Das Urteil

-Eine Selbstreflektion-

Dieser Artikel dient meiner persönlichen Aufarbeitung und Selbstreflektion meines Verhaltens. Er dient nicht zur Instrumentalisierung für Cybermobbing, Meinungen anderer oder der Parteiergreifung. Auch soll er nicht triggern, verletzen, den moralischen Zeigefinger erheben oder anprangern. Er steht auch nicht zur Diskussion, da es um meine persönlichen Erfahrungen geht.

Gerne soll er zum Nachdenken anregen und vielleicht dem ein oder anderen Inspiration und Bereicherung sein, das würde mich von ganzem Herzen freuen.

Vielen Dank.

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Es war vor einigen Wochen: Gerade hatte ich mein erstes E-Book herausgegeben und wollte es in den Fokus der Öffentlichkeit heben, dass es wahrgenommen wird. So wird dir als Autor geraten, dein Werk zu verschenken, um dass viele Menschen es lesen können. Das war ungewohnt für mich, dennoch wollte ich es ausprobieren.

So schrieb ich verschiedene Menschen auf Twitter an, ob sie mein Buch geschenkt bekommen möchten, unter anderem auch @OpheliaBDSM.

Ich erhielt viele herzliche Rückmeldungen, Zu- und Absagen, es war schön, sich auszutauschen. Doch von @OpheliaBDSM bekam ich keine Antwort. Irgendwie ärgerte mich das, denn ist es nicht ein Gebot der Höflichkeit, eine Rückmeldung zu geben? Dabei ging es mir nicht um eine Zusage, sondern generell um ein Feedback. Die Tage vergingen, ich war beschäftigt und hatte viel um die Ohren.

Immer noch keine Antwort von ihr.

Ich klickte ihren Account an, den ich zuvor nur flüchtig überflog, da ich sah, sie ist dem BDSM verbunden. Das reichte mir seinerzeit als Information, da es zum Buchinhalt passte.

Aha, ein Großaccount, natürlich! Und das Profilbild, High-Heels in Szene gesetzt.

Mein Urteil war gefallen:

Ein arroganter Großaccount, der sich eingebildet und selbstüberzeugt nicht um die Kleinen schert. Bestimmt eine inszenierte, von sich eingenommene Persönlichkeit, die meint, DAS BDSM zu definieren.

Das Urteil stand, Haken dran, fertig!

Die Wochen gingen dahin. In letzter Zeit häuften sich Tweets in meiner TL auf Twitter, die sie betrafen. Die Inhalte waren unschön. Ich dachte: „Jetzt sehen wohl noch mehr Leute ihre Arroganz. Dies kann keiner über längere Zeit verschleiern, wenn kein Herz hinter einem Account steht, sei er groß oder klein.“

Die Tweets mit unschönem Inhalt häuften sich. Da waren auf einmal zwei Stellungnahmen ihrer dabei.

Es war abends, ich hatte gerade Ruhe und Zeit, wollte zuerst weiterscrollen, da hielt ich inne.

„Hast du dich richtig verhalten in Bezug auf diesen Menschen?“, kommt es mir auf einmal in den Sinn.

Ich begann zu lesen, in aller Ruhe. Versetzte meinen Geist in die Situation, als begegnete mir dieser Mensch zum ersten Mal…

Und so las ich die emotionalen, ergreifenden und tief berührenden Worte einer Frau. Meine Interpretation war, dass ich eine Person spürte, die vermeintlich am Boden lag… Mit dem Rücken zur Wand stand. Ich interpretierte eine bedrohte Existenz, grenzüberschreitendes Eingreifen in ein reales Leben. Ich interpretierte Verzweiflung, Bedenken, Schmerz, Entsetzen, Enttäuschung.

Die Inhalte waren für mich dabei unwesentlich. Ein Mensch stand in der Mitte… Und wurde umringt von anderen Menschen.

Ich spürte kein Mitleid, doch Empathie für diesen Menschen. Die Inhalte, die ich las, sie waren und sind für mich unwesentlich, denn sie sind privat und betreffen mich nicht persönlich.

Ich kann dazu als nicht Beteiligter nichts sagen. Doch ich spürte einen Menschen, der sein Herz auf einem Tablett darlegte, der sich auszog, der nackt vor mir stand.

Ich mag das Bild nicht: Ein Mensch steht alleine in der Mitte.

Und ich öffnete mich für diese Frau und nahm sie wahr: subjektiv, vorurteilsfrei, essentiell.

Ein arroganter Mensch, legt er sein Herz anderen vor die Füße?

Ich sah auch Ecken und Kanten, sah auch Fehlbarkeit. Doch wäre es nicht schlimm gewesen, diese nicht zu sehen?

Und ich realisierte, dass ich ziemlich dumm gewesen war und mich falsch verhalten hatte. Ich hatte sehr vorschnell über einen Menschen geurteilt, den ich weder kannte und noch mit dem ich mich nicht wirklich im Vorfeld auseinandergesetzt hatte.

Meine Motivation seinerzeit war schlicht gekränkte Eitelkeit.

Jedem steht es zu, zu antworten oder nicht zu antworten. Wir sind alles freie Menschen.

Wer kennt schon einen Menschen so gut, um all seine Beweg- und Motivationgründe zu kennen?

Wer vermag alle Faktoren abwägen zu können, um reinen Gewissens ein Urteil über einen anderen Menschen zu fällen?

Sollte man das überhaupt, ein Urteil fällen?

Ich hatte vorschnell geurteilt… Und merkte, dass ich das wohl manchmal im Alltag tue.

Dieses vorschnelle Urteilen… Es ist einfach und bequem, weil ich mich mit eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlern nicht auseinandersetzen muss.

Ich mag nicht sagen, was richtig und was falsch ist. Das steht mir nicht zu und wäre anmaßend. Im Leben gibt es oftmals viel Grau, wo Schwarz oder Weiß vermutet wird…

Doch eines lehrten mich die Ereignisse dieser Tage:

Urteile, wenn du meinst urteilen zu müssen, niemals vorschnell. Lerne den Menschen kennen, höre ihm zu.

Denn möchtest du umringt in der Mitte stehen?

Veröffentlicht von Autoringewürztmitherz

Willkommen! Fühle Dich wohl bei mir und entspanne Dich bitte! Es würde mich freuen, meine Worte könnten Dich bereichern! Ich bin Autorin, und alle meine Artikel sind "Gewürzt mit Herz". Viel Spaß!

2 Kommentare zu „Das Urteil

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