzwerken und der Außenwirkung dessen

Tagtäglich lerne ich mitunter sehr sympathische Menschen kennen mit interessanten Geschichten und Lebensläufen. Einige von ihnen erweisen mir die Ehre und lassen mich an sehr persönlichen Einsichten ihrer teilhaben. Einer von diesen Menschen ist ein Mann in den Vierzigern, der diesen Gastbeitrag zum Thema: „Vermeintliches Kennen in sozialen Netzwerken und der Außenwirkung dessen“ verfasste. Vielen Dank dem Autor für das Teilhaben lassen an diesen sehr emotionalen Gedanken:

„Bist Du echt oder ein Chamäleon?
In vielen sozialen Netzwerken gibt man viel von sich preis. Doch wie hoch ist dieser Preis wirklich?

Ich spreche einfach von mir selbst. Ich mag soziale Medien und den digitalen sozialen Austausch mit Schulkollegen, Bekannten und Freunden. So begann das früher. Das ist die virtuelle Welt.

In der realen Welt ist dem nicht so. Sehr früh wurde ich gehänselt, war wohl zu klein und zu dürr und habe Spitznamen bekommen, die ich nicht mochte. Kinder können gemein und grausam sein.

Diese Erlebnisse trägt man mit sich, egal wie gut das Elternhaus ist. In der Pubertät ging das dann so weiter. Irgendwann kam der Wendepunkt mit den Fragen: „Wer bin ich? Wer will ich sein?“

Ich begann Ich zu werden und holte das Tiefste aus mir raus. Meine Devise wurde: Nie wieder understanding!

So lernte ich, meine Meinung zu sagen. Ich zeigte allen, wer ich wirklich bin. Meine Mutter wollte nicht, dass ich zur Bundeswehr gehe. Dennoch ging ich.

Der Jüngelsken war nicht mehr!

So habe ich viel gesehen, auch sehr viel Unschönes. Sowas erdet wieder und dies ist auch verdammt gut so. Die sozialen Netzwerken werden mehr, werden persönlicher und individueller. So wirst du zu einem sogenannten Account, beinhaltend eine Ava und eine Biographie; es entsteht ein Scheinbild ob gewollt oder nicht gewollt. Dieses Scheinbild ist subjektiv.

Ich sehe mich als Chamäleon: Ein Til Eulenspiegel, der den Leuten den Spiegel vorhält. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin ein harmonischer Mensch, aber ab und zu reitet mich der Teufel. Da kann ich dann nicht anders. Dieses wird mir dann oft als Arroganz, Überheblichkeit oder „Arschlochverhalten“ ausgelegt und gedeutet. Ich möchte zum Denken anregen und spiele mit Gedanken, Einstellungen und profanem Denken.

Es liegt in der Natur der Sache gefallen zu wollen, da spreche ich mich nicht frei von. Manches schmückt man aus, manches nicht. Manche Menschen erschaffen ein virtuelles, digitales Ich. Das ist ok. Ich kenne Menschen, die ein komplett anderes Ich haben als in der normalen Welt. Sowas kann gefährlich enden, wenn sich die Realität vermischt mit der digitalen Welt. Eine Abhängigkeit und eine Sucht nach Bestätigung, ein „Ich“ so wie ich sein will, aber wohl niemals sein werde.

Vorsicht!

Wenn man sich seiner bewusst ist, lass die digitale Welt eine Bühne sein und wir sind die Zuschauer. Manche dieser Zuschauer durchschauen die Scharade, andere nicht.

Ich verbleibe mit einer Verbeugung. Der Vorhang schliesst sich und aus dem Lautsprecher ertönt: „Wir lesen und sehen uns im Internet!“

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.“

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