Das erste Weihnachtsfest ohne mein Sternchen

Das erste Weihnachtsfest ohne meine Kleine. Dabei musste ich viel an sie denken, immer wieder, und stellte ihre Taufkerze zu uns auf den Tisch, um dass sie bei uns sein konnte.

Es sind vor allem die kleinen Momente, in denen ich an mein Sternchen denke. Ein plötzlich auftauchendes Spielzeug, ein Strampler von früher, das eine Bilderbuch, das sie immer so mochte, das eine Kinderlied, das sie immer so mochte…

Immer mal wieder kommen mir dann die Tränen; so müssen sie doch fließen, um den Schmerz zulassen zu können, sonst könnte dieser toxisch werden. Die Zeit heilt gewissermaßen, in der Tat, doch eine Wunde wird immer bleiben. Zwar mit Schorf überzogen, doch nie ganz geschlossen.

Viele Erinnerungen kamen mir wieder in den Sinn…

Musste sie doch ihr erstes Weihnachtsfest auf der Intensivstation verbringen, einmal sogar auf Leben und Tod.

In diesen Tagen habe ich mich entschlossen, all ihr Wirken zu ihren Ehren niederzuschreiben. Mir ist es ein Bedürfnis, dass etwas von ihr bleibt.

An dieser Stelle möchte ich euch danke für eure tolle Unterstützung in Form von lieben Worten und Gesten sagen, ihr seid wundervoll, jeder von euch! ❤

Wie es der Zufall so will, traf ich die Tage die ehemalige Babysitterin meiner Kleinen. Dann geschah dies:

————————————————————————————–

Gerade gehe ich die Straße entlang, welche mich vom Friedhof wegträgt, da höre ich ihre Stimme. Die Stimme der jungen Frau, die einst Babysitter bei meiner Kleinen war. Viele hatten Angst, meine Kleine in meiner Abwesenheit zu betreuen. Ich konnte sie alle verstehen und habe niemandem einen Vorwurf deswegen gemacht. Da stand sie wieder vor mir und sah aus wie ein Engel mit ihren blonden feinen Locken und ihrem unsicheren Lächeln. Eine junge Frau, die bisher das Glück hatte, noch kein Leid erfahren zu müssen. So fragte sie mich aufgeregt:
„Wie geht es Ihnen? Ich habe davon gehört.“

„Es ist nicht schön“, antwortete ich ihr direkt.


„Waren Sie gerade bei ihr?“, fragte mich die Babysitterin.
„Ich gehe nahezu täglich zu ihr zum Grab, ja. Weißt Du, wo ihr Grab ist, möchtest Du auch mal hin?“
Der ehemalige Babysitter wurde rot, trotz der frühen Dunkelheit konnte ich es deutlich erkennen.
„Alles gut. Du hast angefangen zu studieren, wie geht es Dir?“

Sie erzählte mir von ihrem anspruchsvollen Studium, dass sie froh sei, ein paar Tage durchatmen zu können. Lange blickte ich ihr in ihre strahlend blauen Augen. So jung und das Leben steht vor ihr mit all seinen Möglichkeiten, denke ich mir.
„Du kannst Dir auf deine Schulter klopfen, ein solches Studium ist sehr anstrengend. Lobe Dich selbst einmal, das hast Du verdient.

Sie lächelte verlegen…


„Ich wünsche Dir, dass Du nie Leid in Deinem Leben erfahren musst. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen. Ich habe angefangen zu schreiben. Es war schon immer mein Traum gewesen, die Worte schon immer ein wichtiges Medium zum Ausdruck. Mit meiner Kleinen fand ich durch die Vollzeitpflege schlichtweg nicht die Zeit dafür. Jetzt wird es Zeit…“
„Wie schön, das finde ich klasse! Darf ich die Arbeiten lesen? Ich vermisse sie sehr. Ich fühle mich ihr dann wieder nah.“


Tränen kommen mir. Das ist es, denke ich mir, meine Kleine wird in meinen Werken weiterleben. Sie ist gestorben, doch ihr guter Geist ist bei uns – nicht nur bei mir. Vielen Menschen schenkte sie von ihrer Fröhlichkeit, so wie dieser jungen Frau hier vor mir.
„Gehe sie ruhig besuchen. Sie merkt, wenn Du bei ihr bist. Sie freut sich bestimmt, Dich wieder einmal zu sehen. Sie mochte Dich immer sehr.“


Wir verabschiedeten uns. Als sie sich abwandte zum Gehen, sah ich ihre Tränen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s