Der Boxer, Teil 1

Es war geradezu magisch… Diese Freitagabende im Hallenbad. Bis 22 Uhr war immer geöffnet. Draußen lag alles im kompletten Dunkel, umso eindringlicher reflektierten die Glasscheiben das Geschehen in der Schwimmhalle. Das Wasser wurde oftmals stimmungsvoll beleuchtet, die Deckenbeleuchtung gedimmt. Da keine Vereine mehr trainierten, gab es keine abgetrennte Bahnen mehr, die Schwimmer konnten frei im Becken ihre Bahnen ziehen. Freitagabend waren oftmals die gleichen Schwimmer anwesend, die Stammkunden- so wie ich zu diesen zählte.

Wie immer nahm ich mir vor, zumindest eine halbe Stunde durchzuziehen. Freitags fiel mir das immer schwer, denn oftmals war ich etwas müde von der Woche. An diesem Abend trug ich einen roten Triangel-Bikini mit weißen Tüpfelchen und Rüschenvolant an Oberteil und Höschen.

Eindringliche Augenblicke

Ich hatte schon ungefähr die Hälfte hinter mir, da fiel mir ein Mann am anderen Ende des Beckens auf, der gerade eine Schwimmpause einlegte und mich eindringlich betrachtete. Ich schaute kurz in seine Richtung, konnte sein Gesicht jedoch nicht deutlich erkennen, da er sich im schummrigen Licht befand.

Mir fiel sein Oberkörper auf. Und Oberarme, die ihn am Beckenrand hielten. Meine Herren, war dieser Mann stark. Muskelbepackte Arme liefen in einen Brustkorb über, der definierter nicht hätte sein können. Der Mann fuhr sich mit einer riesigen Hand durch sein blondes kurzes Haar, bevor er sich zu voller Größe aufrichtete, auftauchte und seinen Körper bis zum Bauchnabel freilegte.

Dann fuhr er sich mit dieser Riesenhand über seine glatte Brust und schaute mich die ganze Zeit über an. Ein blaues Schimmern ließ mich nicht mehr los. Ich reagierte auf ihn und spürte leichte Erregung in mir aufsteigen. Verlegen senkte ich meinen Blick und schwamm wieder los.

Der Mann tat es mir gleich und durchpflügte das Wasser. Es war erkennbar, dass er seinen Körper trainierte und im Griff hatte, auch mental. Er schwamm konzentriert, ausdauernd und zielführend. Während den kurzen Drehungen am Beckenrand bemerkte ich im Blickwinkel, dass seine Augen immer wieder auf mir ruhten. Irgendwie schien sich der Abstand zwischen uns zu verringern, obwohl ich meine Position nicht verändert hatte.

Das Kennenlernen

Und so kam es, dass er auf einmal direkt in der Bahn neben mir schwamm. Er erreichte vor mir den Beckenrand. Als er sich erhob, erhaschte ich einen Blick auf seinen mächtigen Rücken.

Er zog die Schwimmbrille ab, die er aufgrund des Kraulens getragen hatte. Schwungvoll drehte er sich auf einmal zu mir um und sah mir zu, wie ich die letzten Meter zurücklegte, bis ich den Rand des Beckens auch endlich erreichte. Er drehte sich synchron mit mir, Beide schauten wir eine Weile nach vorne und sahen unser Siegelbild im Fenster vor uns.

Unvermittelt wandte er sich plötzlich mir zu und sagte mit tiefer Stimme: „Hallo.“

Ich drehte mich ihm zu und blickte in ein solch blaufunkelndes Augenpaar, wie ich es noch nicht erlebt hatte.

Ein helles, klares Blau mit Schatten von Grau. Ein Drei-Tage-Bart mit leicht rotblonder Note schmückte sein Gesicht, seine Wimpern und Augenbrauen standen hingegen im dunkleren Kontrast zu seiner hellblonden Haarfarbe. Er lächelte mich offen und liebevoll an, zeigte seine schönen, gepflegten Zähne.

