Sub=Des Doms Therapeutin?

Ein gewagter Titel, nicht wahr?

Ist doch der Dom der starke und dominante Part im D/S-Gefüge…

Oder?

Eine Sub ist, unabhängig ihrer individuellen Vorlieben, entgegen der landläufig oft verbreiteten Meinung, keinesfalls schwach.

Im Gegenteil. Eine Sub ist getragen von Charakterstärke, von mentaler Größe und einem großen liebenden Herz.

Oftmals durchschritt Sub schon so manches Tal, um die Berge ihres Lebens zu erklimmen. Sie kennt die Bedeutung von Leid und Kummer, leider viel zu oft.

Nun trifft Sub auf einen Dom. Einen Mann, der Eloquenz, Charisma und Charme versprüht. Und eine latente dominante Präsenz.

Er stellt sich vermutlich nicht in den Vordergrund. Ist kein Checker oder Player. Und doch nimmt er jeden Raum mit seiner stillen,drängenden Aura ein…

Ein Dom ist oftmals ein Mensch, der selbst in seinem Leben Unglück und Leid erfuhr. Vielleicht auch traumatische Situationen durchstehen musste. Ein Mensch, der schonmal am Boden lag. Doch der sich wieder aufrappelte. Den Dreck abschüttelte… Und siegte.

Er kennt Schmerz.

Und das ist der Grund, warum er Dom ist. Er kennt den Himmel, den man finden kann, wenn der Schmerz geschafft wurde zu besiegen. Er kennt den Weg. Er kennt den Prozess der Heilung. Denn er erfuhr es am eigenen Leib.

Natürlich meine ich das nicht allgemeingültig für alle Dom und Sub, denn das wäre diskriminierend, und das liegt mir mehr als fern.

In meinem Artikel nehme ich Bezug zum gelebten BDSM mit Schmerz, denn das ist für mich persönlich ein wichtiger Bestandteil dessen.

Auch mit einem Vanilla-Mann ist tiefe Vertrautheit und Liebe, doch ein Vanilla-Mann trägt nicht den Schlüssel in sich. Den Schlüssel zum Betreten des Himmels durch Schmerzerleben.

Den Schlüssel?

Ja, ich möchte es so bezeichnen. Ich sehe Sub und Dom in einem symbiotischen Verhältnis zueinander.

Der Eine trägt den Schlüssel des Anderen in sich… Zu deren beider Himmel.

Ein Dom, mein Dom, steht an dieser Pforte. Zu meinem ganz persönlichen Himmel.

Er geht mit mir den Weg des Schmerzes… Und nur er trägt den Schlüssel in der Hand und vermag diese Pforte zu öffnen, um dass ich in meinen Himmel eintreten kann und fliegen. Das obliegt einzig und allein ihm. Er trägt meine Seele in seinen Händen.

Und andersrum verhält es sich genauso. Ein Dom hat seine Sub, oder mehrere Sub. Diese Sub hält den Schlüssel in ihren Händen, um Dom seinen Himmel erfahren zu lassen. Sub trägt des Dom Seele in ihren Händen.

Es ist meiner Meinung nach diese Symbiose, die Sub und Dom aneinander bindet. Das Fundament ihrer Zweisamkeit. Der Eine kann ohne den Anderen nicht seinen Himmel finden…. Beide brauchen sich und bedingen einander. Zwei Seiten einer Medaille.

Schmerz zu durchleben, auszuhalten, fühlen zu wollen…. Setzt in unserem Körper neurobiologisch gesehen starke Botenstoffe frei, zB. Adrenalin.

Diese Botenstoffe verbinden sich unmittelbar mit unserem Geist, lassen uns über uns hinauswachsen, wenn wir es möchten, das Schmerz- und Lustzentrum im Gehirn miteinander zu verbinden.

Unsere beidseitigen Gefühle ebnen den Weg zur Bereitschaft, Schmerz als lustvoll empfangen zu wollen.

Der Grad zwischen Lust und Frust ist dabei individuell extrem verschieden und bedarf guter Kenntnis meines Gegenübers.

Schon Urvölker bedienten sich Schmerzritualen, um in eine Art Trancezustand zu gelangen.

Diesen Trancezustand zu erreichen, ich nenne ihn Himmel, ist ein mächtiger Wunsch in uns. Eine gewisse Abhängigkeit kann voneinander dadurch entstehen, ohne dies als schlecht werten zu wollen. Das ist Symbiose. Zwischen Sub und Dom. Dieses starke Gefühl absoluter Zusammengehörigkeit und tiefster Liebe.

Doch sollte Sub deswegen niemals zu Dom’s Therapeut werden. Sonst entstehen ungute Abhängigkeiten, die am Ende keinem der Beteiligten mehr gut tun.

Damit meine ich nicht das tragende Miteinander, die guten gemeinsamen Gespräche, das Zusammenstehen im Alltag, das sich den Rücken stärken.

Sondern: Keiner von Beiden sollte es als Macht über den Anderen ansehen, dessen Schlüssel zum Himmelglück zu tragen. Das entspricht nicht der Seele und Essenz des BDSM.

Macht auszunutzen ist charakterlich schwach. Und kann tiefste Verletzungen verursachen. Übrigens auf beiden Seiten. Opfer sind immer Beide. Ein toxischer Kreis.

Das ist pathologisch, sprich krankhaft.

In diesem Fall sollte Sub sich dessen bewusst werden… Und Dom ebenso.

Denn Keiner sollte des Anderen Therapeut sein.

Photo by Alexandr Nikulin on Pexels.com

Veröffentlicht von Autoringewürztmitherz

Willkommen! Fühle Dich wohl bei mir und entspanne Dich bitte! Es würde mich freuen, meine Worte könnten Dich bereichern! Ich bin Autorin, und alle meine Artikel sind "Gewürzt mit Herz". Viel Spaß!

6 Kommentare zu „Sub=Des Doms Therapeutin?

  1. Wundervoll geschrieben…lebendig und bildhaft. Und das Wesentliche sehr gut herausgearbeitet. Es ist ja immer eine Reise …etwas was ich aus meiner Jugend von Doktorspielen (also unbewussten) suchenden experimentierenden Begegnungen am besten beschreiben kann…es bleibt noch immer eine Suche. Sexualität ist immer da.. lebendig, sich verändernd und entwickelt sich….ich beobachte..was damals da war…ist es auch heute…aber manche Dinge haben sich entwickelt…wiebwichtig doch gesundes probieren ist… in der Kindheit und heute als Erwachsener… und manchmal ist da dieser von dir beschriebene Himmel!!

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