Faszinierende Vertrautheit

Ich konnte garnicht anders, als sein Lächeln zu erwidern. „Hallo“, antwortete ich.

„Ich heiße Waldemar.“

Anstatt ihm zu antworten, musterte ich ihn unauffällig.

„Wie heißt Du?“, hakte er nach.

„Julia.“

„Julia… Ein schöner Name. Es freut mich Dich kennenzulernen.“

Er kam einen Schritt auf mich zu, eine Bugwelle erreichte mich, als er mir seine Hand zur Begrüßung reichte.

Mein Gott, waren das Pranken! Riesige Handteller, dicke Finger, ein kräftiger Händedruck. Meine eigene Hand verschwand in diesem Händedruck komplett.

Mir gefiel dieses höfliche Auftreten. Er ehrte mich damit auf eine ganz urtümliche Art und Weise. Sein Blick glitt unauffällig über meinen Körper, als er wieder etwas zurückwich.

„Du bist immer freitags hier, nicht wahr? Ich sehe Dich schon länger und habe mein Training so gelegt, Dich hier anzutreffen.“

Interessant, wie man doch gesehen wird… Er war mir bisher nicht bewusst aufgefallen.

„Was trainierst Du denn?“

„Ich bin Boxer. Krafttraining gehört auch dazu. Am Schluss gehe ich dann immer schwimmen für die Kondition.“

„Das ist nicht zu übersehen“, äußerte ich spontan ohne nachzudenken. „Eigentlich bist Du garnicht mein Typ. Das sind mir fast zu viele Muskeln.“

Verwegen grinste er mich an: „Dafür bist Du genau mein Typ. Bist Du Single? Da schwimmt manchmal ein Mann mit Dir“.

„Das ist vermutlich Rouven, den Du meinst. Wir treffen uns als auch hier. Er geht auch regelmäßig schwimmen. Ich bin aber nicht mit ihm zusammen. Er kommt gerade aus einer Beziehung, er will erstmal keine Freundin…“

Ungeahnte Fürsorge

Waldemar musste auf einmal lachen. „Quatsch. Ich habe euch beobachtet. Er will was von Dir. Nur ein dummer Mann will Dich nicht.“

Er sagte es sehr bestimmt und eindringlich, und als ich ihm widersprach, meinte er:

„Julia, Du wirst immer gewollt sein. Ich sehe es in Deinem Gang, Du hast Stil. Dein Lachen ist herzlich und Dein Herz ist ehrlich. Das sehe ich alles. Das wirst Du auch als alte Frau noch haben!“

Ich war seltsam berührt von seinen Worten. Er sprach mit mir, als würden wir uns schon Jahre kennen, es war eine Intimität zwischen uns spürbar, die mit Sexualität nichts zu tun hatte. Er erzählte, er habe eine Firma, die Personenschutz anbietet. Daher sein wacher Blick auf seine Umgebung.

Ich hatte ein Gefühl des absoluten Vertrauens. Instinktiv wusste ich, dass dieser Mann immer gut zu mir sein würde, immer aufrichtig und loyal. Seine Augen waren grundehrlich, seine Absichten rein. Er sah optisch aus wie der geborene Checker, doch spürte ich Güte und ein riesengroßes Herz. Seine scharfe Wahrnehmung hatte nichts mit Kontrollwahn zu tun. Dieser Mann sorgte sich um mich und mein Wohlergehen. Und das nach dieser kurzen Zeit…

Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Gewidmet: Waldemar

Veröffentlicht von Autoringewürztmitherz

Willkommen! Fühle Dich wohl bei mir und entspanne Dich bitte! Es würde mich freuen, meine Worte könnten Dich bereichern! Ich bin Autorin, und alle meine Artikel sind "Gewürzt mit Herz". Viel Spaß!

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